Thilo Sarrazin: Alles nur Satire

oder

Warum sich unsere Gesellschaft neu ausrichten muss


Bild: Bundesarchiv, Wikimedia Commons

Wer noch ein Argument benötigt hat, dass Thilo Sarrazin ein zutiefst verachtenswertes Menschenbild hat, ein rassistisches Menschenbild, der musste heute nur Plasberg einschalten. Beispielsweise hat er seine «These» über jüdische Gene nicht zurückgenommen, im Gegenteil, er hat sie noch einmal bestätigt. Sarrazin meine lapidar, der Satz sei seiner Sache nicht dienlich gewesen, inhaltlich sei sie nicht zurückzunehmen. Selbstverständlich hat er sich jede Menge Kritik anhören müssen – bis die gesamte Debatte von Thilo Sarrazin selbst ad absurdum geführt wurde.

Er wurde auf das letzte Kapitel seines Buches angesprochen: In 100 Jahren ist Deutschland muslimisch, Deutsche in der Minderheit – was selbstverständlich grober Unfug ist, dies wurde im Übrigen auch vom Statistischen Bundesamt bestätigt. So – und jetzt alle festhalten: Thilo Sarrazin behauptete dann allen Ernstes, nachdem er argumentativ an den Rand gedrängt wurde, das letzte Kapitel seines Buches sei doch Satire gewesen. Wirklich, das hat er so gesagt. Seine apokalyptische Prognose sei Satire gewesen.

Mensch, da hat uns der gute Herr Sarrazin aber alle auf den Arm genommen. Da sprechen wir dämlichen Gutmenschen seit Tagen über Rassismus, Beleidigungen von Minderheiten – und es ist nur Satire. Gut, dass wir das geklärt haben. Es muss, so glaube ich zumindest, ein weiterer Punkt nicht erwähnt werden: die Mehrheit der Menschen, und es ist die Mehrheit der SPD-, Unions-, FPD-, Grüne– und Linken-Wähler stimmt Sarrazin zu. Dass Sarrazin sich schlussendlich selbst der Lächerlichkeit preisgegeben hat – geschenkt. Die Mehrheit stimmt seinen kruden Behauptungen zu.

Deutschland ist mit diesem Buch weit nach rechts gerutscht.

Habt Ihr eine kleine Schwester oder vielleicht schon eine junge Tochter? Ist diese vielleicht schon einmal mit einem jungen Mann nach Hause gekommen, bei dem Euch jegliche Nackenhaare zu Berge standen? Ihr könnt argumentieren, wie Ihr wollt, der junge Herr kann rumhuren — nach einer kurzen Trauerphase strahlt das junge Glück wieder als wäre nichts gewesen. Gegen Gefühle lässt sich nicht anreden, weder sachlich und argumentativ — noch emotional. Ähnlich sieht in dieser Debatte aus. Die so genannten Thesen Sarrazins wurden mittlerweile weitestgehend widerlegt – und doch ist da nach Gefühl der Bevölkerung endlich mal einer, der die Wahrheit sagt. Die ausgedachten Thesen Sarrazins spiegeln ein Gefühl wieder, werden schnell zu Fakten und schlussendlich zur Wahrheit.

Die Medien spielen auf dieser Klaviatur, verdienen sie mit den Gefühlen der Menschen doch ihr Geld. Wer wirklich glaubt, Medien seien objektiv, der sollte sich selbst fragen, ob er bei den unterschiedlichsten Themen objektiv sein kann. Vielleicht reicht es auch aus, zu dem selben Thema die Artikel in der BILD, der taz, der FAZ und der SZ zu lesen. Objektiv betrachtet sollten die Artikel dieselbe Aussage beinhalten. Sie tun es nicht – darum sollte man niemals den Fehler machen, zu glauben, Journalismus sei objektiv. Genauso sieht es mit so genannten wissenschaftlichen Gutachten aus – das Beispiel Loveparade zeigt gerade, dass der Auftraggeber das Ergebnis bestimmt. Und über Statistiken, wie sie Thilo Sarrazin in seinem Sinne interpretiert, muss wohl gar kein Wort verloren werden.

