Übertreibung

An manchen Stellen ziehen wir hier Vergleiche zur deutschen Geschichte. Wie oft hören wir, Ihr übertreibt, Ihr spinnt, und überhaupt stimmt das doch alles, Deutschland könne z. B. gar keine Ausländer mehr aufnehmen, wir sind voll.

Fast die Hälfte aller Bundesbürger ist fremdenfeindlich eingestellt. Fast jeder fünfte Deutsche hängt rechtspopulistischen Vorstellungen an. Kampagnen wie Du bist Deutschland oder die Patriotismuswelle um die Fußball-WM verstärken die Ressentiments gegenüber schwachen Minderheiten zusätzlich. In einigen Gegenden Deutschlands wird bereits Demokratie-Entleerung festgestellt.

welt.de — Immer mehr Deutsche haben Angst vor Muslimen

Und selbst wenn die Studie um 10% daneben liegt, die Fragen sind schon in eine gewisse Richtung gestellt — dabei hatten sie unter anderem danach gefragt, ob in Deutschland zu viele Ausländer leben und ob diese wieder in ihre Heimat zurückkehren sollten, falls die Arbeitsplätze knapp werden — dann ist und bleibt es immer noch erschreckend. Deutschland schafft es nicht, über eine längere Zeit eine funktionierende Demokratie aufzubauen, schrieb Oli die Tage. Damit hatte er mehr als recht.

Wie konnte es denn überhaupt soweit kommen, gesellschaftlich, wirtschaftlich. Die Frage ist auch leicht zu beantworten. Die Elite hat es perfekt verstanden, die Meute auf die Schwachen zu hetzen. Jede Bevölkerungsschicht hatte eine andere auf der sie treten konnte. Feindlichkeit auch innerhalb der Bevölkerung wurde geschürt, gegen die Langzeitstudenten, gegen die Sozialschmarotzer und natürlich gegen die Ausländer. Allein schon die Debatte um das angebliche Scheitern von Multi-Kulti war von rechten Ressentiments durchzogen, an der Spitze die Herrschaften der Union wie der Führer des Innenministeriums Schäuble.

Die letzte Rede Schäubles im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gesamtstaatliche Sicherheit analysiert Kai zusammenfassend:

Wenn ich islamischen Glaubens wäre oder mit am Tisch der Veranstaltung namens Deutsche Islam Konferenz sitzen würde, würde ich mir die Rede Schäubles genauer anschauen und mir mehr Gedanken dazu machen, mit wem ich da am Tisch sitze.

Nun ist Schäuble nur ein Beispiel von vielen, wie kann man gerade z. B. bei SPON lesen:

Der umstrittene sächsische Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche wird Zeitungsberichten zufolge die CDU verlassen. Er hatte unter anderem gesagt, Deutschland dürfe nie wieder von Multi-Kulti-Schwuchteln in Berlin regiert werden.

Wie sagte gerade der unbekannte Chatter 😀 im Jabber zu Nitzsche:

[00:22:12] [Lalelu] Der sagt ja nur was die alle denken

Vor uns liegen interessante Monate… :)

4 Antworten zu “Übertreibung”

  1. Falk sagt:

    Wir üben dann alle schonmal wieder den Stechschritt…Könnt nur noch kotzen, wenn ich mir das Gros der Menschen hierzulande anschaue. Da sind mir meine Muslimen in der Nachbarschaft aber echt noch die Liebsten.

  2. Oli sagt:

    Ich kritisiere meine Mitbürger, wie sie sich gegenüber Fremden verhalten — aber, den Schuh kann sich letztendlich *jedes* Land anziehen und auch viele Fremde.
    Als Gastgeber sollte man natürlich den ersten Schritt tun für einen herzlichen Empfang, man kann zwar Nazen nicht eindämmen, muß jedoch nicht ins gleiche Horn blasen. Ich verlange da nicht viel von den Leuten ob Ureinwohner oder Fremde, benehmt euch wie *Menschen*.

  3. […] Die Welt berichtete gestern über eine Langzeitstudie des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt– und Gewaltforschung, die bis zu 50 % der Deutschen (ohne Migrationshintergrund) mit Begriffen wie Fremdenfeindlichkeit, Ressentiments gegenüber schwachen Minderheiten und Demokratie-Entleerung in Verbindung bringt. Als Ursachen des Anstiegs werden unter Anderem die Fußball-WM und Patriotismus-Kampagnen wie “Du bist Deutschland” genannt. F!XMBR kommentiert treffend: Wie konnte es denn überhaupt soweit kommen, gesellschaftlich, wirtschaftlich. Die Frage ist auch leicht zu beantworten. Die Elite hat es perfekt verstanden, die Meute auf die Schwachen zu hetzen. Jede Bevölkerungsschicht hatte eine andere auf der sie treten konnte. Feindlichkeit auch innerhalb der Bevölkerung wurde geschürt, gegen die Langzeitstudenten, gegen die Sozialschmarotzer und natürlich gegen die Ausländer. Allein schon die Debatte um das angebliche Scheitern von Multi-Kulti war von rechten Ressentiments durchzogen, an der Spitze die Herrschaften der Union wie der Führer des Innenministeriums Schäuble. […]

  4. […] Warum jammern nur alle hier in diesem unserem Lande? In dem Land, in dem Milch und Honig fließen? Da gibts doch zum einen nur diese Schmarotzer, die gar nicht wissen wie gut es ihnen geht, zum anderen Politiker die wertvolle Lebensweisheiten von sich geben. Da sind zwei von drei verkauften Computern sündhaft teure Notebooks und überhaupt besitzt ja nahezu jeder in Deutschland, zumindest die Hälfte des weiblichen Geschlechts, eine derartige Gerätschaft. Wie schlecht kann es uns da also wirklich gehen? Da torpedieren analfixierte Nörgler die Sicherheitsbestrebungen des Staats, damit Bundesbürger endlich wieder ruhig schlafen kann, da kommen Ignoranten daher, die da gar den Begriff Links, ob ihres politischen Unvermögens, demontieren. Warum das alles, undankbarer Mob der du da bist? Unsere verehrte Kanzlerin, Angela Merkel, bemüht sich redlich Deutschland nach vorne zu bringen und unser aller Innenminister, Wolfgang Schäuble, müht sich ab den Terror fern von Deutschland zu halten und auch das Netz sicher zu machen. Das Netz soll nebenher natürlich nicht nur sicherheitsrelevanten Ansprüchen genügen, auch der Bildungsanspruch darf nicht zu kurz kommen. Ja Leute, was nun? Bekommt ihr außer infantilem Gemeckere nichts mehr auf den Zeiger? Mit Deutschland gehts es aufwärts, die Industrie ist stark, die Deutschen helfen wo sie nur können und last not least sind wir Deutschen ein anständiges, strebsames, pflichtbewußtes Volk, offen für alles. Und so kann ich mich nur unserer Kanzlerin anschließen, die da großes mit Deutschland vor hat IT made in Germany usw. […]

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