Vom Umgang mit der Linkspartei

Nicht nur die SPD hat ein Problem in ihrem Umgang mit der Linkspartei. Sei die Diskussion nun ideologisch, unüberlegt, arrogant, besserwisserisch oder gar von Angst geprägt — selten findet man neutrale, unaufgeregte oder einfach nur sachliche Texte zur Linkspartei. Dass dies durchaus möglich ist, beweist Michael Spreng in seinem neuesten Artikel: Wie antisemitisch ist die Linkspartei? Kritik an der Linkspartei, sachlich und ruhig begründet — solche Artikel würde ich mir auch von den etablierten Medien wünschen. Gerade die SPD könnte da jede Menge lernen — die Linkspartei kann eigentlich froh sein, dass dem nicht so ist. Und so geht wieder einmal eine Leseempfehlung an Sprengsatz:

Der Fall spielte überregional keine große Rolle, dennoch wirft er ein grelles Schlaglicht auf die Linkspartei. Der Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidat der Linkspartei in Duisburg, Hermann Dierkes, forderte den Boykott israelischer Produkte und weckte damit die Erinnerung an die Nazi-Plakate “Deutsche, kauft nicht bei Juden”.  Trotz massiver öffentlicher Kritik wiederholte er den Boykottaufruf mehrmals und erklärte in einem islamistischen Internet-Portal, in dem gegen  den “Pseudostaat” Israel gehetzt wird, Boykottaufrufe dürften “nicht verunglimpft werden”. Nachdem die Protestwelle immer größer wurde, legte der Politiker seine OB-Kandidatur nieder, blieb aber Fraktionschef.

Sprengsatz: Wie antisemitisch ist die Linkspartei?

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3 Antworten zu “Vom Umgang mit der Linkspartei”

  1. phoibos sagt:

    ruhig ist die kritik. aber sachlich? kann man in deutschland überhaupt sachlich über das israelische staatsgebilde reden? ich glaube nicht. der alte holzmichl ist da ein wenig binär: entweder ja zu israel inkl. aller dunklen flecken auf der grauen weste oder ein nein zu israel inkl. aller seiner bewohner. kritik wird sehr schnell als antizionismus (ich fasse den zionismus als eine andere form des nationalismus auf) oder gar antisemitismus gedeutet.
    ich finde diese links-antisemitismus-debatte heuchlerisch ohne ende. ja, die regierenden haben es geschafft, diese debatte loszutreten, jedoch stellen sie sich keineswegs eben dieser debatte. es immer leicht, bei einer jungen partei (die linke ist jung! jünger als die grünen) mit dem finger auf wunde punkte zu zeigen (zurecht), doch sollten dabei auch keinesfalls die anderen vergessen werden (ihr erinnert euch daran, dass «filbinger ein aufrechter widerstandskämpfer war»?). etwas von den linnken zu fordern, das andere parteien seit ihrer gründung nicht geschafft haben und der staat als ganzes nicht in seinem bestehen, ist schlicht ungerecht — und in der sache dann auch unsachlich. gerade der schluss «Solange muss der Verfassungschutz nicht nur die NPD, sondern auch auch die Linkspartei beobachten. Das frühe Erkennen antisemitischer Strömungen ist eine seiner wichtigsten Aufgaben.» ist imo empörend. meiner meinung nach hat die links-partei mit der npd viel weniger gemein als gewisse kreise bei der cdu/csu (wenn man die beobachtung durch den verfassungsschutz ausschließlich mit rechten strömungen rechtfertigen will).

    die heutige links-partei ist ein sammelbecken vieler enttäuschter menschen, nicht wenige davon auch mit antisemitischer grundhaltung. aber wundert das irgendwen? in den letzten studien sind 15–20% der ganz normalen deutschen ausländerfeindlich und auch antisemitisch. die antisemitischen strömungen in der links-partei beweisen damit doch nur, dass sie inzwischen zu einer volkspartei geworden ist. gut ist das weiterhin nicht, ein jeder, der menschen, die sich als juden bezeichnen, das recht auf eine staatliche existenz absprechen, ist einer zu viel.

    ciao
    phoibos

  2. no sagt:

    «Linken» Antisemitismus gibt es in der Tat. «Sachlich und ruhig begründet» ist m.E aber keine treffende Einschätzung des Spreng-Artikels. Er reiht aus dem Kontext gelöste Zitate ohne Quellenangaben aneinander. Verschwiegen wird, dass es eine pro-israleische Arbeistgruppe BAK-Shalom in der Linkspartei gibt, die wiederum an pro-Israel Demonstrationen während des Gaza-Krieges teilgenommen hat.

  3. Cartagena sagt:

    Als wirklich sachlich empfinde ich Sprengs Artikel auch nicht wirklich.
    Antisemitismus ist der pure Hass gegen Juden und die jüdische Kultur, was man natürlich nicht mit der Kritik an Israel und deren Staatsführung gleichsetzen darf.

    Wirklich frech finde ich den Vergleich gleich im ersten Absatz. Auch wenn jemand zum Boykott israelischer Produkte aufruft ist seine Motivation automatisch «Deutsche, kauft nicht bei Juden ein!». Kann man noch einfältiger werden?
    Natürlich ist das mal wieder typisch Deutsch, weil diese Assoziation sich auf unsere eigene Überkompensation des Schuldgefühls bezieht. Die Motivation des OB-Kandidates wird nicht diskutiert. Ist ja auch egal, er mag ja offenbar keine Juden. Was von seiner Aussage in einem Kontext grundsätzlich zu halten ist und welche Plattform er sich für die Verkündung aussucht steht nochmals auf einem ganz anderen Blatt.

    Wunderbar unterstreicht Spreng seine anfangs verbreitete Stimmung weiter, in dem er dann die verordnete Solidarität mit Israel als Teil der deutschen Staatsräson von 2008 erläutert und dabei erklärt, dass elf Bundestagsabgeordnete der Linken nicht zustimmten. Das Bild wird langsam durchsichtiger. Ein klarer Fall von Judenhass! Na ja, und so geht es halt weiter.

    Ich hab alles andere als eine gute Meinung über die LINKE, weil sie schlicht weg die politische Entwicklung in diesem Land verlangsamt. Aber mal einfach so dieser Partei diesen Anstrich zu verpassen, oder auch wenn nur einem Teil dieser Partei, das funktioniert höchstens auf einer populistischen Ebene.

    Ich mag Sprengs Blog. Er schreibt gute interessante Artikel, aber so einen Blödsinn habe ich bis dato dort nicht gelesen. Das heißt nicht, dass er die israelkritische Haltung von Teilen der LINKEN nicht diskutieren darf, aber dann eben bitte sachlich und ruhig 😉

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