Doch darum soll es nicht gehen. Am Montagabend bei Beckmann sagte die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan wahre Dinge, die sehr zum Nachdenken anregen. Es verwundert nicht, dass nach 9/11 das Miteinander zwischen der deutschen und muslimischen Bevölkerung nicht das beste war. Auch in Deutschland wurde – salopp gesagt — hinter jedem Turban und Bart ein Terrorist vermutet. Foroutan, die sich täglich mit Integration und dem sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt unseres Landes beschäftigt, sagte, dass sich seit vier bis fünf Jahren das Blatt wieder gewendet habe. Es gibt wieder ein Miteinander – auch politische Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass sich die beiden Bevölkerungsgruppen nicht mehr wie Fremde gegenüber stehen.

Als Beckmann auf Sarrazin und die enorme Zustimmung seiner Zuschauen hinwies, antwortete Foroutan Bedrückendes. Sinngemäß sagte sie, dass man keine Chance habe, gegen die Gefühle der Menschen anzureden. In Sarrazins Buch sieht sie eine Gefahr, dass der aufgebaute Zusammenhalt der letzten Jahre wieder zunichte gemacht wird. Direkt gesagt wurde es nicht, aber zwischen den Zeilen konnte man heraushören, dass Sarrazins Buch den sozialen Frieden in Deutschland gefährden würde.

«Wir» haben gegen Sarrazin, NPD & Co. absolut keine Chance. So dramatisch und trostlos muss man es sehen. Was muss und kann man tun? Unsere Gesellschaft muss sich völlig neu aufstellen und neu ordnen. Der Mensch muss wieder Mensch sein dürfen – mit all seinen Stärken und Schwächen. Der Mensch ist keine Produktionseinheit, er ist kein Kostenfaktor, er ist nicht anders — er ist eine Bereicherung für jedes andere Leben.

Wenn man heute in die U-Bahn steigt, durch die Stadt geht, sind gefühlt die Hälfte der Werbeanzeigen von Zeitarbeitsfirmen geschaltet. Der Mensch wird nicht mehr durch das Menschsein definiert, sondern durch seinen Arbeitsplatz, seine Statussymbole, sein Ansehen. Andersartigkeit, egal in welcher Form, wird abgelehnt.

Arbeitslose Menschen werden – sogar von der Politik – offiziell als Parasiten, von den Medien als Sozialschmarotzer bezeichnet. Wer in problematischen Stadtteilen wohnt, wird entsprechend belächelt – Ausländer in diesem Land täglich schief angesehen, beleidigt, ihnen wird aufgezeigt, dass sie nicht zu «uns» gehören.

Oftmals wird – gerade von konservativen Politikern – immer wieder gefordert, man müsse die deutsche Leitkultur annehmen, sich dieser unterordnen. Doch was ist diese ominöse Leitkultur? Diese Leitkultur, das ehemalige Land der Dichter und Denker definiert sich ausschließlich über Statussymbole und Angepasstheit. Fremde, Andersdenkende und Anderslebende gehören nicht zu dieser Leitkultur.

Selbst wenn die von Sarrazins angekündigte Apokalypse eintreten würde – es wäre absolut nicht schlimm. Dieses Land, so wie es sich entwickelt hat, ist es wahrlich nicht wert, erhalten zu werden. Wir müssen nicht nur über Integration reden, sondern auch über uns selbst. Warum darf der Mensch nicht mehr Mensch sein? Warum werden Andersdenkende, anders Aussehende, anders lebende Menschen ausgegrenzt, beschimpft beleidigt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt?

Sobald unsere Gesellschaft wieder den Menschen als Menschen wahrnimmt, ihn annimmt, toleriert und akzeptiert, wie er ist – sei er arbeitslos, schlecht deutsch sprechen oder in einem Ein-Zimmer-Appartement lebend – erst dann können wir wieder von einer deutschen Leitkultur sprechen, für die es wert ist, zu kämpfen. Die derzeitige Verfassung unserer Gesellschaft lässt es wahrlich nicht zu, dass wir mit dem Finger auf andere Menschen zeigen.

