Transparent, ignorant, tolerant und provokant

Ja so liebe ich es und dementsprechend werde ich auch immer handeln. Dazu gehört auch mal ein Thema, selbst im nachhinein, dem Limbus der Belanglosigkeiten zu überantworten. Nicht alles was man in einer Sekunde noch gut fand, muß noch für die nächsten Stunden, gar Tage taugen. Nichts ist für die Ewigkeit …

Das man dabei so manches Mal seltsam beäugt wird ist normal, das gehört dazu — wenn man transparent und auch zeitgleich provokant daherkommt. Denn oftmals geht mit omnipotenter Transparenz auch ein provokanter Ton einher. Nicht jeder möchte alles wissen, manch einer mag gar die gespielte Wirklichkeit. Ignoranz und Toleranz schließen sich dabei nicht aus, auch wenn sie scheinbar Gegensätzliches vermuten lassen, einjeder wird es kennen … man ist dort ignorant und hier tolerant, das basiert auf Erfahrung, Gefühl, Lust und Laune — einem Gemenge an Menschlichkeiten eben.

Mich tangieren z.B. nicht die Blogs, ein Medium kann mich überhaupt nicht berühren. Wohl aber berühren die Aussagen einzelner, mitunter besonders jener, die sich zum Prototyp des Bloggers aufschwingen mit Phrasen wie dienstältester Blogger, Pro-Blogger etc. Es sind eben nur Phrasen im eigenen Mikrokosmos, die jedoch ein bestimmtes Bild in der Öffentlichkeit hinterlassen, dem man nicht pauschal zugeordnet werden möchte — ergo bezieht man Position, klar und deutlich, um sich gezielt abzugrenzen. Das war es dann aber auch schon, ich liebe es dabei über die Grundlagen zu schreiben, die Ursachen zu ergründen — Blog A ist so und so, Blog B ist bla bla bla ist dabei belanglos. Da würde ich dem Gott des Voyeurismus opfern, wäre es damit denn getan. Aber imo torpediere ich mit einer derartigen Vorgehensweise nur mein eigenes globales Anliegen, ein Anliegen an das ich irgendwie glaube.

Der Abstand zwischen profaner Difamierung um der Difamierung willen bzw. substanzieller Kritik ist gering, wohl war, man kann sich der Sache aber geschickt entziehen indem man z.B. den oft geprügelten Begriff Community tatsächlich lebt und sich an dieser beteiligt, wo immer diese auch auftritt. Wo nur noch Kritik ist, ist keine Community mehr, man würde zum Berichterstatter über Community verkommen, nicht aber selbst aktiv an dieser Teil haben. Das ist eben der markante Unterschied, den es auch zu wahren gilt. Ansonsten käme ich mir himmelschreiend heuchlerisch vor und wer möchte das schon?

Blogs sind also ein Medium, das wie Foren, Chats etc. Menschen zusammenbringen kann, diese können Community-fördernd sein, müssen es aber nicht. Ich werde dem Mensch der seinem Blog werbetechnisch durchs Netz treibt kein Bein stellen, er interessiert mich nicht. Und wenn dieser Mensch die Stimme für alle Blogger erhebt und von Pro fabuliert, werde ich Stellung beziehen — nicht gegen ihn, sondern gegen Werbung, die mir in *all* ihren Ausartungen zuwider ist. Da kommt die Ignoranz zum tragen, aber auch die Toleranz, da ich eben auch Blogs frequentiere die Werbung beinhalten. Ich kann niemanden verurteilen, weil er eben einen Blog betreibt und nicht nach meiner Nase tanzt. Redet dieser jedoch von Community und spricht gar für diese, nun denn … aber dann wird derjenige allenfalls als kurz erwähntes Beispiel taugen, für die allgemeine Problematik. Sachen die mir zuwider sind adele ich nicht noch durch fortwährende Erwähnung. Wie schon erwähnt, es geht um die Ursache, nicht rein um einzelne Vertreter des eventuellen Problems.

Auch der Begriff Blog ist hier nur ein Alias für alle Arten Darreichungen von Informationen im Netz, ein Medium interessiert nur sekundär, solange es meiner Sache dient, Information, Meinung usw. im Netz anzutackern. Der Mensch dahinter interessiert, die Zusammenarbeit von Menschen. Der Blog also der persönliche Egotrip? Ja, natürlich! Ohne Ego wäre die Welt recht farblos, ein hammerharter Disput bringt mir mehr, ja gar selbst so mancher Flameware, als der profane Austausch von Höflichkeiten, nur um irgendwann im Fall der Fälle, den berühmten Dolch von hinten abzubekommen. So wirkt man natürlich provokant auf viele, aber auch ehrlich — böse Überraschungen wird keiner erleben. Und so mancher Flameware gereichte im Nachhinein schon zu dicken Freundschaften, während das Geplänkel an Oberflächlichkeiten oft für nicht wirklich nette Überraschungen herhalten mußte. Wie immer also, in jedem Bereich eine Gratwanderung, der man sich durch eine klare Position jedoch leicht entziehen kann.

Da eckt man an, da wird man mitunter gar gehaßt — c’est la vie. Aber schwammig auftreten, nicht griffig sein, everybodies darling mimen, das ist einfach nur ekelhaft, damit kann man in die Politik einsteigen, gar ganz groß im sogenannten Web 2 herauskommen, sich irgendwo an die Spitze schwingen … aber letztendlich ist man alles und nichts, man lebt blaß daher in einer Scheinwelt.

