Tiefer geht nimmer: Mathias Müller von Blumencron auf einer Stufe mit Franz-Josef Wagner

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Bild: F!XMBR

Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben: der rechte Pöbel feiert seinen Helden – die Vorabdrucke im SPIEGEL und in der BILD lassen jedem Stammtischrassisten feuchte Träume bekommen. Endlich einmal das Höchste der sexuellen Gefühle, wenn schon keine Frau in der Nähe ist. Franz-Josef Wagner von der BILD dankte Thilo Sarrazin heute für seine Meinung und die ausgesprochene Wahrheit, verklärt so Rassismus zu einem Meinungsbeitrag und macht sich diesen Rassismus zu eigen – die BILD selbst macht Sarrazin zum Klartext-Politiker.

Rassismus ist in Deutschland wieder en vogue und wird als Meinung deklariert.

Es muss nicht großartig über Thilo Sarrazins offensichtlich tief verankerten Rassismus diskutiert werden – allein Rassenhygiene, Eugenik sind Punkte, über die gerade wir Deutschen besser bescheid wissen sollten. Es verwundert auch nicht, dass Stammtischrassisten wie die von Politically Incorrect Sarrazin feiern — auch die rechtsradikalen Parteien, jenseits unseres Grundgesetzes feiern den SPD-Politiker: Thilo Sarrazin schreibt ein regelrechtes NPD-Buch. Seine ausländerpolitischen Aussagen atmen durch und durch den Geist nationaldemokratischer Überfremdungskritik. Gesagt hat dies ein unterbelichteter NPD-Landtagsabgeordneter. Der kümmerliche Haufen von Pro Deutschland bietet ihm gar den Parteivorsitz an, feuchte Träume von 20% Wählerpotential lassen jeden Rechten in Deutschland vor Kraft kaum laufen. Zu guter Letzt: Die NPD wirbt bereits mit Flugblättern und Sarrazin-Zitaten.

Dass unter Umständen der Rassismus Sarrazins sogar den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt – geschenkt. Thilo Sarrazin selbst bestätigt, was von seinem Elaborat zu halten ist. Das SZ Magazin weiß mehr: Es war keine ausländerfeindliche, rassistische oder beleidigende Bemerkung. Ausländerfeindliche, rassistische und beleidigende Bemerkungen sind harmloses Gequassel gegen das, was er wirklich gesagt hat. […] Sarrazin gab zu, dass er keinerlei Statistiken dazu habe. Er gab zu, dass es solche Statistiken auch gar nicht gibt. Sprich: Sarrazin hat seine im Buch verwendete Zahlen erfunden. Das ist nicht der dumpfe Rassismus, wie ihn die deutsche Stammtischbrigade von sich gibt, man kann davon sprechen, dass Sarrazins Buch Rassismus mit Vorsatz ist.

Doch zurück zum SPIEGEL und seinen Chefradakteur Mathias Müller von Blumencron. Die taz hat ein Interview mit dem obersten Hirten des ehemaligen Nachrichtenmagazins geführt. von Blumencron gibt dort zu Protokoll: Aber so ist das bei Meinungstexten: Um Debatten einzuleiten, müssen wir auch Beiträge drucken, mit deren Aussagen wir nicht einverstanden sind. Mal abgesehen davon, dass ich von Blumencron kein Wort der Distanzierung glaube – er geht den gleichen Weg wie Franz-Josef Wagner von der BILD und verklärt Rassismus zu einem Meinungsbeitrag. Das ist für das ehemalige Nachrichtenmagazin, das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie, ein neuer – nie gedachter – Tiefpunkt.