Integration, ein soziales Miteinander ist keine Einbahnstraße – es ist ein Geben und Nehmen. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und große Teile unserer Gesellschaft und der so genannten Elite befinden sich vom Denken und Handeln noch im Mittelalter. Sicherlich gibt es Integrationsprobleme, Parallelgesellschaften– unbestritten. Sie sind aber Folge unserer Gesellschaft, unseres sozialen Miteinanders. Es sind die Geister, die Deutschland selbst gerufen hat. Wir haben sie selbst geschaffen.

Deutschland ist krank. Schuld daran sind aber nicht die Arbeitslosen, die Alten, die Studenten oder die Ausländer. Schuld ist unsere Gesellschaft als Ganzes. Wir reden immer über moderne Zeiten, sprechen verächtlich über das zurückgebliebene Anatolien, wollen Aufbauarbeit in Afghanistan leisten, vergessen dabei aber, dass insbesondere Wir, unser Land, unsere Gesellschaft eine Frischzellenkur benötigt.

Der indischer Philosoph Jiddu Krishnamurti hat einmal gesagt: «Die Wandlung der Gesellschaft ist nicht so wichtig; sie wird sich natürlich und zwangsläufig ergeben, wenn der Mensch die innere Wandlung vollzogen hat.» Bis dahin ist es in unserer Gesellschaft noch ein ganz langer Weg. Der Großteil der Menschen in unserer Gesellschaft definiert sich darüber, sich insbesondere moralisch von anderen Menschen abzugrenzen. Dies ist im Übrigen auch ein Grund, warum unsere Politik so «gut» funktioniert. Man lasse Rentner gegen Studenten, Arbeiter gegen Arbeitslose kämpfen – und schon kann sich die Regierung weitestgehend zurücklehnen.

Wir brauchen ein neues Denken in unserer Gesellschaft, im täglichen Zusammensein. Menschsein bedeutet im positivsten Fall nicht, den Arbeitslosen und den Ausländer naserümpfend zu tolerieren. Menschsein bedeutet, den Studenten und Rentner und all die anderen zu akzeptieren, als gleichwertiges Mitglied unserer Gesellschaft und unserem sozialen Miteinander. Die Anderen sind nicht anders, die Anderen sind wir. Unsere Gesellschaft besteht aus unzähligen Gruppen – und jeder Mensch ist gleichberechtigt, jede einzelne Person ist wichtig und belebt unsere Kultur und fördert unser Wissen. Unsere Gesellschaft braucht ein Umdenken, «wir» benötigen ein Umdenken. Erst dann können wir wieder vom Menschsein sprechen. Derzeit gilt das Recht des Stärkeren, unterschiedliche Schichten kämpfen miteinander – ganz wie in der Fauna.

Wie sehr mensch ist unsere Gesellschaft, wie sehr mensch darf sie heute noch sein?

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26 Antworten zu “Thilo Sarrazin: Alles nur Satire”

  1. Luto sagt:

    Die Frage ist doch: wie wird Deutschland wieder menschlich? Du schreibst:

    | «Wir» haben gegen Sarrazin, NPD & Co. absolut keine Chance. So
    | dramatisch und trostlos muss man es sehen. Was muss und kann
    | man tun?

    und das klingt sehr pessimistisch und trostlos. Ist es nicht an der Zeit, dass «wir Deutschen» wieder die Straßen bevölkern und gegen «die da Oben» ziehen? Ich weiß, dass das utopisch klingt, aber ich glaube, wenn eine Keimzelle da ist, kann das klappen.

    Evtl. wird «Stuttgart 21″ diese Keimzelle sein, das wird sich zeigen. Und wenn es das nicht ist, dann gibt es sicher genügend andere Triebe, die sich ihren Weg bahnen können. So ganz so hoffnungslos sehe ich unsere Gesellschaft *noch* nicht. Es gibt immer mehr Deutsche, die sich kritisch mit den Regierigen und den Medien auseinandersetzen. Allerdings sind wir Deutschen sehr antriebslos und das Revolutionsgen, das bei den Franzosen auf jeden Fall vorhanden ist, wurde uns nach (oder durch?) das Nazi-Regime ausgetrieben.

