Twitter und Facebook schalten RSS ab

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Foto: kk+ | CC-Lizenz

Via Cem wurde ich gerade auf einen Artikel bei Stay N Alive aufmerksam. Leise und weitestgehend unbemerkt haben Twitter und Facebook den RSS-Feed abgeschaltet. Während bei Facebook kein Feed mehr möglich ist, ist es bei Twitter (undokumentiert) noch möglich. Cem fragt, ob sich die beiden Großen von der Share Economy verabschieden, durch die sie selbst groß geworden sind. Gegenfrage: Ist es nicht ein zwingend notwendiger Schritt? Während Facebook profitabel läuft, das natürlich auch nur durch die Besuche auf der Webseite und der Werbeklicks, ist Twitter immer noch auf der Suche nach einem Geschäftsmodell. Um es mal polemisch auszudrücken: F!XMBR läuft wirtschaftlicher als Twitter.

Die bisherige Offenheit durch die API war der große Vorteil von Twitter und hat sicherlich zu der weltweiten Verbreitung beigetragen — doch hatte Twitter aus diesem Grund auch keine «Kontrolle» über die Inhalte der Nutzer. Die meisten Nutzer sind mit einem Client unterwegs, ohne die Webseite zu besuchen. Einer der bekanntesten und am meisten genutzten, Tweetdeck, soll Twitter gerade für 40 bis 50 Mio. Dollar übernommen haben. Wann immer wirtschaftlich die Rede von Twitter ist, wird von neuen Finanzierungsrunden gesprochen — ein gesundes Unternehmen sieht anders aus, auch wenn es angeblich mit Milliarden bewertet wird, die New Economy lässt grüßen. Das Ausschalten des RSS-Feeds im Zuge des Redesigns, der Kauf von Tweetdeck könnte aus meiner Sicht ein Zeichen von Panik sein, mit Sicherheit ist es aber ein Zeichen großer Sprachlosigkeit.

Wie will man Twitter profitabel gestalten? ich sehe da keine große Chance. Die Webseite kann man vermarkten, diese wird aber wie bereits geschrieben, weniger genutzt, die Kosten übersteigen die Werbeeinnahmen um ein Vielfaches. Nachtrag: Auf Twitter machte man mich gerade darauf aufmerksam, dass Twitter angeblich 2009 und 2010 schon Gewinne gemacht haben soll. Laut FAZ werden da aber auch viele Konjunktive verwendet. Per Zwang Werbetweets in alle Streams? Die Filtermöglichkeiten der unterschiedlichen Clients sind so gut, dass die meisten User dies ausfiltern könnten und würden. Bleibt unter dem Strich nur das große Risiko, die User selbst zur Kasse zu bitten. Wer würde für die Nutzung von Twitter zahlen? Sicherlich nicht wenige — doch würde es ausreichen und nicht vielleicht Alternativen wie Identi.ca groß machen?

Das Beispiel Twitter zeigt, dass man ein Milliarden-Unternehmen gründen — und doch rote Zahlen schreiben kann. Die nächsten zwei Jahre werden spannend zu beobachten sein. Was wird aus Twitter? Was wird aus Facebook? Facebook ist im grünen Bereich, wird weiter wachsen und vielleicht an die Börse gehen. Für Twitter sieht es schlecht aus. Stay N Alive schreibe, dass beide Unternehmen die Pflege der «offenen Standards» komplett eingestellt haben. Wie Cem sagte — dass, was sie groß gemacht hat, haben sie abgeschaltet. In gewisser Weise durchaus nachvollziehbar. Für Facebook hat es sich gerechnet — für Twitter könnte es ein böses Erwachen geben. Schau m’er mal…

Und wer den RSS-Feed von Twitter nutzen möchte (natürlich den Twitter-Namen Eurer Wahl einsetzen), der nimmt folgende URL:

https://api.twitter.com/1/statuses/user_timeline.rss?screen_name=csickendieck

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13 Antworten zu “Twitter und Facebook schalten RSS ab”

  1. Balkonschlaefer sagt:

    Auch wenn sie sich jetzt noch gegen wehren, Twitter wird irgendwann entweder an Google oder an Facebook verkauft werden.

  2. egghat sagt:

    Wie hiess noch gleich das Open Source Äquivalent zu Twitter?

    http://identi.ca/

    Vielleicht sollte man das mal nutzen …

  3. Der RSS-Feed bei Twitter wird nicht abgeschaltet, er wird nur versteckt. Er ist weiterhin vorhanden. Siehe die Disk. zu meinem Blogpost vom 25. April 2011 (sic!) und die Disk. in de.alt.comm.webzwonull seit dem 23. April 2011 (Subject: «Twitter RSS-Feed»; alles noch so neu, daß der Thread von Google Groups noch nicht archiviert wurde…)

  4. Andi sagt:

    Ich denke auch, dass man, um näher am tatsächlich geschehenen zu bleiben, eher von «Zugang zu RSS wird erschwert» sprechen sollte. Denn die RSS-Feeds sind nach wie vor funktional.

    Dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass die beiden Dienste RSS komplett abschalten steht leider nur auf einem anderen Blatt :/

  5. … eine Frage der Zeit.

  6. … bedeutungslos.

  7. AndyCarl sagt:

    «Das Beispiel Twitter zeigt, dass man ein Milliarden-Unternehmen gründen — und doch rote Zahlen schreiben kann. »

    Hey, war das nicht das erfolgreiche Konzept der Dot.com-Unternehmen zu Beginn dieses Jahrtausends?
    Warum soll das nicht auch heute noch funktionieren — eine Zeit lang zumindest?

  8. Raven sagt:

    Schade drum. Wenn ich in der Vergangenheit mal eine kleine Site gebaut habe und dem Kunden ermöglichen wollte, per RSS Termine oder so etwas nachzuliefern, habe ich einen Twitter-Account dafür registriert und den Feed verlinkt. Besucher konnten dann sogar zwischen RSS und Twitter als bevorzugtem Medium wählen. Dafür kann man Twitter nun wohl nicht mehr empfehlen. Naja, RSS-only tut’s ja auch.

  9. Frank sagt:

    Bin schon längst auf identi.ca umgestiegen.

  10. ph sagt:

    Die — meiner Meinung nach — erfolgversprechenste Variante mit Twitter Geld zu verdienen hatte ein anderes Unternehmen, nämlich: Flattr.

    Und das Konzept ist doch so einfach: Die Kurznachrichten anderer Leute bzw. ihre Twitter-Accounts mit einem Micropayment honorieren, dabei einen kleinen Obolus an den Anbieter abtreten — fertig. Wenn Twitter diesen Service selbst zur Verfügung stellt, würden ihn sicherlich ziemlich viele Leute nutzen und dem Zwitschervogel auch ein paar Prozente gönnen.

  11. Blogwarte.de sagt:

    Twitter und Facebook schalten RSS ab…

    Facebook und Twitter sind mit der Shared Economy groß geworden und zumindest im Fall Facebook zu groß für sie: die Nabelschnur zur freien Newsverteilung wird gekappt, der RSS-Dienst eingestellt.…

  12. […] Twitter und Facebook schalten RSS ab: Kennt noch jemand RSS oder gar […]


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