the day that never comes

Das dachte ich mir auch irgendwie bei Metallica, ich glaubte irgendwie nicht mehr daran das noch irgendetwas nach Master of Puppets oder And Justice for All kommt. Load war eine herbe Enttäuschung, Reload … na ja und St.Anger konnte mich wenigstens doch zum Teil rumreißen, auch wenn es arg trashig und weniger wie Metallica anmutete. Unerwähnt bleiben darf jedoch nicht deren Cover-Album Garage Inc., sie bewiesen mit diesem eines: sie konnten noch spielen, nur fehlte wohl die Motivation etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Mit St.Anger gabs dann wie schon erwähnt einen Ausflug in den Trash, Härte und irgendwie back to the roots sollte wohl damit symbolisiert werden — quasi ein musikalisches sorry für die Fans, nachdem man viele dieser ob der Napster-Klagen und der allgemeinen Kommerz-Attitüde vergraulte.

If you’d stop being a Metallica fan because I won’t give you my music for free, then f… you. I don’t want you to be a Metallica fan. So Lars Ulrich zu den Fans damals im Zusammenhang mit Napster. Und die Aussage per se war verständlich, Songs veröffentlicht im Netz bevor es diese zu kaufen gab ist schon ein Hammer und die Reaktion auch verständlich. Nicht verständlich war aber die folgende massive Kommerzialisierung der Purschen, gepaart mit der beinahe kompletten Verneinung des Netzes. Zumindest dies versuchte Ulrich just mit seiner Youtube-Ansprache zu kompensieren, auch wenn diese arg gezwungen wirkt — kostete wohl viel Überwindung. Metallica ist halt immer noch eine Band der 80er in puncto Vertriebswege etc., auch wenn der Stil kaum noch daran anzuknüpfen vermochte.

Alles anders — Metallica ist wieder da …, wäre wohl nun die zu erwartende Überleitung nach all der obigen Schande, aber dem ist nicht so. Als ich obiges Video the day that never comes vom Album Death Magentic das erste mal sah und hörte, dachte ich mehr nice try, klingt teils wie damals™ und irgendwie kompensiert man immer noch fehlende Lyrics mit ausgedehnten Riffs. Und das war es dann auch schon, aber als ich in alte Scheiben hineinhörte, obiges wiederholt konsumierte erkannte ich doch recht schnell: genau das ist Metallica. Vermutlich hatten die zwischenzeitlichen Stil-Exzesse etwas verwirrt, was denn genau Metallica damals ausmachte, was man denn über die Jahre eigentlich vermißte 😉

Und über die stilistischen Vergleiche können sich nun die üblichen Verdächtigen hermachen1, ist ohnehin nonsense. Man kann die Scheibe hören, da kehrt kein Master of Puppets wieder, wie auch — die Zeit ist vorbei — aber irgendwie vermag man es doch den früheren Esprit aufleben zu lassen, selbst wenn man die bis vor kurzem noch gewirkte Tristesse nicht so einfach vergessen machen kann.

Für knapp 15 Euronen erhält man als eine realtiv lieblos gestaltete Scheibe, wie üblich bei Metallica, jedoch mit passablem Inhalt. Meinereiner wartet nun noch auf AC/DC Black Ice und gönnt sich demnächst ebenso die von Lemmy gewirkte Sangeskunst in Form von Motörizer 😀

  1. mit dabei auch die Fraktion jener die sonst Metal als Werk des Teufels zerreißt, dort läßt man sich auch dazu hinreißen mal eben Metallica mit Guns N’ Roses zu vergleichen — professionell halt []

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7 Antworten zu “the day that never comes”

  1. Marcel sagt:

    ich halte das neue album für ziemlich gelungen, kann mich aber der kritik über load/ reload nicht anschliessen. nimmt 4–5 füller songs (unforgiven II — mir graust es) aus, sind es zwei starke alben, halt anders. aber das ist am ende auch geschmacksache.

    und was heisst schon massive kommerzialisierung? da gab es in den letzten 15 jahren viel schlimmeres. Metallica haben bis heute kein obligatorisches best of album heraus gebracht. nur als beispiel.

  2. Oliver sagt:

    Der Kommerz bei Metallica begann mit nothing else matters, reichte bis hin zu Anleihen an Apocalyptica etc. die ihrerseits teils klassisch coverten. Soll ich jetzt noch Iron Maiden anführen oder vielleicht dann doch eher AC/DC als Gegenbeispiel — es sind Kleinigkeiten, teils, die jedoch markant herüberkommen.

    >aber das ist am ende auch geschmacksache.

    Yes my dear, your mileage may vary — drum schrieb ich auch warum ich das so sehe. Und anders ist eben anders und das sah auch der Rest der Fans so, ging über den Schlingerkurs bis hin zu St.Anger — mochte ich auch — und weiter bis Death Magnetic. Just gehört und für gut befunden, für genial fehlt mir bei Metallica doch der Nerv.

    >ein obligatorisches best of album

    C’mon — es ist doch jedem bekannt das man mit dem ersten Check auch seine Seele verwirkt hat, sprich Best of entstammen selbst bei richtigen Größen oft den Hirnwindungen der Krämerseelen in dieser Industrie. Nur selten hat eine Band Einfluß darauf, man einer verliert sogar die Rechte an seinem Namen (George Michael, Prince, …).

