Technorati vs. Google Blog-Suche

Gestern Abend fand ich einen interessanten Referer in unseren Log-Files: Es hat doch tatsächlich jemand über die Google Blog-Suche zu uns gefunden. Google und Blog-Suche, da war mal was, irgendwas von einem Beta-Test, und so habe ich mir gedacht, schau Dir das doch mal genauer an. Mein erster Eindruck: Viel angenehmer als Technorati, und so entschloss ich mich zu einem kleinen Test, bei dem ich den Platzhirschen Technorati — der, wie wir nicht erst seit Don Alphonsos feiner Analyse wissen, überschätzt wird, auch bei uns gibt es weiß Gott mehr Zugriffe durch Verlinkungen auf anderen Blogs, besonders durch Google selbst, als durch Technorati — gegen die Google Blog-Suche antreten lasse. Getestet wird auf der aktuellen Maxthon-Version 1.5.2 Build 21, aus dem einfachen Grund, hier habe ich keine Ad-Blocker oder ähnliches installiert.

1. Die Homepage, der erste Eindruck

Wer öfter Technorati ansteuert, kennt evtl. das Gefühl. Meiner Meinung nach ist die ganze Seite mit Informationen überladen, viel zu viel für das, was es eigentlich sein soll, eine Suchmaschine. Wen interessiert schon die favorisierten Blogs eines Promis, den hier in Deutschland eh keiner kennt — oversized nenne ich sowas immer, hier in meinem stillen Kämmerlein.

technorati home thumb

google home thumb

Anders präsentiert sich seit Jahr und Tag Google (vielleicht auch ein Grund des Erfolges), wie alle Kinder des Suchmaschinen-Riesen präsentiert sich auch die Blog-Suche in schlichtem Design, der Link zu den erweiterten Suchoptionen ist schnell gefunden, ebenso der Link zu den FAQ’s.

2. Die FAQ’s, die Informationen zur Suchmaschine, die Indizierung der Blogs

Ein Nachteil für Technorati ist mit Sicherheit, dass die FAQ’s — klar — in englisch gehalten sind, nicht jeder spricht perfekt englisch, um auch mit den Fachbegriffen etwas anfangen zu können — manche Dinge sind eben auch in der EDV noch nicht eingedeutscht worden. Hier hat Google klar die Nase vorn, auch die Blog-Suche präsentiert sich mehrsprachig und dementsprechend auch die FAQ’s in Deutsch.

Inhaltlich hat Technorati hier sicherlich die Nase knapp vorn — hier wird der Support, die Dienstleistung für den User groß geschrieben, während bei Google wieder das Einfache, das Schlichte zum Vorschein kommt, die Fragen werden sicherlich sachlich korrekt aber auch kurz abgehandelt.

Kommen wir bei den Suchmaschinen technisch gesehen zum größten Unterschied: Die Indizierung der Weblogs. Bei Technorati ist es so, dass der Blogger (wegen meiner auch die Software, der Blogger muss es aber einstellen) Technorati selbst anpingen muss, und so wird der eigene Artikel in den Index aufgenommen. Wird bei WordPress im Admin-Panel z. B. die URL http://rpc.technorati.com/rpc/ping nicht angepingt, nachdem ein Artikel geschrieben wurde, erscheint eben dieser Artikel auch nicht bei Technorati. Eine ganz andere Technik verfolgt die Google Blog-Suche, sicherlich auch mit dem Vorteil von Mama Google im Hintergrund. Da sich die Blog-Suche im Moment noch im Beta-Status befindet, ist es das Ziel, jedes Blog, welches einen RSS-/Atom-Feed anbietet, in den Index mit aufzunehmen. Google selbst geht davon aus, dass wenn die Webseite einen Feed anbietet oder bei Aktualisierungen z. B. Weblogs.com anpingt, diese auch von Google gefunden wird. You are not alone.

Welche der beiden Techniken in Zukunft die bessere Alternative ist, wird sich zeigen — evtl. schon ein wenig im heutigen Test. Ich sehe Vor– und Nachteile bei beiden Suchmaschinen. Bei Technorati muss angepingt werden, gerade diese Ping-Funktion ist z. b. bei WordPress immer mal wieder out of order, sprich sie funktioniert einfach nicht — nach dem Update auf 2.0 war das kürzlich erst zu beobachten. Auch bauen Webseiten oft eine derartige Ping-Funktion in ihr CMS ein, ohne dass sie ein wirkliches/richtiges Blog sind — so wie ich ein Weblog sehe. Als Beispiel seien hier nur Golem, Heise und SPON aufgezählt, die man alle schon bei Technorati gefunden hat. Auf der anderen Seite hat der User hier die absolute Kontrolle, ob er bei Technorati gelistet werden möchte oder nicht, er kann das individuell für jeden Artikel entscheiden. Wenn Google jedoch Deinen RSS-Feed indiziert hat, wird dort jeder Artikel gelistet werden, da stellt sich natürlich die Frage, wie Google bei diesem Automatismus gewährleisten will, dass eben nur Blogs indiziert werden. Auch wird der User hier große Probleme haben, individuell seine Artikel zu listen oder nicht, Abhilfe würde da nur die robots.txt schaffen, aber da alle einzelnen Artikel einzupflegen würde wohl eine Lebensaufgabe werden.

