von der Leyen: sie kam, sprach und versagte

Von der Leyen, also jene die Auszog dieses böse Internet zu bändigen, landete wie üblich mal wieder einen Griff ins Klo: […]wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft. Sprich jeder der mehr Intelligenz als unsere Familienministerin aufbringt steht auf gut Deutsch mit einem Bein im Knast.

Natürlich war dies nur ein Fauxpas der kleinen Dame im Eifer des Gefechts, am Prinzip per se ändert dies jedoch nichts: jeder der mehr Intelligenz als die Berliner Inkompetenz aufbringt ist verdächtig. Und das ist ein Problem, schließlich kann man dies sicherlich vom Gros behaupten. Und erst die Mär von der Industrie, die angeblich hinter all dem Schrecken steckt …

Insofern nocheinmal der Hinweis für alle der Kategorie denn sie wissen nicht was sie tun: OpenDNS und andere freie DNS-Server. Und nächstes mal, da erklären wir unserer Familienministerin wie sie die Startseite ihres Browsers ändert … ganz großes Kino.

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21 Antworten zu “von der Leyen: sie kam, sprach und versagte”

  1. kobalt sagt:

    Dieses «Wen kenne ich …» ist IMHO der Versuch, Mißtrauen zu säen gegen Leute wie die vom CCC oder von Netzpolitik oder Mogis … und ja, auch euch. Der Satz ist der Versuch, Leute mit Hirn zu diskreditieren. Ich glaube nicht das der Satz ein Ausrutscher war.

  2. phoibos sagt:

    das ist doch seit jahren politik der eliten, die bevölkerung zu spalten. ich will jetzt nicht in kerbe soziale unruhen hauen, aber wie soll sich das volk gegen seine beherrschenden klassen wehren, wenn es stetig gegeneinander aufgehetzt wird? divide et impera. ein spruch, den die mächtigen seit jahrtausenden ausleben, um ihre macht und ihre pfründe zu sichern.

  3. marc sagt:

    Startseite kennen die nicht… Bei denen heißt das noch Deckblatt. 😉

  4. FieserKiller sagt:

    das mit den offenen DNS Servern ist gar nciht so einfach, ist mir in den letzten paar tagen unter der dusche aufgefallen.
    wir haben ja noch die Vorratsdatenspeicherung. Wer einen freien DNS ohne sperren also nutzt und zensierte seiten ansurf sieht kein stopschild, sondern die seite — aber geloggt ist es trotzdem.
    Wenn nun ein beamter auf die idee abwägige idee kommt die sperrliste mit den logfiles der provider abzugleichen, haben sie jeden der die sperrliste umgangen hat im sack. Und direkt nen grund gegen ihn vorzugehen, er hat ja böswillig die sperre umgangen…

    Das einzige was jetzt hilft sind VPNs und sichere proxies, die kosten aber erstens geld und zweitens muss man irgendeinem ausländischen anbieter vertrauen dass er wirklich nichts speichert, jeglichen bka/bnd hackattacken widersteht und auch dem ein oder anderem verlockenden finanziellen angebot. Ich hab da wirklich bedenken…

    Ergo: Völlig anonym is nich
    Es sei denn ich baue mir selbst ein häusschen in den weiten des urals, stell da nen satellitenuplink rein, bezahle alles anonym bar und schwarz, bau ne sichere stromversorgung& überwachungstechnik ein und setze meinen eigenen proxy auf. das könnte ein teurer spass werden…

    Am meisten tuts mir um youporn leid, ich wette das ist schnell auf der zensurliste es sei denn die betreiber können die volljährigkeit eines jeden menschens auf den videos da nachweisen. und dabei bin ich doch grad frisch wieder solo, aaargghhh — das wird hart…

  5. Oliver sagt:

    >Ergo: Völlig anonym is nich

    Es geht auch bei DNS nicht um Anonymität, sondern gegen Zensur. Anonymität geht völlig anders und ist auch nicht Sinn dieser Übung hier.

  6. FieserKiller sagt:

    Hmm, ja aber ist ein umgehen von zensur ohne zumindest dem zensor gegenüber unangreifbar zu bleiben nicht irgendwie sinnlos?

