Wahlempfehlung: Stärkt die Opposition!

Wir sind das VolkIn den letzten Tagen wurden wir mehrfach aufgefordert, eine Wahlempfehlung auszusprechen. Nur leider muss ich die Piratenpartei wieder enttäuschen — dass diese über 5% kommt ist so wahrscheinlich wie eine Massenorgie im Vatikan. Die Demoskopen rudern seit ein paar Tagen erwartungsgemäß von ihrem Schwarz-Gelben Träumen zurück, um am Wahlabend zumindest halbwegs glaubwürdig zu erscheinen. Ich glaube, Kaffeesatzleserei beruht auf einer seriöseren Wissenschaft als die Veröffentlichungen von Forsa & Co. Gleichzeitig gibt es in den etablierten Medien ein Trommelfeuer pro Schwarz-Gelb — neben all den Verflechtungen zwischen Politik und Medien ein weiterer Beweis, dass es unabhängigen Journalismus in Deutschland nicht mehr gibt. Monatelang arbeitete man in den Redaktionen Hand in Hand mit den Demoskopen pro Schwarz-Gelb — nun ist die Panik wieder einmal groß. Journalismus im Jahre 2009. Selbst die taz erklärt heute, bei aller berechtigten Kritik an unserer Entwicklungsministerin, dass Heidemarie Wieczorek-Zeul in ihrem Amt gescheitert ist. Der Geist der BILD wirkt bereits nachhaltig.

Doch darum soll es hier nicht gehen. Gestern Abend waren in der Sendung von Anne Will Peer Steinbrück und Karl-Theodor zu Guttenberg zu Gast. Selbstverständlich eine typische Wahlkampfveranstaltung mit der so genannten Journalistin Anne Will als Stichwortgeberin. Doch wer zwischen den Zeilen lesen kann, der kann nach den Äußerungen der beiden deutschen Polit-Superstars erahnen, was auf die Menschen in unserem Land nach der Wahl zukommt. Peer Steinbrück gab zu Protokoll, dass es nach der Bundestagswahl garantiert Veränderungen auf der Einnahmen– und Ausgabenseite geben müssen — schon allein, um die neue Schuldengrenze einzuhalten. Für Guttenberg werden Jahre kommen, wo gespart werden muss und manches Liebgewonnene auf den Prüfstand muss.

Was Steinbrück meint, ist offensichtlich: Die Ausgabenseite ist in den letzten Monaten stark belastet worden. Der deutsche Staat hat Milliarden in das marode und unmenschliche Finanzsystem gesteckt. Nun ist es an der Zeit, das Geld wieder reinzuholen. Bei wem dies geschieht, ist ebenso klar: Nicht die Verursacher zahlen die Zeche, sondern der ganz normale Steuerzahler, der Arbeiter, der Angestellte — die untere Schicht und auch die Mittelschicht. Guttenberg hat das Liebgewonnene selbstverständlich nicht präzisiert — doch auch hier muss man kein Prophet sein, um zu wissen, was gemeint ist: Nach der Wahl wird es einen sozialen Kahlschlag sondergleichen geben.

Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert — diesen Ausspruch haben Union und SPD zur obersten Maxime erhoben. Wäre es nicht mit so drastischen Folgen für die Bürgerinnen und Bürger verbunden könnte man glatt darüber lachen, dass Union und SPD hier von Sachzwängen und Pragmatismus sprechen — wie wir wissen, auch die Aussage vieler Piraten. Die Menschen werden sich nicht wehren (können). Es wird vereinzelt wieder zu Montagsdemonstrationen kommen, im Osten wird die NPD gestärkt, unsere Demokratie nimmt durch das Verhalten der Großen Koalition großen Schaden. Nach der Wahl ist diesmal nicht vor der Wahl. Nach der Wahl fegt ein Sturm der Streichungen und Beitragserhöhungen über unser Sozialsystem hinweg. Die Vehemenz mit der Union und SPD vorgehen werden, lässt mich schon jetzt erschaudern.

handschellen_groko
Plakate: Wahlkampf 09

Es werden vier weitere Jahre Große Koalition auf uns zukommen. Gegen eine solche Regierungsmacht kann sich eine Opposition kaum wehren, von den Menschen in diesem Land ganz zu schweigen. Zudem üben sich Grüne, Linke und FDP eher darin, sich von einander abzugrenzen und ihre Unterschiede offen zu legen, ihren Job als Opposition haben sie in den letzten Jahren nur unzureichend wahrgenommen. Dies muss sich ändern, gerade in den bevorstehenden Zeiten. Will dieses Land nicht einer Großen Koalition hilflos ausgeliefert sein, muss die Opposition massiv gestärkt werden. Grüne, Linke und FDP dürfen in den nächsten vier Jahren ihre Unterschiede natürlich nicht vergessen, aber in erster Linie müssen sie die Menschen in diesem Land vertreten. Sie müssen Anwälte der Arbeiter, der Angestellten, der Ich-AGs und kleinen Unternehmen werden. Grüne, Linke und FDP müssen eine Koalition des Menschlichen, der Anwälte der Bürgerinnen und Bürger bilden. Die Opposition ist für die nächsten Jahre — für unsere Demokratie — wichtiger denn je.

