Vodafones Grabreden

Hielten in den letzten Tagen:

Don Alphonso — PRevanchisten und die Erfindung des Mobs
Vodafone50hz — Vodafone: Und immer noch kein Ende
50hz — Vodafone: Mit dem Mut eines Zweijährigen
Ralf — Vodafail: Die Generation Upload frisst ihre Kinder!
Kosmar — Vodafone
Patrick — Was der Vodafone “Corporate Blog” Case wirklich kaputt macht
J — Authentizität bei Testimonials: Generation Upload
Udo — Surfpaket, ungefragt
Bulo — Erste Erfolge der Vodafone-Kampagne: Herr Kruse und die Krise
Don Alphonso — Heul doch, Sascha Lobo!
C.J. — Vodafone verheizt Bloggerin

Im Gegensatz zum Don bin ich übrigens der Meinung, dass der guten Frau Schnutinger übel mitgespielt wurde. Hier findet man den Original-Podcast zum dem Beitrag auf dem Vodafone-Blog. Nun kann man sich ungefähr vorstellen, wie der PR-Artikel zustande gekommen ist. Ich denke schon, dass Frau Schnutinger den Artikel in dieser Form nicht verfasst hat. Wenn man dann noch davon ausgeht, dass sie, sobald sie dagegen angegangen wäre (öffentlich gegen Vodafone), eine Vertragsstrafe riskiert hätte, kann man nachvollziehen, warum sie nun schweigt. Neben den teils beleidigenden Angriffen auf Twitter, die — mich wirklich sprachlos machend — sogar auf das 5 Monate alte Kind einprügeln. Spätestens in diesem Fall haben die Macher und Protagonisten des Vodafail dann völlig versagt — oder war es vielleicht so gewollt?

Warum hat Vodafone diesen unsäglichen Blödsinn nicht vom Netz genommen? Als Unternehmen hat man eine besondere Verantwortung gegenüber seinen Vertragspartnern und spätestens nach den ersten 20 Kommentaren hätte man reagieren müssen. Sorry, tut uns leid, das läuft aus dem Ruder. Auch das hätte sicherlich zu negativen Reaktionen geführt, nicht aber einen Menschen derart verletzt wie es im Fall Schnutinger geschehen ist. Wo waren Sascha Lobo und Nico Lumma? Sascha Lobo twitterte zum Fall Schnutinger: Web ist ein Stahlbad. Bei Nico Lumma war insgesamt Schweigen im Walde. Das nehme ich den beiden persönlich übel, dass sie sich hier nicht vor ihr Testomonial gestellt haben. Ich habe für dieses Verhalten im Moment viele Worte im Mund — keines wäre zitierfähig. Aber vielleicht war das genauso geplant, so konnte man mit dem Finger auf den Web-2.0-Mob zeigen. Und wenn ich sehe, wie Sascha Lobo hier seine Journaille arbeiten lässt, dann kann man zur Überzeugung gelangen, dass man die gute Frau Schnutinger bewusst zur Zielscheibe gemacht hat. Zuzutrauen wäre es den Protagonisten durchaus. Als Publizist, Blogger, was auch immer, trägt man nicht nur die Verantwortung für die eigenen Veröffentlichung, sondern auch die Verantwortung für die eingehenden Kommentare. Das mag in Hamburg manchmal sogar vom Gericht entschieden werden — in erster Linie ist es aber auch eine publizistische Verantwortung. Das hat selbstverständlich auch nichts mit Zensur zu tun. Warum haben Vodafone und Scholz & Friends hier nicht gehandelt?

Was bleibt für Vodafone?

