Vom Bloggen …

Ein Gedankengang: wo beginnt man, wie geht es weiter. Nun das wird wohl die meisten interessieren, wenn man denn den Ruf der digitalen boheme erhört, der als Randrauschen des Netzes durchaus ab und an bemerkbar ist. Okay man braucht dazu natürlich erst einmal einen lauschigen Ort auf dem man munter drauf los pinseln kann, da könnte man z.B. blogger nehmen oder auch livejournal. Irgendetwas halt das schon mundgerecht geliefert wird und zum sofortigen Schreiben einlädt.

Viele gute Texte finden sich auf diesen Plattformen, etwas eigenes, händisch Gefertigtes ist also nicht unbedingt notwendig. Möchte man jedoch seine Texte eventuell mit der persönlichen Note unterstreichen, wobei meiner Meinung nach der Inhalt 99% ausmacht, so mietet man sich Webspace an für knapp 5 Euro und plaziert dort Weblogs a la WordPress oder auch Serendipity. Beide sind recht einfach zu installieren und bieten im Prinzip alles in einem Paket, auch sind die Communities recht groß. Wer es exotischer mag, sollte dennoch zuerst mit einem dieser beiden spar–CMS-Systeme arbeiten — man erspart sich viel Ärger und verliert den initialen Antrieb, das Schreiben, nicht aus den Augen 😉

Darüber hinaus sollte man nicht dem Plugin-Wahn erliegen oder designtechnische Ungetüme aus dem Boden stampfen. Weniger ist oft mehr. Weniger Design, mehr Inhalt — das Augenmerk sollte auf dem Inhalt liegen und nicht wahnwitzigem Design. Apropos Plugins, man holt sich damit mitunter zusätzliche Sicherheitslücken ins Haus, kann massiv die Performance des Angebots ausbremsen und last not least ist die Interaktion der Plugins untereinander meist eher mies, d.h. Plugin A und Plugin B wollen nicht miteinander und blockieren eventuell alles. Auch kann ein Upgrade der Weblog-Software mit aktivierten Plugins bös daneben gehen, so das diese unbenutzbar wird. Vieles gibt es dabei zu beachten und je weniger man davon hat, um so besser.

Das größte Übel wird im Laufe der Zeit wohl SPAM sein, anstatt die Leute mit grausligen Captchas zu quälen sollte man dazu übergehen entsprechende Plugins zu nutzen, wie Spam Karma oder man setzt altbekannte Hausmittel ein. Macht genau das was es soll und fängt in der Regel den ganzen Crap ab. Spammer sind recht gewitzt, da stecken massive monetäre Interessen dahinter, drum ist es auch in der Praxis immer ein geben und nehmen, vollständig sicher davor ist man nur auf Zeit, jedoch nicht für die Ewigkeit.

Von technischer Seite her gibts nicht viel mehr zu sagen, das man sich mit Mysql ein wenig auskennen muß bzw. nicht die Mühe einer Einarbeit scheuen darf ist wohl logisch, das gilt jedoch nur für den eigenen Webspace und insbesondere dort auch grundlegend für die Eigenheiten des Webservers. Essentiell ist, das man sich um die Sicherheit seines Weblogs kümmert. Da läuft Software auf dem Server und diese hat immer Fehler, drum sollte man neue Versionen auch schleunigst Updaten, selten ist es nur ein Feature-Update 😉

Lösungen zu Problemen/Sicherheitslücken, die noch nicht gefixt aber dafür bekannt sind, findet man in der Regel wiederum auf anderen Weblogs, auf welchen erfahrene Leute ihr Wissen zum Besten geben. Auch da sollte man desöfteren drüber schauen, möchte man denn nicht eines Morgens Fluffy Bunny oder ähnlichen Schrott auf seinem Weblog ausmachen. Bei den rundum-glücklich-Paketen muß man dabei natürlich dem Anbieter vertrauen und das klappt in der Regel bei den beiden oben genannten auch recht gut.

Das alles hier ist natürlich nur die Oberfläche, je nach Anwendung kommt noch das eine oder andere Detail hinzu, insgesamt aber ist alles recht eingängig.

Wäre noch der Inhalt anzusprechen. Der Inhalt ist wohl das wichtigste auf einem Weblog. Weder SEO, noch das sogenannte social network werden einen da weiter bringen. Man findet sich schnell in *irgendetwas* wieder, muß sich Dingen unterwerfen die kaum als sozial zu bezeichnen sind, man verliert seine Identität oder man mutiert im Falle der SEOs zum profanen Schrauber, Inhalt nur noch sekundär relevant. Da gibts die sogenannten a-Blogger bzw. Problogger die mittels eines ausgeklügelten Netzwerks ihre ureigenen Interessen zu wahren wissen oder mittels Werbung höchstseltsame Pfade beschreiben. Wobei hier eines klar sein sollte, wer sich ein Google-Adsense auf die Seite klemmt wird damit nicht im Fegefeuer landen. Man sollte sich aber auch nicht zuviel davon versprechen, vielleicht langt es um den Webspace zu finanzieren, verbiegen wird man sich wohl erst pro Werbung, wenn die Einnahmen in die dreistelligen Bereiche rücken. Wie dem auch sei, man sollte eines im Sinn behalten: Nervt mich Werbung?, wenn ja dann mute sich auch keinem anderen zu.