Für die Wahl am nächsten Sonntag kann es also nur eine Empfehlung geben:

Geht wählen!
Stärkt die Opposition!

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60 Antworten zu “Wahlempfehlung: Stärkt die Opposition!”

  1. Chris sagt:

    Ich muss hoffentlich nicht anmerken, dass mein Name über dem Artikel steht. 😉 Auch wenn ich denke, dass es Oliver ähnlich sieht, ist es meine Meinung, nicht unsere…

  2. dissenter sagt:

    Die FDP soll die Menschen in diesem Land vertreten? Als Anwälte der Arbeiter, der Angestellten, der Ich-AGs und kleinen Unternehmen?
    Ich hab’s noch mal nachgelesen, es steht da wirklich…

  3. name sagt:

    Amen :) Dennoch halte ich die Massenorgie im Vatikan für nicht so unwahrscheinlich. Leider würde dies eine große Koalition unausweichlich machen.

    Erststimme: Kerstin Andreae (Grüne)
    Zweitstimme: Piraten

  4. Chris sagt:

    @dissenter: Es steht da wirklich. 😀 Eine FDP in der Opposition ist etwas anderes als eine FDP an der Regierung. Gott bewahre uns davor… 😉

    @name: Blasphemie… 😀

  5. Chat Atkins sagt:

    Am Abend des kommenden Sonntags werden sich Medien und Mächtige höchst betreten angucken … *read my lips*

    Ich glaube übrigens, dass ‘bei denen da unten’ gar nicht mehr so viel zu holen ist, ohne dass ein vorlautes Verfassungsgericht solche Beschlüsse, die unter das Existenzminimum zielen, gleich wieder einkassiert. Die Äußerungen der beiden — so sah ich das — waren gewissermaßen eine versteckte «Warnung an alle» (bis auf die Happy Few). Selbst der Guttenberg wird also ab dem 28. September lauthals über Pendlerpauschalen und Ehegatten-Splitting nachzudenken beginnen, auch wenn er damit seine eigene Kern-Klientel hochgradig verstimmen muss. So desolat ist die Lage …

  6. Da die Große Koalition eh unausweichlich ist, lässt sich die Opposition am besten dadurch stärken, daß eine weitere Partei hinzukommt :)

    Arrrr!

  7. Da man ja 2 Stimmen hat kann man ja die Piraten wählen, und mit seiner Erststimme die andere Oppositionsparteien 😉
    So mache ich das auf jeden Fall…

  8. ich23 sagt:

    Ich find Massenorgien ja ne feine Sache und buche schon ma ne Reise nach Vatikan Stadt :)

  9. dissenter sagt:

    @Chris: Ich habe gestern beim Bügeln mal ein bisschen FDP-Parteitag geguckt. Zitat Wolfgang Gerhardt in seinem Grundsatzreferat, oder was es darstellen sollte: «Die Menschen sind nicht gleich, nein, denn wenn sie gleich wären, dann bräuchte man ja nur einen, es gibt aber ganz viele.«
    Diese zynische Ideologie der Besserkassierer und der selbsternannten Freiheitsstatuen gehört nicht gestärkt, auch nicht in der Opposition.

  10. John Dean sagt:

    Ich fürchte, nach dem Wahlabend, werden sich sehr viele Leute betreten ansehen. Ich sage voraus: Ich werde zu denen gehören, die betreten gucken werden. Auch in Bezug auf die Wirkung von Überhangmandaten.

    Ich werde mich unter anderen fragen, ob ich selbst auch zu wenig getan habe. Und ich fürchte, die Antwort fällt nicht zu meinen Gunsten aus. Es wird ein strahlender Wahlsieg für Schwarzgelb. Und es werden beschissene fünf Jahre werden.

  11. Thaniell sagt:

    @Chat: Naja betreten gucken wird da keiner. Die entsprechenden Kandidaten sind ganz groß darin sich die Welt schön zu reden. «Wir haben gewonnen», wird man aus den Mündern einer jeden (momentan in Fraktionsstärke vertretenen) Partei in der ein oder anderen Variation hören.
    Gut kann man verstehen, in den Btag zu kommen ist ja schon ein Gewinn für 4 Jahre. Ob man besser oder schlechter als vorher vertreten ist, ist da zweitrangig.

