Schlagwort ‘freitag.de‘

Frank-Wilhelm Steinmeier

Wer heute die Zeitungen zur Lage der Nation gelesen hat, wird feststellen, dass unser Land wahrlich große Probleme hat. Frank-Walter Steinmeier, immerhin unser Außenminister und damit eine der Schaltzentralen um die Weltwirtschaftskrise im Zusammenspiel mit den anderen Nationen zu meistern, mag nicht mehr Walter heißen. Frank Steinmeier möchte damit wohl der Schäfergümbilisierung entgehen. Und da ist da noch unser neuer Wirtschaftsminister, dem ein Scherzbold in der Wikipedia den Namen Wilhelm untergeschoben hat – die versammelte Qualitätspresse fiel darauf hinein. Es wird nicht einfach, aber wir müssen uns nun umgewöhnen und dürfen ihn nur noch Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester von und zu Guttenberg nennen. Und wer nun glaubt, der junge Mann sei damit gestraft, der frage bitte seinen Vater Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh von und zu Guttenberg. Auch ohne Wilhelm. Adlige haben es in unserem Land sehr schwer. Ich bitte, dies zu berücksichtigen.

Es beruhigt ungemein, dass wir keine anderen Probleme haben, als uns über die Namen unserer Politiker zu unterhalten. Wo kämen wir denn hin, wenn wir die Eignung Frank Steinmeiers als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland hinterfragen würden. Wir könnten auf den Fall Murat Kurnaz hinweisen – ein zotteliger Bombenleger aus Bremen. Zumindest war man im Kanzleramt dieser Ansicht. Frank Steinmeier war unter unserem damaligen Bundeskanzler Gasgerd Schröder Kanzleramtschef und gilt zudem als Architekt der Agenda 2010. Diese hat einen enormen Anstieg der Kinder– und Altersarmut zur Folge, die Schwächsten unserer Gesellschaft sind weitestgehend rechtlos gestellt worden, die SPD ist keine Volkspartei mehr und sieht sich bald Auge in Auge mit der FDP. Selbstverständlich sind das alles nur Kleinigkeiten über die es nicht zu diskutieren lohnt. Wir dürfen dabei nicht die wahren Probleme des Frank — ehemals Walter — Steinmeier vergessen.

Nichtigkeiten wie Fragen zur Befähigung des Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester von und zu Guttenberg das in dieser Weltwirtschaftskrise wichtigste Ministerium zu führen, dürfen natürlich nicht von den wirklich wichtigen Dingen ablenken. Wilhelm hat Vorfahrt, da gilt Rechts vor Links. Bereits mit 25 Jahren gehörte unser neuer Wirtschaftsminister dem Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG an. Wirklich beeindruckend. Die Rhön-Klinikum AG wurde wie so viele Kliniken in diesem Land in private Hände gelegt. Nach dieser für die Menschen und Kranken selbstverständlich wichtige Privatisierung klagten Mitarbeiter über menschenunwürdige Arbeit, Patienten gaben zu Protokoll, dass es in der neuen Rhön Klinikum AG bereits an der Grundpflege scheitern würde. Aber auch hier gilt natürlich, dass man wichtige von unwichtigen Nachrichten trennen muss und doch lieber über Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester von und zu Guttenberg berichtet. Wie in güldenen Großbuchstaben bei den Kollegen der Bild-Zeitung geschehen. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass die Medien in diesem Land relevante und nicht so bedeutende Nachrichten gut zu trennen wissen.

Unter diesen Artikel hat Frank Steinmeier nicht seinen Wilhelm gesetzt.

, , , , , , ,

Ode für ein Zweitblog

Wir werden oft gefragt, was eigentlich das Geheimnis des Erfolges von F!XMBR sei. Es sei dahingestellt , ob F!XMBR wirklich so erfolgreich ist, ich hinterfrage diese Zahlen durchaus, wenn damit aber der Spaß, unsere Leser, die Diskussionen und Reaktionen, unser Wohlbefinden gemeint sind, dann antwortete ich eigentlich immer: Wir erfinden uns täglich neu, bleiben dabei uns selbst aber immer treu. Diese Kraftanstrengung ist natürlich nicht immer einfach. Oliver und ich holen uns diese Kraft nicht nur bei unseren Lieben im realen Leben, sondern auch auf anderen Projekten im Internet. Oliver ist in der BSD-Community sehr aktiv und hat lange Zeit from hades geführt. Daneben haben wir auch anderen Projekte ausprobiert. lallus.net, .get privacy und davor auch andere Dinge. In diesen Projekten holen wir uns neue Ideen, neue Kraft für F!XMBR, probieren an der einen oder anderen Stelle Dinge aus, die so auf F!XMBR vielleicht deplatziert wären. Und auch wenn vielleicht Dinge ausgelagert werden, unterm Strich sind sie trotzdem ein Gewinn für F!XMBR.

