The Afghanistan War Logs – ein Desaster für den Spiegel

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Bild: F!XMBR

Die Veröffentlichung der Afghanistan War Logs auf Wikileaks, journalistisch begleitet und aufbereitet durch den Spiegel, den Guardian und der New York Times ist sicherlich einer der größten Scoops der jüngeren journalistischen Geschichte. Drei der renommiertesten Redaktionen haben wochenlang an der Recherche und der Überprüfung der Dokumente zusammengearbeitet – sie sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass die Protokolle authentisch sind und dass ein großes öffentliches Interesse an der Veröffentlichung besteht. Eine großartige globale journalistische Zusammenarbeit. Wikileaks-Gründer Julian Assange hat den Redakteuren gemeinsam in der Londoner Redaktion des Guardians die Dokumente übergeben – es drang keine Informationen vorab nach draußen. Selbst als der Spiegel am Sonnabend angekündigt hat, dass das ePaper des Spiegel erst am Sonntagabend erscheinen würde, tippten fast alle Beobachter auf die Berichterstattung zur Tragödie der Loveparade. Nun ist die Bombe geplatzt – und für den Spiegel entwickelt sich die Geschichte zu einem großen Desaster. Das lässt sich an zwei Punkten festmachen.

1. Nicht der Spiegel, Afghanistan oder die Veröffentlichung der Dokumente bestimmen die Überschriften und Diskussionen in den Medien, in den Kantinen unseres Landes, sondern die unfassbare Katastrophe in Duisburg. Normalerweise wäre jetzt eine lange Diskussion über den Sinn und Unsinn des Afghanistan-Einsatzes entbrannt, die Bild hätte mit großen Buchstaben und Pathos flankiert und anstatt Beileidsbekundungen aus der Politik hätten zuerst Hinterbänkler ein Ende des Krieges gefordert, bevor zu Guttenberg mit ernster Miene vor die Presse getreten wäre und das Tina-Prinzip verteidigt hätte. Mittendrin der Spiegel, sich im Erfolg sonnend – in fast jedem Artikel und Bericht wäre auf die Veröffentlichung durch die Redakteure an der Brandstwiete in Hamburg verwiesen worden. So aber überschattet ein aktuelles Ereignis wochenlange journalistische Arbeit.

2. Doch nicht nur die Nachrichtenlage selbst lässt die Afghanistan-Protokolle für den Spiegel zu einem Desaster verkommen. In erster Linie ist es die eigene Berichterstattung. Die Artikel im Netz sind eine Peinlichkeit sondergleichen, der Inhalt der knapp 100.000 Dokumente wird kurz angerissen – da ist nichts, was dazu verleiten würde, den Print-Spiegel zu erwerben. In jedem Artikel, in jeder Zeile ist die Bettelei offensichtlich, «kauft den aktuellen Spiegel.» Noch peinlicher wird es für den Spiegel, wenn man die Berichterstattung des Guardian sieht: ein Video gibt dem Leser Anleitung, wie die Dokumente zu nutzen sind, eine interaktive Karte lässt dem Nutzer die Wahl, wie er vorgehen möchte. Der Guardian nimmt den Leser mit auf die Reise und lässt ihm die Wahl, gibt ihm mit professionellen Werkzeugen die Möglichkeit, sich frei zu informieren. Beim Guardian sind alle Artikel – und noch viel mehr – online zu finden. Das ist professioneller Journalismus des digitalen Zeitalters. Der Spiegel wirkt daneben wie eine Schülerzeitung – und noch nicht einmal eine gute.

Man muss sich einmal vorstellen, dass der Spiegel, der Guardian und die New York Times heute von den meisten Medien auf der Welt verlinkt werden. Während man beim Guardian den ganzen Tag stöbert, immer wieder etwas Neues findet, sich mit Begeisterung diesem Journalismus hingeben kann, landen die Menschen aus allen Herren Länder beim Spiegel auf kurzen Inhaltsangaben, die früher in der Schule vielleicht eine «2+» bekommen hätten. Es ist ein unglaublicher Image-GAU für das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie, das ehemalige Nachrichtenmagazin. Die Menschen müssen sich auf den Arm genommen fühlen. Sie erwarten einen Scoop, wie es ihn seit Jahren nicht gegeben hat – und der Spiegel «spuckt ihnen ins Gesicht.»

