Träume sind Schäume

PlattSo sagt ein bekanntes deutsches Sprichwort. Wenn man den Beschluss der 3. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt von heute begutachtet, dann muss man konstatieren, dass die Antwort Dr. Theo Zwanzigers auf meinen Offenen Brief schon fast eine tragische Komödie sein könnte, aber eben nicht von Realismus gekennzeichnet ist. Es hat fast den Anschein, als würden sich manche Herren innerhalb des DFB in ihre eigene surreale Welt zurückziehen. Herr Dr. Theo Zwanziger hat in den letzten Monaten immer wieder versucht, seine Auseinandersetzung mit Jens Weinreich auf die private Ebene zu schieben – zuletzt im Interview mit der SZ, in der er behauptet hat, wenn die Versicherungsfrage geklärt sei, wird dem DFB kein Schaden entstehen. Dass aber die Auseinandersetzung keine alleinige Angelegenheit zwischen Herrn Dr. Theo Zwanziger und Jens Weinreich ist, beweist die ominöse Presseerklärung des DFB vom 14. November diesen Jahres.

Diese wurde auf der Internetseite des DFB veröffentlicht, an zahlreiche Journalisten, Funktionäre und Politiker verschickt. Spätestens an diesem Punkt war der DFB nicht mehr Beobachter, sondern aktiver Beteiligter. Namentlich genannt werden müssen hier — neben Dr. Theo Zwanziger — Harald Stenger, Wolfgang Niersbach und Dr. Rainer Koch. Nun gibt es eine vierte Entscheidung eines Gerichtes im Fall DFB ./. Jens Weinreich. Die 3. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt hat dem DFB aufgetragen, auf der eigenen Homepage eine Gegendarstellung zu veröffentlichen – unverzüglich und ohne Einschaltungen und Weglassungen und in gleicher Aufmachung wie die Ausgangsberichterstattung unter www.dfb.de, wie das Gericht schreibt. Der Inhalt der Gegendarstellung:

Gegendarstellung
zur DFB-Pressemitteeilung Nr. 180/2008

  1. Sie schreiben:”Weinreich hat den DFB-Präsidenten ohne Anlass als “unglaublichen Demagogen” diffamiert (…)”:

    Hierzu stelle ich fest:

    Meine Äußerung über Herrn Dr. Theo Zwanziger erfolgte nicht “ohne Anlass”, sondern bezog sich auf den Auftritt von Herrn Dr. Theo Zwanziger beim 1. Deutschen Olympischen Sportkongress im Juli 2008 und seine Argumentation bei dieser Veranstaltung u.a. zur Ablehnung der TV-Vermarktungspläne für die Fußball-Bundesliga und die Auswirkungen des “Bosman”-Urteils des Europäischen Gerichtshofs auf den Fußball und den DFB.

  2. Weiter heißt es:Unmittelbar vor der Erhebung einer auf Unterlassung und Widerruf abzielenden Klage Dr. Zwanzigers gegen Weinreich hat der Berliner Journalist jedoch nunmehr über seinen Anwalt am 11. November 2008 dem DFB eine Erklärung zukommen lassen, die Dr. Zwanziger als ausreichende Entschuldigung und Eingeständnis eines Fehlverhaltens von Weinreich akzeptiert.  (…) Im Zuge der Weinreich einräumenden Frist auf Widerruf seiner diffamierenden Beleidigung erfüllte der Berliner Journalist damit die von DFB-Präsidenten gestellten Bedingungen, damit die vorbereitete Klage nicht eingereicht wird.” Hierzu stelle ich fest:

    Herr Dr. Theo Zwanziger hat mich mit Schreiben seines Anwalts vom 10 November 2008 aufgefordert, “ausdrücklich” zu erklären, dass ich mich “davon distanzier(e)”, dass ich ihn “mit dem Begriff “unglaublicher Demagoge” im strafrechtlichen Sinne in die Nähe des Tatbestands der Volksverhetzung bringen wollte” und für die Abgabe dieser Erklärung eine Frist bis zum 12. November 2008, 10:00 Uhr gesetzt. Andernfalls werde Herr Dr. Zwanziger Unterlassungsklage beim Landgericht Koblenz gegen mich erheben. Ich habe Herrn Dr. Theo Zwanziger nicht am 11. November 2008, sondern erst am 12. November 2008, und zwar nach Ablauf der gesetzten Frist, eine anwaltliche Erklärung zukommen lassen. Darin habe ich mein Erstaunen zum Ausdruck gebracht, dass ich mich von etwas distanzieren soll, was ich nicht gesagt habe. Ferner habe ich darauf hinweisen lassen, dass ich von Anfang an in meinem Internet-Blog klargestellt habe, dass die Deutung des Begriffs “Demagoge” in dem von Dr. Zwanziger beanstandeten Sinne von meiner Seite aus weder nachvollzogen werden kann, noch intendiert war.