  12. Chat Atkins sagt:

    @ John Dean: Nu schiet di man nich in’s Hemd!

    😉

  13. Oliver sagt:

    So wird es bei mir aussehen:

    Erststimme: Die Linke
    Zweitstimme: Piraten

    Opposition ist ne tolle Sache, leider gibt es das in DE nicht, weil es schon lange nicht mehr darum geht, was gut für Deutschland ist, sondern nur noch darum, was gut für die Leute mit den schwarzen Koffern ist, siehe Steuergesetze, Finanzpolitik, Urheberschutzgesetz, Patentrecht, Bildungspolitik, Zensurgesetze, Terrorbekämpfung, Schweinegrippepanik usw. usw.

    Das an sich wäre nicht das Schlimmste. Das Schlimmste für mein Empfinden ist, dass die dt. Presse auch komplett abgeschafft werden könnte. Wir brauchen keine 1000 Magazine und Zeitungen, in denen die wirklich wichtigen Informationen fehlen oder auf Seite 15 mal erwähnt werden.

    Würden die Medien umfassend und kritisch berichten, wäre der Reichstag in 3 Wochen nieder gebrannt und die gesamte Ministerriege inkl. deren echten Geldgebern am höchsten Baum aufgehängt. Dann könnten wir noch mal neu anfangen. Stattdessen werden wir weiter mit echt wichtigen Lebensgeschichten von echt wichtigen C-Promis genervt und von Sendungen a la «Satt werden mit Hartz IV» und «Glücklich leben ohne Zukunft» unterhalten, damit niemand auf die Idee kommt das System und die Profiteure zu hinterfragen.

  14. Rob sagt:

    Das wird wohl so kommen. Nur kann man die fortgesetzte Koalition nicht mehr «groß» nennen. Mangels Größe…

    Im übrigen ist bei den kleinen Leuten noch genügend zu holen. Wenn schon nicht durch Senkung der Leistungen, so doch immer mit den vielen kleinen Gebühren.

  15. Stefan sagt:

    Nur das man mit der Stärkung der Noch-Opposition FDP wiederum schwarz-gelb möglicher macht. Die Wahl der FDP gleicht daher eher Russisch Roulette als einer sinnvollen Entscheidung gegen die große Koalition.

  16. dekkert sagt:

    Nur mal so am Rande zum dem Wahlrecht.

    1. Stimme geht an den Kandidaten, der Kandidat mit den meisten Stimmen im Wahlkreis geht nach Berlin. D.h. Erststimmen für Piraten und meist auch für Linke und Grüne sind für den A.…. Das Rennen macht einer der zwei noch großen.

    2. Stimme bestimmt die Zusammensetzung des Bundestages und ist eigentlich die Entscheidene.

    Überhangmandate: Bekommt eine Partei durch 1. mehr als durch 2. darf sie die behalten. So kann man eine Mehrheit an Bundestagsmandanten bekommen obwohl man keine Mehrheit an (Zweit) Stimmen hatte. (Ist aber verfassungswidrig und muss bis 2011 geändert werden)

    Erststimme CDU ist daher besonders bedenklich (wenn man gegen schwarz gelb oder große Koalition ist).

    Und jetzt muss glaube ich der eine oder andere über eine *sinnvolle* Stimmvergabe nochmal nachdenken.

  17. tschill sagt:

    Fünf Jahre? Herr Dean, Sie machen mir Angst.

    Richtige Schlußfolgerung, aber was ich an der Argumentation nicht verstehe: Warum wird die FDP als Oppositionspartei gezählt? Es ist vollkommen egal, ob die CDU mit der FDP oder der SPD koaliert. Die gesetzgeberische Stoßrichtung — Absenkung des Lohnniveaus für den Standort Deutschland, dafür Verringerung der sozialen Standards, die Forcierung der Gewinnprivatisierung und Verlustsozialisierung, i.e. der gesellschaftlichen Spaltung — ist in beiden Fällen die gleiche. Und ich wage zu bezweifeln, daß die FDP für den Koalitionsfrieden am Ende nicht diesen lästigen Bürgerrechtsquatsch fallenläßt und Schäuble um den Hals fällt. Kann man sich als minderbemittelte Braut eben nicht aussuchen.