Viel Feind, viel ehr — spaßhalber oft postuliert, scheinen jedoch viele dies wirklich ernst zu nehmen. Man könnte gerade meinen das typisch deutsche Spießertum schwappt ins Netz herüber. Ist es dort draußen der Streit um den Zaun, der Rasenmäher am Vorabend, der Bohrer in der Früh, die lauten Kinder, der bösartige Hund, die streunende Katze, so ist es im Web der Nachbar im Blog, der anders denkt, sich mit einem zu grellen Button schmückt, seine Meinung zu laut oder zu leise verkündet, Katzencontent verbreitet oder gar dem SEO-p0rn fröhnt.

Ich wäre kein Mensch würden mich bestimmte Dinge nicht stören und ich wäre ein noch besserer Heuchler, würde ich diese Dingen verneinen, ob einer gespielten Höflichkeit, nur um im Fall der Fälle den erwähnten Dolch zu zücken und Blogs im Dunkeln zu meucheln. Nein tacheles reden macht die ganze Magie aus, man greift nicht personell an, man geht die Problematik eben global an, versucht zu ergründen warum dies so ist und vielleicht den Denkfehler bei der Sache zu finden. Ließ man letztendlich die Welt an seiner Ungemach teilhaben, so kann man geflissentlich weiter wandern und sich anderen, gehaltvolleren Dingen hingeben — zu meckern gibt es genug, auch in anderen Bereichen. Und last not least möchte man, wenn einem denn wirklich an einer Sache liegt, diese nicht durch permanente Kritik oder gar schon Difamierung zerstören. Kritik soll es letztendlich immer noch bleiben, Kritik allgemeiner Natur, gespickt mit Beispielen — bei mir z.B. gerne mal erwähnt die Wikipedia und Linux. Jedoch nicht verwünschend, sondern konstruktiv kritisierend — manchmal muß man mit dem Finger auf Dinge zeigen die da gewaltig stinken, aber nicht zulange, sonst läuft man in Gefahr den Stallgeruch anzunehmen.

Da wären wir also wieder bei der fortwährenden Gefahr nicht der eigenen Sache zu dienen, sondern diese hinterücks zu meucheln. Das Geschreibsel hier muß nicht gar für viele Leute Sinn ergeben, es sind meine Gedanken, die ich so manches Mal im Blog öffentlich mache — vielleicht findet sich ein denkenswerter Ansatz drunter, ansonsten trägts zur Transparenz dabei, dich ich pflege. Nicht mehr und nicht weniger, wer sich persönlich hierbei angesprochen fühlt und meint mir kontern zu müssen … laßt es gut sein, ihr habt dann eben nicht die Quintessenz meiner Aussage nicht verstanden. Ich trete mal auf Füße, bleibe jedoch darauf stehen und komme gar mitunter mal zurück und frage nach dem werten Befinden 😉

4 Antworten zu “Transparent, ignorant, tolerant und provokant”

  1. Sammy sagt:

    Das ist ein sehr treffender Text. Am Grundgedanken bleiben. Dieser Gedanke, wie du ihn schilderst, kam mir zum ersten Mal, als ich las, dass Goethe (ich glaube es war Goethe) und ein paar andere Menschen dieser Zeit es vorzugen über Grundlagen zu diskutieren und sich komplett aus dem politischen Tagesgeschehen zurückzogen.
    Ich kenne mehrere Menschen, die sich intensiv in irgendwelchen Organisationen/Parteien/whatever engagieren und sich da hineinsteigern, eventuell für eine wirklich gute Sache, aber ich habe einfach nur ein müdes Lächeln für sie übrig. Warum, das weiß ich nicht genau, darüber bin ich mir noch nicht ganz im klaren.

  2. Grainger sagt:

    Denn oftmals geht mit omnipotenter Transparenz auch ein provokanter Ton einher.

    Obwohl ich mit Deinem Text grundsätzlich (d.h. nicht in allen Details, aber im Großen und Ganzen) übereinstimme empfinde ich den Anspruch auf Omnipotenz (unabhängig vom Kontext) doch für etwas übertrieben. 😉

  3. Oliver sagt:

    Das kommt auf den Anspruch an, ich leite ja keine Firma. Es geht darum was ich denke oder wie ich handle. Und da geht eine omnipotente Transparenz einher. Wenn ich etwas wirklich nicht mag, dann erwaehne ich es nicht einmal — sprich ich brauche mir auch keine Gedanken darum zu machen, wie ich es jemandem verklickere. Lasse ich mich natuerlich auf das Spiel ein, in jedem Bereich mitzumischen … ich bin transparent bei den Dingen die ich hier postuliere. Gaukeln habe ich nicht nötig und was mich nicht interessiert, da halte ich mich einfach raus — laufe also auch nicht in Gefahr schwammig zu werden 😉

  4. Euro sagt:

    Das war aber mal viel Text vor dem Kaffee, aber jou, so habe ich euch immer schon verstanden. Blogs sind inzwischen so vielfältig wie mein Gesicht. Da klaffen Kluften zwischen «Baghdad Burning» und «Spreeblick» nur um mal zwei bekannte rauszugreifen. Und Werbung? Nun, die Riesenmaschine macht auch Werbung, schon immer, macht aber dennoch Spaß, weil die Werbung da das Mittel zum Zweck ist und nicht der Zweck, der die Mittel heiligt.
    Ich glaub, jeder Leser pickt sich die seinem Intellekt angemessen verdaulichen Rosinen schon aus dem großen Kuchen und die Verfasser von Blogs haben die Wahl zwischen Selbstdarstellung und «Strichen», wie Don Alphonso es nennt.
    Die Profitblogger werden über kurz oder lang scheitern. Das wird an mir vorbeigehen — und an euch schon lange, wie ich das einschätze.

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