Doch auch die Artikel im Print-Spiegel sind von unfassbarer Langeweile geprägt und werden der Brisanz der Veröffentlichung nicht im Ansatz gerecht. Wenn ich vorhin von Schülerzeitung sprach, so trifft das auch auf die gedruckten Artikel zu. Die unendlichen Möglichkeiten des Netzes hat man selbstverständlich im Print nicht. Doch langweilige Textwüsten, ein paar Bilder, ein Interview mit Wikileaks-Gründer Julian Assange und nur ganz wenige Zitate, kleine Screenshots der Dokumente, lassen mich an der Professionalität des Spiegel zweifeln. Sicher, auf den Inhalt kommt es an – aber ganze 17 Seiten zu knapp 100.000 Dokumenten werden dem Scoop nicht gerecht. Wenn das ein großer Scoop sein soll, wird der Autor dieser Zeilen den Pulitzerpreis für dieselbigen bekommen.

Sicher, für die aktuelle Nachrichtenlage kann der Spiegel nichts. Das war einfach Pech. Doch was der Spiegel aus dem Scoop online gemacht hat, zeigt seine gesamte Verachtung gegenüber den Internet. Der Spiegel hatte wie der Guardian unendliche Möglichkeiten, er hat sie bewusst nicht genutzt. Der Leser scheint den Damen und Herren aus der Brandstwiete völlig egal zu sein. Ich stelle mir gerade vor, wie Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron mit dem Spiegel in der Hand auf dem Flohmarkt stehen und «kaufen, kaufen, kaufen» rufen. Spiegel Online hat vor ein paar Monaten Katharina Borchert eingekauft. Stellt sich die Frage, warum? Und dann jammern Redakteure bei Spiegel Online noch herum, dass die Leute per Adblocker ihre Seite besuchen. Mit was denn sonst? Werbung bei dem aktuellen so genannten Scoop einzublenden, ist schlicht und ergreifend eine Beleidigung. Nicht mehr und nicht weniger.

Was für ein Desaster für den Spiegel.

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30 Antworten zu “The Afghanistan War Logs – ein Desaster für den Spiegel”

  1. Herm sagt:

    Lustig. Ich hab so ziemlich das Gleiche gedacht, als ich heute Morgen auf spon gelesen habe. Erst einmal freute ich mich über die unfassbare Anzahl an geleakten Dokumenten und klickte voller Vorfreude auf die Artikel.
    Keine einzige Zahl. 5 Links auf jeweils 2–3 lieblos hingeklatschte Absätze zu einem Kernthema. Keinerlei Statistiken, neue Erkenntnisse oder gar Leaks. Ernüchterung machte sich breit, so schnell habe ich wahrscheinlich noch nie einen Artikel über Wikileak Informationen geschlossen. Dass der Guardian darüber genauer berichtet, freut mich zu hören und wird mich gleich ein wenig länger beschäftigen. Auf die Idee hätte ich natürlich auch selber kommen können ;)

  2. Blaine sagt:

    Man hat den Eindruck, dass das Internet von deutschen Nachrichtenseiten noch immer nicht erst genommen wird, während angelsächsische Medien die Zeichen der Zeit erkannt haben. Es bleibt nur das Ausweichen auf Guardian und New York Times.

    Was für ein Armutszeugnis.

  3. Jan sagt:

    Erstmal sollte man WikiLeaks zu diesem unglaublichen Scoop gratulieren. Hoffentlich bewirkt die Veröffentlichung etwas.

    Der Spiegel sieht wirklich alt aus gegenüber Guardian und NYT bei diesem Thema.

    Und ansonsten auch. Wobei der Spiegel sich an normalen Tagen ja eher mit der Huffington Post messen muss, aber auch da schlecht aussieht. Kein Gefühl für interessante Themen, kein Gefühl für wichtige Debatten.

  4. Tobias sagt:

    Von meiner Seite zwei Anmerkungen:

    1) Sehr lustig, ich widerum bin gar nicht erst auf die Idee gekommen, mir den Spiegelartikel durchzulesen. Bei mir war die Wahl heute morgen gleich der Guardian. Liegt allerdings auch daran, dass ich in letzter Zeit wieder verstärkt die englischsprachige Presse verfolge. Nicht nur aus «journalistischen Gründen», aber auch.

    2) Ich gebe dir absolut recht, was den Imageschaden für den Spiegel betrifft. Allerdings im Bezug auf einen anderen Aspekt. Denn ich denke, dass nur der deutschsprachige Teil dieser Welt — wenn überhaupt — auf den Seiten des Spiegels nach Neuigkeiten sucht(e) und somit von deren «Unfähigkeit» ob der Umsetzung der Möglichkeiten des Internets Erfahrung gelangt. Also eher ein «kleinerer Imageschaden». Der dann noch «kleiner» wird, wenn man bedenkt, wie groß wohl die Schnittmenge zwischen Spiegellesern und Lesern des Guardians/der NY Times wohl ist. Denn nur dann fällt einem der Unterschied ja auf. So rein von der Aufbereitung dieses revolutionären Themas her.