  18. Chris sagt:

    @Chat Atkins: Du weißt doch, Hartz-IV-Empfänger bekommen mehr als Menschen die arbeiten, die Rundumversorgung im Krankheitsfall, uswusf… 😉

    @dissenter: Manche kröten muss man schlucken — und solange Guido Opposition macht, ist mir das lieber, als Regierung. Da sind wir uns einig. Aber auch eher kann als graues Mäuschen nicht viel gegen Angie und Frankie machen…

    @John Dean: Ne, nur weil es seit Monaten heruntergebetet wird, ist das nicht zu befürchten…

    @Oliver: Calm down…

    @Stefan: Ja, das ist ein Zwiespalt. an der Formulierung habe ich lange rumgedoktert. Aber da die Stärkung der FDP zu Lasen der CDU geht, kann ich mit leben. Ich selbst würde niemals die FDP wählen, aber auch die FDP ist in der Opposition wichtig…

    @dekkert: Dieses Wissen habe ich vorausgesetzt. Vielleicht zu voreilig…

    @tschill: Weil die FDP seit 11 Jahren Oppositionspartei ist — und bleiben wird.

  19. matz sagt:

    Toll und Terroranschläge wird es somit auch geben..

    Zum Thema Wahlrecht -> Zusammenfassung der Tipps und Tricks zur Bundestagswahl 2009

  20. Anonymous sagt:

    Keine Stimme für die Piraten. Wenn diese Mausschubserpartei
    in den Bundestag kommt, ist jeder Widerstand gegen den Überwachungsstaat
    auf Jahre diskreditiert. Die sind von rechten Trittbrettfahrern gekapert
    und hätscheln Nazis in ihrem Forum.

  21. Benutzername2.0 sagt:

    @Oliver

    So seh ich das auch.

    Erststimme: Die Linke
    Zweitstimme: Die Linke

    Warum? Eben weil ich den Oppositionsgedanken von Chris selbst entdeckt habe und hoffe, dadurch wenigstens den oben beschriebenen Alptraum einer Großen Koalition zu erschweren.

  22. tschill sagt:

    Chris, wart’s ab. Der Roderich ist Volkswirt und weiß schon, a) was gut für unsere Volkswirtschaft ist und b) wie man OSZE-Wahlbeobachter entsorgt. Als Wirt natürlich: einfach betrunken machen.

  23. Carlos sagt:

    Um mal meine bescheidene Meinung zu sagen: Auch wenn ich laut Chris ja als Hartz4-Abhängiger zu den «Besserverdienenden» in der Bevölkerung zähle :D, werde ich meine beiden Stimmen den Linken geben.

    Die FDP ist irgendwie wie Pickel am Allerwertesten, die Grünen haben sich meiner Meinung nach durch Schröder und Hamburg selbst ins abseits geschossen, und die Piraten… Tja, eigentlich wäre es ja schön, wenn sie reinkommen würden (schon alleine deshalb, weil es dadurch wahrscheinlich keine «große Koalition» oder CDU/FDP alleine mehr schaffen würden) — aber eine Partei, die ich wähle, sollte zumindest in Ansätzen schon mal wissen, für welche Werte sie einsteht. Aber das kommt ja vielleicht noch…

    Und so unbezahlbar und unrealistisch, wie viele meinen, ist das Wahlprogramm der Linken ja auch nicht — wie schlaue Leute u.a. bei den Nachdenkseiten und anderswo nachgerechnet haben.

    Aber wie gesagt, das ist ja nur meine bescheidene Meinung und Stimme 😉

  24. krokodoc sagt:

    Bei der letzten BTW lagen zwischen den letzten Umfragewerten und dem Ergebnis der Unionsparteien je nach Institut rund 5 bis 7%. Wohlgemerkt nach unten. Bedenkt man neben dieser krassen Abweichung, dass der durschschnittliche Piratenwähler wohl sowieso nicht bei einer telefonischen Umfrage mitmacht, so sind jegliche Meinungsforschungsergebnisse doch genauso unglaubwürdig wie wenn man jene im Netz hochrechnet. Erst Recht jene, die bereits eine «Koalition» vorsagen.

    Würde daher er sagen: Wählt was ihr wollt. Weil erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Daher Piraten. :)

  25. phoibos sagt:

    moin,

    die fdp halte ich wie die spd für verräter der eigenen klientel: die spd geriert sich als vertreter der arbeiter und niederen angestellten und war das noch nie (!), die fdp tut so, als ob sie den mittelstand, die kmu vertreten würde. auch das tut sie nicht. die finanzierungslast in unserem land trägt seit ewigkeiten der kleine mittelstand, bei den arbeitern ist nichts zu holen und bei den reichen und großunternehmen bekommen alle muffensausen, dass die ja ins ausland abwandern könnten (da wäre es doch mal wieder nett, über schutzzölle gegen steuerflüchtige nachzudenken). die grünen sind das gute gewissen der besserverdienenden und des bürgertums, verraten aber gerne mal ideale (kohle, krieg, naturschutz). und die linken sind ein undurchsichtiges sammelsurium aller menschen, die sozialdemokratie (die spd hingegen spricht ja nur noch von einer «sozialen demokratie») ernst meinen und derer, die sich weiter links als sozialdemokratie einordnen. die cdu halte ich für indiskutabel (paktieren mit rechts, bundeswehr im inneren, aushöhlung des grundgesetzes, …), auch wenn die einen ab und wann starken linken flügel haben (den sie dann christliches verantwortungsbewusstsein nennen). und was rechter als cdu ist, ist eh raus für mich.

