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Was Michael Spreng und Kai Diekmann nicht gemeinsam haben

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Screenshot: sprengsatz.de

Dass ich Michael Sprengs Politik-Blog, Sprengsatz, für das vielleicht beste deutsche Politik-Blog halte, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Trotz — oder vielleicht gerade — Sprengs Lebenslauf. Michael Spreng war unter anderem Chefredakteur der BILD am Sonntag sowie Wahlkampfmanager der CSU und Edmund Stoiber im Wahlkampf 2002. Wären Sprengsatz und F!XMBR zwei Länder, könnte man meinen, dass man auf unterschiedlichen Kontinenten leben würde. Könnte — Michael Spreng hat seinen Erfolg redlich verdient.

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Versuchter Wahlbetrug von Gerhard Schröder 1998

Für mich war die Bundestagswahl 1998 die erste große Wahl, mit der ich positive Erinnerungen verbinde. Ich war 25 Jahre alt und soweit ich zurückdenken konnte, war Helmut Kohl Bundeskanzler. Kohl war mir nicht nur sehr unsympathisch, auch stand ich politisch auf Seiten der SPD. Nachdem wir Niedersachsen mit unserer Landtagswahl im März 1998 dafür gesorgt haben, dass Oscar Lafontaine nichts anderes übrig blieb, als unseren Gerhard zum Kanzlerkandidaten auszurufen, hatten wir es im September endgültig geschafft. Unser Niedersachse Gerhard Schröder zog ins Bundeskanzleramt ein. Damals war die Welt noch in Ordnung. Wir haben lauthals gefeiert.

Ich war 1998 gerade mal 25 Jahre jung und wohl viel zu naiv. Ich habe zu der Zeit wirklich geglaubt, es würde sich etwas ändern. Es würde sich alles ändern. Ich war der Überzeugung, nun würde sozialdemokratische Politik in Deutschland Einzug halten. Ein neues Miteinander anstatt der weiteren Spaltung der Gesellschaft. Heute sehe ich das freilich anders. Gerhard Schröder hat mit seinem Kabinett nicht nur die Menschen enttäuscht, die ihn gewählt haben, er hat sie fast schon meistbietend auf dem Altar des Neoliberalismus verraten und verkauft. Den Anfang machte das Schröder-Blair-Papier schon im Jahr 1999, der Höhepunkt markierte die Agenda 2010 mit den Hartz-Gesetzen 2003.

Ich erinnere mich noch gut an den Bundestagswahlkampf 1998 — es war der erste, bei dem ich wirklich mit Herz und Engagement dabei war. Wir haben damals für Rot-Grün gekämpft. Gerhard und Joschka gingen nicht nur durch die Medien, sie waren auch Antrieb für die Sozialdemokraten, die Grünen, die Enttäuschten oder einfach die politisch interessierten Bürger, die sich sehnlichst einen Wechsel wünschten. Es stand keine andere Koalition zur Debatte. Schwarz-Gelb war erledigt. An eine Ampel oder gar eine Große Koalition dachte niemand. Rot-Grün war das Projekt der Zukunft, war die Hoffnung der Menschen. Insbesondere denen, die sich politisch für dieses Ziel engagierten.

Doch wie das immer so ist, die Wirklichkeit liegt fernab jeglicher Vorstellungskraft. Michael Spreng hat einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen. Sein Wirken zieht sich quer durch Presse und Politik. 2002 war er zum Beispiel Wahlkampfmanager für Edmund Stoiber. Seit Anfang Februar bloggt Michael Spreng unter der grandiosen Domain sprengsatz.de. Immer wieder veröffentlicht er Anekdoten aus seinen Begegnungen mit unseren Politikern. Der eine oder andere Sprengsatz ist durchaus dabei, auch Erika Steinbach musste das bereits feststellen. Heute veröffentlichte Michael Spreng ein paar Zeilen über Gerhard Schröder und dessen politische Pläne 1998. Gerhard Schröder wollte offenbar nie ein rot-grünes Bündnis. Vielmehr war er auf eine Große Koalition aus. Erst als der Sieg bei der Bundestagswahl 1998 immer eindeutiger wurde, konnte er nicht mehr anders, als Rot-Grün zu feiern.

Gerhard Schröder befürchtete, dass die Grünen und der eigene linke Flügel seine Modernisierungspolitik blockieren würde. Er wollte lieber zusammen mit einer CDU unter Volker Rühe regieren, mit dem er sich sehr gut verstand. So zumindest die Informationen Michael Sprengs. Wie seine so genannte Modernisierungspolitik aussieht, erleben die Menschen heute Tag für Tag. Hätten die Menschen damals schon den wahren Charakter ihres Kanzlers gekannt, ich bin mir sicher, Edmund Stoiber wäre 2002 ins Bundeskanzleramt eingezogen.

Die Enthüllungen Michael Sprengs über Gerhard Schröder reihen sich nahtlos in das Wirken unseres Bundeskanzlers a. D. ein. Scheiße, jetzt muss ich das machen, so soll Gerhard Schröder damals noch am Wahlabend gesagt haben. Das Ich spricht Bände, nicht Deutschland, nicht die SPD, Gerhard Schröder ist die einzige Person, die zählt. Es ist mir persönlich heute unbegreiflich, wie wir jemals diesen Menschen zum Bundeskanzler wählen konnten. Hätten wir schon 1998 eine Große Koalition bekommen, wäre das der wahrscheinlich größte Wahlbetrug gewesen, den dieses Land je gesehen hat. Gerhard Schröder hatte diesen offensichtlich bereits vorbereitet. Erschreckend.

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