Weiterlesen: »Ode für ein Zweitblog«

, , , , , , , , ,

Wie Angela Merkel die Zukunft dieses Landes gefährdet

Michael Glos war nie mehr als eine Verlegenheitslösung im Kabinett Merkel. Als der so genannte Superminister und fest eingeplante Edmund Stoiber Angela Merkel absagte, war Michael Glos die zweite Wahl im Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie. Große Politiker zeigen in solchen Situationen, unter diesen Voraussetzungen, ihr ganzes Können und beweisen sich und der Öffentlichkeit, dass sie wahre Größe besitzen. Michael Glos jedoch ist nie über seine Rolle als Verlegenheitslösung herausgewachsen.

In Berliner Kreisen wird er Problembär genannt, eine Bezeichnung die er ungewollt von Kurt Beck geerbt hat. Es hat den Eindruck, als stolpere er von Pressekonferenz zu Pressekonferenz und von Thema zu Thema. Nun möchte er diesem entwürdigen Schauspiel ein Ende bereiten und hat seinen Rücktritt angeboten. Wie heute bekannt wurde, hat Angela Merkel diesen abgelehnt. Aufgrund parteitaktischer Spiele gefährdet die Bundekanzlerin damit die Leistungsfähigkeit dieses Landes. Die Entscheidung der Kanzlerin ist durch nichts zu rechtfertigen, ihr Blick ruht offensichtlich ausschließlich auf der Bundestagswahl ohne an die Zukunft dieses Landes zu denken.

Die Welt befindet sich in einer Weltwirtschaftskrise, immer wieder wird vom Schwarzen Freitag gesprochen, das Jahr 1929 schwebt über allen Diskussionen, die zur Zeit geführt werden. Die Politik wird getrieben von den Ereignissen, die Bundeskanzlerin, ihr Finanzminister Peer Steinbrück, wie auch Michael Glos reagieren teilweise panisch anstelle in Ruhe zu agieren. Die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Die gleichen Experten, die vor wenigen Monaten noch freie Märkte forderten, rufen heute nach dem Staat. Jedoch nicht in dem Sinne der Bürgerinnen und Bürgern. Es hat den Eindruck, als sollen die unglaublichen Verluste sozialisiert werden, die Gewinne bleiben weiterhin wie selbstverständlich in privater Hand. Manche Diskussionen erinnern an Spiegelfechtereien, die nur der Öffentlichkeit wegen geführt werden.

Dass die Verantwortlichen nichts gelernt haben, beweist einmal mehr Josef Ackermann, der gerade erst darüber philosophiert hat, dass spätestens in 3 Jahren wieder Renditen von 25% möglich seien. In diesen Zeiten braucht dieses Land einen starken Wirtschaftsminister, der sowohl die Fehler der Vergangenheit erkennt, als auch dem Land und den Menschen einen Weg in die Zukunft weist. Michael Glos hat erkannt, dass er dieser Minister nicht sein kann. Die Weigerung Angela Merkels, Michael Glos aus seinem Amt zu entlassen, macht das Amt des Wirtschaftsministers lächerlich. Man muss sich schon fast für die heutige Entscheidung Angela Merkels schämen.

Es ist übrigens bezeichnend, dass unser Land von einer kleinen bayerischen 5%-Partei als Geißel gehalten wird. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die letzten Wochen seit der Landtagswahl im südlichsten Bundesland der Republik Revue passieren lässt. Es wurde in Berlin keine Entscheidung getroffen, ohne dass die CSU die Kanzlerin regelrecht erpresst hat, ohne dass Horst Seehofer sich hat von seiner Haus– und Hofpresse hat feiern lassen. Es drängte sich in den letzten Wochen der Eindruck auf, als ginge es in Berlin nicht um unser Land, sondern darum, dass Selbstbewusstsein der CSU wieder aufzubauen. Die kolossale Niederlage mit den Abgängen der Herren Beckstein und Huber ist den meisten sicherlich noch frisch in Erinnerung. Die Bundeskanzlerin hat damit einmal mehr bewiesen, dass sie weder führungs– noch entscheidungsstark ist, sondern nur getriebene der Ereignisse.