    was wähle ich also? grün als erststimme, da ich im tiefroten eimsbüttel (momentan recht familienreich und durch gentrifizierungsprojekte eher grünlich) der sager (gal) diesmal chancen einräume gegen den kahrs-jünger ikhanopour (oder wie er sich schreibt, bin zu faul zu googeln, spd, hat annen überrumpelt), zweitstimme linke.

    ciao
    phoibos

  26. Sorry, Chris,

    wenn ich auch Deine grundsätzliche Forderung teile — Grüne, und vor allem die FDP sehe ich nicht als «Opposition» an. Punkt. Die Grünen (und das sage ich als vormaliger ‘Grüner der ersten Stunde’) haben die Agenda 2010 mitangezettelt und den Krieg in Afghanistan mitgetragen. Was willst Du von denen noch erwarten? Und was Westerwelle und Brüderle gerne hätten, kannst Du in letzter Zeit überall offen lesen. Glaubst Du allen Ernstes, die machen in der Opposition eine 180 Grad-Kehrtwende? Nein. Im neuen Bundestag wird es m.E. genau eine Oppositionspartei geben, und die bekommt meine beiden Stimmen, selbst wenn ich auch bei dieser Partei gewisse Bachschmerzen nicht verhehlen will.

    Gruß
    Frank

  27. aloa5 sagt:

    » ihren Job als Opposition haben sie in den letzten Jahren nur unzureichend wahrgenommen. »

    Ich habe die FDP wahrgenommen als Partei welche die letzten vier Jahre vermutlich nichts wesentlich anders gestaltet hätte. Die Grünen hat man nur am Rande wahrgenommen. Und die LINKE war mehr mit sich bzw. den eigenen Radikalen beschäftigt als mit Tagespolitik.

    Prinzipiell habe ich manchmal das Gefühl sowohl LINKE als auch FDP will eigentlich keiner wirklich haben sondern jew. nur als Korrekturfaktor — und am liebsten wäre vielen eine Koalition aus Beiden.

    –> Und da wundere sich noch einmal jemand warum die PIRATEN so einen Zuspruch erleben.

    Grüße
    ALOA

  28. aloa5 sagt:

    @carlos
    Wer hat wo nachgerechnet? Das würde mich interessieren. Ich glaube es waren genannte rd. 300Mrd an Zusatzausgaben, 1mio zus. Angestellte im ÖD usw.. ich halte Zusatzausgaben in Dreistelliger Höhe generell für unrealistisch. Machbar ist immer alles (man kann auch 1,7Billionen ausgeben wenn man alles einnimmt).

    Grüße
    ALOA

  29. Mr. X sagt:

    Ich vermisse ein «Wahlplakat»

    Inhalt: Ein Rudergaleere und Merkel, Westerwelle als Trommler und Einpeitscher. Dahinter der Prof. Sinn der Wasserski fährt.

    Motto: Sozial ist, was Arbeit schafft.

  30. Stuart Leibowitz sagt:

    Laut Parteiengesetz ist jede Stimme für die Parteien BARES GELD WERT.

    Egal wie aussichtslos der Kandidat dasteht, nicht zu wählen, schwächt die Partei bei künftigen Wahlen oder kann (abhängig von den Wahlkampfausgaben) ein Loch in die Finanzierung reißen. Besonders kleine Parteien ohne «potente Unterstützer», bspw. die Piraten Partei, sind auf das Geld angewiesen.

    Da die Mittel insgesamt gedeckelt sind und proportional aufgeteilt werden, arbeitet man schlimmsten Falls auch Randgruppen zu, wenn man gar nicht wählt.

    Beispielsweise sei, von weiteren einschränkenden Bedingungen abgesehen, jede Stimme pauschal 0,70€ wert. Diesen Betrag erhält die Partei vom deutschen Staat, sobald sie über eine 0,5% Hürde — Achtung: die Hürde ist niedriger als die parlamentarische Hürde von 5% — gekommen ist.
    (Der tatsächliche Wert einer Stimme kann abweichen und unterliegt mehreren Bedingungen.)

