Thema: private Vorratsdatenspeicherung

Worum gehts? Um das hier und wie schauts in der vermeintlichen Praxis aus? So in etwa. Wie in ersterem bemerkt wurde ein Urteil lokal in Berlin erwirkt, das dem Bundesjustizministerium quasi sämtliche Logs untersagt, insbesondere das Logging der IPs. Oberflächlich betrachtet ist das natürlich eine feine Sache, denn nun können diverse Organisationen, SEOs etc. Besucherdaten nicht mehr auswerten und zweckentfremden. Aber ist das ganze derart neu? Nein, denn schon letztes Jahr erging ein Urteil, welches den vorrausschauenden Webseitenbetreiber dazu veranlaßte über sein Angebot nachzudenken und eine Datenschutzerklärung aufzusetzen. Näheres dazu hier.

Wie dem auch sei, im Nachhinein passierte nichts, wahrscheinlich aber weniger weil kaum Interesse daran bestand, sondern weil die Majorität der Webseitenbetreiber stante pede das Problem in der Praxis behob, man bot also keine Angriffsfläche. Wenn ich das richtig deute, wurde das ursprüngliche Problem das letztes Jahr entstand nur verdeutlicht und erweitert, jedoch nicht initiiert.

Werden also keinerlei Daten erhoben, können diese auch nicht zum Mißbrauch gereichen. In Anbetracht der Tatsache, das vorhandene Daten auch mißbraucht werden, ist dies also ein probates Mittel derartigen Unbill gekonnt zu bekämpfen. Aber um in der Praxis, wie Chris schon schrieb, nicht die Büchse der Pandora zu öffnen bedarf es einer Verfeinerung. Man kann nicht Inkompetenz der einen Seite mit Inkompetenz auf der anderen Seite bekämpfen!

Das ISPs nicht speichern dürfen ist eine gute Sache, das der Serverbetreiber ein paar Daten benötigt, nicht auf Dauer, liegt auf der Hand, wenn man sich mit der Materie und der Technik per se beschäftigt. Das ein kleiner Weblogbetreiber diese Daten quasi automatisch erhebt ist auch bekannt. Problem ist letzterer, meist fehlen die Mittel um überhaupt derartige Dinge zu erkennen und abzustellen, oft sind auch ganz einfach technische Grenzen gesetzt. Zwar benötigt der profane Weblog/Webseiten-Betreiber keine Daten und sollte diese auch in einem angemessenen Zeitraum löschen, aber dieses absolute Verbot des Loggens ist hahnebüchener Unsinn in der Praxis.

Die Technik, die bei Weblogs, Wikis oder Foren beispielsweise Anwendung findet fordert quasi ein Tracking heraus, denn es geschieht so oder so. Zeitlich begrenzt kann man damit Mißbrauch nachvollziehen oder eben diesem Mißbrauch Herr werden. Man könnte die Anzeige in den jeweiligen Interfaces unterbinden und eine eventuelle *langfristige* Speicherung verhindern — aber komplett? Oh vielleicht war es auch nicht so gedacht, nur hätte man dann auch den Anspruch verfeinern müssen. Oder war vielleicht auch hier einfach nur die Inkompetenz am Werk, sprich «Politiker» und Anwälte boxten ihre «Sicht der Technik» durch? Die Daten der User poltern so oder so hinein und Spuren werden immer hinterlassen, die Zeit ist hier wohl der Stichpunkt, weniger die Speicherung. Denn Speicherung wird an diversen Stellen vollzogen, eben ob der derart funktionierenden Technik.

Man könnte Grenzen setzen, wie lange man eben diese Daten speichern darf, für *kurze* Zeit sollte es definitiv in einem gewissen Umfang erlaubt sein. Politischen Aktionismus zu zeigen ist aber imho der völlig falsche Weg, denn diesen trägt man auf dem Rücken derer aus, die man eigentlich schützen wollte — wenn es denn intial darum ging.

