Textbausteine — Eine Politikposse

Ich schrieb bereits über gewisse Textbausteine und deren Fortsetzung. Carsten indes wollte sich mit diesen Standardtexten nicht zufrieden geben und wandte sich direkt per Telefon an unsere gewählten Volksvertreter. Das Ergebnis ist ernüchternd:

Wie zu erwarten wurde mir bei einem Anruf im Büro von Frau Hübinger nicht gesagt, wer den Standardbrief geschrieben hat. Zuerst war es ein fraktionsinternes Schreiben, auf meinen Einwand, dass ja Herr Runde nicht zur CDU/CSU-Fraktion gehört wurde es ein koalitionsinternes Schreiben. Aber wer dieses Schreiben wirklich geschrieben hat darf man mir nicht sagen. Spannend.

[…]

Ich habe das Gespräch dann beendet, sonst hätte ich irgendwann noch was gesagt, was man einfach nicht sagt.

Dobschats Weblog — «Ich darf Ihnen nicht sagen, wer das geschrieben hat»

Mit einem Mitarbeiter des Abgeordneten Ortwin Runde hatte ich ein vernünftiges Gespräch. Er schilderte mir eben die Situation in der man sich als Mitarbeiter eines MdB befindet durchaus nachvollziehbar, konnte mir aber auch nicht alle Fragen beantworten.

[…]

er bat aber um Verständnis dafür, dass es beim besten Willen nicht möglich ist immer individuell zu antworten, sobald eMail-Kampagnen die Mailpostfächer der MdBs überschwemmen

Dobschats Weblog — Es geht auch anders

Spannend ist aber: niemand will dafür verantwortlich sein. Immer wird man weiter gereicht. Aus dem Bundesministerium der Justiz war die erste Aussage, ich solle mich doch an den Absender wenden — schließlich hat der das Schreiben abgeschickt. Nur: die Absender sagen aber, sie wären nicht die richtigen Ansprechpartner, schließlich haben sie das Schreiben nur verschickt und nicht verfasst und man möge sich doch an den Urheber wenden? Irgendwie fühlt man sich dabei ein wenig wie in einen schlechten Behörden-Witz.

Dobschats Weblog — Und jetzt beim Bundesministerium der Justiz

Ich kann nicht soviel fressen, wie ich kotzen könnte. Mir ist richtig übel. Was erlauben sich diese Herrschaften? Erst wird gelogen, auf Hinweis von Carsten dann zurückgerudert (fraktionsintern — koalitionsintern), dann weiß angeblich niemand, wer dieses Schreiben aufgesetzt hat. Spannend finde ich auch die Aussage aus dem Büro meines Abgeordneten Ortwin Runde, in der von eMail-Kampagnen gesprochen wird. Ja ne, ist klar — mir 3 bekannte Blogger schreiben unabhängig voneinander an ihre Abgeordnete individuelle Briefe und das ist dann eine Kampagne — schon schwer, wenn man unter Verfolgswahn leidet.

Beim Bundesministerium der Justiz wird man dann wieder an den Absender verwiesen — das ist Politikverarsche in Reinkultur. Carsten stellte die Frage, ob sich noch jemand in unserem Land über die Politikverdrossenheit wundere — ich nicht mehr.


2 Antworten zu “Textbausteine — Eine Politikposse”

  1. Björn sagt:

    Manueller Trackback:

    Auf meinen Hinweis hin, dass […] bei mir das Gefühl entstanden sei, dass man meine Mail erst gar nicht gelesen habe, sondern direkt nach dem Lesen der Betreffszeile eine Formmail rausgehauen habe, wurde mir gesagt, dass dies durchaus möglich sei und man bei bestimmten Themen so verfahre oder an den zuständigen Ausschuß verwiese.

    Urheberrechtsnovelle III: Übungen in Basisdemokratie

  2. Chris sagt:

    THX Björn, hatte es vorhin erst gelesen, da war ich mit meinem (geplanten) Update zu spät. 😀

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