    Mächtig Eindruck schinden die Zahlen für parteilose Kandidaten über 10% Ergebnis im Wahlkreis: sie erhalten 2,80€ je Stimme.

  31. Peter Shaw sagt:

    Alles, bloß nicht die Linke. So schlecht kann es mir gar nicht gehen, um auf diese Demagogen hereinzufallen.

    Erststimme: CDU (meine SPD-Abgeordnete ist unter aller Sau)
    Zweitstimme: Grüne

  32. Yopperau sagt:

    Es gab viele Origen im Vatikan 😉 Noch nie Geschichte gehabt? Es ist allgemein bekannt das Päpste in früherer Zeit keine Keuschheit einhielten, zumindest nicht alle :-)

    Dank der Kirche, werden die Piraten also in den Bundestag kommen. Verdammt geniale Logik. *g*

  33. Anonymous sagt:

    Meine Zweitstimme kriegen die Piraten.
    Erststimme bin ich mir noch nicht sicher. Es gibt einen Piraten-Direktkandidat, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass der dann in den BT kommt kleiner als die Wahrscheinlichkeit, dass die Piraten 5% bekommen.
    Deshalb gebe ich meine Erststimme wohl entweder den Grünen oder der SPD (um der CDU zu schaden; SPD hat die 2. höchste Chance hier zu gewinnen)

  34. Andreas sagt:

    Erstimme: Grüne oder SPD
    Zweitstimme: Linke

  35. Andreas sagt:

    Ich würde eine Partei mit beiden Stimmen wählen, die garantiert, etwas gegen die Fliessbandarbeit in Pflegeheimen zu tun.

    Die Prüfung mit anschliessender Schulbenotung sind zwar gut für die Transparenz für den potentiellen «Kunden», bringen aber nicht für die alten Leute und für Schwesern und Pfleger in den Einrichtungen.

    (Und dann müssen wir uns dauernd anhören:» Die Wäschekosten sind zu hoch, wir verbrauchen zuviel Inkontinenzmaterial, Handschuhe …)

    Die Branche ist nunmal personalintensiv. Kann sich keiner vorstellen, wie aufwendig es ist, alte, multimorbide, hoch demente, inkontinente Menschen zu versorgen.

  36. Yuggoth sagt:

    @mr. X:
    APPLAUS dafür 😀

    @Chris:
    Du kreidest sehr oft (zu recht) an dass Verluste kollektiviert und Gewinne privatisiert werden. Ich denke, es ist falsch, dass an einzelne Parteien zu binden.
    Immanuel Wallerstein (mein Lieblingsgötze unter den Historikern — etwas anderes sind Wissenschaftler in meinen Augen meist nicht) schreibt davon, dass der Kapitalismus das seit seinem Bestehen so macht, und so am Leben gehalten wird. Seit mindestens 250 Jahren sei dem so.
    Bei deiner gesamten berechtigten Kritik an Parteien, INSM, Herrn Sinn und dem ganzen Filz würde ich mir von dir mal etwas konstruktives wünschen,
    du solltest vllt einmal durchaus die «Systemfrage» stellen, und damit meine ich keinen platten Kalten-Kriegs-Dualismus.
    Ich würde mir von dir einmal sehr wünschen, was du eigentlich haben möchtest, oder aber aufgrund der Schwierigkeiten wenigstens stringend ausschliessen, was nicht.
    Momentan bewegst du dich immer sehr im Detail, verrennst dich in Parteiprogramme und einzelne Äußerungen der Mitglieder in der Öffentlichkeit;
    was ich einerseits zwar für wichtig halte, aber andererseits auch den stets bärbeissigen Ton deiner Texte erklärt. Wie gehst du mit der Logik im Hintergrund um, wie möchtest du «Sachzwänge» umgehen?

    Selbstverständlich bin ich nicht in der Position hier irgendwas einzufordern,
    aber nach der ganzen oft sicherlich sehr aufwendigen Kritik würde ich mich sehr darüber freuen.

  37. Oliver sagt:

    @Chris: das ist ja auch kein Problem, mehr oder weniger stehe ich immer dahinter :-)

    >Würden die Medien umfassend und kritisch berichten, wäre der Reichstag in 3 Wochen nieder gebrannt und die gesamte Ministerriege inkl. deren echten Geldgebern am höchsten Baum aufgehängt.

    Klar das Volk der Untertanen hat dies noch nie vollbracht. Nicht immer einen Prügelknaben suchen, sondern mal selbst in die Gesellschaft schauen. Murren ist das eine, etwas tun etwas völlig anderes. Und mit der Aktivität hatten es die Menschen in Deutschen Landen noch nie so wirklich. Bei letzterem meine ich die letzten 200–300 Jahre. «Wenn die Medien, wenn die Politiker …», ja wenn ein starker Mann käme und wieder alles für die Grenzdebilen richten würde. Hatten wir auch schon und dieser Staat ist ebenso die Antwort auf die Majorität der Bevölkerung.