Der SPIEGEL distanziert sich nicht von Sarrazin, kommentiert den Vorabdruck nicht, veröffentlicht ihn, wie jeden anderen redaktionellen Beitrag auch. Der SPIEGEL, mit seinen verantwortlichen Chefredakteuren Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo, macht sich so die Aussagen und Texte Sarrazins zu eigen – mit der gleichen hanebüchenen Begründung, wie sie Franz-Josef Wagner in der BILD veröffentlicht hat. Wer hätte gedacht, dass mit jedem neuen Tag der SPIEGEL immer tiefer — immer weiter nach rechts — driftet? Rudolf Augstein würde sich im Grab umdrehen. Unter Augstein hätte ein Mathias Müller von Blumencron nicht einmal in der Poststelle Karriere gemacht – aber das ist nur ein Meinungsbeitrag. Aber immerhin kein rassistischer.

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22 Antworten zu “Tiefer geht nimmer: Mathias Müller von Blumencron auf einer Stufe mit Franz-Josef Wagner”

  1. Moritz sagt:

    Rassismus ist nicht verhandelbar. Jeder, der versucht, rassistische Äußerungen zu rechtfertigen bzw. als Meinung zu charakterisieren, öffnet dem Rassismus die Tür in den Alltag ein bisschen weiter. Da bleibt mir nur noch eins zu sagen: Nazis raus!

  2. Klingelhella sagt:

    Die Veröffentlichung des Sarrazin-Schinkens ist kein singulärer Event, sondern Ergebnis eines längeren Prozesses. Die ersten Äußerungen Sarrazins konnten dabei durchaus als Meinungsäußerung gelten… die sich aber dann sachlich relativ einfach entwerten und als das entlarven ließ, was sie eigentlich ist: Rassismus. So weit so gut.

    Wenn nun derselbe Herr mit denselben Thesen weiter von Medien promotet, von Verlagen unter Vertrag genommen und von politischer Seite geflissentlich weggesehen wird, so ist der Punkt der Meinungsäußerung überschritten, dann sind wird bei gewollter Hetze und Propaganda.

  3. Rainersacht sagt:

    Danke für die klaren Worte.
    Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

  4. Huge sagt:

    Selbst wenn Sarrazin Recht haben sollte, er schlägt mit seinen Thesen eindeutig einen kontraproduktiven Ton an, der lediglich Hass schürt statt einer offenen Diskussion zu dienen.
    Ich bin mir noch nicht sicher, ob Sarrazin nur als peinlicher Provokateur auftritt, der erkannt hat, dass er sich damit in der Öffentlichkeit halten und sein Buch pushen kann. Oder ob es ihm tatsächlich um das Wohl der Gesellschaft geht und er hier einen MEINUNGSBEITRAG leistet. Ausschließen will ich das nicht, allerdings müsste man dann wie gesagt die Aussage seiner Thesen herausdestillieren, indem man die ganzen lärmenden Formulierungen abzieht.
    Dass die Zuwanderung die Gesellschaft verändert hat, ist jedenfalls kein Geheimnis und muss offen diskutiert werden.

  5. Anonymous sagt:

    Ich find’ das so ätzend dass der Typ in meiner Partei ist!

  6. BoleB sagt:

    «Es muss nicht großartig über Thilo Rassismus und seinen offensichtlich tief verankerten Rassismus diskutiert werden»

    Wenn’s ein Freudscher Verschreiber war — schön, wenn nicht, auch passend.…

    Ich werde mir keinesfalls dieses Buch kaufen und hab ehrlich gesagt auch keine Lust, mir die genannten Medien zuzumuten, daher kann ich mir keine fundierte Meinung dazu bilden. Was ich aber sagen kann, ist, dass es mich ankotzt (entschuldigung für die rüde Wortwahl), dass von tagesschau bis ins letzte Blog Thilo Rassismus die Schlagzeilen beherrscht. Sicherlich spricht er Sachen an, die es wert wären, thematisiert zu werden — aber das sind erstens keine neuen Erkentnisse und zweitens knüpft daran keine konstruktive Diskussion an (bei Sarrazin wohl auch nicht, wie man hört). Es wär mir lieber gewesen, wenn dieses Buch das bekommen hätte, was es verdient, nämlich totale Missachtung.

    OT: Hab ich letztens beim Kommentieren zu dem Jens Best-Artikel einfach nicht richtig auf den Absenden-Knopf gedrückt oder ist das eventuell irgendwo hängengeblieben?

