Vodafone & Adnation — Generation Zensur

VodafoneSpätestens heute wird es in den heiligen Hallen von Vodafone Überlegungen gegeben haben, wen man da eigentlich als Berater für die neue Kampagne engagiert hat. Das gesamte Vodafone-Desaster lässt sich heute in einem irrwitzigen PR-Statement bei Vodafone begutachten. Ich orakel einfach mal: Die Berater und sogenannten Experten haben Vodafone, Scholz & Friends und die restlichen Adnation-Blogger auf die Diskussion vorbereitet, ob Blogger mit Werbung Geld verdienen dürfen. Nur schade, dass auf diese Diskussion kaum jemand eingestiegen ist. 😉 Die Kritik ging in Richtung kundenfeindlicher Tarife für tägliche Nutzung des Internets und natürlich in Richtung Zensursula. Besonders die letzte Breitseite traf die Beteiligten offensichtlich völlig unvorbereitet. Don Alphonso hat sich hier schon mit dem unsäglichen Aussagen des Herrn Alexander Panczuk beschäftigt. Dieser ist Politischer Referent im Bereich Konzernkommunikation, Politik und Stiftungen von Vodafone in Berlin. In der neu geschaffenen Position ist er Ansprechpartner für Parlament und Regierung zu Verbraucher– und Jugendthemen. Also schlicht und ergreifend Lobbyist. Wenn ich seine Worte lese und mir sein Bild so anschaue, stelle ich ihn mir mit blonder Perücke vor. Ursula von der Leyen hat an diesem Text sicherlich ihre wahre Freude gehabt. Es sind wohl Geschwister im Geiste.

Völlig überraschend stellt er fest (wer waren denn im Vorfeld die Berater?):

Die Debatte zu unserer LivePK hat unter Anderem unsere Haltung zu der Zugangserschwerung von kinderpornographischen Seiten in den Mittelpunkt gerückt.

Das ist ja mal eine sensationelle Erkenntnis. Wer sich auch nur ein wenig in den letzten Monaten mit dem Internet beschäftigt hat, hätte dies voraussagen können. Es war das alles beherrschende Thema, fast alle im so genannten Web 2.0 haben gemeinsam gekämpft. Was das allerdings wert war, sieht man nun im Fall Adnation und der beteiligten Zensurblogger: Nichts. Viele Artikel, gerade aus unserer Hauptstadt, waren offensichtlich Fakes — oder glaubt wirklich jemand, dass der Vodafone-Deal von heute auf morgen völlig überraschend kam. Sie wussten es seit Wochen.

Die sexuelle Misshandlung von Säuglingen und Kindern ist eines der menschenverachtendsten Verbrechen die man sich vorstellen kann. Hierüber besteht breiter Konsens. Wir sind der Meinung, dass vor dem Hintergrund dieser extremen Natur des Kindesmissbrauchs eine ausgesprochene Sonderstellung des Themas vorliegt und entschlossenes und konsequentes Handeln erforderlich ist.

Dieser Satz könnte auch direkt aus der Feder der Ghostwriter von Ursula von der Leyen stammen. Der Himmel ist blau hat eine ähnliche Aussagekraft, nur mit dem Unterschied, dass hier moralischer Druck auf die Kritiker der Internetzensur ausgeübt werden soll. Und dass die Zahlen und Argumente der Zensursula und ihrer Lakaien in weiten Teilen ins Leere laufen, ist mittlerweile mehrfach bewiesen worden. Fast schon täglich wird Ursula von der Leyen der Lüge überführt. Vielleicht hätte er Jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Dieses windige PR-Geblubber ist kaum auszuhalten und ist schon im Fall Ursula von der Leyen unsäglich.

Wir haben stets betont, dass wir Internetsperren für andere Themenfelder ausschließen. Die Ausweitung von Zugangserschwerungen auf andere Inhalte lehnen wir strikt ab.