    Mal hier ein hartes beispiel: es gibt 10 zensierte seiten.
    Ich sitze zuhause, hab den dns umgestellt, surfe eine seite an, surfe die zweite an, es klingelt, ich surfe die dritte an und gehe zur tür. Herr polizist nimmt mich gelangweilt fest, ich sitze nun ohne internetzugang im knast.
    Ergo -> ich habe die Zensur nicht umgangen, dadurch wär ein aufruf aller für mich relevanten seiten ohne konsequenzen nötig gewesen.
    Ich habe es geschafft den Staat (Zensor) lediglich anzugreifen, in dem ich mir gegen seinen Willen zu 30% der Seiten Zugang verschafft habe. Muss nun die strafe Absitzen, bin eingeschüchtert, werds nicht wieder machen. Die Geschichte geht durch die Presse, keiner traut sich mehr.
    klares 1:0 für das Zensurregime.

  7. Dom sagt:

    Ich finde es etwas daneben bei dem ganzen Problem mit der mangelnden Intelligenz von Frau von der Leyen zu argumentieren. Es ist glaube ich eher das Generationenproblem was hier als Intelligenzmangel ausgelegt wird.

    Ich meine, ich hätte auch hier, auf F!XMBR, den ZDF-Kinderreporter Beitrag gefunden, in dem Bundestagsmitglieder zu Banalitäten des Internets befragt wurden und eben diese Fragen nicht beantworten konnten.

    Nun sollte man ja davon ausgehen, dass unsere Familienministerin ein Expertenteam oder zumindest ein Gremium um sich hat, das ihre ihr durchaus zu verzeihende Unwissenheit, bezüglich der in erster Linie technisch problematischen Entscheidung, überbrückt.

    Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber zugegeben, die Möglichkeiten die diese Regelung mit sich bringt, können mehr als problematisch werden was unsere Informationsfreiheit betrifft.
    Das es bei den Sperrungen auch um die Möglichkeit der Zensur politischer oder im Interesse der Wirtschaft auch um die Sperrung von illegal angebotenen urheberrechtlich geschützen Inhalten geht, ist bis jetzt nur Spekulation.

    Ich bin mir sicher, das Frau von der Leyen das nicht in ihrer Forderung nach einer solchen Regelung bedacht hat (leider). Es geht ihr mit Sicherheit wirklich um den Kampf gegen Kinderpornographie, allerdings natürlich nicht ohne dabei auf die Bundestagswahl zu schielen.

    Es ist also vielmehr nicht die mangelnde Intelligenz, die hier zu kritisieren ist, sondern die Verantwortungslosigkeit, mit der hier an eine so tief in unsere persönlichen Rechte eingreifende Regelung herangegangen wird.

    Das Internet ist für die unsere meisten unserer älteren Mitbürger immernoch ein Mysterium. Mein Vater(65) z.B. versteht einfach viele der komplexen Vorgänge einfach nicht mehr und das ist leider bei den meisten unserer Politiker offensichtlich ebenfalls so.

    So lange das so bleibt, wird es weiter solche unverantwortlichen Entscheidungen geben, die wider technischen Fortschritts und persönlicher Freiheiten im Parallel Universum Internet wirken. Es ist an der Zeit, Entscheidungen dieser Größenordnung einem gesonderten Gremium zu übergeben, die eben diese Parallelwelt, welche immer mehr mit dem realen Leben der Menschen verwächst, die technische Funktionsweise, Etikette und Zusammenhänge eben dieses Systems kennt und so Entscheidungen treffen kann, die eben nicht der einer von Leyen(bzw. eines Laien) entsprechen.

    Trotzdem: Auch ich habe Angst, dass es zu Mißbräuchen kommt. Auch ich sehe unsere Datenschutzpolitik der letzten zwei Jahre mehr als kritisch.

    Mit mangelnder Intelligenz hat diese Fehlentscheidung jedenfalls nichts zu tun, wohl aber mit unglaublicher Kurzsicht und somit einer ebenso unglaublichen Unverantwortung.

    Gruss

    Dom

  8. Oliver sagt:

    Tja falsche Vorstellung was Intelligenz u.a. ist, z.B. stellt auch die Ignoranz einen eklatanten Mangel an derselbigen dar. Und dieser Mangel wiegt noch schwerer.

  9. truetigger sagt:

    Die Telekom hatte gestern verkündet, sie brauchen für die Umsetzung der freiwilligen Verpflichtung 6 Monate — das kann Hinhalte-Taktik sein, das kann allgemein das Tempo der Telekom sein, das kann aber auch auf eine andere Umsetzung als simple DNS-Manipulation hindeuten.

    Wenn erst einmal UDP Port 53 auf nicht-DTAG-Nameserver geblockt werden, würde man ein Grossteil der Kunden tatsächlich auf eigene Nameserver festnageln. Ob sie sich das ihren Kunden gegenüber erlauben können weiss ich nicht — zutrauen würd ich es ihnen.

