Verbote, Zensur, Stigmatisierungen, Dämonisierungen

Es ist ein Anfang und ein Zeichen, wie man Verantwortung dafür übernehmen kann, die Tragödie von Winnenden möglichst unwiederholbar zu machen.

FAZ

Die Artikel diesbezüglich sind Legion, der Tenor ebenso laut wie eintönig: Killerspiele allerorten, verbieten, dingfest machen. Taten verhindern indem man Menschen, ganz dem Gusto diverser Psychologen, in Schubladen steckt, diese mit einem kräftigen Rumms zuschiebt und für immer verschließt. Ebenso ist dieses wissenschaftliche Schubladendenken mit welcher man der Vielfalt des menschlichen Geists gegenübertritt weitaus öfters ursächlich für Fehlentscheidungen diverser Experten die letztendlich gar noch zu Tragödien führten und führen.

Es ist auch der Computer, der die Generationen voneinander entfremdet.

Nicht der Computer entfremdet Menschen, nein der Mensch entfremdet sich vom Menschen. Und wenn ich heute dieser einfachen, ultimativen Lösung erliege eine Sache zu dämonisieren, um die vielfältigen Problematiken der heutigen Gesellschaft zu bekämpfen, so mache ich mich ebenso schuldig. Oder wie Joseph Weizenbaum treffend bemerkte: Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt.

Der erste Schritt wäre also getan sich mit dem Menschen per se zu beschäftigen, die Universalmedizin existiert nicht — vermeidbar sind menschliche Ausfälle nie, da der menschliche Geist nicht in die Schublade eines Therapeuten paßt

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6 Antworten zu “Verbote, Zensur, Stigmatisierungen, Dämonisierungen”

  1. Anonymous sagt:

    «Es ist auch der Computer, der die Generationen voneinander entfremdet.»

    da muss ich an die zeit denken, als viele menschen glaubten, die einführung der eisenbahn könne nicht gut gehen. denn geschwindigkeiten, die die einer pferdekutsche übersteigen, hält der menschliche körper nicht aus.

  2. Oliver sagt:

    Ich werfe mal beispielsweise Comics in den Raum, Rock Musik, Filme oder auch hauptsächlich die in den 80ern anzutreffende Dämonisierung von Rollenspielen in den USA, im weiteren Sinne Romane im 18. Jhd. usw. Die Suche nach einem Prügelknaben hat Methode, leider nur ändert sich an den eigentlichen Problematiken überhaupt nichts.

  3. phoibos sagt:

    danke oli für diesen beitrag :)

    die monokausalität in dem aktionistischen wahn einiger politiker — auch den herrn pfeiffer zähle ich dazu — ist erschreckend primitiv. im gegensatz zu dem brief der betroffenden eltern, die sich gegen mediale gewaltdarstellung in toto wenden, wenn auch mit hilfe von zensur und verboten. letztlich muss sich die gesellschaft verändern: weg vom voyeurismus, hin zur menschlichkeit. die scheint jedoch nicht finanzierbar zu sein, wenn man den politikern beim tagesgeschäft zuschaut.

    ciao
    phoibos

  4. Ben sagt:

    Es gäbe tatsächlich einen naheliegenden Weg, die Gefahr solcher Amokläufe einzuschränken, aber kaum ein Medienvertreter traut sich, das anzusprechen: Die Medien müssten einfach aufhören, darüber zu berichten, zumindest in dieser reißerischen Form, wie sie es jetzt tun. Würde mich nicht wundern, wenn nicht wenige Kids in diesen Tagen den Attentäter von Winnenden heimlich bewundern…weil er es von einem unbedeutenden Niemand zur bekanntesten Person Deutschlands geschafft hat.

    Ich persönlich will all diese Details, die jetzt hervorgezerrt werden gar nicht so genau wissen. Ich will nicht immer wieder die gleichen Bilder sehen, die immer gleichen «Experten«interviews hören oder erfahren, ob der Kerl seine Opfer jetzt per Kopf– oder Brustschuss getötet hat. Aber dank der medialen Omnipräsenz kann man gar nicht anders, als damit permanent konfrontiert zu werden.

  5. Seraphyn sagt:

    Mal was ganz lustiges zu diesem traurigen Punkt, bei uns im RZ hängt ein nettes Plakat und das gibt auch in hier zu denken, wenn man mal überlegt:Der Computer rechnet vor allem damit, dass der Mensch denkt.
    Den Rest denke ich mir mal zu diesem Thema;)
    Gruss

  6. Oliver sagt:

    Security by obscurity hat noch nie funktioniert und wird auch nie funktionieren. Morde werden auch nicht mittels Abschreckung ob drakonischer Todesstrafen verhindert, die Präsenz einer Kamera schützt nicht vor Überfällen, Amokläufe gab es auch schon zu früheren Zeiten — ohne mediale Omnipräsenz, Suizide geschehen ob mit Anleitung oder auch ohne. Der menschliche Geist ist kreativ, nicht berechenbar und im Moment des Zusammenbruchs ein Hort des Chaos — Funken von Rationalität in einem Meer Irrationalitäten. In diesem Moment geistiger Kernschmelze ist beinahe alles möglich: einige brechen einfach nach innen gekehrt zusammen ( Nervenzusammenbruch, burnout, Suizid etc. pp.), andere wirken nach außen und erlangen somit eine tragische Dimension.

    In dieser Situation kann alles auslösender Moment sein oder einfach nur katalysierend wirken. Ursächlich ist davon jedoch nichts, die Verrohung der Gesellschaft ist doch gewünscht, die Herabssetzung von Hemmschwellen. Ohne diese hätten wir keine Soldaten oder zumindest Millionen die auf die Straße gehen um gute Kriege zu verhindern. Wie oft geschehen diese Tragödien und wie häufig schauen wir dem gegenüber mittels Neusprech kaschierte Feldzüge im Namen des Friedens und der Freiheit? Wie oft diskutieren wir über humane Tötungsmaschinerie gegenüber inhumanen Praktiken innerhalb eines mörderischen Feldzugs? Wir reden von Kriegsverbrechen und meinen damit nur Regelverstöße innerhalb eines sauberen Krieges. Betrachtet man all diese Abartigkeiten, sit die Frage doch wohl erlaubt warum zur Hölle es überhaupt irgendeiner der Heuchler wagt das Wort zu ergreifen und Dinge am Rande zu stigmatisieren?

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