3. Die Suche

Ich werde pro Suchmaschine 5 Tests durchführen. Der erste Test wird einen aktuellen Suchbegriff beinhalten, ich habe mich für Popetown entschieden. Der zweite Test wird ein Begriff sein, der vor einiger Zeit aktuell war, es wird Transparency sein. Drittens werde ich einen Begriff (eine Person) suchen, der (die) vor ein paar Monaten seinen (ihren) Job räumen musste: Schily. Viertens wird nach mehreren Wörtern gleichzeitig gesucht, wo unsere Bundeskanzlerin gerade mal wieder kriecht diplomatische Beziehungen pflegt, habe ich mich für die Wörter Merkel Bush Rice entschieden. Zu guter Letzt werde ich bei Google ein oder einbauen, bei Technorati dementsprechend ein or.

a. Popetown

Bei diesem aktuellen Suchbegriff geben sich beide Suchmaschinen fast kein Blöße. Der erste Artikel ist identisch, Technorati gibt an, er sei 31 Minuten alt, für Google ist er ein wenig jünger, dort ist er 17 Minuten alt. Das wird wohl damit zusammenhängen, dass Technorati direkt angepingt wird, der Artikel im Index vorhanden ist, während Google selbst den Feed abrufen muss, wie oft das geschieht, ist nicht erkennbar. Das Ergebnis zeigt aber, dass beide Suchmaschinen aktuell sind, Google selbst bringt sogar mehr (aktuelle) Ergebnisse zustande, das wird wohl damit zusammenhängen, dass vielleicht das eine oder andere Weblog Technorati nicht anpingt, durch den Feed aber in Google gelistet wird.

b. Transparency

Neben ein paar aktuellen Artikeln, in denen das Wort verwendet wird, war ich natürlich an den Artikeln rund um Moni und ihren Erfahrungen mit TD-I interessiert. Googles Ergebnis waren sehr schnell da, hauptsächlich deutsche Artikel, in denen das Wort verwendet wurde, auf Seite 2 waren wir bei Artikeln von vor 2 Tagen. Das alles aber sehr fix. Und genau in diesem Fall zeigt sich die große Schwäche von Technorati. Es ist die Geschwindigkeit, die Erreichbarkeit — die berühmte Tasse Kaffee, die man manchmal kochen gehen kann, bei Technorati ist es teilweise wirklich gegeben. Ebenso hat man bei manchmal ein Problem, man findet nichts.

technorati search transparency thumb

Da heißt es dann nur abwarten und Tee trinken, oder halt eine Tasse Kaffee trinken. Der Branchenprimus ist einfach überlastet. Egal, welcher Suchbegriff nun eingegeben wird, es wird nichts gefunden, selbst ein Klick auf den derzeitigen Top Suchbegriff, es folgt dieses Bild.

10 Minuten später hatte Technorati dann auch endlich etwas unter Transparency gefunden. Hier zeigt sich dann eine Schwäche der Google Blog-Suche: Der internationale Markt, sprich der englischsprachige Raum ist im Moment noch schlecht indiziert. Bei Technorati sind wir auf Seite 2 beim letzten Artikel immer noch aktuell — 3 hours ago. Doch was nützt das, wenn der Service so extrem langsam ist, teilweise nicht nutzbar.