8 Antworten zu “Thema: private Vorratsdatenspeicherung”

  1. Yehuda sagt:

    > Die Technik, die bei Weblogs, Wikis oder Foren beispielsweise Anwendung findet[…]

    Darin sehe ich ein zusätzliches Problem, das in diesem Urteil nicht bedacht worden ist: Was passiert beispielsweise, wenn jemand hier oder in einem Forum einen Kommentar abgibt, der persönlichkeitsverletzend oder rechtsbrüchig ist?
    Der Blog-/Wiki– oder Forenbetreiber muss dafür einstehen, ohne jegliche (auch nur theoretische) Möglichkeit, über die IP an den Verfasser des Beitrags zu kommen. Ob dieses Urteil für die jeweiligen Betreiber offener Plattformen nicht eher ein trojanisches Pferd darstellt??
    Faker, Trolle und fremdgesteuerte Nestbeschmutzer dürften angesichts dieses Urteils die Sektkorken knallen lassen…

  2. Oliver sagt:

    Praktisch hast du auch keine Möglichkeit mehr, da selbst T-Online mit ihren zuvor 80 Tagen schon unlängst 7 Tage speichert, andere z.B. speichern überhaupt nicht mehr. Sprich die Dialin Nummern sind Schall und Rauch. Aber nicht nur die IPs wurden verdammt, sondern jegliche Logs.

    Andererseits besteht ja noch die Möglichkeit des quick freeze für die Behörden, aber je nach Fall brauchst du dir als Privatmann keinerlei Hoffnungen zu machen. Sprich speichern die ISPs auf Vorrat, und nur *dann* könntest du etwas explizit mit dieser IP anfangen, kann und wird der Staat auch diese mißbrauchen. Allerdings führt auch wiederum das nicht-speichern der ISPs die Annahme des Mißbrauchs, zumindest bei IPs, irgendwie ad absurdum. Ist halt alles nicht zu Ende gedacht worden.

  3. Yehuda sagt:

    >Aber nicht nur die IPs wurden verdammt, sondern jegliche Logs.

    Hm, ich bin kein Jurist — bedeutet diese Aussage also in der Praxis, dass

    a. Logs in Verbindung mit den jeweiligen IPs verdammt sind aber anonymisiert OK?
    oder
    b. Logs sind generell Gegenstand der Kritik (des Urteils)?

    Soweit ich das verstanden habe, geht es lediglich um die Speicherung von Daten, die Rückschlüsse auf den jeweiligen Nutzer erlauben, und DIES wäre nur mit der Speicherung der IP und der damit zusammenhängenden Daten (Tracking) möglich…

  4. Oliver sagt:

    >Hm, ich bin kein Jurist — bedeutet diese Aussage also in der Praxis, dass

    Japp das ist eine gute Frage, denn selbst gestande Juristen mahnten ja nur bisher zur Vorsicht. Nichts genaues weiß man eben nicht, da wird heftigst gepoltert, auch von dieser Arbeitsgemeinschaft, aber um den Scherbenhaufen mag sich keiner kümmern.

    >Soweit ich das verstanden habe, geht es lediglich um die Speicherung von Daten, die Rückschlüsse auf den jeweiligen Nutzer erlauben,

    Gemäß dem Heise Text lag die Betonung auf *insbesondere* IPs, d.h. diese natürlich primär, andere Daten jedoch auch nicht die Rückschlüsse erlauben. Aber wie gesagt, das werden wohl die ersten Gerichtsfälle klären — ich hab da keine Ahnung was man juristisch alles daraus basteln kann.

    Für den Kläger, den im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung aktiven Juristen Patrick Breyer, hat die inzwischen rechtskräftige Entscheidung Signalwirkung für die gesamte Internetbranche, da die personenbeziehbare Aufzeichnung des Nutzerverhaltens in Form von «Logfiles» oder «Clickstreams» weithin üblich sei.

  5. Yehuda sagt:

    Demnach dürften auch 95% der Dienstanbieter im Bereich Tracking und Besucheranalyse angreifbar sein. Ob durch Server-Logfiles oder JS, Tracking ist wohl jetzt juristisch nicht mehr gelitten, sollte man meinen…

    >ich hab da keine Ahnung was man juristisch alles daraus basteln kann.

    Da bin ich mir ziemlich sicher, dass die Sinnlosprozessierer und bekannten Abmahnfritzen bereits fertige «Geschäftsmodelle» hierfür in der Schublade haben 😉

  6. Oliver sagt:

    Japp die prof. «Verwerter» ohnehin.

  7. Ich denke, wir sind uns einig, dass man alles übertreiben kann. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung macht nun vor wies geht […]

  8. […] Ich weiß schon, warum ich es nicht so mit dem AK VDS habe. Mehr Schein, als Sein, offensichtlich mehr Politikum als alles andere — zumindest von der Führung her. […]

RSS-Feed abonnieren