Diese Sätze sind eine Frechheit und Unverschämtheit an jeden halbwegs intelligenten und politisch interessierten Menschen. Hey Herr Panczuk, ich bin gegen die von Ihnen mit initiierte Internetzensur. Sie wird wahrscheinlich trotzdem kommen. Was sagt Ihnen das? Richtig. Wenn die Politik nach der Wahl entscheidet, dass urheberrechtsverletzende Seiten ebenso gesperrt werden, wie unbequeme politische Meinungen, was machen Sie dann? Lassen Sie mich raten: Sie werden die Seiten sperren, weil es ja Gesetz ist. Ich muss hier wirklich aufpassen, nicht unflätig zu werden. Was für eine hanebüchene Argumentation. Wird im gesamten Hause Vodafone auf diese Art und Weise gearbeitet?

Die breite Öffentliche Debatte zeigt, dass die Bevölkerung sehr sensibel für das Thema Internetzensur ist. Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu führen, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Wenn ich es nicht vorausgesagt hätten, würde ich heute behaupten, ich habe es gewusst. 😉 Die Zensursula-Debatte hat sich damit erledigt. Vodafone, Vorreiter der Internetzensur in unserem Land, erklärt die Debatte für aus und vorbei. Diese Arroganz und Selbstherrlichkeit gegenüber den Kunden — der eigenen Zielgruppe — ist unfassbar. Die Bürgerinnen und Bürger, die Netizens, die 134.00 Menschen, die die Petition unterzeichnet haben, werden auf infame Weise verhöhnt. Vodafone lacht alle aus.

Wir haben bei allen bisherigen so genannten Sicherheitsgesetzen gelernt, dass es eben nicht um Mautdaten geht, oder gar gegen den Terrorismus. Sobald Gesetze verabschiedet wurden, wurden sie in Windeseile gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. So wird es auch bei den Netzsperren sein. Unzählige Wortmeldungen, nicht nur von Lobbygruppen — auch mehrere Politiker haben sich aus der Deckung gewagt — zeugen davon, dass nach der Kinderpornografie sofort die Urheberrechtsverletzungen folgen werden. Andere Bereiche werden ebenso schnell in den Bundestag eingebracht werden. Politiker und Lobbyisten scharren bereits gemeinsam mit den Füßen. Und Vodafone wird brav reagieren, nachdem man diese Zensurinfrastruktur laut klatschend vorangetrieben hat. Wie sollte es auch anders sein.

Vodafone hat als Vorreiter von Internetzensur in der Bundesrepublik Deutschland, sowie dem heutigen Statement, allen Internetnutzer und Bürgerrechtlern mit Anlauf in den Bobbes getreten, selbstverständlich auch den eigenen Kunden. Dass Deutschlands so genannte Top-Blogs für Vodafone werben, macht die Sache umso schlimmer. Gerne würde ich ja mal in Berlin Mäuschen spielen, wenn unsere Zensurblogger morgen früh vor dem Spiegel stehen und an Vodafone und Zensursula denken. Obwohl, ich schrieb es bereits: Es fließt Geld, da haben Moral, Anstand, Werte und Rückgrat keinen Platz. Man würde nur das Dollarzeichen in den Augen erkennen. Hand in Hand mit Zensursula, vor ein paar Tagen hat man mir diesen Satz noch vorgeworfen. Heute ist dieser Satz aktueller denn je. Folgende Blogs präsentieren:

Vodafone & Adnation — Generation Zensur

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10 Antworten zu “Vodafone & Adnation — Generation Zensur”

  1. Martin sagt:

    «Der Himmel ist blau hat eine ähnliche Aussagekraft, nur mit dem Unterschied, dass hier moralischer Druck auf die Kritiker der Internetzensur ausgeübt werden soll.«
    Sehr schön erkannt und erläutert. Beliebtes Mittel bei harten Diskussionen: Deutungshoheit über Allgemeinplätze. Wie oft durfte ich das schon erleben. Ich habe dann immer erwiedert: «..und Berlin liegt in Deutschland. Bitte zurück zum Thema…»

  2. […] Update: Vodafone reagiert auf die Kritik der letzten Tage – man verhöhnt die Internetnutzer, rückt Zensurgegner einmal mehr in die Nähe von Kinderpornofans u.… […]

