Totale Überwachung?

Korrupt hat mich in seiner Rezension zu 2027 zu einem Beitrag von Sascha Mattke geschickt. Sascha schreibt:

Stellen Sie sich vor, ganz Deutschland würde mit Kameras und Mikrofonen lückenlos überwacht. Bilder und Töne aus Ihrem Wohnzimmer, Ihrem Badezimmer

[…]

Strafverfolger dürften nur darauf zugreifen, wenn am fraglichen Ort Anzeige ein schweres Verbrechen geschehen ist.

Wäre es dann nicht so, dass keine Frau mehr vergewaltigt, kein Wehrloser mehr umgebracht, kein Kind mehr misshandelt würde?

[…]

Wäre das nicht schön?

Mal völlig davon abgesehen, dass ich in den zitierten Absätzen 2 & 3 *den* Widerspruch überhaupt in diesen Gedanken sehe: Nein schön wäre es nicht. Totale Überwachung, schwere Strafe (Todesstrafe) sind eben keine präventive Maßnahmen, um Verbrechen zu verhindern, das zeigen unzählige Studien, Statistiken, die Realität. Warum die Medien auf diesen Zug immer aufspringen?

Profan die Antwort — wie immer: Nehmen wir als Beispiel den Springer-Konzern, der hat überall seine Finger im Spiel und auch seine Kontakte. Und nun dürfen wir alle 3-mal raten, in welchen Zeitungen die grausamen Videos als erstes abgeBILDet werden würden. Reines Eigeninteresse der abhängigen Medien — in den USA läuft es schon hervorragend.

7 Antworten zu “Totale Überwachung?”

  1. Falk sagt:

    Der Autor blendet auch hier wieder den größten Nachteil eines solchen Systems einfach nur aus — jede und damit wirklich jede Technologie lässt sich mißbrauchen. Und genau darum will ich solch eine Totale Überwachung niemals mehr haben. Und ich sage bewusst nie mehr — denn ich hatte die schon, wobei die Stasi ein kümmerlicher Verein gegen das war, was sich da mittlerweile auftut.

    Freiheit ist Freiheit und diese lässt sich nicht durch Überwachung erkaufen — damit lügt man sich nur selbst in die Taschen.

  2. Chris sagt:

    Freiheit ist Freiheit und diese lässt sich nicht durch Überwachung erkaufen

    Genau das Gegenteil ist der Fall — sie wird durch Überwachung verkauft. Aber erkläre das mal den Ich habe nichts zu verbergen-Leuten. :-(

  3. Falk sagt:

    Nunja, so wirklich frei ist man ja nie. Deswegen relativiere ich das gern. Aber die Grenzen sollten schon da sein — kein Eingriff in die Privatssphäre, keine Überwachung öffentlicher Plätze etc. — was erreichte man denn bisher damit, außer das sich diejenigen, die etwas zu verbergen haben, ihre Plätze gesucht und auch gefunden haben, wo man eben nichts überwachen kann. Und das wird auch weiterhin so bleiben, egal wie hoch man dieses Irrsinn noch aufrüstet.

    Oder mal anders ausgedrückt — was rechtfertigt die totale Überwachung der privaten Wohnung — etwa weil viele Sexualstraftaten (um ein Beispiel zu nennen) im häuslichen Bereich ihren Ursprung haben bzw. eher im privaten Rahmen verübt werden? Damit macht man doch wieder nur den Bock zum Gärtner.

    Und da ich nicht vorhabe meine Frau oder meine Töchter zu mißbrauchen, will ich hier auch weder abgehört noch anderweitig überwacht werden.

  4. Oli sagt:

    Das Überwachung keine Verbrechen verhindert wurde schon in Ländern wie Großbritannien und den USA bewiesen. Um es mal überspitzt auszudrücken, die Angehörigen können sich die letzten Momente anschauen — mehr nicht.
    Wer heute wieder Sicherheit mit Freiheit einkauft, geht den gleichen Weg, den jede Diktatur ging. Gerade wir Deutschen müßten damit eigentlich hinlänglich Erfahrung besitzen, das Gegenteil ist jedoch der Fall!
    Ich habe weniger Angst was die Politiker tun, sondern vor den selbstgefälligen «Abnickern» in diesem Land — diese «Abnicker» waren schon seit jeher das Unglück in diesem Staat.
    Jeder bekommt das was er verdient, auch dieses Volk hier …

    Diese Argumentation erinnert mich an die Musterung «…und was würden sie tun wenn man ihre Freundin angreift?» — «ich helfe ihr» — «aha sehen sie und jetzt denken sie mal an ihr Land»

  5. Björn sagt:

    Da ich ja temporär in England lebe: Haben die Kameras an jeder Ecke der Innenstadt die Innenstädte sicherer gemacht? Ja.

    Haben sie das Problem an sich gelöst? Nein. In England hast du, mehr noch als in Deutschland würde ich sagen, das Problem einer sehr gewaltbereiten und sehr gewalttätigen Unterschicht und Jugend. Meist in Zusammenhang mit heftigem Alkoholkonsum («binge drinking»). Die stehen jetzt halt nicht mehr in der Innenstadt unter der Straßenlaterne, sondern lungern nachts am Rand der Innenstadt rum oder in den Stadtteilen, die nicht videoüberwacht werden. Dann hast du deine Gewalt halt da wo die Council Flats, also die Sozialwohnungen, stehen. Da gibt’s keine Kameras, weil es keinen interessiert.

    Ich gestehe der Videoüberwachung zu, dass sie Täter nachträglich identifizieren kann. Und immer wenn das passiert, ist das ein großes Glück für die Justiz. Aber das Problem an sich löst sie nicht. Gewalttäter bleiben gewalttätig. Triebtäter handeln selten durchdacht, sondern aus dem Trieb heraus. Und betrunkene Aggressoren denken gar nicht erst daran, dass da Kameras sein könnten.

    Also, auch rein jenseits der 1984-Situation: Der glaube dass totale Überwachung = keine Straftaten mehr ist einfach Blödsinn. Mag die Straftatenanzahl einschränken, da möchte ich nicht drüber urteilen, aber ganz abschaffen? No chance in hell…

  6. Oli sagt:

    Also kann man auch sagen die Kameras dort verschieben die Gewalt in andere Bezirke? Drüber hinaus könnte man auch daraus schließen, die Leute dort geben sich einer falschen Sicherheit hin — denn omnipotent sind diese Geräte auch nicht.

    Das meiste in diesen Telepolis-Artikeln wird hierzulande übrigens auch recht heimlich umgesetzt oder besser gesagt wir können besser damit umgehen und abnicken.

    Telepolis — Heute Abend im Fernsehen: Alles

    Telepolis — Orwell läßt grüßen

    Telepolis — Jedes Fahrzeug wird identifiziert

  7. Chris sagt:

    Also kann man auch sagen die Kameras dort verschieben die Gewalt in andere Bezirke?

    So siehts aus, und nicht anders. Schill und der nette Herr von Beust haben sich ja hier in Hamburg dafür feiern lassen, den Hauptbahnhof gesäubert zu haben.

    Dass das Drogenproblem nur in andere Bezirke verlagert wurde interessiert die Leute nicht — meine Frau kann wieder am Bahnhof vorbeigehen.

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