Und plötzlich bist Du Web-2.0-Klitsche

Erinnert sich noch Wer an Technorati? Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir hier auf F!XMBR angefangen sind, zu publizieren. Die großen Zeitungen wie die SZ oder die FAZ, Zeitschriften wie den SPIEGEL oder den STERN, habe ich grundsätzlich im FOCUS. Wenn allerdings ein Artikel veröffentlicht wird, hole ich mir im Regelfall auch andere Meinungen ein. Ich schaue, ob es schon Artikel zu dem Thema gibt — ferner sollte man auch die eigene Meinung überdenken und hinterfragen. Früher übernahm diesen Part der Recherche Technorati. Dazu hatte ich mir im Firefox und im Opera das Schlüsselwort t angelegt. kurz eingetippt, t zensursula, und ich hatte aktuelle Artikel zum Thema Zensursula auf dem Schirm. Ich bin überhaupt kein Freund von irgendwelchen Suchleisten. Die werden nach Neuinstallation sofort ausgeblendet — unnützer Ballast halt. Doch schon seit geraumer Zeit, vielleicht ein knappes Jahr, nutze ich Technorati nicht mehr. Wäre ich die Tage nicht durch einen Link drüber gestolpert, hätte ich wahrscheinlich gar nicht mehr dran gedacht.

Die Suchmaschine ist mittlerweile dermaßen spamverseucht, dass es nicht nur keinen Spaß mehr macht — es kostet unnütze Zeit. Der Informationswert von Technorati tendiert gegen Null. Wann ich das letzte Mal Technorati wirklich genutzt habe? Lang, lang ist es her. Ich werde immer dementieren, Folgendes gesagt zu haben — aber wir sind hier ja unter uns: Als Recherchequelle dient mittlerweile ausschließlich Twitter. Natürlich gibt es auch dort unsäglichen Mist — aber 140 Zeilen sind schnell übergangen. Und wenn ein Lesetipp mehrfach empfohlen wurde, ist das schon in einer gewisssen Art und Weise eine gute Bewertung, eine besondere Empfehlung. Twitter ist keine Echtzeit-Suchmachine wie Technorati, doch genauso schnell, durch den unheimlich rasanten Informationsaustausch der Mitglieder. Und genau für diese Art von Echtzeitrecherche, die ich immer während des Schreibens eines Artikels nachgehe, perfekt geeignet. Ich habe neulich eine feine Mail bekommen, die meinen Liveticker zur Europawahl sehr gelobt hat. Durch technische Schwierigkeiten hatte ich zum Beispiel an dem Abend keinen Zugriff auf die Webseite vom Bundeswahlleiter — neben den klassischen Medien entstand der Ticker ausschließlich durch Twitter-Echtzeit-Recherche. Selbst die meisten Links zu den etablierten Medien kamen von Twitter.

Es ist gar nicht mal so lange her, da war Technorati noch das Maß aller Dinge — heute spielt es bis auf die Selbstbeweihräucherung der deutschen Blogosphäre keine Rolle mehr. Gestern noch war man gefeierter Star im Web 2.0 — heute hat man den Exit verpasst und kein User interessiert sich mehr für das Angebot. Es hat für Technorati niemals eine ernsthafte Konkurrenz gegeben — und es wurde nichts daraus gemacht. Ende des Jahres gab es noch einen Relaunch — es kommt als verzweifelter Versuch daher, die User noch einmal zurückzugewinnen. Googles Blogsuche funktioniert mehr schlecht als recht. Twingly schickt sich an, Technorati das Fürchten zu lehren. Doch wer braucht heute noch eine explizite Blogsuchmaschine? Die Musik spielt jetzt woanders, die Karawane ist weitergezogen.1 Gestern noch war Technorati das gefeierte Web-2.0-Portal, der Einstieg für viele Blogger in den Welt der Weblogs. Und heute? Da ist Nichts mehr, was noch irgendwie erwähnenswert wäre. Mein Schlüsselwort t weist mich mittlerweile in die Twitterwelt — und in zwei Jahren schreibe ich dann ähnliche Zeilen über Twitter wie heute über Technorati. 😉

