Wählen ab der Wiege

Oder wie man Altlasten unserer Altvorderen wieder gesellschaftsfähig machen möchte. Kinder sollen das Wahlrecht mit der Geburt verbrieft bekommen, demzufolge würden deren Eltern im Auftrag ihrer Kinder wählen. Neben den Ideen um diverse Ausartungen des Zensuswahlrechts, die desöfteren die Runde machen, ist dies ebenso ein Ausbund an Grenzdebilität wie er mitunter in dieser reinen Form doch nur in Deutschland anzutreffen ist. Auf hier wiederum ist der fremdenfeindliche Habitus Vater des Gedankens, denn man möchte Deutsches Blut1 fördern, den nationalstaatlichen Abnormitäten unserer Altvorderen frönen. Natürlich erfolgt dies alles unter dem Deckmantel der Kinderfreundlichkeit, man unternimmt zwar nichts gegen die tatsächlichen Probleme, würde jedoch nur allzugerne die Stimmen der somit recht hörigen Eltern einsacken. Um es mal in aller Deutlichkeit zu sagen, die Erde ist reich an Menschen, es mangelt jedoch an der gerechten Verteilung. Globalität wird uns fortwährend gepredigt, es ist an der Zeit das diese auch gelebt und das nationalstaatliche Schreckgespenst Vergangenheit wird.

Und ist man erst einmal in dieser Realität angekommen, so wird wohl die Erkenntnis reifen, das Kinderfeindlichkeit nicht die Verweigerung der Zeugung jener ist, sondern das fortwährend unmenschliche Gebaren der Gesellschaft gegenüber dem Nachwuchs. Einer Gesellschaft, die von einem Staat geführt wird, welcher die Menschen in diesem Land ausschließlich als funktionierende Einheiten betrachtet und somit auch Abartigkeiten gegenüber unseren kleinsten Mitbürgern in eben dieser Gesellschaft etabliert. Der nächste Schritt wäre wohl die Wiedereinführung von Mutterkreuzen und auch sonst hatte Deutschland schon alles erdenkliche an Abartigkeiten vorzuweisen um das Deutsche Blut zu fördern.

via Die Zeit

  1. Achtung: Ironie, Links folgen, denken []

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2 Antworten zu “Wählen ab der Wiege”

  1. Fabian sagt:

    Mir geht gerade der Zusammenhang zwischen «Wahlrecht» Neugeborener und «Förderung deutschen Blutes» ab. Gleiches Recht hätte dann doch auch Nachwuchs anderer Nationalitäten wenn dessen Eltern deutsche Staatsbürger sind. Oder fehlen mir da Hintergrundinformationen?
    Trotz allem stimme ich mit dir überein, dass dieses Vorhaben völliger Unsinn ist. Seit wann haben Babys eine politische Meinung? «Im Auftrag» bedeutet ja nichts anderes als «auf Anweisung»… naja mehr muss man dazu nicht sagen. Wessen Idee war das überhaupt? Ich behaupte einfach mal, Leute mit eigener Familie wählen hauptsächlich die sogenannten großen Volksparteien CDU oder SPD. Was war denn wohl der tragende Gedanke dahinter? «Wenn man nicht durch Taten oder Inhalte überzeugen kann dann schachern wir uns eben die nötigen Stimmen auf anderem Wege zu»? Wenn Menschen mit Kindern größeres Mitbestimmungsrecht eingeräumt bekommen als Menschen ohne Nachwuchs widerspricht das in meinen Augen allen Grundsätzen unseres Wahlrechts, das ja vor allem «Gleichheit» verspricht.
    In diesem Sinne, schönen Tag noch.

  2. Oliver sagt:

    Es geht nicht um die Meinung der Kinder, sondern um die Freiheit per se, nicht umsonst auch ist «Deutsches Blut» (Anführungszeichen wären eine weitere Möglichkeit) kursiv gesetzt. Was z.B. macht Menschen schlechter die sich entschließen keiner Kinder in die Welt zu setzen? Warum kann jeder Hansel in Deutschland, reden wir denn von Kinderfreundlichkeit, ein Kind zeugen und später totschlagen und Eltern die nicht können und eines zu adoptieren gedenken, werden mit beinahe unüberwindbaren Hürden konfrontiert, die allenfalls jemand eines Kalibers wie unserer Altkanzler mit seinem güldenen Konterfei im Kanzleramt ob seines Einflusses auch in fortgeschrittenem Alter locker überwinden kann?

    >Gleiches Recht hätte dann doch auch Nachwuchs anderer Nationalitäten wenn dessen Eltern deutsche Staatsbürger sind.

    Das stimmt auch so, für mich sind deutsche Staatsbürger jene mit deutschem Paß. Wenn ich jedoch gleichermaßen dabei die Hürden gewaltig erhöhe, zum erlangen dieser Staatsbürgerschaft, Leitkultur propagiere, Adoptionen ob in– oder ausländischer Kinder gewaltigst behindere, andererseits aber den Druck zum Zeugen Einheimischer massiv erhöhe indem ich andere die dem nicht Folge leisten bestrafe, dann hat dies alles nationalstaatlichen Charakter. Wir haben viele Kinder in Heimen und diese Heime sollte man sich bei Gelegenheit einmal anschauen, wäre es nicht besser jene in Familien unterzubringen? Wäre es auch nicht besser Kinder aus (fremden) ärmlichen Gefilden aufzunehmen, wenn Eltern dazu bereit sind (siehe bessere Verteilung)? Man muß das alles eben im Zusammenhang betrachten und nicht Hurra, Eltern werden gefördert.

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