  2. jolly rogers sagt:

    m.e. ist sarrazin ein armer, alter, selbstverliebter mann, der sich für den nabel der welt hölt und dies nun seiner umwelt mitteilen musste. ich glaube sogar, dass er nicht damit gerechnet hatte, tage– oder wochenlang in einem solchen shitstorm zu stehen. jedenfalls trägt er «sein buch» jetzt wie ein schild vor sich her: «sie haben das buch nicht gelesen» — «doch» — «dan haben sie es nicht richtig gelesen». solche sätze kommen immer öfter von ihm.

    ich bemitleide diese // Edit by Chris: Der Mann hatte einen Schlafanfall //Nochmal Edit: Schlaganfall ist richtig, die Lähmung der Gesichtshälfte rührt aber von einem Turmor und einer OP er her. // // sogar ein wenig. und ich verachte seinen verlag, der das buch nicht von a-z von experten hat checken lassen.

  3. Moritz sagt:

    Wenn Sarrazins Vorhersagen eintreffen. Wenn die Muslime in Deutschland mehr Kinder kriegen als die Nichtmuslime (ich sage nicht «als die Deutschen», weil viele der Moslems deutsch sind) und in 100 Jahren dann die Mehrzahl der Bevölkerung zum Islam gehört. Dann ist das in meinen Augen okay. So ist das Leben nunmal. Völker werden größer, Völker werden kleiner. Manchmal verschwindet ein Volk, oder ein neues taucht auf. Völker und Länder sind nicht die Hauptsache. Die Hauptsache sind die Menschen. Alle zusammen. Ohne Unterschiede, aber möglichst verschieden.

  4. NDM sagt:

    Die Mentalität in der Gesellschaft ist eine Sache.

    Eine andere Sache wurde ebenfalls auch mit Blick auf S21 angesprochen: Die inhaltliche Diskrepanz zwischen dem, was sich aktive Politik nennt, und dem, was sich politische Gesellschaft nennt. Beides ist unzureichend miteinander verwoben, und manche Strömungen haben auch ein vitales Interesse daran, dass dies so bleibt oder sich sogar noch verschärft. Die Statistiken zu den Nichtwählern seit Gründung der Republik zeigen, dass dies eines der drängenden Probleme unserer Zeit ist. Die anfängliche Begeisterung für die Demokratie wich nach und nach einer Ernüchterung, und der Trend setzt sich fort. Dieses Problem führt letztlich zu solchen Phänomenen wie Sarrazin und S21 — und solche Phänomene können in Zukunft noch andere, schlimmere Formen annehmen.

    Ich denke daher, dass gerade die SPD im Rahmen ihrer Neuausrichtung einen Leitsatz wie diesen gut gebrauchen kann:

    Aktive Politiker werden es einsehen, dass ein Mandat keine Vollmacht mehr ist, sondern lediglich ein Auftrag. Ein Auftragnehmer hält selbstverständlich regelmäßig Rücksprache mit seinen Auftraggebern.

    Das darf aber nicht auf die SPD beschränkt bleiben. Die Konsequenz, die sich aus diesem Leitsatz ergibt, führt zu einer stärkeren Verflechtung von Gesellschaft und aktiver Politik, die dringendst notwendig ist.

  5. Erfreut sagt:

    Bin ich froh, dass es noch vernünftige Menschen gibt! Manchmal bekommt man ja schon Angst…

  6. jolly rogers sagt:

    gestern abend bei hart aber fair: hätte ein statistiker 1890 mit denselben methoden gerechnet wie sarrazin, müsste deutschland heute 253 millionen einwohner haben.

    ich denke, das sagt viel über die seriosität sarrazynischer methoden und argumente aus.