Wahrt man also seine eigene Identität, macht nicht jeden nonsense dieses sogenannten social networks mit, dann wird man auch viel Spaß an der Sache haben. Ob thematischer Weblog, Tagebuch, humorvolles Allerlei, whatever — man sollte einfach dahinter stehen und nicht meinen es irgendjemandem recht machen zu müssen. So ein Weblog ist im privaten Bereich, von dem ich hier auch nur spreche, eine persönliche Sache. Da darf im Prinzip *alles* drinstehen.

Allerdings gibts ein paar Dinge zu beherzigen:

    denke zuvor darüber nach was du schreibst
    beachte deine Privatssphäre, jeder kann deinen Eintrag lesen
    achte die Privatssphäre anderer, der eigenen Meinung sind schnell Grenzen gesetzt beginnt man denn damit andere zu verleumden oder zu beleidigen
    achte die Rechte anderer, nicht jedes Bild und jeder Text ist frei nutzbar
    greife andere Weblogs nicht persönlich an, es endet ohnehin nur im Flameware
    hast du etwas zu kritisieren, gehe die Problematik allgemein an, das hat mehr Substanz
    konsumiere nicht ausschließlich Weblogs, das schmälert den Horizont
    was die Mehrheit macht ist selten das Richtige

    fülle deine Links nicht gemäß Vetternwirtschaft, sondern gemäß deiner tatsächlichen Interessen, eine unsägliche Abhängigkeit ergibt sich sonst daraus

    lass dich nicht von Solidarität und anderen Dingen beeindrucken, meist möchte man dich damit nur in Form pressen, du verlierst deine Identität
    übe dich in Quellenkritik, nimm nie etwas für bare Münze, nur weil es «dort» so steht

Das könnte man wohl endlos fortführen, einen Codex draus basteln usw. Aber das bringt nichts, das sind nur Anhaltspunkte, vielleicht auch eher Tipps, gesunder Menschenverstand eben. Denk darüber nach was du machst und lieber zweimal als hinterher die Zeche zahlen zu müssen.

Ein gutes Beispiel wie man die Sau durchs Dorf treiben kann, ist es indem man die Worthülsen anderen aufgreift und sich zu eigen macht ohne den oft nicht einmal im Ansatz vorhanden Inhalt reflektiert zu haben. Auch hier verliert man die Indentität und erweist der eigentlichen Sache, um die es sich initial dreht, einen Bärendienst. Weblogs sind dafür berühmt und Berüchtigt, nichtssagenden Aktionismus zu betreiben der in die Leere abschweift. Das muß nicht sein, wo bleibt der Spaß dabei, die Persönlichkeit? Mach dir einfach eigentständig Gedanken zu *deinem* Inhalt und denke genauestens darüber nach, bevor du den Inhalt anderer übernimmst und das nicht nur ob der rechtlichen Natur.

Last not least sollte das ein grober Überlick sein, kein tech-Blubber von .htaccess und SEO-p0rn, nur ein kleiner Leitfaden um den Einstieg zu finden und nicht gleich den ersten Bock in puncto Inhalt zu schießen. Beim Gros der Leute, die sich dem Mainstream anschließen, sprich sich den ungeschriebenen Webloggesetzen willig und unreflektiert unterwerfen, wirkt alles nur aufgesetzt, gekünstelt, die Persönlichkeit ging verlustig — vielleicht nur noch am Impressum selbst auszumachen. Das muß wirklich nicht sein. Auch wir hier merkten schnell, das diese schillernde Welt gar keine ist, nur ein Zerrbild der üblichen Gesellschaft, auf onez Blog kann man dazu auch etwas lesen.

Meide Propheten die dir etwas Lauschiges von der digitalen boheme, Pro-Blogging oder Bürgerjournalismus erzählen. Es sind in der Regel ganz profane Eigeninteressen, die in schicke Worthülsen verpackt werden, mach dich nicht zum Sklaven der Werbung, bleib dir selbst treu. Einfach drauf los schreiben, aber mit Verstand, suche kein social network, finde Freunde und dazu brauchts keine Weblogs 😉

Das K.I.S.S. Prinzip, keep it simple stupid, wirkt immer und überall und gereicht, abseits vom massiven Inhalt, immer und überall zum Erfolg. Auri sacra fames1 ist hier ohnehin nicht der Aufhänger, ich denke bei Erfolg an höhere Dinge. Vergiß hahnebüchene Lizenzen, das unheilvolle ©, gibs einfach *frei* her, genieße das Bloggen, das Schreiben auf deiner Seite 😉

