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Karrierekiller Soziales Netzwerk

Die Sozialen Netzwerke haben Deutschland im Sturm erobert. Während Blogs in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern ein Schattendasein fristen, gilt dies nicht für wer-kennt-wen.de, schuelerVZ oder auch studiVZ. Die monatlichen Klickzahlen sind atemberaubend. Die 1 Mrd. Visits, die von der Bild-Zeitung aktuell gefeiert werden, würden bei den genannten Netzwerken Panik auslösen, kommen sie doch jeweils auf rund 5 Mrd. Klicks. Und das in einem Monat, nicht in einem Jahr. Bei diesen Zahlen kann einem schon schwindelig werden. Angemeldet ist man auf den Sozialen Netzwerken schnell, man erstellt eine eigene Profilseite, bleibt mit Freunden in Kontakt, findet alte Bekannte wieder und kuschelt sich durch den Web-Alltag. Die Sozialen Netzwerke werden als große, heile Welt angesehen. Es ist einfach, zu einfach. Denn die Gefahren werden zu schnell ausgeblendet.

Stefan hat gerade seine Diplomarbeit geschrieben und ist jetzt auf der Suche nach einem Job. Eine Position innerhalb einer Controllingabteilung eines mittelständischen Unternehmens würde ihn durchaus interessieren. Mehrere Bewerbungen hat Stefan bereits verschickt, doch nach kurzer Zeit folgten die Absagen. Stefan versteht die Welt nicht mehr, gehört er doch zu den besten seines Jahrganges. Was Stefan nicht weiß: Seine Arbeitgeber haben selbstverständlich sein Online-Profil angeschaut. Über das offensichtliche Lieblingswort Stefans, fummeln, haben die Personaler noch geschmunzelt. Man war schließlich auch mal jung. Als sich die Personalabteilung jedoch die Fotos angeschaut hat, die Stefan und seine Freunde auf einer Party zeigen, landete die Bewerbung Stefans schnell auf dem Absage-Haufen. Es ist für Unternehmen zu riskant, jungen Männern, die dem Alkohol frönen und von sich kompromittierende Fotos im Internet veröffentlichen, eine verantwortungsvolle Position anzubieten.

Sarah hat sich aus schwierigen Familienverhältnissen hochgearbeitet. Nach der Realschule das Gymnasium, die Ausbildung zur Erzieherin und schließlich das Studium zur Diplom-Pädagogin. Während ihr früher aufgrund ihrer Leistungen viele Türen offen standen, hagelt es seit dem erfolgreichen Abschlusses ihres Studiums absagen. Die Personaler, die das Profil von Sarah aufrufen sehen eine junge Frau, die mehrere Piercings im Gesicht trägt, laut Eigenaussage rockt sie gerne, am Wochenende ist immer Party angesagt, ihren Nebenjob während des Studiums bezeichnet sie selbst als Kabelmieze. Schade, ein wenig mehr Seriosität und Sarah hätte eine große Zukunft vor sich, denkt der Personaler, als er seiner Sekretärin die Unterlagen für die Absage überreicht. Man besitzt schließlich eine große Verantwortung gegenüber den Kindern.

Alexanders Familie ist sehr stolz auf den jüngsten Spross, hat dieser doch sein Studium mit Auszeichnung abgeschlossen. Die Eltern, die Geschwister, alle sind sich sicher, dass sich nun die größten Kanzleien des Landes um Alexander reißen werden. Doch wann immer sich Alexander vorstellen möchte und mit den Kanzleien in Kontakt tritt – im günstigen Fall bekommt er eine freundliche aber distanzierte Absage, im Regelfall bleibt es bei nichtssagenden Textbausteinen. Alexander ist verzweifelt. Dabei hat er nur seine eigene Profilseite vergessen. Sein Profilbild zeigt Alexander mit Zigarette in der Hand, oder ist es doch etwas Größeres, und tiefgerötete Augen. Die Gruppenzugehörigkeit Kiffen ohne Reue lässt Alexander zu einem Sicherheitsrisiko einer Anwaltskanzlei werden und nicht zu deren neuen Hoffnungsträger.

