taz nagelt Klinsmann ans Kreuz

 
Bild: taz

Ich hatte zum Klinsmann-Drama über die Ostertage nichts geschrieben. Als Bayern-Fan warte ich seit dem ersten Tag darauf, dass er wieder geht. Er gehört meiner Meinung nach denen im deutschen Fußball, die hoffnungslos überschätzt werden. Seine Klage gegen die mehr als offensichtliche Satire der taz, die einen der genialsten Filme aller Zeiten als Grundlage hat, lässt ganz tief blicken. War es nun schlicht und ergreifen die Unwissenheit um Monty Python oder ist einfach das Fass übergelaufen und hat alle Bayern-Verantwortlichen überreagieren lassen? Egal. In meinen Augen hat die Reaktion des FC Bayern auf die taz-Satire dem Verein mehr geschadet, als das Barcelona-Spiel. Heute hatten die Bayern mal wieder ein Heimspiel. Vor dem Landgericht München — und haben klar verloren.

Das Landgericht München hat heute in der Sache Jürgen Klinsmann gegen taz gegen den Bayern-Trainer entschieden. Dem Erlass einer strafbewerteten Einstweiligen Verfügung wurde widersprochen. Das Gericht führte aus:

Die Art der Darstellung ist dem Bereich der Satire zuzuordnen. Eine reale Kreuzigung des Antragstellers steht nicht im Raum. Vielmehr wird der berufliche Niedergang des Antragstellers symbolisch dargestellt. Vor dem Hintergrund, dass die religiöse Darstellung vorliegend für jedermann erkennbar nur als Symbol zur Vermittlung einer Aussage verwendet wird, welche überhaupt keinen Bezug zur Religionsausübung des Antragstellers hat, sondern vielmehr vollkommen unproblematisch in der Öffentlichkeit erörtert und verbreitet werden durfte, wiegt die Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts des Antragstellers durch die Art des gewählten Symbols vorliegend nicht so schwer, als dass hierdurch die Meinungsäußerungsfreiheit der Antragsgegnerin eingeschränkt werden könnte.

Da ich im Guten davon ausgehe, dass man in München Life of Brian nicht kennt, hier einmal die Szene, die der taz-Satire als Grundlage diente:

Ich bin fast sicher, dass die Bayern-Verantwortlichen einfach nur unter Druck standen, überreagiert haben und dann gab es nach den Ankündigungen in der Presse, Klage einzureichen, kein Zurück mehr. Man sollte nun alle Kraft darauf verwenden, die nächste Saison zu planen — ohne Klinsmann. Diese Saison war für Bayern-Fans der pure Horror. Selbst die wenigen Siege waren teilweise grausam anzusehen. Klinsmann war einer der größten Fehler des Uli Hoeneß in den letzten Jahren. Das muss nun korrigiert werden. Klinsmann landet nicht am Bettelstab und Bayern kann einen Neuanfang wagen. Schau m’er mal…

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10 Antworten zu “taz nagelt Klinsmann ans Kreuz”

  1. Christine sagt:

    Klinsis Klage wurde vom Gericht ja recht schnell abgebügelt, finde wegen sowas sollte man auch nicht klagen, ist hat Satire.

  2. Andy sagt:

    Ich habe das einfach unter ‘Skurriles aus dem Alltag der bayerischen Volksfrömmigkeit’ verbucht.

    Den Herregott Jesu Christ satirisch zu verwursten ist bei vielen Konservativen noch nie gut angekommen.

  3. Tom sagt:

    Klinsmann ist aber Schwabe 😉

    und als Bayern-Fan hoff ich ebenfalls, dass er am Saisonende wirklich ans Kreuz genagelt wird

  4. […] Bayern schon mit einer Unterlassungsklage parat. Und oh Wunder - das Landgericht München hat erkannt, dass es Satire war. Wenn sich da mal der FC Hollywood nicht schon wieder ordentlich blamiert hat. Die Art der […]

  5. Bulo sagt:

    «Er gehört meiner Meinung nach denen im deutschen Fußball, die hoffnungslos überschätzt werden»

    Einfach zuuuuuuu schön, dieser (versehentliche?) Auslasser. Weil so wahr. 😀

  6. Chris sagt:

    Oh, den Fehler lasse ich dann mal, wenn er soooo wahr ist… 😀

  7. Winnie sagt:

    Ich finde die Satire blöd. Es gibt Dinge, die außerhalb meines Geschmacksempfindens sind. Ob beim Verfassen der Satire von Anfang an das Leben des Brian gedacht wurde, habe ich angesichts des Datums (Ostern) meine Zweifel.

    Aber sei’s drum; die Geschmäcker sind unterschiedlich. Mir hat es nicht gefallen, gucke ich halt woanders hin, wo mein Humor besser angesprochen wird. Hoeness und Klinsmann hätten das besser auch getan. Ich bin auf die Satire erst durch die Klage aufmerksam geworden.

  8. 60er-andy sagt:

    Also; ich drück dem Klinsi die Daumen.
    Er soll unbedingt noch eine weitere Saison Bauern-Trainer bleiben!

  9. Foxxi sagt:

    Du bist Bayern-Fan? Oh neiiin.…!

  10. 60er-andy sagt:

    Mich kannst ja wohl nicht meinen, oder, Foxxi?

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