Wahlkampfhilfe für die Piraten

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Bild: Agenda 2013

Union und FDP haben sich heute zu einem sogenannten Koalitionsgipfel getroffen. Kontroverse Themen wurden schon im Vorfeld ausgespart, schließlich hat diese Koalition keine gemeinsame Basis mehr, sie hatte sie niemals. Dementsprechend hat man sich auf Kleinigkeiten, sinnvolle und weniger sinnvolle, geeinigt. Über die vereinbarten Punkte lässt sich politisch kaum zünftig streiten, sie sind Zeugnis einer gescheiterten Bundesregierung. Ein Punkt allerdings hat mich dann doch laut auflachen lassen:

LEISTUNGSSCHUTZRECHT/URHEBERRECHT: Die Koalition will das Urheberrecht im Internet stärken. Suchmaschinenbetreiber mit Nachrichten-Angeboten wie Google News schütten für ihre Veröffentlichung von Presseartikeln eine Abgabe an die Verlage aus, an der die Autoren und Kreativen beteiligt werden.

Unsere Bundesregierung möchte Google News also in Zukunft dazu zwingen, dass sie Zeitungen und Zeitschriften dafür bezahlen, wenn diese von Google News verlinkt werden, dadurch Besucher auf die Seiten kommen und diese damit Geld verdienen. Das ist ja mal spannend. Vielleicht sollte ich jedem meiner Follower auf Twitter und Google+ zukünftig für die Beiträge Geld abknöpfen, in denen ich auf F!XMBR verweise. Unsere Bundesregierung ist nicht nur gescheitert, sondern schlicht und ergreifend unfähig.

Die Piraten können sich entspannt zurücklehnen. Egal ob Diskussionen am rechten Rand oder über die Spackeria, die etablierten Parteien werden auch zukünftig dafür sorgen, dass immer mehr Wähler Abstand von Regierung und Koalition nehmen und ihr Kreuz bei der Piratenpartei setzen. Und bevor Rot-Grün jetzt jubelt: Unter Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün wäre eine ähnliche Entscheidung getroffen worden. Für die Piraten ist das Leben derzeit sehr entspannend. Die fünf etablierten Parteien sorgen im Moment dafür, dass die Piraten parteipolitisch Alice im Wunderland erleben.

Und Google News? Vielleicht sollte man in Mountain View einfach mal den Lobbyisten des Axel-Springer-Konzerns, der FAZ und allen anderen Schreihälsen, die heute Abend einen Etappensieg feiern dürfen, die Grenzen aufzeigen. Google News wäre dringend zu empfehlen, die beteiligten Verlage aus dem Google-News-Index zu schmeißen. Es wird Niemand gezwungen, dort zu erscheinen. Es geschieht Alles freiwillig. Ich fände so ein Experiment ja sehr spannend, wenn Google einfach mal sagen würde, bis hierhin und nicht weiter. Na, was sagste, Google?

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11 Antworten zu “Wahlkampfhilfe für die Piraten”

  1. Heiko sagt:

    Und wenn Du für jedes Teilen oder Retweeten Deiner Posts auch noch Geld verlangen würdest, wärst Du ruck-zuck steinreich ;-)

    Ich bin ja mal gespannt, wie die das in der Praxis umsetzen wollen. Das Leistungsschutzrecht dürfte noch ne Menge Popcorn Potential haben :-)

  2. Sven sagt:

    ich bin auch mal gespannt wie Google sich verhält. Obwohl ich befürchte das ´ne längst fällige Demo wer hier eigentlich von wem profitiert ner eiskalten Profitkalkuation und Konsensfindung untergeordnet wird. Bleibt aber spannend!

  3. @fastniemand sagt:

    hehe :D
    Alice mit Augenklappe :D

  4. Anonymous sagt:

    ich finde auf die schnelle leider keinen link dazu, aber in belgien oder frankreich hatte mal ne zeitung wegen eben diesem thema geklagt und google hatte die dann aus dem index genommen. die folgen kann man sich denken…

  5. Tobi sagt:

    Mich würde mal interessieren was passiert wenn Google den Spieß umdreht und den Verlagen anbietet ihre Nachrichten auf Google News besser zu platzieren. (was den Dienst an sich natürlich unbrauchbar machen würde)
    Tut mir leid, aber kann eine Regierung deutlicher sagen, dass sie den Verlagen beim Geldverdienen helfen wollen.

  6. […] f!xmbr (darf auf den Artikel bei Golem sehen ;) […]

  7. […] Irrsinn. Es schadet den Verlagen, schädigt den Standort Deutschland und ist eindeutig eine Wahlkampfhilfe für die Piraten. Ich glaube, das war der letzte Versuch der Koalition, das Aufregungspotential im Netz zu testen […]

  8. Wolfgang sagt:

    Ich würde mir wünschen, das Google den Newsdienst mal für 4 Wochen einstellt. Keine Inhalte — keine Kläger, nur lange Gesichter bei den Verlegern. Google braucht die Verleger nicht.


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