    Meines Erachtens zeugt die Umsetzung nicht (nur) von der Unkenntnis der Möglichkeiten oder der Nichtbeachtung des Internets durch die Spiegelredaktion.

    Nein viel schlimmer, wenn, wie du sagst, die Printausgabe auch nicht mehr Futter bietet, dann zeugt es von der Nichtbeachtung von geschichtsträchtigen Informationen durch die Spiegelredaktion bzw. der völligen «Desinformation des Lesers aufgrund der Nichtinformation».

    Das ist der große Schaden für den Spiegel. Nicht die stümperhafte Darstellung auf deren Internetseite.

    Gleichwohl wird es nur einem Bruchteil der Leser a) auffalen und b) sauer aufstoßen.

    Von daher kann ich da einen weiteren Imageschaden des Spiegels und ein weiteres Abbröckeln des Mythos Spiegel nicht unbedingt «erkennen».

    Aber dennoch: ein Ding der Unmöglichkeit, wie der Spiegel mit diesen exklusiven Informationen umgegangen ist. Auch wenn man erwarten darf, dass die ein oder andere Sonderausgabe bereits in der Pipeline ist.

  5. Chris sagt:

    Beim gedruckten Spiegel möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Gut, es waren 17 Seiten — vielleicht war ich durch das Lesen des Guardian auch ein wenig vorbelastet, aber da hat mich nichts überrascht, nichts vom Hocker gehauen. Beim Spiegel, so traurig es klingen mag, reichten zu Informationsaufnahme die Teaser online. #realsatire

  6. Dirk sagt:

    Also Klicks aus «aller Herren Länder» wird SPON ja wohl eh nicht bekommen, da die Artikel deutsch sind.

    Ansonsten halte ich das für eine — legitime — betriebswirtschaftliche Entscheidung. Durch diese Topstory möchte der Spiegel mehr Printausgaben verkaufen. Was ist daran verwerflich? Ich finde es nicht schlimm oder fragwürdig, wenn die kostenlose Artikel im netz später verfügbar sind bzw. anfangs nicht so umfangreich, damit ein Kaufanreiz besteht. Die Zeit macht es doch auch so, dass die Artikel aus der gedruckten Ausgabe meist nach einer gewissen Zeit erst erscheinen, da beschwert sich doch auch keiner.
    Und ich denke, der Erfolg wird SPON recht geben. Ich zumindest werde mir heute mal den Spiegel kaufen und die Story durchlesen. Warum hätte ich das tun sollen, wenn alles online verfügbar wäre?

  7. Anonymous sagt:

    Ich habe die Druckversion des Spiegel gekauft und bin über den dürftigen Artikel sehr enttäuscht. Wie gut, dass es noch den Guardian gibt.

  8. Chris sagt:

    Also Klicks aus «aller Herren Länder» wird SPON ja wohl eh nicht bekommen, da die Artikel deutsch sind.

    Falsch, darauf wird in der Regel verlinkt.

    Zum Rest sage ich mal nichts, jeder nach seinem Gutdünken, ich bekomme heute Abend noch den Guardian…

  9. engola sagt:

    Nicht nur, daß der Spiegel langweilig schreibt, der Guardian bietet auch noch die aufbereiteten Dokumente als xls-Download an. Cheapeau!

  10. Nora sagt:

    Dem Inhalt stimm ich per se zu, aber warum ist deswegen Werbung eine Beleidigung? Oô

  11. Chris sagt:

    FIXMBR-Suche «Werbung»…

  12. […] Mittag wurde im beim Blick in den Feedreader stutzig. FixMBR spricht von einem Desaster für den Spiegel: Doch was der Spiegel aus dem Scoop online gemacht hat, zeigt seine gesamte Verachtung […]

  13. Grainger sagt:

    Nicht nur, dass der Spiegel langweilig schreibt,…

    Mal ehrlich, der Spiegel hat immer knochentrocken und stinklangweilig berichtet, selbst in seinen besten Zeiten war es für den Leser oft eine Qual, sich durch die oberlehrerhaft formulierten Artikel zu arbeiten.

    Leicht zugängliche Berichterstattung war noch nie die Stärke des Spiegels.