  7. Lust am Leben sagt:

    im günstigsten Falle leitet Sarrazin eine schwere Geburt in Form einer Wende zum Besseren ein — im ungüstigsten Falle… — nein, den mag ich mir nicht vorstellen.

    Wir sollten hoffen, in Betracht ziehen und daran arbeiten, daß dieses unsägliche Druckwerk am Ende etwas gutes bewirkt hat — so etwas wie eine Katharsis. Leider aber ist dieses populistische Machwerk nun im Umlauf und hat damit beste Chancen zum Standardwerk der rechten Szene zu werden. Kaltlächelnd können Nazis nun ins Bücherregal greifen und sich auf Thesen aus ein Werk berufen, das ein sozialdemokratischer Bundesbanker geschrieben hat.

  8. Das Problem ist keine Partei, das Problem ist diese Gesellschaft. Auch wenn die BRD selbst auf einer beinahe durch und durch rechten Basis gegründet wurde, so hat jedes Land mit diesen Problemen zu kämpfen. Geht es der Gesellschaft gut, hat man nichts gegen Menschen fremder Herkunft einzuwenden, insbesondere nicht als Arbeitskräfte (60er/70er) — geht es einer Gesellschaft «schlecht», versucht man als erstes einstige Gäste stante pede auszuweisen, jede zuvor in guten Zeiten geduldete Minderheit auszumerzen.

    Wir müssen uns nicht vor der Minderheit der Rechtsextremen fürchten, sondern vor der Masse der latenten Rassisten in diesem Lande. Diese Leute erkennt man daran, daß sie Menschen wie Sarrazin «verabscheuen», jedoch gut mit dessen propagierten Inhalten leben können. Man verabscheut einzig das extreme Äußere, geht jedoch mit den extremen Inhalten, sofern gefällig dargereicht, äußerst konform. Man klammert sich wie eh und je an Folklore und kompensiert tatsächliches Wissen mit Verschwörungstheorien.

    Das Gros jener, daß hier aufschlägt und Unsägliches abläßt, hätte gemäß den eigenen Maßstäben nicht einmal das Recht in diesem Land noch einen Tag länger zu verweilen. Wohlwissend beruft man sich auf dieses «Geburtsrecht» aus Zeiten, in welchen der staatlich forcierte Nationalismus noch usus war. Wir beendeten die «Herrschaft von Gottes Gnaden», es ist an der Zeit auch andere antiquierte Überbleibsel auszurotten. Wir sind allesamt Menschen, bei einigen Zeitgenossen hege ich jedoch starke Zweifel, zumindest versuchen jene stetig diese Definition ad absurdum zu führen.

    Man muß keineswegs links sein, um Mensch zu sein. Allein die biologische Einordnung genügt da keineswegs.

  9. Anna-Lena sagt:

    Wer ist denn eigentlich diese ominöse Gesellschaft? Sind das nicht wir? Der Autro dieses Artikels und jeder der Kommentatoren, ich. Wir sind die Gesellschaft. Es ist richtig, dass hier auf unsere Missstände hingewiesen wird aber ich würde mir ein wenig mehr positive Aussagen wünschen. Wir entscheiden doch, wie es hier weitergeht. In diesem Sinne stimme ich auch Kommentator Nummer eins zu. Es muss sich wieder was bewegen, auf deutschen Straßen als Ausdruck des gemeinsamen Geistes aller Menschen die hier leben. Friedlich und gewaltlos. Ich bin sehr dafür, mal dafür zu sein und nicht dagegen. Ein glückliches und zufriedenes Zusammensein einfach leben und sich daFÜR einsetzen.

    Und nochmal zum Thema «vernünftige Menschen». Schau dich um.
    Zeig mir einen dem das egal ist. Und ich zeig euch einen Lügner.

    Wir machen das schon! :) Wir müssen nur wollen.

  10. >Zeig mir einen dem das egal ist. Und ich zeig euch einen Lügner.

    Wir machen das schon! Wir müssen nur wollen.