    Daher sollten wir bei unseren Protesten weniger auf die Unwirksamkeit der Sperre pochen als vielmehr auf den verheerenden Flurschaden für unsere Gesellschaft, wenn Zensur erst einmal etabliert wird. Solche Aussagen wie die letzte unserer Zensursula zeigen ja, dass sie gar nicht so doof ist: sie jongliert mit falschen Zahlen, um Emotionen hochzujagen, frei nach dem Motto von Uhl: «Wir werden die, die gegen uns sind, vor uns hertreiben».

  10. Anonymous sagt:

    Einen guten Artikel dazu gibt es auch bei Telepolis, geschrieben von Twister:

    20 Prozent der Internetnutzer sind «zum Teil schwer Pädokriminelle»

  11. Chris sagt:

    @DOM
    > Nun sollte man ja davon ausgehen, dass unsere Familienministerin ein
    > Expertenteam oder zumindest ein Gremium um sich hat, das ihre ihr
    > durchaus zu verzeihende Unwissenheit, bezüglich der in erster Linie
    > technisch problematischen Entscheidung, überbrückt.

    Dazu aus dem Spiegel:

    Familienministerin Ursula von der Leyen sieht keine grundlegenden technologischen oder rechtlichen Hürden für den geplanten Web-Filter gegen Internet-Seiten mit Kinderpornografie. Ein kritisches Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages bezeichnete die Ministerin als «unterirdisch».

    Von der Leyen hält an Web-Filter fest

  12. kobalt sagt:

    Eine Heise.de-Leser hat Anzeige gegen Frau v.d. Leyen erstattet:
    Anzeige aufgrund des Tatbestands der Beleidigung

  13. Dom sagt:

    @Chris: OOps…okaaay. Absolut krass. Das ist wirklich unglaublich. Wie ich schon gesagt habe, Leute die von der Materie keine Ahnung haben sollten nicht die Kompetenz haben darüber zu entscheiden…

    Leider sind die meisten halt der Meinung, dass das gar nicht ein so großer Eingriff in unsere Freiheit ist… :(

    Das Argument mit den Kinderpornos wirkt bei vielen tatsächlich als Totschlagargument. «Was gegen Kinderpornos gut ist, kann doch nicht schlechtsein, oder willst du etwa was anderes behaupten?»…

  14. Robert sagt:

    Jaja, etwas Anderes hätte ich auch gar nicht erwartet – allerdings nicht erst „so spät“. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Phrasen der Politiker, die stoisch ihre missionarischen Ziele verfolgen. Wer Rechnersysteme auf Schwachstellen prüft, ist ein Hacker, wer Politiker vom Unsinn von Studiengebühren erzeugen will, ist nicht diskussionsbereit, wer sein Internet konfigurieren kann, ein Pädokrimineller, … Ich frage mich, was geschehen muss, damit man so dermaßen den Realitätssinn und jegliches Maß verliert und auf vollkommen beratungs– bzw. diskussionsresistent schaltet. Im Grunde kommen mir solche Leute sehr fundamentalistisch vor. Warum lässt man der Bevölkerung nicht Freiheiten, während man dem Markt ungefragt sämtliche zubilligt?

  15. PZK sagt:

    @kobalt: Ich habe mir dasselbe auch schon gedacht, aber Frau von der Leyen ist auch nicht so dumm. Gemäß bekannter ACAB Urteile reicht diese Aussage imho nicht um wirklich Jemanden persönlich zu beleidigen und dafür dann unnötig in den Fokus zu rutschen?
    Laut Gerüchten 😉 ist auf den Sperrlisten ja auch nicht nur KiPo zu finden, demnach fällt Vieles in das Verständnis der Ministerin, was in Wirklichkeit nicht illegal ist. Und ich will gar nicht wissen, was beispielsweise die Telekom alles an Statistiken zur Argumentationshilfe liefert liefern könnte. ( http://bit.ly/9NycP )

  16. Chris sagt:

    Bzgl. der Sache, dass das ja alles gut ist, habe ich versucht (ob ich’s geschafft habe, weiß ich leider noch nicht), die Problematik mal fernab jeder Technik darzulegen.
    Da «wir» ja alle wissen, und uns eigentlich nur selbst auf die Schultern klopfen, bedarf es keiner großen Überzeugungsarbeit für uns selbst. Aber für den Otto-Normal-Bürger besteht Aufklärungsbedarf.

