Schlagwort ‘Waldsterben‘

An der Schwelle eines Bürgerkrieges

Dieter Wiefelspütz hat heute die Katze aus dem Sack gelassen. Es wurde immer wieder darauf hingewiesen, nun ist es offiziell: Die angebliche Kinderpornografiesperre ist nichts anderes als der Einstieg in eine umfassende Internetzensur. Natürlich werden wir mittel– und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden, so laut Heise der so genannte Innenexperte der SPD. Unsere Politiker halten es also nicht einmal mehr für nötig, ihre Lügen bis zur Wahl unter der Decke zu halten. Wolfgang Bosbach von der CDU gibt das ebenso offen zu: Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät. Vor ein paar Tagen sprach Christian Stöcker im SPIEGEL davon, dass die Diskussion um die Internetzensur ein Generationenkonflikt sei. Das ist natürlich nicht richtig, im Internet tummeln sich Alte wie Junge. Es geht um weitaus mehr: Die geplante Internetzensur ist der Angriff der Mächtigen auf die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Unsere Elite will einen Überwachungsstaat errichten, weitestgehend die letzten verbliebenen Grundrechte aushebeln.

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Die nackte Angst

Man muss die Frage einfach stellen: Pfeift Holtzbrinck aus dem letzten (finanziellen) Loch? Wie steht es um die Zukunft des ehemals ehrwürdigen Verlages? Regiert dort schon die pure nackte Angst ums Überleben? Ich kann es mir nicht anders vorstellen, wenn ich die Pamphlete lese, die dort mittlerweile wöchentlich das Haus verlassen — natürlich geht es um das abgrundtief böse Internet. Den ersten so genannten Artikel von Adam Soboczynski hatte ich noch unkommentiert gelassen — er beklagt den Hass im Internet auf Intellektuelle. Ich habe selten Dümmeres gelesen. Der Autor hat offensichtlich vor dem Spiegel gestanden und seinen eigenen Hass auf den Internet projiziert und dann seine Zeilen geschrieben. Nicht der Rede wert. Heinrich Wefing war dann der nächste, der einmal so richtig draufhauen durfte. Oliver und meine Wenigkeit haben das entsprechend gewürdigt. Ich dachte zuerst die gehen jetzt bei der Zeit mit diesen Tiraden in Serie, so Oliver noch lachend in den Kommentaren. Wenn er da gewusst hätte, wie recht er damit haben sollte. Gestern durfte dann Kulturchef Jens Jessen in die Tasten hauen — und spricht dem Internet die Demokratie ab.

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Nicht der Hildegard erzählen

Ein sehr guter Freund von mir hat mal ein paar Jahre als Geschäftsführer in einem Pornokino gearbeitet. Vorgestern erzählte er die Geschichte vom Finanzamt-Opi. Finanzamt-Opi kam jeden Tag in seiner Mittagspause ins Pornokino, ging in die Schwulenecke, blieb dort 45 Minuten und ging wieder. Nun gibt es im Pornokino auch Einzelkabinen — und in der Schwulenecke so genannte Glory Holes. Heißt: Der Interessierte steckt seinen Finger in dieses Loch als Zeichen für seinen Nachbarn, dass dieser seinen kleinen Freund da durchstecken kann und beide erfahren wundervolle Befriedigung. An einem Tag jedoch reichte es unserem Finanzamt-Opi nicht, seinen Finger in das Glory Hole zu stecken, er nahm die ganze Hand und betatschte den Nebenmann. Dieser fand das gar nicht lustig, stürmte in die Kabine des Finanzamt-Opis und gab ihm was auf die Glocken. Als mein Kumpel gerufen wurde, hatte Finanzamt-Opi bereits das gesamte Kino vollgeblutet und lag vor der Großbildleinwand. Natürlich musste ein Arzt her, doch Finanzamt-Opi bedeckte seine Wunde mit der Hand und wiederholte immer wieder den gleichen Satz: Nicht der Hildegard erzählen, Nicht der Hildegard erzählen. An diese Geschichte musste ich denken, als ich den Artikel von Heinrich Wefing in der Zeit, Wider die Ideologen des Internets!, gelesen habe. Die offensichtliche Ahnungslosigkeit und die Ideologie, die diesem Artikel zugrunde liegen, sind erschreckend.

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Die Krise des Journalismus ist hausgemacht

Anfang 2001 zog ich in die große, weite Welt nach Hamburg. Es wartete ein Job bei der damals größten europäischen TV-Nachrichtenagentur auf mich. Das Geschäft einer TV-Nachrichtenagentur ist ähnlich dem der dpa und anderer Agenturen gelagert, nur halt mit Bewegtbildern. Kein Fernsehsender der Welt hat die personellen Kapazitäten und finanziellen Möglichkeiten, rund um die Uhr Kameraleute zu beschäftigen, die dann bei Unfällen und anderen wichtigen Ereignissen raus fahren und die entsprechenden Bilder liefern. Hier kamen wir ins Spiel. Zwei klein Beispiele zur Verdeutlichung:

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Der Freitag 0.0 oder Schweigen im Walde zum Thema Zensursula