  14. Oliver sagt:

    Die NYT hat in den Staaten auch nicht mehr wirklich ein liberales Ansehen. Da muß man schon tiefer herabsteigen zu San Franciscos Mother Jones u.a. Bei Spiegel, Guardian & Co ging es um die Reichweite und die etwaige monetäre Ressonanz. Guardian konnte im Netz eine treue Leserschaft aufbauen, die anderen beiden leben von ihrer verklärten Vergangenheit und Konsumenten, die es nicht besser wissen.

    Für Assange war es weniger interessant den Coup mit ultrageheimen Informationen zu landen, die die USA erschüttern, vielmehr ging es um den Coup Sponsoren an Land zu ziehen. Gemäß dem Motto «schau mal was wir können».

    Interessanter wird es sein, was mit den Informanten geschieht, die man über kurz oder lang entdecken wird. Auf Hochverrat steht dort die Todesstrafe und diese wird nicht von Zivilgerichten verhandelt.

    Ein Loch gilt es für die USA zu stopfen, selbst wenn es nur geheime Allerweltsdatensammlungen sind.

  15. Oliver sagt:

    Wir beschäftigten uns desöfteren damit und besitzen auch eine Meinung diesbezüglich, die von vielen als radikal angesehen wird: kein Krieg! Keine Wehrpflicht, eine deutliche Reduzierung der Bundeswehr, jeune Auslandseinsätze für deutsche Soldaten aka Verteidigungsarmee.

  16. Chris sagt:

    Was bist Du denn für ne Wurst?* Einmal bitte die Suche benutzen und Afghanistan eingeben.

    *Ich denke, der Herr wollte hier nur seine URL in den Kommentaren hinterlegen, darum wird er die Replik gar nicht lesen…

  17. Weirdo Wisp sagt:

    Von diesem Scoop und dem ganzen Material kann ein Nachrichtenmagazin noch Wochen oder gar Monate lang zehren. Insofern kann man hoffen, dass der Spiegel dran bleibt. Das Thema Love Parade wird nach dieser Woche wieder auf kleinerer Flamme gekocht werden, dann kann man immer wieder auf das Afghanistan-Material zurückkommen.

    Das ist die Hoffnung. Und dass da noch mehr nachkommt, darf man *hoffen*, nach den anfänglich dürren Artikeln des Spiegel. Allerdings *erwarte* ich nicht wirklich, dass der Spiegel sich noch steigert. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

  18. […] Hinzu kommt, daß selbst 17 Seiten Printberichterstattung nicht mehr als angemessen empfunden[3][4][5] werden, wenn der Guardian die ganze Story multimedial online bringt und wenn der […]

  19. Observator sagt:

    Für 1. kann der Spiegel wohl nichts — bei 2. sieht das schon anders aus. Der Spiegel hat sich gewandelt — interessant ist, das Wikileaks den Spiegel ausgewählt hat. Die Reputation ausserhalb Deutschlands scheint noch etwas hinterherzuhinken.

  20. Herr Voß sagt:

    Schade, dass auch Du Dich nicht mit dem Thema «Krieg gegen Afghanistan» beschäftigst und stattdessen eines der wenigen Themen bedienst, die die deutsche Blogosphäre hat: Medienbashing

    Kann ich aber auch verstehen. Das ist natürlich leichter als in der Afghanistan-Frage Stellung zu beziehen…

  21. Anonymous sagt:

    Man kann nur hoffen das der/die Informanten geeignete Vorsichtsmassnahmen getroffen haben und darüber hinaus nicht dem Drang zur Selbstdarstellung unterliegen und sich dritten Gegenüber mit ihrer Tat brüsten (siehe den Fall des «Collateral Murder» Videos).

  22. Daniel sagt:

    Ich finde die Aufbereitung im Guardian allerdings auch beeindruckend und das Medium sehr schön ausnutzend. Allerdings täuscht dies aus meiner Sicht ein wenig darüber hinweg, dass sich in dem nun über Wikileaks veröffentlichten Material sehr wenig neues findet wenn man dem Tenor der Experten (zb. Tom Ricks, Marc Ambinder) glauben darf. Abgesehen von der Präsentation der Inhalte habe ich bei einigen Publikationen, darunter auch dem guardian den Eindruck man wolle unbedingt eine Sensation herbeischreiben und scheitere dann doch einfach am wenig sensationellen Inhalt. Die größte Sensation scheint schlicht die Fülle der Dokumente zu sein, nicht so sehr was darin steht.

    Mindestens genauso beeindruckend wie die Aufbereitung des guardian in dieser Sache und inhaltlich sehr viel spannender finde ich das Online Special «Top Secret America» der Washington Post von letzter Woche.
    Einfach mal auf «View Connections» klicken.