Das wahrscheinlich größte PR-Desaster der letzten Jahre wird Vodafone noch lange beschäftigen. Nach dem Vorantreiben der Internetzensur war die Presse nicht gerade positiv, nun aber, nachdem man sich den größten Kritikern auch noch auf lächerliche Art und Weise anbiedern wollte, ist ein Sturm entfacht worden. Vodafone kann sich direkt neben das Web-2.0-Grab der SPD liegen. So schnell stehen die beiden nicht wieder auf. Und das ist verdammt nochmal gut so. Man mag sich bei Vodafone nun damit herausreden, dass man es mit dieser Kampagne in die etablierten Medien geschafft hat. Hier aber von bad news are good news zu sprechen, zeugt von einer kurzfristigen und dümmlichen Denkweise. Das Netz vergisst nie — und so werden viele Vodafail-Artikel auf den ersten Seiten der Google-Suche noch in Monaten zu finden sein, je nachdem, wie Google mal wieder mit dem Algorithmus spielt. Und man sollte auch nicht vergessen, dass es massive Kritk am Geschäftsgebaren von Vodafone gibt, seien es die Gebühren oder der Kundenservice. Auch diese Dinge werden per Mausklick dem Vodafone-Sucher offenbar.

Der Protest

Besonders gut hat mir der breite Protest gegen Vodafone, Scholz & Friends, Adnation, Nico Lumma und Sascha Lobo gefallen. Vor wenigen Monaten noch, gab es eher eine überschaubare Anzahl von kritischen Blogs — die meisten Blogger schielten mit dem Auge auf die großen Vorbilder von Adnation. Die Versuchung, vom süßen Kuchen zu naschen, war verdammt groß. Diesmal war es anders. Der Protest kam aus der Masse heraus, nicht von wenigen, an denen sich andere dem Traffic wegen angehängt haben. Vodafone, Scholz & Friends, Adnation, Nico Lumma und Sascha Lobo sind von der überwältigenden Masse der User des Web 2.0 teilweise sturmreif geschossen worden. Selbstverständlich entschuldigt das nicht die eine oder andere unsägliche Beleidigung, das sollte auch noch einmal klargestellt werden. Die immer so verächtlich genannten üblichen Verdächtigen waren diesmal eher still, haben zwar auch den einen oder anderen Beitrag verfasst — doch die Masse der Menschen hat die Beteiligten mit Anlauf in den Bobbes getreten. Immer und immer wieder. Wäre ich Beteiligter, würde mir das arg zu denken geben.

Und nun?

Die Unternehmen werden sich in Zukunft genau überleben, ob und wie sie ins so genannte Web 2.0 einsteigen. Ich kann nicht behaupten, dass ich traurig darüber bin. Last but not Least ein Tweet, der uns gestern Abend auf Identi.ca doch sehr zum Lachen gebracht hat:

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20 Antworten zu “Vodafones Grabreden”

  1. 50hz sagt:

    Für meinen Geschmack ein wenig zu viel Verschwörungstheorie und persönlicher Angriff. Ich glaube, dass die meisten Beteiligten durchaus gute Absichten hatten und sich schlicht überschätzt haben. Von dem was da jetzt passiert, ist wenig geplant oder gar in böser Absicht eingefädelt. Das Klettergerüst ist eben einfach zu hoch.

    Aber gut. Jeder so, wie er es für richtig hält.

    Dass immer noch niemand die Verantwortung für die Beschädigung Schnutingers übernommen hat, wird inzwischen übrigens an verschiedenen Stellen kritisch bemerkt.

  2. phoibos sagt:

    «gute Absichten» in der werbung? ich lach mich wech…

    lies mal ein buch wie 39,90…

  3. Foxxi sagt:

    @50hz

    » … zu viel Verschwörungstheorie…» das mag sein und man wird es nur sehr schwer aufklären können, wenn überhaupt.

    …persönlicher Angriff.», genau das ist der Unterschied zu den traditionellen Medien: Blogs sind persönlich, bzw. stehen und fallen mit Persönlichkeiten und deren Glaubwürdigkeit. Deshalb ist es nicht zu verhindern, dass Kritik (und Angriffe) persönlich sind, so sind die Spielregeln.

    » …gute Absichten …» was für welche? Kritischer Dialog mit dem Zensor? Ich wüßte nicht welche «guten» Absichten Profis wie Lobo, Lumma, Haeusler & Co. mit diesen Aktionen verfolgen könnten.

