Voip Bespitzelung leicht gemacht

Voip ist heutzutage in aller Munde, nicht nur das man damit Kosten spart, der findige Nutzer kann auch gezielt diese Gespräche verschlüsseln. Offen für alle befindet sich dieses Gespräch jedoch nur auf dem heimischen Rechner, bei der Eingabe. So dachte es sich auch die Bundesregierung und formulierte dies sogleich als Ausnahme zur Verfassung, dass es sich bei den vor einer Verschlüsselung auf dem Rechner abgefangenen Daten nicht um «Telekommunikationsinhalte» handle, weil «hier der Vorgang der Versendung noch nicht begonnen» habe. Klar soweit, im Prinzip heißt das auch Terror beginnt nicht bei der Vorbereitung, sondern erst wenn es bumm gemacht hat und die Opfer zu beklagen sind. Freut mich das hier endlich einmal tacheles geredet wird, mit dieser wanna-be–Logik, aka Differenzierung ist etwas für Weicheier, kann man übrigens alles bejahen oder auch verneinen, je nach Gusto. Man sieht also auch hier recht deutlich, das weniger die Befolgung des Grundgesetzes die Regel ist, sondern die eigentliche Triebfeder der Legislative ist die geschickte Interpretation, die Ausnutzung von Lücken, um den eigenen, perfiden Ansprüchen zu genügen.

Der in diesem Zusammenhang in Erscheinung tretende Bundestrojaner, kurz Quellen-TKÜ-Software genannt, kann natürlich auch nicht mißbraucht werden von Dritten. Die Argumentation diesbezüglich ist recht banal, Dies sei alleine deshalb nicht möglich, weil die Software «programmtechnisch so programmiert» sei. Und weil natürlich auch kein Quellcode vorhanden ist, gilt auch hier security by obscurity oder auf gut Deutsch wir nehmen einfach mal an das wir die Intelligenzija stellen. Der Online-Zugriff, Merkmal eines Trojaners, existiert angeblich auch nicht, ergo wird man wohl in bester Regime-Manier einbrechen, Wohnung und Rechner verwanzen und eventuell werden auch etwaige Systemkritiker Kriminelle in einer Nacht– u. Nebelaktion beiseite geschafft.

Es ist wirklich nett mit anzusehen, wir hier fortwährend Argumentationsketten Anwendung finden, die man sonst nur in der Art von Regimen wie Nazi-Deutschland, DDR, China etc. kennt. Klar ist das alles nicht vergleichbar, aber den Advent von derlei Dingen erkannte man bisher leider immer nur in seinem vollen Umfang mittels einer historischen Analyse. Sprich das Kind war schon in den Brunnen gefallen. Und wer darf nun, wer vollziehts? Keine Ahnung, laut dem Zitat bei Heise würde das die Sicherheit der entsprechenden Personen gefähren. Na dann, lieber ein kalkulierter Kolateralschaden bei der Bevölkerung, als Antidemokraten als solche zu erkennen geben. Wo leben wir hier eigentlich, das man sich mittels solch einem bullshit tatsächlich öffentlich rechtfertigen kann?

heise

3 Antworten zu “Voip Bespitzelung leicht gemacht”

  1. Patrick sagt:

    Der Angst– und Unrechtsimport aus Regimen wie den USA oder UK geht halt weiter. Das ist die traurige Realität, denn anscheinend lassen sich unsere Politiker nur von solchem Scheiss beeinflussen und die Bürger tun wenig bis nichts dagegen.
    Es rächt sich jetzt, dass man die Politiker immer an der langen Leine gelassen hat und sich nicht wirklich für Umsetzung in Gesetze interessierte. Wenn die dann rechtspolitisch Amok laufen, wird es zu spät sein, wenn die Masse es wahrnimmt.
    Lobby und Irrsinn sei Dank. :-/

  2. Yehuda sagt:

    Die immerfort erwähnte «heimliche» Installation eines VoIP-«Trojaners» dürfte sich in der Praxis als gar nicht so einfach erweisen. Von der frei downloadbaren Erkennungssoftware und Gratis-Patches mal abgesehen.
    Ich traue den Beteiligten in Sachen Missachtung demokratischer Grundsätze eine Menge zu, in Sachen IT halte ich sie allerdings *weitestgehend* für unfähige Grossmäuler. Dieser persönliche Eindruck wurde mehrfach durch direkten Kontakt und Gespräche mit «IT-Experten» von Behörden felsenfest zementiert. Wenn DAS die Leute sind, die uns die Trojaner unterjubeln wollen, dann mache ich mir da keine Sorgen…;-)
    Fazit: Wenn das Verfassungsgericht die Schnüffelpistoleros nicht stoppt, so ganz sicher irgendwelche Coder. In dieser Sache bettelt der neugierige Staat geradezu nach «electronic Intifada» — er wird sie bekommen.

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