Es ist meiner Meinung nach ein Skandal, dass Michael Glos sein Rücktrittschreiben an den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer gerichtet hat und nicht an die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn Horst Seehofer ein gewichtiges Wort mitzureden hat, wer die CSU-Ressorts in Berlin besetzt - es unglaublich zu nennen, dass eine kleine 5%-Partei im Süden unserer Republik darüber entscheidet, wer in diesen schwierigen Zeiten den wichtigsten Ministerposten in Berlin besetzt, wäre noch harmlos ausgedrückt. Die CSU tanzt selbst bei dieser Posse der Kanzlerin auf der Nase herum, Angela Merkel scheint dabei noch den Taktstock zu schwingen.

Angela Merkel sollte Michael Glos sofort entlassen und das Amt des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie neu besetzen. In der derzeitigen Weltwirtschaftskrise ist eine lame duck in dieser Position fatal. Wir geben uns international der Lächerlichkeit preis. Die Weltwirtschaftskrise wird nur durch weltweite Zusammenarbeit in den Griff zu bekommen sein. Welches Land auf diesem Planeten soll die Bundesrepublik Deutschland noch ernst nehmen, wenn die Schaltzentrale für diese Zusammenarbeit, das Wirtschaftsministerium, der zuständige Minister in Deutschland selbst nur belächelt wird? Fast täglich können uns neue Horrormeldungen erreichen. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass dies auch geschieht.

Unser Land braucht in dieser Zeit handelnde Personen, denen mehrheitlich vertraut wird. Bei Angela Merkel ist dies noch der Fall, Michael Glos jedoch besitzt nicht einmal mehr das Vertrauen seiner Kollegen am Kabinettstisch. Die Bundeskanzlerin muss handeln, am besten noch heute. Sie spielt aus parteitaktischen Gründen mit der Zukunft dieses Landes. Versteht sie dies nicht, ist sie ebenso mit ihrem Posten überfordert, wie es Michael Glos mit dem seinen war. Begründete Rücktrittsforderungen werden dann die Folge sein und unser Land tiefer in die Krise stürzen. Frau Merkel, bitte erlösen Sie Michael Glos, erlösen Sie dieses Land. Es geht um unsere Zukunft.

, , , , , , , , , , ,

Der Blog von chris97

Es gibt Dinge, auf die ich sehr allergisch reagiere. Die Bezeichnung der Blog gehört dazu. Der Begriff Blog ist eine Abkürzung von Weblog, Online-Tagebuch, Logbuch. Egal, wie man das Blatt aber auch wendet, es heißt das Tagebuch, das Logbuch, ergo auch das Blog. Der Blog kam in Mode als die ersten Glücksritter das Internet eroberten. Die meisten Journalisten und fast alle Unternehmen einigten sich aus welchen Gründen auch immer auf der Blog und als die Diskussion ihren Höhepunkt erreicht, trat der Duden als Blogwart in Aktion und traf eine merkwürdige Entscheidung:


Screenshot: duden.de

Spätenstens seit dem Zeitpunkt ist nichts mehr wie es einmal war. Die Blogger, die wirklich bloggen, mit Herz und auch Verstand, um des Bloggens willen, sich mitteilen wollen, Spaß an den Diskussion und Reaktionen haben, schreiben weiterhin das Blog. Glückritter, Traffic-Abstauber, SEOs oder auch so genannte Problogger sprechen von der Blog, nicht selten auch die Verlage, die um des Hypes Willen mit auf den Zug springen.

Zugegeben, es heißt der Block, aber es heißt das Blog. Man kann mich kleinlich nennen oder gar Wortstalinist wie der Kollege Detlev Borches nebenan beim Handelsblatt. Es ist mir egal. Für mich ist das Blog eine Herzensangelegenheit. Mein Innerstes rebelliert, wenn ich hier auf einmal Der Blog von chris97 lesen muss. Es zieht sich alles zusammen und ehrlich gesagt, verliere ich ein stückweit die Lust, mich hier einzubringen. Ein Gefühl, eine Lebenseinstellung kann man nicht einfach über Board werfen.