Über das Versagen des Freitag hatte ich mich schon ausgelassen, auch über den kleinen Lichtblick Freitagsfragen. Heute ist es aber mal wieder an der Zeit, klar zu äußern, dass der Freitag völlig neben der Spur ist, mit mir als Leser so gut wie nichts mehr gemein hat und auch seine neue Rolle, die er von Jakob Augstein aufgedrückt bekommen hat, ein deutscher Guardian zu werden, nicht ausfüllt. Ja, er führt diese Idee gar ad absurdum — ich finde kaum Worte für die schwache Vorstellung der letzten Tage. Da geht eine Welle durch unsere Online-Welt, Zensursula lässt grüßen. Es fällt schwer, Gehör für andere Themen zu finden. Wo auch immer:

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Freitagsfragen

Ich gebe ja zu, dass ich mich mit dem Freitag in den letzten Wochen nicht beschäftigt habe. Einzelne Artikel sind sicherlich noch grandios — aber das Gesamtprojekt, –konzept hat mich als Stammleser erst einmal verloren. Vielleicht nicht für immer — manchmal muss man sich halt trennen, um zu erfahren, wie wertvoll der andere für das eigene Leben ist. Ein neues Feature muss ich dann aber doch hier kurz vorstellen, weil es mir im Rahmen eines Online-Auftrittes einer Zeitung verdammt innovativ daherkommt. Es ist eine sehr spannende Sache: die Freitagsfragen.

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Hauptsache, die werden auch verknackt


Screenshot: taz.de

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Reden wir doch mal Tacheles #2

Wie ich im ersten Teil festgehalten habe, ist das Gebilde, welches sich bedeutungsschwanger Blogosphäre nennt, innerhalb der deutschen Medien völlig irrelevant. Es hält manchmal für den einen oder anderen Treppenwitz her, das war es dann aber auch. Bei aller Kritik haben deutsche Journalisten wahrlich wichtigere Dinge zu tun, als sich mit einer (neuen) Luftblase zu beschäftigen. Und ja, natürlich gibt es Ausnahmen, aber ein ständiger Austausch von Informationen, ein regelmäßiger Ausdruck von gegenseitiger Hochachtung und gegenseitigem Respekt findet nicht statt. Es ist mehr ein Kampf, als ein Miteinander.

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Reden wir doch mal Tacheles

Chat Atkins stellt fest, dass Blogs in Deutschland regelmäßig kein Geld verdienen können. Ich interpretiere das einfach mal so. Da hat er ohne Frage recht. Es ist auch einfach zu erklären, wenn man mal den Pathos, Blogs sind der Heilsbringer der Medien, beiseite schiebt. Die Medienlese zum Beispiel soll 2.500 Leser (pro Tag) haben. Das sind doch meiner Meinung nach einfach nur lächerliche Zahlen.

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Die Medienlese stellt den Betrieb ein

Auch in der Schweiz wachsen die Bäume nicht in den Himmel — wie Blogwerkmacher, –vermarkter, –verkäufer und noch viel mehr Peter Hogenkamp heute mitgeteilt hat, wird die Medienlese geschlossen. Die Kooperation mit Null-Banner-Lieferanten Adnation war wohl ein letzter verzweifelter Versuch, bereits zum Monatsende werden die Türen geschlossen. Der Don findet es ein wenig schade, weil die Leute der Medienlese sich durchaus angestrengt haben. Nur reicht das eben nicht — selbst im Untergang beweist das Blogwerk, warum es ganz einfach nicht funktioniert.

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Zitat des Tages: Micropayment

Stellvertretend für all die Marktschreier, die immer wieder diese Wundertüte Micropayment auspacken und als Rettungsanker für die Medien im Internet sehen, ein Satz von meedia.de:

Paid Content kann funktionieren als Bestandteil einer Flatrate, die Medien-Anbieter und –Distributoren gemeinsam aushandeln müssen. Telefon-Gesellschaften, Internet-Provider, Kabelnetz-Betreiber, alle die Medien vertreiben, müssen mit ins Boot geholt werden und Medien-Produzenten an den Kosten für die Erstellung der Inhalte anteilig bezahlen.

Ist diesen Web-2.0-Seelenverkäufern eigentlich bewusst, was sie dort fordern? Es kann in meinen Augen kaum etwas Schlimmeres geben, wie obigen Satz. Es tut mir ja leid, dass bis auf ein paar Werbebanner das Geschäftsmodell Internet kaum funktioniert — na gut, es tut mir nicht wirklich leid — aber deswegen gleich unser Wirtschaftssystem, ein stückweit unsere Demokratie abbauen zu wollen, geht dann doch viel zu weit. Wenn Ihr im Internet kein Geld verdient, liebe Marktschreier, sei es nun mit oder ohne Irokesenschnitt, dann macht es so wie alle anderen auch, oder lasst es ganz, sprich: Ihr könnt gehen. Obige Forderung, wie sie neuerdungs von vielen Web-2.0-Clowns erhoben wird, ist nichts anderes als die Forderung nach einem Kartell inkl. Preisabsprachen. Man stelle sich Döpfner und Hombach als Führer dieses Kartells vor. Gegenbeispiel: Die Energieriesen treffen sich wöchentlich, weil die Gewinne nicht mehr sprudeln, um Absprachen zu treffen. Na, klingelts? Liebe Seelenverkäufer, ich kann neben Euch herleben, wenn Ihr aber, weil Euer Geschäftsmodell nicht funktioniert, am Raubbau unserer Demokratie beteiligen wollte, dann gibt es ein klein wenig Kontra — und wie ich viele Kollegen da draußen kennengelernt habe, nicht nur von F!XMBR. Und das ganze sogar kostenlos. :)

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