    Das riecht verdammt nach einer Überdosis Dale Carnegie, aber jeder wie er halt mag. Die einen benennen Fakten, die anderen nennen einen Lügner, jene leben in der Realität, andere haben den Ponyhof nie verlassen.

  11. […] Anscheinend ist wieder etwas Mode geworden was man Technokratie nennen könnte oder schlimmeres, es wird so getan als wenn es einen pseudo-wissenschaftlichen Zugang zu “Gesellschaft” gibt und diese über Taschenrechner und Reagenzglas zu verändern sei. Es geht nicht mehr um Menschen und dagegen müssen wir etwas tun. […]

  12. […] bin ja auch eher simpel gestrickt, aber wenn ich bei F!xmbr Kommentare wie diesen zum Sarrazin Komplex lese, dann bin ich doch irritiert: Wenn Sarrazins Vorhersagen eintreffen. Wenn […]

  13. tante sagt:

    Da Chris mich drum gebeten hat, hier auch nochmal:

    Lieber Moritz. Man kann nicht dem Sarrazin sein Rumgeeiere bzgl. Judengen und sonstigem Dummfug vorwerfen, dabei aber selbst den Begriff «Volk» benutzen. Volk ist immer ein Propagandabegriff ohne faktischen Inhalt ausserhalb der Trennung von «gut» und «böse» («wir» gegen «die»).

    Wer sich die Sprache der Rassisten aneignet, begibt sich damit leider auch in ihren intellektuellen Vorgarten.

    Ich weiß, dass Du das nicht so gemeint hast, will das aber doch mal kurz anmerken.

  14. angie sagt:

    «Derzeit gilt das Recht des Stärkeren, unterschiedliche Schichten kämpfen miteinander – ganz wie in der Fauna.»

    Seit sich in der Vor(Stein)-Zeit die Menschen zu immer größeren sozialen Gruppen zusammen fanden, die das meiste des hier gesagten einführten, ging es mit der Entwicklung der Menschheit (geistig und in absoluten Zahlen) vor ran.
    Nun da wir uns offenen Auges wieder zu Raubtieren verwandeln, sehe ich schwarz für unsere Spezies.

  15. «Volk» wurde schlicht für Propaganda mißbraucht, ebenso geschah dies auch mit der Bezeichnung «Semitismus». Man entblödete sich gar derart, indem man diese Ergüsse einstiger nationaler geistiger Tiefflieger des 19.Jhd. heute als terminus technicus, «Antisemitismus», zur Bezeichnung eben dieser geistigen Umnachtung weiterführt. Der Begriff Volk geht also nicht per se mit Rassismus schwanger, das wäre schlicht zu kurz gedacht.

  16. Das der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, dies wußte man auch schon in der Antike. Und auch im Neolithikum war man sich bewußt was ein Haus ist, was von Zäunen erzeugte Privatsphäre bedeutet etc. pp. Mit der nötigen Abstraktion läßt sich sicherlich eine lineare Entwicklung beobachten. Betrachtet man jedoch Kultur, die Evolution usw. en Detail, so ist es ein Auf und Ab.

  17. Hey, Ihr rechten Vollhonks:

    1. Art. 5 GG hat noch einen Satz 2.
    2. Es gibt da noch Art. 1 GG.

    Wenn Ihr Deppen Euch hier intellektuell duellieren wollt — sorry, Ihr seid unbewaffnet…

  18. Timo sagt:

    Bei den unzähligen positiven Bewertungen auf Amazon bezüglich dieses Buches sind solche Gegenmeinungen, Widerlegungen der «Fakten» und das Aufzeigen der gefühlsstarken Hetze bzw. der gefühlskalten Reaktionen seitens Befürworter Sarrazins geradezu eine Pflicht!
    Dass Leitmedien — ergo der Großteil an Öffentlichkeit — nicht (mehr) in der Lage sind, einen Dreischritt der Argumentation (These, Antithese, Synthese) hinzulegen scheint wohl ein überdauerndes Status Quo zu sein.
    Doch grotesk anmutende, ausschwitz-wiederbelebende Parolen bzw. die diese Parolen stützenden «Fakten», zumindest als unter Vorbehalt zu deklarieren sollte eine Selbstverständlichkeit sein, derer es jeden Journalisten in Form des Artikelschreiben-Einmaleins zu beherrschen und umzusetzen gelte!
    Adorno («Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen. Ich kann nicht verstehen, dass man mit ihr bis heute so wenig sich abgegeben hat. Sie zu begründen hätte etwas Ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug.») IST und bleibt jäh aktuell!!