  38. Andreas sagt:

    U18-Wahl: hoher Stimmenanteil bei Jugendlichen in den neuen Bundesländern.

    Ich wundere mich nur, wenn ich in den Medien sehe, dass die NPD da wohl öfter sogenannte Familenfeste organisiert.

    Dass die anderen Parteien soetwas machen, habe ich jedenfalls noch nicht gesehen.
    Ich dachte, die NPD wäre hoch verschuldet.

    Hoffentlich sitzen die Nazis nicht irgendwann mal wieder im Bundestag

    insgesamt: KOPFSCHÜTTEL

  39. […] Die Opposition stärken will Chris von fx!mbr. Sehr löblich, aber wohl nicht „zielführend“, da (unter seiner Prämisse der Fortsetzung der GroKo) weder Grüne noch FDP imho als „Opposition“ gewertet werden dürften. […]

  40. […] Wahlempfehlung: Stärkt die Opposition! […]

  41. Anonymous sagt:

    Ihr habt scheinbar keine Ahnung wie es im Vatikan zugeht 😉

  42. […] Veröffentlicht in Medien, Meinung von jfenn am 22. September 2009 In einem Blog schnappe ich heute abend einen Gedanken auf: Man stelle sich einmal vor, wie es wäre, wenn das Fernsehen, […]

  43. Yuri sagt:

    Meine Zweitstimme kriegen auch die Piraten, bei der Erstimme hab ich mich noch nicht ganz entschieden. Prinzipiell finde ich ja Marco Scheffler [parteilos] interessant — Ilkhanipour und wer-auch-immer von der CDU kommen fuer mich sowieso nicht in Frage. Blieben also noch Gruene oder Linke, wenn es darum geht, das «kleinere Uebel» zu nehmen. Aber ich will dann halt doch immer lieber das nehmen, was mich wirklich anspricht…

  44. d0n sagt:

    Bei mir wirds wohl:

    Erststimme: Grünen
    Zweitstimme: Piraten

    Alles andere wäre gegen meine Vorstellungen …

  45. Stefan sagt:

    Mit den Massenorgien im Vatikan wäre ich vorsichtig. Wahrscheinlich rappeln da jeden Tag die Säulen. Ich glaube auch dass die Große Koalition bleibt, aber die vier Jahre wird sie nicht schaffen. 2011/2012 haben wir entweder Neuwahlen oder eine andere Koalition. (Kann dieser Text bitte am 31.12.2012 gelöscht werden wenn es anders kommt? Das Internet vergisst ja nie und ich möchte nicht als Depp dastehen. :-) )

  46. […] Bundestagswahl II: Opposition stärken…FIXMBR […]

  47. aloa5 sagt:

    @Chris
    Die Nachdenkseiten haben lediglich die «Rheinische Post» unter die (Linke) «Lupe» genommen. Der Abschnitt zum Mindestlohn ist typische Gewerkschafter-Logik. Die sollen erst Mal die hauseigenen Studien der Böckler-Stiftung im Auftrage der Gewerkschaften dazu lesen bevor sie von «guter Beschäftigungsentwicklung» bei 10 Euro Mindestlöhnen schwafeln.

    Der ganze Artikel ist ansonsten darauf abgestellt «Geldquellen» zu nennen. Mitnichten wird das Programm und die Kosten an sich untersucht.

    + 100Mrd pro Jahr für Bildung, Energiewende usw.
    + 100Mrd für XYZ-Entwicklung der Arbeitsplätze (Beides S. 7 des Prog)
    + 1mio Angestellte im ÖD
    + 500TSD weitere öffentlich geförderte Arbeitsplätze
    + gebührenfreie öffentliche Kinderbetreuung
    + 8mrd mehr Entwicklungshilfe, mehr Kindergeld, HartzIV usw.
    +
    +
    +

    Da können Herr Lieb und die LINKE sich auf den Kopf stellen. Das ändert an Forderungen welche einen gesunden Menschenverstand bei den Urhebern des Programmes nicht als sonderlich wahrscheinlich erscheinen lassen nicht wirklich etwas substanzielles. Dafür reicht ein halbseidenes verteidigen einer Vermögenssteuer nicht aus.

    Grüße
    ALOA

  48. Palich sagt:

    1. Stimme SPD (aus rein taktischen Gründen)
    2. Stimme Piratenpartei

    CDU: Geht gar nicht, die stehen immer auf der falschen Seite.