    Frau Schnutinger könnte man vielleicht wohlwollend Naivität unterstellen, aber wie ich schon an anderer Stelle fragte: Wo war sie die letzten Monate? Wahrscheinlich nicht im «Web 2.0″.

  4. […] doofe Werbekampagne starten wenn du dich mit dem Web nicht auskennst, denn das geht sicher nach hinten […]

  5. Oliver sagt:

    >Wo war sie die letzten Monate?

    Ohne jetzt eine Verteidigungslinie aufzubauen: Job, Kind, Ehemann, Karrikaturen, Texte — also kurzum: Arbeit, Familie, Freizeit und da irgendwo läßt sich auch die Vodafone-Sache unterbringen. Naiv irgendwie schon, aber wo sie war können wohl nur Leute mit Arbeit, Ehepartnern und Aktivitäten abseits des Netzes beurteilen. Ich seile mich auch mehr und mehr ab, nicht hier auf F!XMBR, aber allgemein — die grenzenlose Dummheit die mittels des Mainstreams Zugang zu den weiten des Netzes erhielt, hat wahrlich eine Zensursula und gleichermaßen Piratenpartei verdient.

    Um noch einmal auf Schnutinger zurückzukommen, ich war schon einmal in einer ähnlichen Lage — nicht Werbung, aber ebenfalls naiv hineingestürtzt — mein einziges Glück damals, es hatte nichts mit dem Internet zu tun, so konnte daraus lernen ohne einer Hexenjagd zum Opfer zu fallen.

  6. Paul sagt:

    Ich kenne jemanden der persönlich angeschrieben wurde und darum gebeten wurde, seinen Artikel aus seinem Blog zu entfernen. Schlimm sowas… =/

  7. 50hz sagt:

    @phoibos: Lachen ist gesund.

  8. Foxxi sagt:

    @Oliver
    «Ohne jetzt eine Verteidigungslinie …» …geschenkt. Ich habe nur drauf gewartet bis es jemand ausspricht.

    Frau Schnutinger wurde doch offensichtlich engagiert weil sie dieses Web 2.0-Dingens (mit-)verkörpert, oder? Wenn man sie also ins offene Messer rennen ließ, dann ist das was Lobo et al. da fabriziert haben an Schändlichkeit kaum zu überbieten und man müsste noch viel, viel persönlicher werden.

    Andererseits .…ne, das schenk’ ich mir jetzt …

  9. […] Egal. Auf alle Fälle habe ich den netten Beitrag in Twitter gelesen auf welchem in den Beitrag Vodafones Grabreden hingewiesen wurde. Meister teezeh (Retweet durch NiewierraSPR, fand er es nun Lustig, oder möchte […]

  10. Seraphyn sagt:

    die grenzenlose Dummheit die mittels des Mainstreams Zugang zu den weiten des Netzes erhielt, hat wahrlich eine Zensursula und gleichermaßen Piratenpartei verdient.

    Das ist zwar sehr scharf gesprochen, aber Ja, ich denke auch nicht, dass das Netz nochmal den Hintern hochbekommt. Das sind leider zu viele Rektalposer vorhanden.
    @Foxxi Dein Satz mit dem persönlich werden ist doch nicht wirklich Ernst gemeint? (Rhetorische Frage)
    Wenn jeder Netzbewohner so handelt, dann ist es klar, dass sich das Netz nicht selbst regulieren kann.

    Seraphyn

  11. […] könnte fast schon denken, Vodafon (der Hauptunterstützer der Zensurbefürworter) stecke dahinter – so wie er zuletzt in der […]

  12. Tim sagt:

    Ich möchte euch einen Satz schenken:

    «Nach den ganzen re:publicas und Barcamps ist DAS dabei rausgekommen? Seriously?»

    Man braucht dann diese langen Postings dazu nicht mehr.