  7. Generiko sagt:

    Was bisher in der Kritik an Sarrazin total unter geht (genau wie bei der letzten Berichterstatungswelle) ist der Sozialdarwinismus. «Migranten-Kritik», auch wenn es sich schlicht um NS-Rassenbiologie handelt, kann auf Zustimmung der Mehrheit hoffen. Sarrazins Vorstellung, dass ein Mensch um so genetisch wertvoller ist, je mehr Geld er auf dem Konto hat, und die «Unterschicht» als Genabfall entsorgt gehört, würde in der Bevölkerung dagegen schon auf Widerstände treffen. Insofern wundert es mich, dass selbst Kritik an Sarrazin seine sozialdarwinistischen Kernthesen auspart.

  8. Wenn’s ein Freudscher Verschreiber war — schön, wenn nicht, auch passend.…

    Gefixt. 😉

  9. bloedbabbler sagt:

    Wenn der Mann etwas zu sagen hat, was er mit Fakten untermauern kann, dann sollte man ihm Gehör schenken, ob es der eigenen Gesinnung in den Kram passt oder nicht.
    Wenn keine Fakten vorhanden sind,und das habe ich aus dem Zitat aus der SZ herausgelesen, sollte man sich mit solch einem Auswurf gar nicht erst beschäftigen.
    Denn, das hat dann in etwas den gleichen intellektuellen Stellenwert, wie Religion –es ist eine platte Glaubenssache– und kann daher niemals sinnvoller Inhalt einer öffentlichen demokratischen Auseinandersetzung sein.
    Ich kenne sein Buch nicht und ehrlich, ich möchte es auch nicht kennen.
    Ich habe die letzten ihm zugeschriebenen Äußerungen verfolgt, die mir stärker von einem widerlichen nationalkonservativen Eliteverständnis geprägt waren, als von Rassismus im Besonderen.

    Was ich ihm allerdings persönlich übel nehme ist, das die legitime Kritik an einer politischen Religion –in diesem Fall des Islams– die Elementar notwendig für eine aufgeklärte Gesellschaft wäre, durch solch einen offensichtlichen Humbug wieder zu den rechten Dummköpfen weitergereicht und diskreditiert wird.

    Ihnen Ihr Blödbabbler

  10. Rosenkranz sagt:

    Die SPD war mal die Partei Willy Brandts. Aber das hatte sich schon lange vor Sarrazin erledigt…

  11. Foxxi sagt:

    Über diesen Herrn und sein Machwerk nur ein Wort zu verlieren schmerzt. Was jedoch viel schwerer wiegt und bislang so gut wie nicht thematisiert wird ist, dass dieser Mensch weiterhin Vorstand der Bundesbank ist ebenso Mitglied einer demokratischen Volkspartei (ok, die SPD hält sich ja noch dafür…) und überall in den Medien sowie auf «Zusammenkünften von Eliten» (mir fällt kein geeignetes Wort dafür ein) seinen kackbraunen Dreck absondern darf. Selbst die Hansa Rostock Fans haben es geschafft den braunen Mob aus ihrem Stadion zu vertreiben und unsere «Öffentlichkeit» versagt dabei jämmerlich…

  12. HH-Typ sagt:

    SPIEGEL und BILD sind schon lange zwei Seiten derselben Medaille. Sie servieren denselben Müll in zwei verschiedenen Aufbereitungen. Wer SPIEGEL liest, hält sich halt irrtümlicherweise für intelligenter…

    Auch platte Hetze gegen Ausländer ist beim SPIEGEL nicht neu. Ich erinnere mich da an ein Titelblatt mit einem Halbmond über dem düsteren Brandenburger Tor. Das war eindeutig schon die Sarrazin-Masche, hat aber wohl niemanden aufgeregt.

    Was der Typ da so schön als «Debatten einleiten» euphemisiert, ist natürlich nichts als eine (Werbe-)Kampagne gemeinsam mit den netten Kollegen von BILD.