  23. alt-shift-x. sagt:

    Na ja der Spiegel ist halt auch nicht mehr das was er mal war «Sturmgeschütz der Demokratie» hmmm wohl eher Spritzpistole Angela Merkels und seit Gruner&Jahr (Bertelsmann) dort eine Sperrminorität im Verlag haben ist es meiner Meinung nach nur noch bergab gegangen, jaja Leitmedium mein Arsch wohl eher Leidmedium! Guter Post, war schon in Sorge, dass das ausser fefe keinem aufgefallen ist, wie ärmlich die Deutschen Medien hier im Vergleich mit dem Guardian abschneiden.

  24. Mein Eindruck ist, dass in diesem Fall von Seiten des Spiegel nicht Unfähigkeit, sondern Unwilligkeit vorlag. Mir scheint es, als ob der Spiegel die Daten unter einer Fragestellung wie «Wir können wir die Daten so präsentieren, dass die Ablehnung des Krieges durch die Bevölkerung möglichst nicht noch weiter zunimmt?» ausgewertet hat.

    Es ist schwer vorstellbar, dass beim Spiegel niemand in der Lage ist, eine einfache Abfrage zu erstellen wie folgende:

    SELECT SUBSTR(‘Date‘, 1, 4) as Year
    , SUM(‘FriendlyKIA‘) as FKIA, SUM(‘FriendlyWIA‘) as FWIA
    , SUM(‘HostNationKIA‘) as HKIA, SUM(‘HostNationWIA‘) as HWIA
    , SUM(‘CivilianKIA‘) as CKIA, SUM(‘CivilianWIA‘) as CWIA
    , SUM(‘EnemyKIA‘) as EKIA, SUM(‘EnemyWIA‘) as EWIA
    FROM ‘war_diary‘ GROUP by Year

    was als Antwort ergibt:

    Year FKIA FWIA HKIA HWIA CKIA CWIA EKIA EWIA
    2004 22 133 218 316 219 208 343 93
    2005 71 480 180 504 178 454 890 200
    2006 142 1083 605 1397 800 1794 2689 252
    2007 186 1652 951 2093 758 1962 4044 377
    2008 244 1255 699 1749 798 1980 2816 285
    2009 481 2693 1143 2444 1241 2646 4437 617

    Der Zusammenhang ist sofort offensichtlich. Parallel zu immer mehr Truppen gibt es immer mehr Tote und Verletzte auf allen Seiten.

    Und dann kann man anhand der Datendetails genau schauen, was denn passiert ist, dass es immer mehr Tote und Verletzte auf allen Seiten gibt und das den Lesern erklären. Wenn man die Daten hat, bedarf es da keiner journalistischen Glanzleistung mehr. Das ist eine sehr einfache Geschichte, wenn man denn will.

  25. Nanu? sagt:

    Herr Voß, seit wann ist denn die völlig berechtigte Kritik an den katastrophal schlechten journalistischen Qualitäten der Systemmedien und ihre Lobhudelei gegenüber den Verbrechern in Regierungsverantwortung ein «Medienbashing» ?

    Dass wohl jeder vernünftige Mensch, der hier liest sowieso gegen den völkerrechtswidrigen und grundgesetzwidrigen Afghanistankrieg ist, ist doch offensichtlich oder nicht ?

  26. Herr Voß sagt:

    Dann nehme ich meine Behauptung zurück und entschuldige mich.

    @Chris: Wenn ich nur meine URL hätte unterbringen wollen, hätte ich vermutlich etwas Maintreamigeres geschrieben wie: «Jaja, der Spiegel war halt früher besser. Aber heute geht er den Weg aller, die Internet nicht verstehen… Aber fixmbr ist die Zukunft des Journalismus — weiter so!» ;-)

  27. […] The Afghanistan War Logs – ein Desaster für den Spiegel » F!XMBR Hier noch ein hübscher Rant über den unwürdigen Umgang des Spiegels mit den Dokumenten aus Wikileaks. Sowohl online als auch offline haben die sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert… (tags: wrb Wikileaks Pressefreiheit) […]

  28. Toni sagt:

    Der Guardian ist auch eine richtige geile Zeitung (eine der besten der Welt, so denke ich).

    Den Spiegel halte ich für ein absolutes Drecksblatt (eines der bescheidensten Blätter überhaupt).

  29. […] Fefe, F!XMBR und Indiskretion Ehrensache wird die Qualität der Berichterstattung des Spiegels […]


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