Volksabstimmung: denn wir wollen nicht mehr denken

So oder ähnlich würde wohl der tatsächliche Titel dieser Abstimmung lauten, die da in Berlin initiiert wird. Und ich dachte vormals derlei Dinge wären allenfalls in Bayern usus, aber es geschehen immer noch Zeiten und Wunder 😉 Die Aktion Pro Reli möchte in Berlin das Pflichtfach Ethik abschaffen, weil ethisches Handeln, Respekt und Toleranz Ergebnisse einer weltanschaulichen Prägung sind, die unterschiedliche Formen annehmen kann, aber gleichermaßen auf eine «Reflexion über sittliche und moralische Wertvorstellungen für unsere Gesellschaft» zielt. So also die Argumentation dieser Aktivisten, wer weiß wo er hingehört, wird auch dementsprechend gut mit seinen Nachbarn umgehen können. In der Geschichte der vielfältigen Religionsgemeintschaften bedeutete das bis dato, klare Grenzen ziehen, sich abschotten und größtenteils andere Verunglimpfen, die daraus entstehenden Spannungen sind auch heute immer noch Anlaß für Unruhen, wenn nicht gar Kriege.

Unterstützt wird das alles von den üblichen Verdächtigen, wie Pofalla (CDU), selbstredend Kirchenvertretern und auch Leuten von CSU und FDP. Wenn man die Leitkultur schon nicht bundesweit verankern kann, dann eben Schritt für Schritt indem man die einzelnen Länder unterminiert. Anstatt also mittels Ethik, diverse weltanschauliche Prinzipien zu vereinen und so dem Schüler diverse Prinzipien näher zu bringen, möchte man einen gewaltigen Schritt zurück gehen in die Dogmatik des Mittelalters. Ethik behandelt den Menschen grenzübergreifend, weltweit — Religion behandelt den Menschen, der sich ihr unterwirft ohne an ihr Zweifel zu hegen. Natürlich steht es Berliner Schülern frei dennoch den Religionsunterricht zu besuchen, zusätzlich zu Ethik und genau das ist der Knackpunkt, man möchte wohl kaum jemand der sich intelligent mit den Dingen auseinandersetzt und zweifelnt im Relgionsunterricht sein Dasein fristet. Und um mich der allgemeinen Nomenklatur zu befleißigen, willkommen zu Mittelalter 2.0 😉

TP

3 Antworten zu “Volksabstimmung: denn wir wollen nicht mehr denken”

  1. […] Wie schon zuvor erwähnt, bringt man die unsägliche Leitkultur in kleinen Schritten unters Volk. Friedrich Merz brachte diesen Begriff damals in den deutschen Alltag ein, als er sein kleines Einwanderungsbrevier veröffentlichte, Regeln welche einen guten Deutschen ausmachen und warum Multikulti nichts taugt. Ich halte diesem nationalen Bullshit nur eine kurze Aussage meinerseits zu einem ähnlich gelagerten Thema entgegen, Kultur ist keine Einbahnstraße und multi die Grundlage jedweder kulturellen Entwicklung. […]

  2. derhans sagt:

    Ich kann jetzt nur on dem (evangelischen) Religionsunterricht sprechen, an dem ich von der 5. bis zur 10. Klasse teilgenommen habe, aber der erfüllte im wesentlichen die Forderungen, die ich an ein Fach Ethik stellen würde. Unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen wurden besprochen, aktuelle Probleme besprochen, so gut wie nichts mit Bibel Christentum un Co.

    Ich weiß nicht, wie der Ethik Unterricht in Berlin aussieht, aber er dürfte etwa so aussehen, d.h. es gibt keinen vernünftigen Grund ihn abzuschaffen. Auch ein gläubigen christlichen Menschen kann es sicher nicht Schaden, über den weltanschaulichen Tellerrand hinauszusehen, und eine vertrocknete Bibelstunde bruacht im Jahr 2007 vermutlich keiner mehr.

    Als Kompromiss wäre es ja vlt. möglich beide Fächer parallel laufen zu lassen, zumindestens ab den höheren Jahrgängen, und den Schülern dann die Wahl zu lassen.

    Das die üblichen Verdächtigen mit aufspringen aufs Boot, war zu erwarten, manche lassen halt keine Gelegenheit aus, ihr verqueres Weltbild an den Mann/die Frau zu bringen. Erschreckend eigentlih nur, dass solche Leute immer noch reichlich Gehör finden.

  3. Oliver sagt:

    >Als Kompromiss wäre es ja vlt. möglich beide Fächer parallel laufen zu lassen

    Diese Möglichkeit besteht längst, es geht aber darum Ethik als Pflicht abzuschaffen.

    Darüber hinaus ist Bildung wie gesagt Ländersache, der Religionsunterricht wird ergo auch dementsprechend verarbeitet. In vielen Ländern unterrichten zudem Pfarrer und auch recht dogmatisch. Ich kenne zudem u.a. beides, sprich katholischen Religionsunterricht, als auch Ethik als Teildiziplin der Philosophie. Wenn der gläubige Mensch glauben möchte, so soll er dies tun, aber nicht in einer Bildungseinrichtung. Die Festsetzung diverser Dinge, die Kirche betreffend, geht zudem noch auf den fragwürdigen Vertrag, Reichskonkordat, zwischen Nazis und katholischer Kirche zurück. Diverse Teile davon flossen u.a. in Art 140 GG ein (z.B. Kirchensteuer). Inwieweit dies bis heute einwirkt, zeigt das Urteil des BVerfGE zum Reichskonkordat. Kurzum, der Einfluß ist schon gewaltig genug, als das man es zulassen darf, diesen noch mehr auszuweiten.

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