  13. Anonymous sagt:

    Der SPD auch nur ansatzweise eine inhaltliche Nähe zu Sarrazin zu unterstellen ist nicht nur falsch sondern auch unverschämt.

  14. […] Herrn Sarrazin von seinem Posten als Bundesbank-Vorstand abzusetzten, so berichtet der Spiegel. FiXMBR drück es da noch radikaler aus. Woher hat Herr Sarrazin nun seine Weisheiten? Wie belegt er seine […]

  15. Generiko sagt:

    Die SPD hat entschieden und erklärt, dass Sarrazins Sozialdarwinismus und modernisierte NS-Rassenbiologie nicht nur nicht gegen die Grundsätze der Partei verstößt und nicht rassistisch ist, sondern sogar der Debatte um die Integrationspolitik neuen Schwung gegeben hat und die Diskussion voranbringt. Klick

    Faschistoide Hetze hat in der SPD schon lange einen Platz, wenn auch ich nicht in der Reinform wie bei Sarrazin. Normalerweise wird die aber erst an der Regierung ausgepackt. Man denke etwa an Clements Hetze gegen arbeitslose «Parasiten», die Wiederauflage von «Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen» durch Müntefering, «Wegsperren, für immer!» von Rübe-Ab-Gerd und die Kriegspropaganda von Scharping.

    Fazit: Es gibt wirklich keinen Grund, die SPD vor Sarrazin in Schutz zu nehmen. Er ist Fleisch von ihrem Fleisch, und für die wohlwollende Aufnahme seiner «Thesen» im Volk hat die SPD (mit) den Boden bereitet.

  16. Ritinardo sagt:

    Du hast ja SOOO recht!! Ich kann nicht fassen, dass es öffentliche Personen gibt wie Broder, die für diesen Rassisten jetzt noch in die Bresche springen! Nein, es ist wie Du sagst — absolut indiskutabel. Und dass das nicht glasklar ist in Deutschland — man möchte sich schämen — und man muss vermuten, dass die Bundesbank und die SPD und der Bundespräsident «heimlich» Sarrazins Rassismus unterstützen?

    Letztlich war das nicht sein erstes mal. Da werden in Deutschland Leute oft herausgeschmissen für viel weniger…

  17. Broder war schon immer der gleiche islamophobe Vollhonk. Wenn man also so will, ist die Islamophobie in der SPIEGEL-Redaktion weit verbreitet…

  18. Lorilo sagt:

    In ihrer Ausrichtung ist die Berichterstattung über den Islam seitens des Spiegels absolut konsequent. Ich kann selbst mit Müller von Blumencrons Auswurf kein «Tiefersinken» konstatieren, wenn man es über einen längeren Zeitraum betrachtet.
    Dieser Beitrag von Hagen Rether ist von Dezember 2007. Im Westen nichts Neues.

  19. Anonymous sagt:

    Sarrazin würde wohl sagen, dass es ätzend ist, dass Du in Seiner (Possesivpronomen!!!) Partei bist

  20. BurkhardHenze sagt:

    Der SPIEGEL ist eben halt die «Bild-Zeitung» der Intelektuellen.
    Zu dem ganzen Sarrazin «Mist» kann ich nur antworten:
    Ich habe noch? nie jemanden gefragt, welcher Rasse er angehört, welche Religion er hat oder welchen sozialen Status. Für mich ist wichtig, wie ein Mensch mir hier und heute begegnet. Bei jedem Mensch setze ich genug Intelligenz voraus, dass man sich unterhalten kann, ohne sich die Köpfe einzuschlagen. Es gibt leider ganz wenige Ausnahmen. Manche Menschen, egal woher sie stammen oder welchen Glauben sie haben, denken, sie kämen mit Gewalt und dumpfen Rassismus weiter. Diese Menschen werden im Leben noch sehr viel dazu lernen müssen. Wir sind alle leicht verletzbare: MENSCHEN!

  21. diesmithy sagt:

    nichts gegen die Spiegel-Poststelle! Du redest diesen wichtigen Beruf schlecht. Also wirklich.

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