    Über Kommentare und Anregungen, ob mir das halbwegs gelungen ist, würd ich mich freuen :)

  17. kobalt sagt:

    @ PZK:

    Ob Frau von der Leyen auf technischem Gebiet schlau oder dumm ist, ist vollkommen egal. IMHO hat sie von den technischen Zusammenhängen weniger Ahnung als ich, weswegen sie die technische Umsetzung der Zugangserschwernisse den ISP überläßt (sie sagt freilich, der Gesetzentwurf sei „technisch offen formuliert“). Ich glaube jedoch das die Häuser v.d.L und Schäuble die Diskussionen über v.d.Ls Vorstoß sehr aufmerksam verfolgen um neue Argumente zu gewinnen.

    Frau v.d. Leyens Stärke sind die Rabulistik und die Rhetorik. Das Problem auf Seiten der Gegner der Internetzensur ist, daß sie technisch Argumentieren müssen, um vdL.s Lügen und Halbwahrheiten zu entlarven. Doch die technischen Zusammenhänge versteht vdL.s Zielgruppe, jene 80% der Internetnutzer, nicht. Das Bild eines Schutzwalls, der auf der Datenautobahn errichtet wird, ist (vor allem emotional) leichter zu fassen als URLs die mittels DNS-Server in IP-Adressen übersetzt werden.

    Von der Leyen nutzte die Kraft der Emotionen von Beginn an, weswegen sie Kinderpornos öffentlich (vor Journalisten) vorführen ließ.
    Wenn man die Herzen die Menschen gewinnen will ist weniger wichtig *was* man sagt. Viel wichtiger ist, *wie* man etwas sagt, denn das Herz denkt nicht. Schon die Art wie v.d.L. spricht, langsam, jedes Wort betonend, in einem bestimmten Rhythmus lächelnd, dringt tief in die Wahrnehmung der Zielgruppe ein. Demagogen, Religionsführer und Diktatoren nutzen dieselben Methoden immer wieder mit großem Erfolg.
    Das Gespann Schäuble/von der Leyen ist IMHO die größte Gefahr für die Demokratie, seit D.land an das Internet angeschlossen ist. Schäuble hat das Wissen, die Intelligenz und v.d.L. die Fähigkeit, Schäubles Visionen zu emotionalisieren und sie in die Herzen der Menschen hineinzutragen.

    Wenn nun jemand v.d. Leyen anzeigt, mag er damit scheitern oder nicht, wichtig ist, daß etwas getan wird und vielleicht regt diese Anzeige die von-der-Leyensche Zielgruppe zum Nachdenken an und führt zu der öffentlichen Diskussion über den Umgang mit KiPo, den Opfern und den Tätern , die dringend notwendig ist, die vielleicht wirksame Handlungsstrategien, wirksame Problemlösungen hervorbringt. Und das wiederum könnte das Internet vor v.d. Leyen retten.

  18. PZK sagt:

    @kobalt: Von technischer Dummheite habe ich hier auch gar nicht gesprochen, sondern dass die von der Leyen sich bewußt ist bei so einer Aussage, was sie damit bei den über-den-Kamm-gescherten und unter Generalverdachten gestellten Angesprochenen verursacht und wie sie sowas sagen kann ohne öffentlich gesteinigt zu werden. Und eine Anzeige, die, im Bezug auf ACAB richterlich, wahrscheinlich keine Chance hat und medial nicht in die Massenmedien schafft, ist eigentlich nichts wert außer das man selbst «schon mal staatlich vorgemerkt ist».

  19. kobalt sagt:

    @ PZK:

    Ja natürlich ist die Frau sich bewußt, was sie mit so einer Aussage anrichtet. Sie sagt sowas IMHO durchaus mit Absicht. Wir wollen Politikern doch nicht unterstellen, daß sie in Interviews einfach so daherlabern 😉

    «(…) eine Anzeige, die (…) nicht in die Massenmedien schafft, ist eigentlich nichts wert»

    Dann muß man den Leuten von der Anzeige erzählen.

  20. PZK sagt:

    @kobalt: Das mit der Anzeige war zu allgemein gesprochen, da haste Recht, Sry. Aber ich bezog mich halt auf deine Aussage, die ich genauso sehe, man muss sowas öffentlich und in die Massenmedien kriegen.

  21. Peter sagt:

    Ich finde es unglaublich, wie so jemand wie von der Leyen so viel Einfluss gewinnen konnte und uns jetzt mit ihrer Form der Internetzensur «beglücken» darf… >:-( Das Interview ist jedenfalls echt peinlich und auch entlarvend.

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