Treten Sie zurück, meine Herren!

PlattDie SZ hat ein sehr gespanntes Verhältnis zu Bloggern, zu freien Publizisten im Internet. Profanes Bashing ist dort die Tagesordnung — im Gegenzug wird dann der SZ jeder einzelne Fehler und so manche Bildergalerie um die Ohren gehauen. Dieser perfekte Doppelpass wird gespielt, seit die SZ das erste Mal das Thema Blogger auf der Agenda stehen hatte. Man hasst und versteht die neue Konkurrenz offenbar nicht, die gar keine Konkurrenz ist und auch nicht sein will. Wenn die SZ nun aber die deutsche Blogosphäre in der Causa Zwanziger feiert, dann muss man sich schon verwundert die Augen reiben. 1:0 für Blogger — so steht es tatsächlich dort geschrieben. Nun müssen die Damen und Herren von der SZ nur noch lernen, dass Journalisten keine Blogger sind — vielleicht in einer Bildergalerie? Spaß beiseite: Wenn selbst die SZ, die seit Jahren die deutsche Blogosphäre (zurecht, nur halt aus dem Glashaus) in Grund und Boden schreibt, nun den Sieg der Blogger über den DFB feiert, dann muss sich der DFB schon fragen, wie tief man in Frankfurt gesunken ist. Ich befürchte ja fast, Selbstkritik ist dort ein Fremdwort.

Ein ganz besondere Pointe leistet sich heute im Übrigen SPIEGEL Online. Das boulevardeske Trash-Portal zeichnet die Affäre rund um Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Harald Stenger (bedingt) nach. SPIEGEL Online merkt an, der Fall sei ein Lehrstück über neue Öffentlichkeiten. Leider müssen die Kollegen dort auch noch lernen, dass Journalisten keine Blogger sind. Das aber auch nur am Rande. Was auffällt: Während der Fall geschildert wird, verlinken die Damen und Herren wild durch die Gegend. Auch wenn viele ursprüngliche Quellen fehlen, so kann sich der Leser, ist er denn interessiert und folgt zumindest den angegebenen Quellen, gut informieren. Selbstverständlich wird auch zur ominösen Presseerklärung des DFB verlinkt — und die URL per TinyURL verschleiert. Nun kann man sich aussuchen, ob einfach schnell ein Artikel per Copy & Paste zusammengeschustert wurde, oder ob es ein kleiner Tritt in Richtung DFB sein soll. Bei den Damen und Herren der Brandstwiete muss man leider von ersteren ausgehen. Aber ein kleiner Gag ist es schon. *g*

So langsam aber sicher entwickelt sich die Causa Zwanziger zu einem Imageproblem des DFB. Man kann den drei Herren Zwanziger, Niersbach und Stenger nur dringend raten, so bald wie möglich, zur Besinnung zu kommen, sich in aller Form bei Jens Weinreich zu entschuldigen um dann Platz für einen Neuanfang zu machen und zurückzutreten. Der Schaden ist schon immens — für den deutschen Fußball, den DFB, seine Vorbildfunktion. Nun stehen die Blogs und beteiligten Journalisten etwas mehr in der Öffentlichkeit und werden deswegen zitiert und es wird dementsprechend Bezug auf sie genommen. Wenn ich mir aber die Statistiken von F!XMBR anschaue, dann kommen weitaus mehr Besucher über Links aus den Fußballforen zu uns, dabei ist es egal, ob es nun Frankfurt, Bremen oder ein Zweitligist ist. Der Fall Zwanziger hat sich zur Affäre DFB entwickelt und wird lang und breit innerhalb der Basis diskutiert. Herr Zwanziger, ziehen sie endlich die Reißleine! Herr Gauck, viele Menschen hätte den Preis Gegen Vergessen — Für Demokratie verdient — Theo Zwanziger meiner Meinung nach unter diesen Voraussetzungen aber nicht. Es sei denn, der Preis lebt durch seine Preisträger und nicht durch seine wirkliche Vorbildfunktion. Es ist Ihre Entscheidung.

Wenn es für Jens Weinreich nicht um seine Reputation und Existenz gehen würde, könnte man über das Trauerspiel des DFB und seinen Anspruch, man müsse die Kommunikationsherrschaft behalten, laut lachen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie immer über Gerhard-Meyer Vorfelder gesprochen wurde. Der Politiker, der Monarch, der die absolute Macht hatte und diese auch ausspielte. Als die Doppelspitze Vorfelder/Zwanziger initiiert wurde, sprach man vom guten Theo, der Vorfelder ein wenig neutralisieren würde. So kann man sich täuschen. Vielleicht hätte es man besser wissen müssen — Präsident eines Verbandes, wie den DFB wird man nicht, weil man der nette Onkel von nebenan ist. Im Gegenteil. Das beweisen unzählige Bücher zum Thema Sportpolitik. Die Frage, die sich stellt: Wo soll das enden? Will der DFB das Thema auslaufen lassen oder lassen sie im nächsten Schritt die Jubelperser von ARD & ZDF sowie Premiere weitere DFB-Lügen verbreiten? Es wird spannend zu beobachten sein. Wir sind dabei.

Mehr zum Thema auf F!XMBR:

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Foto: Björn unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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Eine Antwort zu “Treten Sie zurück, meine Herren!”

  1. Markus Merz sagt:

    Ich kann mich des Gedankens nicht mehr erwehren, dass a) entweder die gesamte DFB Spitze völlig ahnungslos in dieses Zwei-Wort-Desaster (Drama 1. Teil) reingeschlittert ist oder b) dass da innerhalb der DFB Spitze mit voller Absicht Spielchen innerhalb der ‘Spitzenmannschaft’ ausgetragen werden (Drama 2. Teil).

    Jedenfalls lassen da einige Spitzen-PR-Köche Papa-20er völlig ungebremst in das DFB Kommunikationsdesaster brettern.

    Es reicht eben heutzutage nicht mehr zehn Toplobbyisten und zehn Chefredakteure zu steuern, wenn ein einziger glaubwürdiger Kommunikator innerhalb von Minuten hunderte von sympathisierenden Mitkommunikatoren findet.

    Für die Totes-Holz-Medien hat die Geschwindigkeit einen weiteren Vorteil: Sie können einfach ein paar Stunden abwarten und dann sehen sie bereits wohin die Meinung läuft und brauchen sich bloß dran zu hängen. 1. Vorteil: Kostenlose UGC Marktforschung und 2. Vorteil: Kostenloser UGC, den man per Copy & Paste zu einem prägnanten Artikel zusammenstöpseln kann.

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