  13. Chris sagt:

    Kleine Anmerkung am Rande: Wer Satire und einen PR-Artikel nicht auseinanderhalten kann, ist bei uns verkehrt…

  14. Dennis sagt:

    @Chris : Meinst du mich ? Hast du deshalb meinen Kommentar gelöscht ? Ist nicht wahr oder?

  15. Chris sagt:

    Nein, Dein Schnutinger-Gebashe ging mir auf die Nerven. Das war gestern schon grenzwertig. Hier nicht, das hatte ich aber schon an anderer Stelle geschrieben.

  16. truetigger sagt:

    Also ich bin erst durch F!XMBR auf Frau Schnutinger aufmerksam geworden, hatte ihr per Email ein bissl versucht den Rücken zu stärken und war genau in den Tagen, in denen ich ihr Blog entdeckt hatte, in der ersten Reihe beim Abschalten desselben. Schade, aber verständlich ist es auch — immerhin muss man sich als Privatperson auch nicht ALLES antun. Vielleicht taucht sie ja wieder auf.

    Insgesamt wurde mir durch die aktuelle Vodafone-Aktion und dem riesigen Echo in der Blogwelt erst einmal klar, WIE UNBEDEUTEND ich selbst bin. Die wenigen Blogs, die ich les, die wenigen Bekannte, die ich habe, die typisch langweiligen «Cat-Content»-Beiträge, die ich so schreibe…

    Und genau da denk ich mir: neben einigen «Grossen» (richtig gross ist kein Blogger, jedes Kleinstadt-Gratis-Blatt hat da mehr Leser) ist die Welt des Web-2.0 einfach VOLLER Amateure, die nicht meinungsbildend sind, die praktisch nicht vernetzt sind und die auch keine Ansprüche haben, die Welt irgendwie zu verändern — die sich also nicht als journalistische Konkurrenz zu klassischen Medien begreifen.

    Vodafone selbst wirds überleben — kritische Kunden sind am Ende doch eher selten, und solang das Internet oder das Telefon funktioniert und die Rechnung nicht weh tut, bleibt man ja aus Gewohnheit doch dabei (denn die anderen Anbieter sind ja auch nicht soviel besser). Die Agentur wird es am Ende als Erfolg zurechtreden, was aber noch viel Arbeit bedeutet — vielleicht scheitern sie auch. Und die Blogwelt hat dann beim nächsten medialen Grossereignis das nächste Thema, und dann ist die Debatte vorbei.

  17. Foxxi sagt:

    truetigger, vor 20 Jahren hätten wir zu einem solchen Thema einen Leserbrief geschrieben und es wäre wie ein Lottogewinn gewesen, wenn er veröffentlicht worden wäre und die Superzahl wenn es sogar eine Antwort gegeben hätte.

    Heute diskutieren wir das quer durch die Republik und selbst die traditionellen Medien nehmen davon Notiz. SO fürchterlich unbedeutend ist es auch wieder nicht, dass man sich schmollend in die Blogecke setzen muss …

    Ich habe den Anspruch die Welt zu verändern, ob es mir gelingt steht freilich in den Sternen, insofern teile ich deinen Pessimismus. Aber der Versuch ist es allemal wert …

  18. fred sagt:

    Die Welt verändert man nur mit Taten und nicht mit Worten. Zu der Erkenntnis muss man aber auch erstmal kommen. Meist ist es dann zu spät.

  19. Oliver sagt:

    Wissen ist Macht, Unwissen ist Ohnmacht. Versteht man dies, so versteht man auch warum Worte in der Geschicht der Menschheit viel bewegen konnten — guter als auch schlechter Natur. Geistlose Taten gab und gibt es zu genüge, das ist wohl war. Vice versa läßt sich daraus jedoch keine Gesetzmäßigkeit formulieren, allenfalls Dummheit

  20. Sascha Stoltenow sagt:

    Ist Lobo Jünger Jünger? Dann sollte er wissen, dass es Stahlgewitter heißt: In Stahlgewittern. Das Stahlbad ist dagegen nur die Schmelze, aber im Web kommt man ja mit gesundem Halbwissen schon durch.

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