c. Schily

Bei Technorati finden sich zu dem Suchbegriff Schily viele aktuelle Artikel zum Tode von Paul Spiegel, Schily gehörte zu den Personen, die die Medien zitiert haben, als sie sich Stimmen zu Paul Spiegel eingeholt haben. Google hingegen findet zum Thema Paul Spiegel mit dem Suchbegriff Schily keinen Artikel. Ich kann mir das nur so erklären: Hat man ein Feed abonniert, bekommt man in der Regel nicht den kpl. Artikel zu gesendet, der Leser soll ja auch noch auf das Weblog gelockt werden. Nun indiziert Google diese Feeds, was dazu führt, dass nur ein kleiner erster Teil eines Artikels bei der Google Blog-Suche im Index landet, das ist nun wirklich nicht prickelnd, sollte dem so sein. Technorati hingegen indiziert den kpl. Artikel, klarer Vorteil vom Branchenprimus. Ünterstützt wird diese Vermutung meinerseits durch Google selbst. In den FAQ’s ist zu lesen, dass Weblogs erst indiziert werden (konnten), seitdem der Dienst gestartet ist, im Juni 2005, sprich es wird wirklich nur der Feed indiziert, das Mutterschiff übergibt da nach deren Streifzügen keinerlei Daten. Datenschützer mag es evtl. freuen, als Weblog-Suchmaschine fällt sie schon fast aus, wenn ich nur bis Juni 2005 zurück suchen kann und eben nur die Infos bekomme, die im Feed zu finden sind, meist sind das nur Appetithappen.

d. Merkel Bush Rice

Beide Suchmaschinen verbinden mehrere Suchbegriffe mit und/and, d. h. alle gefundenen Ergebnisse beinhalten diese 3 Wörter. Bei diesen Suchbegriffen zeigt sich dann die ganze Stärke von Google. Während Technorati ganze 9 Blogeinträge findet, ist die Google Blog-Suche durch die Indizierung der Feeds ein ganzes Stück weiter, 1.182 Treffer. Das ist nun wirklich beeindruckend.

e. Lafontaine oder/or Stoiber

Hier versagen beide Suchmaschinen im ersten Schritt. Ein oder wird ebenso wenig von der Google Blog-Suche erkannt, wie ein or von Technorati. Beide Suchmaschinen suchen nach Artikel mit Stoiber und Lafontaine und oder/or. Das ist meiner Meinung nach sehr peinlich. Erst in den erweiterten Suchoptionen kann ich bei beiden Suchmaschinen nach einem der angegebenen Wörtern suchen.

Die erweiterte Google Blog-Suche:
google blogsearch erw suche thumb

Die Suchoptionen bei Technorati:
technorati erw suche thumb

4. Fazit

Ich tue mich schwer, beiden Diensten großartig Positives abzugewinnen, wobei man natürlich fairerweise sagen muss, dass die Google Blog-Suche noch im Beta-Status ist. Nichtsdestotrotz:

Technorati ist immer aktuell, indiziert dem kpl. Artikel und überlässt dem User die freie Wahl, ob ein Artikel dort gelistet werden soll oder nicht. Auf der anderen Seite ist die Webseite meiner Meinung nach extrem unfreundlich gestaltet, oversized halt, teilweise extrem langsam und überlastet, ein weiteres K.O.-Kriterium wird für manche sein, dass es Technorati nur englischsprachig gibt.

Die Webseite der Google Blog-Suche ist wie das Mutterschiff dezent gehalten, nur das nötigste an Informationen wird dort angegeben. Anders als Technorati überlässt Google es nicht dem User, ob ein Artikel indiziert werden soll oder nicht, wird ein Feed angeboten, so erscheint auch der Artikel auch bei Google. Google war im Test heute nachmittag immer fix, immer erreichbar, so wie man es kennt, der größte Nachteil ist selbstverständlich, dass man nur bis Juni 2005 zurück suchen kann, und dass nur der Inhalt der Feeds indiziert wird.

Die eierlegende Wollmichsau ist keine der beiden Dienste, wenn Google nicht nur den Feed-Inhalt indiziert und die Blogs auch rückwärts gerichtet indiziert, könnte das was werden, ich bin da aber eher skeptisch, Google schraubt einfach an zu vielen Baustellen. Technorati ist einfach oversized, überlastet, langsam, und wie der Don schon festgestellt hat, vom Webseitenbetreiber überschätzt, für den Suchenden indes zur Zeit (leider) noch Nummer 1.

4 Antworten zu “Technorati vs. Google Blog-Suche”

  1. Thomas sagt:

    Sehr interessant… Danke!

  2. peet_g sagt:

    Gut gemacht. Das Resultat kann ich bestätigen:

    http://sebew.blogspot.com.….ger.html

  3. Chris sagt:

    Da sage ich mal danke. :)

  4. Steph sagt:

    Deine Untersuchung ist super interessant.
    Da hab ich doch gleich noch mal ne Frage: Habe derzeit verschiedene Blogsuchen mit Google Blogsearch durchgeführt. Dabei habe ich festgestellt, dass anscheinend «ältere» Artikel wieder aus der Suche fallen. Habe die gleiche Suchanfrage mit Angabe des gleichen Suchzeitraums einmal im juli 08 durchgeführt und 247 Treffer erhalten sowie im Oktober 08 und 152 Treffer erhalten. Hast Du dafür vielleicht eine Erklärung?

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