  19. Franse sagt:

    Sehr schön gesagt. Das dauernd forcierte Gegeneinander muss endlich einem Miteinander weichen. Da haben wir allerdings ein gehöriges Stück Arbeit vor uns.

  20. Jacob Jung sagt:

    Gestern Abend bei Maybrit Illner:

    Die seichte Boulevard-Version der Diskussionen um Sarrazin gerät durch die Einladung von Dr. Naika Foroutan aus den Fugen. Der breit getragene Standpunkt, Sarrazin sei zwar in Wortwahl und Form ein wenig zu weit gegangen, habe aber inhaltlich recht, wird von der Wissenschaftlerin seriös widerlegt.

    Anhand ganz konkreter Beispiele belegt sie, wie Sarrazin veraltete, missinterpretierte und falsche Fakten einsetzt, um seinen absurden Standpunkt einen wissenschaftlichen und aufgeklärten Anstrich zu geben.

    Henryk M. Broder zieht jedes Argument von Naika Foroutan ins Lächerliche, unterbricht sie, beleidigt sie und beantwortet die vorgetragenen Fakten mit immer schlechten und teilweise geschmacklosen Scherzen. Die Moderatorin greift nicht ein. Das Ganze gipfelt in Broders Schlusswort, wonach er sich wünscht, dass mehr Frauen in Deutschland so aussehen würden, wie Dr. Foroutan.

    Am heutigen Tag berichtet die deutsche Presse über eine betroffene Wissenschaftlerin, die sich Zahlen «schön» rechnet, sich auf den Talk-Stuhl von Maybrit Illner «promoviert» hat und die ihre Standpunkte mit «lauter Stimme» und «stolz» darlegt.

    Wir werden Zeuge, wie eine ganze Republik innerhalb weniger Tage auf einen rassistischen Zug in Richtung Diskrimierung von Einwanderern und insbesondere Muslimen aufspringt. Wer angesichts dieser Entwicklung weder Sorge noch Bedenken entwickelt, dem fehlt es an historischer Einsicht, an politischer Empfindsamkeit und vor allem an Menschlichkeit.

  21. Anonymous sagt:

    @Jacob Jung

    Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

    Broder hat sich eigentlich permanent wie ein Rowdy aufgeführt und als Frau Foroutan erwähnt hat, dass z.B. vietnamesische Kinder in Brandenburg in der PKS bei der Gewaltkriminalität an 3. Stelle liegte, meinte Broder ja, dass das wohl bei Ehrenmorden der Fall ist und hat sich wieder halb totgelacht.

    Zumal ich auch nicht verstehen kann, das jemand wie Broder, der nur auf Krawall auf ist, immer wieder eingeladen wird.

  22. Moritz sagt:

    «Volk» ist für mich nicht immer ein Propagandabegriff. Es ist für mich nur ein veralteter Begriff. Ich gehöre jedenfalls nicht zum deutschen Volk, ich gehöre zur deutschen Bevölkerung.

    Nichtsdestotrotz sehen sich viele als Teil eines Volks. Heute weniger als früher, aber darauf zielt meine Aussage ja auch ab: Die Dinge ändern sich, Völker und die Grenzen zwischen ihnen verschwinden.

  23. […] sehr guter Beitrag auf F!XMBR (der ohne diese Buchveröffentlichung ja auch nicht existieren würde) zog eine interessante […]

  24. […] ist überrascht. Da haben wir doch auf einmal einen Rassisten in unserer Mitte (ders aber auf einmal nur satirisch gemeint haben will)! Wer hätte das […]

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