Tibet in den Augen der Medien

Die ewige Suche nach Shangri-La, so titelt die SZ und meint damit diese geheime Sehnsucht des Westen in Tibet einen Hort der Glückseligkeit zu vermuten. Gut recherchiert, mal ein wenig hier und dort nachgeschlagen, die Fantasie eines Intellektuellen schweifen gelassen und stante pede auf das Gros der Bevölkerung projiziert — vielleicht ein 68er, denn in jeder Zeit hatte Shangri-La doch eine recht kultige Bedeutung inne. Was jedoch kommt dabei herum? Nichts, nur der Traum eines Journalisten im beginnenden Sommerloch. Den Westen seit Jahrhunderten beherrschende Vorurteile werden angeführt, selbstredend dürfen die drei Chinesen mit dem Kontrabass nicht fehlen, ebenso wenig wie der Hinweis rassistischer Äußerungen in späteren Zeiten. Mit Mohrenkopf, Negerkuss, sowie vielen anderen rassistischen Ausfällen vergangener Tage könnte man im Prinzip so ziemlich alles zerreden — nur ein wenig Fantasie ist gefragt. Grund genug also für die Bevölkerung hier die Chinesen zu hassen und unbewußt nur das schlechte in jenem Land zu sehen. Das gleiche Spiel verfolgt auch Spiegel online alljährlich in puncto Anitamerikanismus, eine Folge des verlorenen Kriegs und der somit einhergehenden unterbewußten Abneigung gegen jenes Land . Ein anderes Beispiel wäre die Verschwörungstheorie per se, wenn man sklavisch an etwas glaubt, wird man auch überall diesbezüglich die Bestätigung finden — das Desaster ist vorprogrammiert, die Realität entfleucht.

Nur muß hier niemand einen Glauben vermuten, hier dreht es sich rein um die Quote. Denn wenn 80% der Medien schon in den Tenor der Menschlichkeit einstimmen, kann man auf lange Sicht kaum noch einen Blumentopf mit derartigen Artikeln gewinnen. Ergo stachelt man eine Art Diskurs an, war zuvor noch Menschlichkeit Programm, ist nun der Tadel ob eines verklärten Rassismus an der Tagesordnung. Vice versa funktioniert dies natürlich auch, man reagiert recht schnell. In diesem Fall ist zwar durchaus bei einigen Politikern die Kolonialherren-Mentalität zu beobachten, andererseits machten diese damals auch keine Geschäfte, sondern nahmen sich einfach was sie wollten. Was die Medien jedoch als vierte Gewalt mit dieser Vorgehensweise erreichen, ist eine Relativierung eines menschenverachtenden Regimes. Und auch wenn es zum Teil absurd ist die westliche Gedankenwelt in ihrer Gänze auf andere Kulturkreise zu projizieren, so ist es ebenso absurd den Medien eine Art aufklärerische Funktion beizumessen. Dort spricht das Meinungsmonopol, welches sich gemäß ökonomischen Gesichtspunkten tagtäglich ändert.

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