  1. Zumindest die deutschen Kamele, international habe ich das zu wenig im Blick. []

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8 Antworten zu “Und plötzlich bist Du Web-2.0-Klitsche”

  1. SheephunteR sagt:

    Twingly liefert auf dem Feld defintiv bessere, spamreduziertere Ergebnisse. Aber es stimmt, Artikel– und Linkschleuder Nummer 1 ist inzwischen Twitter. Besonders hilfreich fand ich da immer die Twitterlinks auf rivva.de. Es machte schnell auf interessante Artikel aufmerksam, die ebenso schnell nicht mehr interessant und alt waren. Allerdings sind dort die Twitterbots ja eingepfercht worden und nicht mehr unterwegs. Gibt es dazu Alternativen?

  2. Chris sagt:

    Ich hab da bisher von keiner Alternative gehört…

  3. Oliver sagt:

    Im Prinzip ist dies der Weg jedes beliebten Web2-Angebots, es wird «überrannt» und muß plötzlich everybody’s darling mimen. Hinzu kommen ähnliche Angebote en masse, die um die Gunst der User buhlen — das Ende vom Lied: ein neuer Dienst, der den alten ersetzt. «Darwinismus» extrem …

  4. Cem Basman sagt:

    Technorati ist nicht einmal mehr, der Schatten seiner selbst. Das Ding hat weder Aussagekraft, noch funktioniert es. Schade und armselig.

  5. Wilfried sagt:

    Hallo,

    wie nutzt ihr denn Twitter bzw. wie darf ich mir das vorstellen, was erscheint, wenn du auf «t» drückst? Kann mir das gerade nicht so vorstellen.

    Habe bis jetzt nur was von TweetDeck gehört. Aber vertraue zurzeit noch auf meine Feeds.

  6. tante sagt:

    Technorati kämpft neben dem Spam auch zu sehr mit seiner eigenen technischen Infrastruktur. Ständig wird nicht mehr geupdated, blogs gehen verloren usw., es ist einfach nicht robust genug um sich noch drauf zu verlassen.
    Vor ein paar Tagen ist Collecta gestartet, eine Echtzeitsuchmaschine, die Twitter, Identi.ca, Flickr usw. in echtzeit durchsucht, das könnte in Zukunft sehr interessant werden.
    Ich hab da mal zum test einen unbenutzten Suchbegriff als echtzeitsuche definiert und dann nen Post mit dem Schlagwort auf Identi.ca/twitter losgelassen, in unter einer Minute hatte ich das im Suchergebnis. Gerade für «livekommentare» wird das sicherlich nochmal ne neue Qualität bringen, weil man eben nicht nur auf die bekannten drei Leute kommt, sondern auch den Rand leichter findet.

  7. kienerii sagt:

    @Wilfried

    Mit Schlüsselwörtern suchen

    Man kann Schlüsselwörter dazu benutzen, einem Suchdienst automatisiert Suchanfragen zu übermitteln und so dessen Eingabemaske überspringen. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste in das Eingabefeld einer Suchmaske und klickt auf «Ein Schlüsselwort für diese Suche hinzufügen…». Im dann erscheinenden Dialog gibt man einen Namen, Ordner und eben das Schlüsselwort für ein neues Lesezeichen an. Um diese Funktion dann zu benutzen, gibt man das Schlüsselwort gefolgt von einem Leerzeichen und der Suchabfrage in die Adressleiste ein und betätigt die Eingabetaste oder drückt auf den Go-Button. »

  8. […] unterschiedlichsten Themen genutzt, oder in von mir gelesenen Blogs darüber berichtet wird (z.B. dieser Artikel bei F!XMBR oder dieser hier bei […]

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