Trigami-Lemminge

Das Internet in seiner heutigen Form ist zu weiten Teilen zu einem Moloch verkommen. Doch manchmal, wenn man es am wenigsten erwartet, scheint aus einer besonders dunklen Ecke ein kleines Lichtlein her. Über Trigami hatten wir schon das eine oder andere Mal gesprochen. Über Linkverkäufe, dieser Kunde ist nicht der einzige problematische Fall, manchmal scheint es, als würde das Unternehmen besonders zwielichte Gestalten anziehen, zuletzt hatte ich dann über den zweiten Schritt von Google gejubelt. Robert hat heute auf einen weiteren liebenswerten Kunden von Trigami hingewiesen. Thomas ist einer der Leute, die sich von Trigami haben kaufen lassen. Er hat über einen Kunden einen PR-Artikel eine tiefgehende, knallhart recherchierte Rezension geschrieben. Nachdem Google endlich auf sowas reagiert, hat er den Ratschlag von Trigami befolgt und seine Links zu den Kunden mit NoFollow-Attribut versehen. Die Welt ist wieder wunderbar — könnte man zumindest meinen. Doch Trigami wäre nicht Trigami, der Kunde nicht Kunde und ich würde nicht diese Zeilen schreiben, wenn dem wirklich so wäre. Der für Thomas 20,- Euro-Kunde schreibt eine Mail:

es war bei erstellung des beitrages vertragsgrundlage, dass in die links
kein no-follow gesetzt wird. ich interpretiere die jetzig entwicklung um trigami so, dass in zukünftigen beiträgen no follow gesetzt wird. also schlage ich vor, dass entweder an anderer stelle ein link gesetzt wird, oder no follow wieder entfernt wird. unter diesen vorraussetzungen wäre niemals ein beitrag gebucht worden.

(Rechtschreibung wie im Original — keine Lust, 90% des Textes zu korrigieren.)

Ist das Leben nicht wunderbar? Das beweist doch eindeutig, dass es den Kunden von Trigami neben der PR, neben dem Punkt, dass sich Trigami-Autoren aufgrund der Tatsache, dass sie im Regelfall nicht die Erfahrung besitzen, sehr fein steuern lassen, besonders um den Link geht, die PR-Vererbung, das Hochstufen in den Suchmaschinen. Und wenn man ehrlich ist, sollte das jedem User, der halbwegs intelligent ist, auch klar sein — eine glasklare werbetechnische, unternehmenspolitische Entscheidung. Man lässt evtl. mal eine Kritik im Nebensatz zu, der ach so unabhängige Blogger will ja seine Unabhängigkeit beweisen, kann sich aber über eine feine Hochstufung bei Google & Co. freuen.

Thomas hat den Kunden dann angeschrieben — auch die dann folgenden Antworten sind symptomatisch für das, was ich bisher über Trigami und die Kunden alles gelesen habe:

… es ist nach meiner auffassung aber absolut unseriöses geschäftsgebaren …

Sie fäschen die geschichte, in dem nach der abnahme änderungen vorgenommen wurden.

(Rechtschreibung wie im Original.)

Auch eine interessante Sichtweise — da wird man dann also im Nachhinein für den Guido Knopp Münchhausen der Blogosphäre erklärt. Ehrlich gesagt finde ich das alles nur witzig und bringt mich hier zum Lachen. Wer sich auf sowas einlässt, das Netz beschmutzt, hat meiner Meinung nach nichts anderes verdient. Sollen sie sich doch gegenseitig die Köppe einschlagen — wen interessiert’s. Das typische Geheule in den Kommentaren folgt dann natürlich auch — Google zwingt ja die Leute zu NoFollow, sie nutzen die Marktstellung aus. Blablubb um es mal ganz platt zusammenzufassen. Ich zitiere da noch mal einen Kommentar: Wer Eier in der Hose hat, sperrt den Google-Bot ganz aus. Alles andere ist nur dumm-dämliches Gerede und zeigt, wie sehr Euch Google in dieselbigen gerade tritt. Es ist doch ganz einfach liebe Leute: Genießt Ihr wirklich die Unabhängigkeit, wie Ihr immer behauptet — User-agent: Googlebot Disallow: /. Dass dies nicht geschieht, auch nicht bei Robert, zeigt wie abhängig Ihr seid. Ihr habt es einfach nicht drauf. :)

Womit wir zur Überschrift kommen. Mir kommen die ganzen Leute im Moment wie Werbelemminge vor. Sie können nicht anders — es ist deren Natur, sich selbst zu zerstören. Dass sie dabei nebenbei ein Schlachtfeld hinterlassen, stört sie nicht. Man kann wirklich nur hoffen, dass Google ernst macht, und auch am Ranking der betreffenden Seiten schraubt. Und dass man in den Kommentaren bei Thomas den Schulterschluss mit abdul (im Normalfall würde ich Tom direkt verlinken — nur läuft da so ein dreckiges Werbescript, welches NoScript erkennt und dann einen Banner schaltet — Ihr müsst also selbst wissen, ob Ihr auf den Link klickt) sucht, ist natürlich die Krönung und zeigt, wie sehr Kritik nötig ist. Eure Zeit läuft, liebe Werbelemminge. :)

Lemminge

2 Antworten zu “Trigami-Lemminge”

  1. Thommy sagt:

    Das NoScript-Werbescript kannte ich noch nicht, aber es gibt ja Adblock. 😉 Danke.

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