Schlagwort ‘Neuanfang‘

Mich langweilt das Internet

CosmoIch kann mich noch gut an meine ersten Gehversuche im Internet erinnern. Das Analog-Modem weckte den Nachbarn bei seinem Mittagsschlaf, der Seitenaufbau dauerte schon mal ein paar Sekunden, Geocities, Augenkrebs-Alarm und doch jeden Tag etwas Neues, etwas Innovatives – der Spaß an der Sache stand im Vordergrund. Mitte, Ende der 90’er stand ein sehr guter Freund gerade vor seinem Diplom in Biologie an der Universität Osnabrück. Um seine Kulturen im Blick zu haben, musste er zu jeder Tageszeit in die Uni können, also auch in der Nacht. Dementsprechend hatte er einen Schlüssel – und so haben wir fast schon wöchentlich zu Dritt im CIP-Pool der Universität Osnabrück, Fachbereich Biologie, eine Internet-Party veranstaltet. Eine 2-MBit-Leitung und auf ging es zu Cosmo Connor. Danach war meist Warezslutz an der Reihe – 200 Files à 1,44 MB waren binnen kürzester Zeit auf der Platte. Das Kopieren auf die Disketten nahm mehr Zeit in Anspruch als das Runterladen. Hach, was waren das noch für Zeiten. Besonders lustig war es, mitten in der Nacht in der leeren Mensa unseren mitgebrachten Kartoffelsalat mit den kalten Bockwürstchen zu verputzen.

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vom Leben

Wo ist es heute das vielgeschätzte Leben oder gar die Idealform — Bohème? Wo ist dieser schillernde, verrückte Teil — wo sind diese Bestandteile die Leben erst farbig, lebenswert gestalten? Manch einer findet diesen Teil des Lebens für sich ganz persönlich, andere — beispielsweise die Web2.0-Kaufleute — versuchen diesen Traum zu verkaufen, wieder andere vermeinen mit irgendeinem obskuren Kraut zu diesem Ziel zu gelangen. Allen gemein ist der Wunsch zumindest auf Zeit der Tristesse des Alltags einmal zu entfliehen, den konservativen Panzer aufzubrechen, welcher mehr und mehr das werte Leben einengt, den Odem des Lebens einmal mehr in vollen Zügen zu genießen.

Die diversen Zäsuren von Zeit zu Zeit: Kriege, Wirtschaftskatastrophen etc. pp. sind Warnsignale einer kollabierenden Gesellschaft. Doch wie lang ist es Mensch noch möglich diese Dinge wegzustecken? Ist Mensch tatsächlich derart anpassungsfähig? Schichtarbeit, Nachtschicht, permanente Leistungsforderungen in immer früherem Alter, usw. Darüber hinaus wird der notwendige Puffer, welcher Mensch absichert, mehr und mehr zersetzt. Vielfältige neue Formen der Arbeit spalten Familien, eine gestiegene Mobilität zerreißt die letzten verbleibenden Kontakte endgültig. Selbst die Freizeit des Einzelnen wird mehr und mehr auf eine harte Probe gestellt. Der Mensch verliert mehr und mehr selbst in der Freizeit die Fähigkeit zu entspannen, vielmehr ist es schon eine Kunst für sich, eben diese entspannenden Momente zu erlangen.

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Der Fall (der) SPD

Chris maltImmer wenn man glaubt, die SPD könne nicht tiefer sinken, findet eine Wahl statt. Wie bekannt, hat die SPD heute in Hessen ein desaströses Ergebnis eingefahren. Natürlich, so sind sich die SPD-Mitglieder weitesgehend einig, ist Andrea Ypsilanti an dem Wahlergebnis schuld. Peer Steinbrück hatte heute anscheinend vor, den Wolfgang-Clement-Gedächtnis-Preis zu gewinnen – noch vor Schließung der Wahllokale forderte er die einstige SPD-Hoffnung zum Rücktritt auf. Selbstverständlich ist es dann auch dementsprechend gekommen – seit heute ist Thorsten Schäfer-Gümbel der neue starke Mann der Hessen-SPD, Andrea Ypsilanti Geschichte. Ich gehe soweit zu sagen, Andrea Ypsilanti muss ob ihrer Durchhaltekraft bei all den Anfeindungen, den Verleumdungen, der Hetze bewundert werden. Was bei Roland Koch Verantwortungsbewusstsein war, wurde bei Andrea Ypsilanti zur Schlagzeile Machtgeilheit. Was bei der SPD Hessen der Wortbruch war, wurde bei den Grünen in Hamburg zu Mut und Flexibilität interpretiert. Nicht Andrea Ypsilanti hat die Hessenwahl verloren – es war die SPD-Politik der letzten Jahrzehnte.

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