    Soweit durch die Pressemitteilung der Eindruck erweckt wird, ich hätte mit dieser Erklärung ein Fehlverhalten eingestehen, bzw. die angekündigte Klage vermeiden wollen, stelle ich fest: Dieser Eindruck ist falsch.

    Wandlitz, 8.12.2008

    Jens Weinreich

Längst ist klar, dass die Auseinandersetzung nicht mehr privat ist, sondern öffentlich. Unzählige Berichte, auch in den etablierten Medien, zeugen davon. Es muss nicht mehr allein das Verhalten Dr. Theo Zwanzigers hinterfragt werden, sondern ebenso das Verhalten der Herren Harald Stenger (hs, offensichtlich Autor der Pressemeldung des DFB, dortiger Pressechef), Wolfgang Niersbach (Verfasser der Rundmail zur Pressemeldung des DFB, dortiger Generalsekretär) und Dr. Rainer Koch (Aufgrund seiner Äußerungen in der mittlerweile wieder – überarbeiteten — veröffentlichten Pressemeldung, dortiger Vizepräsident). Der gesamte DFB und seine Protagonisten sollte sich fragen, inwieweit sie diese Auseinandersetzung noch mittragen. Es stellt sich die Frage, inwieweit eine Institution wie der DFB an Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Fairplay interessiert ist, wenn eigene Funktionäre involviert sind.

Offensichtlich ist es beim DFB mit diesen Werten und Grundrechten nicht weit her. Herr Dr. Theo Zwanziger sieht sich selbst als Opfer, er hat nicht nur mir vorgeworfen, man würde Opfer und Täter verwechseln, sich in dieser Rolle gar gefallen. Selbst wenn ich Herrn Dr. Theo Zwanziger zugestehe, dass er zu Beginn Opfer war, was ich immer noch bezweifle, eine Institution wie der DFB und dessen Präsident dürfen und müssen meiner Meinung nach polemisch kritisiert werden, dann ist aus meiner Sicht mittlerweile aus dem vermeintlichen Opfer der Täter geworden. Je länger sich diese Auseinandersetzung in die Länge zieht, mit unabsehbaren Folgen für den Menschen Jens Weinreich und seine berufliche Existenz – er steht immerhin fast allein gegen den DFB – desto überzeugter bin ich davon, dass die vier genannten Herren nicht länger tragbar für den DFB sind.

Herr Dr. Zwanziger, Herr Stenger, Herr Niersbach, Herr Dr. Koch, ziehen Sie die Notbremse, treffen Sie in diesem Fall die einzig richtige Entscheidung: Entschuldigen Sie sich in aller Form bei Jens Weinreich und treten Sie dann zurück und machen Platz für eine neue Generation. Eine Generation, die wieder glaubwürdig für Werte wie Fairplay eintritt. Diese Glaubwürdigkeit haben Sie – zumindest bei mir – längst verspielt.

Gerade erst wurde Jens Weinreich von unabhängigen Kollegen zum Sportjournalisten des Jahres 2008 gewählt. Die Auszeichnung darf er Anfang nächsten Jahres entgegen nehmen. Meinen herzlichen Glückwunsch. Verdient ist verdient. Wer noch Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde sucht, hier entlang.

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Foto: Björn unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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Eine Antwort zu “Träume sind Schäume”

  1. Chris sagt:

    Nachtrag: Der DFB hat die ominöse Pressemeldung — überarbeitet — wieder online gestellt. Aus diesem Grund muss in der Auflistung der Herren, die sich aus meiner Sicht im Moment mehr als fragwürdig verhalten, Dr. Rainer Koch mit angeführt werden.

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