  3. Horribilicribifax Teutsch sagt:

    Schöner Artikel. Man muss m. E. auch betonen, dass Vodafone «Referenten» für «Kommunikation» in der Geschäftsführung hat, die der deutschen Sprache nicht sonderlich mächtig sind — gut, vielleicht gilt bei Vodafone auch an der Spitze eine Quotenregelung für Deppen und Imbezile. Interessant ist dann aber, dass der Konzern offenbar nicht einmal über Personen verfügt, die den Sprachschrott des Herrn Diplompsychologen durchlesen und lektorieren können. Das alles fügt sich in ein düsteres Gesamtbild grenzenloser unternehmerischer Beschränktheit, wo irgendwelche Pseudo-Punks, adipösen Buzzrider und Berliner Don-Kosaken Schwachsinn brabbeln, wie unter Drogen in einem Bus herum gekarrt werden, sich mit einem Handyvertrag abspeisen lassen und das zur Revolution erklärt wird. Erst das Fressen, dann die Moral. Hoffen wir mal, dass der Kunde seine Folgerungen zieht (denn für Kunden ist ja selbst das Fressen von Vodafone ungenießbar und teuer) und dieser «Generation Upload» den richtigen Weg zeigt: down.

  4. Foxxis Blog sagt:

    Spread the words! — (24)…

    Vodafone-Werbung «Heroes» Satire from Generation Upload on Vimeo.
    Außerdem: Don Alphonso und F!XMBR zerpflücken die PR-Absonderungen von irgendeinem Vodafonetypen.
    Es gibt noch immer keine Reaktion der Pharisäer aus Bloggersdorf, wobe…

  5. Mein Name ist ‘Alexander Panczuk’, ich habe den Turing-Test bestanden (Reloaded)…

    > 01 — Der Turing-Test: «Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht– und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch…

  6. ralf sagt:

    Die stehen nicht mehr vor dem Spiegel. Die haben Plakate von sich aufgehängt.

    Auffällig ist vor allem bei den Blogs, daß man zB bei Herrn Dahlmann (Don kann man wohl nicht mehr sagen), Frau Schnutinger, Herrn Lobo, Herrn Lumma nichts wirklich relevantes seit der PK gelesen hat.
    Wie soll das für Traffic und den Payback vodafones sorgen?

    Glücklicherweise rechnet FM Schnidt von S&F selbst nach (und den vodafones vor) daß das alles unheimlich effizient war.

    Und: Soviel Hype, soviel vodafone-Nennungen, all das nur durch unsere Kampagne. Er selbst wird begeistert sein.

    Bedenkt man, daß 90% des Traffics und der Nennungen für vodafone ein Image-Desater sind, kehrt sich die Milchmädchen-Rechnung schnell um.

    Aber das wird vodafone nie erfahren! Dafür werden S&F und die Berater schon sorgen.

  7. Guy Fawkes sagt:

    Nachdem die Wut auf besagten Beitrag von Herrn Panczuk gerade etwas übergekocht ist, scheint censorfone auch noch die Kommentarfunktion abgeschaltet zu haben. Das nenne ich Dialog 😀

  8. Guy Fawkes sagt:

    Ich nehms zurück. Comments funktionieren wieder. Ist wohl nur der Praktikant mit dem Freischalten nicht hinterhergekommen.

  9. truetigger sagt:

    Tja, es gibt eben nicht EINE Blogwelt, und Blogger bilden keine Gemeinschaft.

    So wie die Piratenpartei sich momentan blaue Flecken beim Umschauen in der Realität holt, so zerbröselt auch das Web2.0 langsam wieder in das, was es immer schon war: eine indifferente Welt voll von Schlagwörtern und sich selbst überschätzenden Egoisten.

  10. […] einfach in vorauseilendem Gehorsam ihr Funknetz ab, aber auf die muss ich wohl aus bekannten Gründen eh nicht weiter eingehen). Solche Sätze, wie ich sie von unserem Außenminister höre, sind im […]

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