    FDP: Im Grunde bin ich liberal, aber leider macht die FDP nur wirtschaftsliberale Politik für Großverdiener. Bürgerrechte und Mittelstandsförderung sind nur Lippenbekenntnissse.

    SPD: Tja, die Verräterpartei…

    Grüne: Ich bin nachtragend und nehme denen immer noch Kosovo, Agenda 2010 und den Fingerabdruck im Reisepass übel, aber eigentlich bin ich im Herzen Grün.

    Linke: Sind mir zu linkskonservativ und altbacken.

  49. Anonymous sagt:

    Im Großen und Ganzen Empfehlungen, denen man zustimmen muss. Noc ein Detail: Ich lese hier teils von Erststimmen «gegen die CDU», bzw «gegen schwarz gelb». Das sind dann wohl welche, die an die SPD gehen sollen. Besonders auf dieser Wahlrecht-Seite wird das immer empfohlen, wegen der Überhangmandate. Aber eine Stimme für einen Kandidaten ist zunächst mal immer eine Stimme FÜR, und nicht GEGEN was, eine Bestätigung. Man wählt die große Koalition. Wenn man das will — schön und gut. Wenn man mit der Politik der großen Koalition aber NICHT zufrieden ist, sollte man ihr auch KEINE Stimme geben. Diese Stimmen werden letztendlich als Zustimmung zum Kurs Steinmeiers gezählt werden, er wird sich damit brüsten. Das mindeste aber wäre, bevor man so vermeintlich «schlau» mit der Erststimme taktiert, genau zu gucken, welchem Direktkandidaten man da die Stimme gibt. Da gibt es mal linke SPDler, da gibt es rechte Seeheimer. Wenn man diese eigentlich nicht unterstützen will, bzw. einen Reformprozess in der SPD anstoßen will, sollte man ihr gar keine Stimme geben, nur so lernt sie es.

  50. nachdenker sagt:

    nuja, imho wird sowieso schwarzgelb duchgedrückt. (Künftige Bundesregierung ohne Legitimation?) und dann heists eh in D «es ist krieg» (afghanistan) und wenn «D im Krieg ist» gibtz bis auf weiteres eh keine wahlen mehr. und tante merkel wird zur kaiserin 😉 — genießt die ltz. tage .…

  51. phoibos sagt:

    cool, hier liest ja noch jemand aus eimsbush mit 😀

  52. Milo sagt:

    Schön, dass Du hier gut begründete Wahlempfehlungen gibst. Mir scheint, dass dies noch zu wenig geschieht. Ich habe mich auf meinem Blog auch für die Wahl einer Oppositionspartei ausgesprochen. Allerdings habe ich noch den Aspekt Erststimme mit einbezogen: Diese sollte unbedingt der SPD gegeben werden — um Überhangmandate zugunsten der Union zu verhindern. Die Wahl kleiner Parteien per Erststimme lohnt sich dagegen nicht. Direktmandate gehen in der Regel nur an Union oder SPD. Ausnahmen gibt es sehr wenige, meistens in Berlin (Ströbele für die Grünen, einige wenige Direktmandate für die LINKE).

  53. […] update: eine späte Wahlempfehlung von f!xmbr gibt es hier […]

  54. phoibos sagt:

    und vielleicht demnächst in eimsbüttel!

    christa sager ist imo deutlich die attraktivere wahl als der kahrs-jünger ilkhanipour (oder wie auch immer, habe immer noch nicht gegoogelt).

    (@ f!xmbr: sorry für die wahlwerbung, aber diesmal sehe ich eine echte chance gegen die erststimmendiktatur der «volks«parteien)

  55. Chris sagt:

    Die Sager wird der SPD die Stimmen nehmen, die sie braucht — und damit wird die CDU Einsbüttel gewinnen. So glaube ich zumindest…

    Aber auch nicht schade — es wäre die Quittung für das Kahrs-Netzwerk. Ich fände das ganz hervorragend…

  56. KingBalance sagt:

    Bleibt nur noch zu ergänzen, daß die heutigen Demokratien die bislang am besten versteckten Diktaturen sind.

    Geht wählen Leute!!!

  57. Till sagt:

    Die Intention «Opposition stärken» finde ich gut. Hmm. Zuviele Stimmen für die «Opposition» FDP könnten zur Regierung «Schwarz-gelb» fühlen. Und zuviele Stimmen für die außerparlamentarische Opposition «Piraten» ebenfalls. Insofern empfehle ich jedeM, mit der Erststimme möglicherweise taktisch zu wählen (CDU-Überhangmandate), und mit der Zweitstimme Grüne, oder wenn’s denn sein muss, Linke.

  58. […] Siehe auch: Wahlempfehlung: Stärkt die Opposition! […]

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