    >ich halte das neue album für ziemlich gelungen

    Schrieb ich Schrott? Nein nur als euphorischer Fan der ersten Stunde fällt es mir eben schwerer jetzt die Lobpreisung loszutreten. Ich mutierte über die Jahrzehnte vom fanatic zum besonnenen Fan, der vielerlei Musikgeschmäcker besitzt und heute rückblickend betrachtet und nachdenkt :-)

    Ein fuck you bezüglich Metallica war mein erster Gedanke, erstanden habe ich dann heute doch das neuerliche Album — wie alle anderen zuvor.

  3. Marcel sagt:

    naja genial kommt mir auch nur bei den alben 2–4 über die lippen. ich empfinde die kritik an metallica sehr oft als meckern auf hohem niveau. nothing else matters war nicht mal ansatzweise die erste ballade und arbeitet eigentlich nach dem gleichen konzept wie fade to black.

    ich mag diese negative belegung mit dem wort kommerz sowieso nicht. die band macht gute musik, und hat das glück, dass sie damit auch noch geld verdient. man sollte eigentlich froh sein darüber. auch wenn man mit bestimmten sachen nicht einverstanden sein muss.

  4. Oliver sagt:

    >man sollte eigentlich froh sein darüber.

    Ich bin mit meinen weit über 30 Jahren kein Konsumlemming mehr und war es auch nie wirklich. So tatsächliches Fandom mit Scheuklappen lebte ich mitunter mal aus zwischen 16–18 — hatte wohl jeder einmal so eine Phase.

    Jeder Künstler soll sich glücklich schätzen von der Kultur zehren zu dürfen und das zudem noch Leute gibt die sie dafür angemessen entlohnen.

    >nothing else matters war nicht mal ansatzweise die erste ballade

    Natürlich nicht, aber die erste die omnipotenten Durchbruch im Mainstream erlangte. Schrieb ich scheiß Song? Nein, also lesen und nicht jedes Wort interpretieren. Es fing damit an, der Song gefiel mir dennoch.

    >ich mag diese negative belegung mit dem wort kommerz sowieso nicht.

    Nein? Nun dann Augen zu und durch — kaufen, kaufen und Wirtschaft ankurbeln.

    Ich bin ja einiges von Fanboys gewohnt aber das Lob gepaart mit Kritik einen derartigen Krampf hervorruft hätte ich nun auch nicht gedacht. Nun in Zukunft halt wieder ohne Kommentare — lesen und denken oder weitergehen.

  5. Solarix sagt:

    Metallica war immer eine meiner Lieblingskapellen, aber nach den (Re)Load Scheiben und zwei sehr uninspirierten Live Shows, sowie der kläglichen Selbstverarsche ST. Anger ist die Band für mich künstlerisch tot und ich werde keinen Pfennig mehr ausgeben.

    Vor allem die armseligen Live Shows haben mir seinerzeit wirklich den Rest gegeben. Keine andere Band mit der ich aufgewachsen bin, hat mich so dermaßen enttäuscht.

    Aber ich freu mich auf die neue AC/DC die ziehen wie Motorhead oder Iggy Pop ihr Ding durch und sind einfach einzigartig. :)

  6. Metallica gehörte zu den wenigen Metal-Bands, die ich gut weghören konnte — bis ich sie anno Keks (es muss 1991 oder 92 gewesen sein) in der SOtseehalle in Kiel live gesehen habe. Es war ungefähr die schlechteste gut gemeinte Show, die ich jemals sehen musste. Lars Ullrich warf seine Drumsticks ins Publikum, was ja noch OK ist, warn ja genug Kiddies da, die sich über so ein Souvenir freuen würden, als er dann aber hinter seine Batterie griff und weiter 40 oder 50 Sticks in die Menge warf, hatt ich nicht mehr als Kopfschütteln übrig und wuderte mich, dass er sie nicht vorher noch rektal eingeführt hat. Seitdem habe ich Metallica nicht mehr freiwillig gehört.

    Die neue Single habe ich zufällig beim Antesten von Aitoradios in einer Elektronik-KEtte gehört und habe sie nur an Hetfields Stimme erkannt. Den Sound fand ich durchweg blass und motivationsfrei.

  7. Dieter Reinig sagt:

    Metallica ist nicht meine Gruppe. Aber!Das ist kein Hindernis, sie nicht zu schaetzen. Weil man muss dem Schwarzen nicht Weiss sagen, nicht?!!! Sie haben der Musik so viel gegeben, den Fans tolle Augenblicke, Generationen leben mit der Musik. Kommerz und Kunst passt mir persoenlich nicht.Ich erinnere mich an ein Interview mit dem Guitarre-Virtuos,der Hamet. Man hat ihn gefragt warum singen sie fur Krieg in diesem Lied. Da hat er geantwortet — Wir wollen fuer Frieden singen, aber wir sind objektiv, der Realitaet nahe. In was fuer einer Welt leben wir… und in was fuer Welt wollen wir leben. Jetzt in dem 3 Jahrtausend unserere Existenz. das hat mir gefallen. Aufrichtig, also.

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