Schon als kleines Kind hat Julia Geschichten geschrieben. Alltagserlebnisse verarbeitete sie nicht in einem Tagebuch, sondern in wunderbaren Texten. In ihrem Stadtteil war sie eine Hoffnungsträgerin. Julia wird bestimmt einmal den Pulitzerpreis bekommen, so die alte Nachbarin, die früher immer auf Julia aufgepasst hat. Ihr Mann fügt hinzu, dass die Mächtigen nun aufpassen müssen, wo Julia doch so gut ihr Journalistik-Studium abgeschlossen hat. Was die beiden Alten nicht wissen: Die Chefredakteure kennen das Tattoo Julias, welches ihren Körper vom Hals beginnend, den Rücken hinunter bis zum Po-Ansatz ziert. Eine Freundin hatte Julia fotografiert, das Foto hat Julia selbst hochgeladen. Ein Chefredakteur hat das Foto in seinen Spind geklebt, bevor er Julia telefonisch die Absage mitgeteilt hat.

Selbstverständlich sind obige Fälle nicht repräsentativ, doch sie sind in dieser Form auf den Sozialen Netzwerken zu finden, die Namen wurden selbstverständlich geändert. Man kann die Mitglieder Sozialer Netzwerke wahrscheinlich nicht dazu bringen, auf ihr Hobby zu verzichten. Für viele Nutzer bedeuten Soziale Netzwerke nicht nur positiver Zeitvertreib, sondern auch sozialer Kontakt. Man kann ihnen aber helfen und den richtigen Weg aufzeigen. Man muss sie auf die Gefahren hinweisen und Tipps geben, wie sie das eigene Profil zu ihrem Vorteil nutzen – und nicht zu ihrem Nachteil. Ein seriöses Fotos ist dabei unabdinglich, der dort eingestellte Lebenslauf sollte sich mit den offiziellen Unterlagen decken. Der Nutzer sollte seine Gruppenzugehörigkeiten überdenken. Und man darf die Fotos der anderen Mitglieder nicht vergessen. Stefan, Julia, sie alle sind auf anderen Fotos verlinkt. Da kann dann das eigene Profil noch so seriös sein. Wenn bei einem anderen Nutzer zu sehen ist, dass Julia halbnackt mit Stefan auf dem Tisch tanzt, folgen trotzdem die Absagen.

Es ist naiv zu denken, dass Personaler wer-kennt-wen.de, schuelerVZ oder studiVZ nicht kennen. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn Bewerbungen ins Haus kommen, werden selbstverständlich die großen Netzwerke und die Google-Suche ausgewertet. Bis ins kleinste Detail. Die Personalabteilungen sind dabei mehr Profi, als die Bewerber selbst, die sich für internetaffin halten. Der Schritt zum Erwachsenwerden, der Schritt vom Studium in das Berufsleben bedeutet mehr, als ein erfolgreich abgeschlossenes Studium. Der Umgang mit den eigenen personenbezogenen Daten, soweit man es noch beeinflussen kann, gehört ebenso dazu. Natürlich sollte ein Profil die eigene Persönlichkeit widerspiegeln. Doch besteht diese mehr als aus Wein, Weib und Gesang. Wer hier Professionalität beweist, wird umso interessanter für den Arbeitsmarkt. Der Karrierekiller Soziales Netzwerk ist ein weit verbreitetes aber umso mehr unterschätztes Problem. Und nicht vergessen: Das gilt natürlich nicht nur für Studenten, sondern für uns alle. Was immer wir ins Internet stellen oder schreiben – das Internet vergisst nie.

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Karrierekiller StudiVZ

Es ist ruhig geworden um StudiVZ — zu ruhig. Monat für Monat werden neue Rekorde aufgestellt — die PIs steigen ins Unermessliche, während die Werbung immer noch keinen großen Gewinn abwirft. Die neuen Datenschutzbestimmungen werden immer noch nicht durchgesetzt, man verschiebt Monat für Monat den Rausschmiss derjenigen, die die neuen AGBs nicht akzeptiert haben. Es könnte der Eindruck entstehen, als wären die Zahlen für die Werber nicht wirklich unwichtig — und viele Mitglieder des Netzwerkes haben offensichtlich die neuen Statuten noch nicht akzeptiert. Die Menschen, das Netzwerken selbst, scheint zur Randnotiz zu verkommen — alles wird dem schnöden Mammon, der Vermarktung unterworfen. Und doch müssen wir uns unterhalten: Den Karrierekiller Google kennt jeder, doch gibt es auch den Karrierekiller StudiVZ, den Karrierekiller Social Network? Dazu werden zufällig ausgewählte Profile untersucht. Es wird die Supersuche von StudiVZ angeschmissen, nach zufällig, in dem Moment ausgewählten, Kriterien gesucht, und dann kann es losgehen.

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