Schlagwort ‘Mythos‘

Das Saarland und die Wahlen

Im Saarland fanden Wahlen statt — vorgezogen, da die bisherige Regierung keine Lust mehr hatte. Die Grünen dümpeln wie gewohnt um die fünf 5% herum. Wer hier von einer etablierten Partei spricht liebe Piraten hat einen gewaltigen Schatten. Die Grünen zogen hier erstmalig anno 1994 ein und waren anno 1999 nicht einmal vertreten im Landtag. Grün zieht nicht im Saarland, das Saarland ist schon immer eher konservativer.

CDU und SPD legten zu — letztere recht viel, griff man hier doch wieder die Wechselwähler der Linken ab — der Mythos Lafontaine allein, ist eben auf Dauer kein Garant für 20% und mehr. Die FDP wurde abgestraft, ist im Saarland sonst aber auch kein Höhenflieger. Bleiben noch die Piraten, mitunter die tatsächlichen Sieger im Saarland.

Woraus setzt sich deren Erfolg zusammen? Nachahmung von Berlin? Klar, Berlin tickt völlig anders. Selbst die Jugendlichen hier vor Ort haben andere Sorgen als die Mädels und Jungs aus der Grossstadt. Et voila und schon ist findet auch die Entzauberung des Mythos Erstwähler statt. Was bleibt sind viele migrierte Wähler der FDP und einige Erstwähler.

Aber, aber die Demoskopen und die Medien … who the fuck cares? Die Artikel in den Medien, die Demoskopie in puncto Saarland, lassen Saarländer selbst seit Jahrzehnten im besten Fall schmunzeln, die Wut über soviel Ignoranz ist längst erloschen.

Ich bin kein großer Fan des Saarlands, d.h. ich mag das Land per se und auch die Leute in einigen Landstrichen, z.B. Saarlouis oder Saarbrücken sind ganz in Ordnung … aber sonst. Politisch ist hier nichts zu reissen, wirtschaftlich sieht es auch mau aus. Und nein liebe Medien, das Silicon Valley an der Saar existiert schlichtweg nicht. Dies behaupten nur fortwährend Tintenkleckser, die ihre Füße nicht einmal im Saarland absetzten.

Das Saarland kämpft mit der Flucht der Intelligenz. Dies ist nicht böse gemeint, gemeint sind damit jene die Studium oder allgemein höhere Weihen anstreben. Wer die Möglichkeit besitzt, der verlässt das Saarland, weil es einfach keine Basis gibt. Dies erkannte man auch in Regierungskreisen und erweiterte mal eben das Motto des Saarlands «Hauptsache gudd gess» auf «wir können mehr als …».

Vitamin B in all seinen Ausartungen ist im Saarland Tagesgeschäft, ob beruflich, aber auch privat. Die Piraten mit Ihrem Transparenzgefasel wirken somit im Saarland recht deplaziert, da diese selbst — mitunter auch nur im Privaten — von der einen oder anderen Vetternwirtschaft profitierten. Denn im Saarland, da kennt jeder jeden. Ist wohl durch die Größe dieses Bundeslandes und die recht massive Abgrenzung gegenüber den Nachbarn begründet und damit stirbt auch der letzte Mythos, nein die wenigsten Saarländer betrachten die Franzosen als Freunde. Ich finde das äußerst schade, aber so ist es eben.

Dies soll kein Abgesang sein auf das Saarland, hier tickt eben alles anders und so wirklich im «Mainstream Deutschland» ist das Saarland wohl nie angekommen. Diese Tatsache kann man mit einem lachenden Auge und einem weinenden Auge betrachten — den Saarländer selbst kümmert es recht wenig.

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der Mythos der freien kulturellen Entwicklung

Lauscht man heutzutage diversen Zeitgenossen, welche Urheberrecht, Copyright und ähnliche Dinge argumentativ verdammen, so wird als Argument immer gerne auf die früheren Zeiten zurückgegriffen. Jene Zeiten, in welchen ein irgendwie geartetes «Urheberrecht» jenseits der Vorstellung lag, jene Zeiten in denen Kultur sich schrankenlos verbreiten konnte und sich dem Einzelnen ein Eldorado an Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung bot.

Kurzum, wir sehen uns einem Irrglauben gegenüber, ebenso wie jener Glaube an die Unzulänglichkeit der Menschen der «Steinzeit», die Mär vom «dunklen Mittelalter», die vermeintliche «Dummheit» der Menschen in jener Zeit, der Mythos der flachen Erde, etc. pp. Unausrottbare Folklore, die wir einer nur mäßigen historischen Bildung verdanken, die immer noch große Männer und Weltpolitik absurderweise als Marksteine der Menschheitsentwicklung ansieht und die Menschheit selbst, die Kulturgeschichte, außen vor läßt.

Die Steinzeit war fortschrittlicher, als viele heute glauben mögen, das «dunkle» Mittelalter war kein Paradies, aber auch kein fundamentalistischer Albtraum, der Mythos der «flachen Erde», also der Glaube die Erde sei eine Scheibe, war eigentlich schon in der Antike bestritten und im Mittelalter keiner Diskussion mehr würdig. Was diese Beispiele jedoch zeigen, daß die Menscheit heute, trotz ihrer gewaltiger Ressourcen, nicht in der Lage ist, mit stetig steigendem Wissen adäquat umzugehen bzw. dieses entsprechend zu vermitteln. Heutzutage konkurrieren Wissen und Amusement, letzteres behält allzuoft die Überhand. War zu früheren Zeiten das Wissen spärlich aber heiß begehrt, so ist es heut mannigfaltig, jedoch oft verschmäht.

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