Bild: WikiCommons

  1. Verfluchter Hunger nach Gold []

7 Antworten zu “Vom Bloggen …”

  1. Martina sagt:

    Ein echtes (aufgebohrtes) CMS wie Intervowen oder so ist einfach zu mächtig für die normalen Blogger. Und was du zum Inhalt schreibst, das gilt für die eine wie auch andere Seite.

    zu den div. Plugins:
    Bevor ich meinen Blog mit massig Plugins zupflastere, versuche ich erstmal, die «normalen» Features von CMS zu akivieren. Allerdings scheitern meine Ideen meist an meinen mangelhaften php-Kenntnissen. :(

    Ansonsten: Deine Regeln, was wann wie und wo zu schreiben ist, gehört zu den normalen Regeln im Web.

  2. Oliver sagt:

    >Ein echtes (aufgebohrtes) CMS wie Intervowen oder so ist einfach zu mächtig für die normalen Blogger

    Ansichtssache, bei uns werden auch am Institut Weblogs mittels Typo realisiert. Overkill, k.A., andere schreiben ihre Blogsoftware selbst, die einen benutzen Windows, die anderen Linux/BSD. Aber davon erwähnte ich auch nichts im Text.

    >Ansonsten: Deine Regeln, was wann wie und wo zu schreiben ist, gehört zu den normalen Regeln im Web.

    Es sind nicht meine Regeln, es ist mein Gedankengang wie Eingangs erwähnt. Es sind Denkansätze, keine stupiden Regeln. Der reguläre Blogger bloggt, schaut aber nicht mehr hinter sich. Spreche ich hier Netiquette & Co an, liest keiner weiter, da er sich nicht angesprochen fühlt. Zudem sind auch diese sogenannten «Regeln» dem zeitlichen Kontext massiv unterworfen und spiegeln auch teils die jeweilige Gruppe wieder. Was teils in den 80ern auf einem BBS galt, war später teils schon wieder anders als ich 95 das Netz betrat und heute fehlt es teils komplett. Die Quintessenz ist immer Respekt, irgendwie. Das war auch irgendwie der gemeinsame Nenner seit 64er Zeiten, online im Schneckentempo.

  3. tontechniker sagt:

    Inhaltlich finde ich wichtig das man nicht direkt versucht sich irgendeinem A-Blogger anzuschließen sondern auch eine eigene Meinung pflegt.

    Ach ja und Werbung und adical und so kommen am Anfang garnicht gut. Und nur weil man selber mit Adblock surft muss das bei anderen nicht umbedingt so sein.

    Bezüglich Software bevorzuge ich eigene Kreationen, gerade weil ich da sämtliche Sicherheitslücken in PHP direkt zumachen kann und weil mir bei einem objektorientierten Aufbau (gegenüber dem Codegeschnippsel von WordPress & Co) deutlich wohler ist.

  4. Oliver sagt:

    >Werbung und adical

    Ein weißer Schimmel machts nun auch nicht deutlicher.

    >Bezüglich Software bevorzuge ich eigene Kreationen

    Da hüpft der Neueinsteiger beherzt direkt von der Brücke, denn an diesen ist der Text gerichtet.

  5. Bernd sagt:

    Da hüpft der Neueinsteiger beherzt direkt von der Brücke, denn an diesen ist der Text gerichtet.

    Frühestens beim Stichwort «CMV» und spätestens beim «unit test» 😀

    Bezüglich Software bevorzuge ich eigene Kreationen, gerade weil ich da sämtliche Sicherheitslücken in PHP direkt zumachen kann

    Ich glaube es ging um Anfänger und nicht um Informatik Studenten im 6. Semester 😉

    Naja und «sämtliche Sicherheitslücken» in PHP zumachen kann man eigentlich nur, indem man es deinstalliert 😀 *duck*

  6. Bernd sagt:

    Äh jetzt fällt mir doch glatt noch was ein :)

    Wer eher viel dokumentieren möchte (Anleitungen, whatever) und nicht gerade den allerbesten Durchblick durch die PHP & MySQL-Brille hat, dem empfehle ich noch dokuwiki. Da dieses Wiki ohne MySQL auskommt, entfällt also die Einarbeitung in MySQL :)
    HTML-lernen ist auch nicht nötig, da man die einfach zu lernende Wikisyntax schnell inne hat.

    Musste ich noch los werden, weil ich es als das angenehmste «CMSle» empfinde, mit dem man eben schnell was auf die Beine stellen kann bzw. nicht zu viel Zeit mit der Installation & Konfiguration verschwendet.

  7. phoibos sagt:

    interessanter bericht zum bloggen als solches:

    Why I Fucking Hate Weblogs

    hat mich amüsiert.

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