Ich möchte also den Freitag dringend bitten, den Begriff der Blog dahin zu packen, wo er wirklich hingehört: in die Versenkung. Ich bitte um das Blog, schließlich nenne ich den Freitag auch nicht das Freitag. Ich bin mir sicher, dass viele Blogger ähnlich denken, doch wie sehen es die Leser? Ist es egal, habt Ihr Euch bereits an der Blog oder das Blog gewöhnt? Gerne würde ich eine Umfrage einbinden, doch geht das leider noch nicht — darum kommentiert und sagt mir Eure Meinung.

Der Blog oder das Blog?

, , , , ,

Warum die SPD nicht links ist

Franz Müntefering hat in der Frankfurter Rundschau einen Gastbeitrag verfasst. Er stellt die Frage, was heute links sei, um diese Frage dann selbstverständlich selbst zu beantworten: Die SPD ist links. Die Worte Franz Münteferings zeigen einmal mehr, warum die SPD sich von den Menschen entfernt hat, worin die Gründe liegen, dass die SPD kaum noch als Volkspartei gelten kann und warum sich die Stammwählerschaft mit Schrecken von der Partei abgewandt hat. Der Artikel ist der Versuch Franz Münteferings, den Begriff links neu zu besetzen, er zeigt aber, dass der SPD-Vorsitzende aus den letzten Jahren nichts gelernt hat. Die SPD hat die Sorgen und Nöte der Menschen nicht verstanden, sie hat sie mit verursacht und solange sie dies nicht versteht und sie wieder glaubhaft auf die Menschen zugeht, wird ihr Zerfall weiter fortschreiten. Franz Müntefering wird als der Parteivorsitzende in die Geschichte eingehen, der die traditionsreiche SPD in den Abgrund geführt hat.

Der ersten Punkt, den Franz Müntefering aufzählt, ist nichts weiter als die neuerliche Anbiederung der SPD an die FDP. Der SPD-Vorsitzende schreibt, links sei Freiheit und begründet diese These in der Tradition Willy Brandts. Wenn man sich die Geschichte der SPD anschaut, könnte man sicherlich andere Punkte zu Beginn eines Aufsatzes setzen, Franz Müntefering bricht hier aber bewusst mit Traditionen, mit dem ehemaligen Wählerklientel, schließlich steht im September eine Bundestagswahl an. Dass eine Ampelkoalition dabei so wahrscheinlich wäre, wie sechs Richtige im Lotto, scheint im Willy-Brandt-Haus noch niemand verstanden zu haben. Zudem stellt sich natürlich gleich zu Beginn die Frage nach der Glaubwürdigkeit. Vorratsdatenspeicherung, BKA-Gesetz, um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen, die SPD hat in den letzten 11 Jahren und schon Ende der Sechziger Jahre massiv die Freiheiten der Menschen in diesem Land eingeschränkt. Die Menschenrechte, die Bürgerrechte, die Freiheit, die unsere Großväter mit ihrem Blut erkämpft haben, sind heute für Union und SPD nur noch hinderlich im so genannten Kampf gegen den Terror. Wenn Franz Müntefering also wirklich behaupten will, die SPD stehe für Freiheit, ist das nichts weiter als eine leere Worthülse. Man ist fast versucht, eine Lüge zu schreiben. Es ist pures Wahlkampfgetöse, denn allerorts ist zu hören, Sicherheit gehe vor Freiheit.

Selbstverständlich bedeutet links auch Gerechtigkeit, Solidarität und Soziales. Auch diese Argumentation zeigt, dass viele Menschen mit ihrer eigenen Definition für den Begriff links gar nicht so falsch liegen. Auf der anderen Seite beweist Franz Müntefering jedoch, warum die SPD nicht mehr als links angesehen wird. Unter der Ägide der SPD ist die Gesellschaft weit nach rechts gerückt, mit der Agenda 2010 ist der Altersarmut großen Vorschub geleistet worden, eines der reichsten Länder Welt, die Bundesrepublik Deutschland, muss zur Kenntnis nehmen, dass gut 2,5 Mio. Kinder in Armut leben. Wer heute arbeitslos wird und in Hartz IV rutscht, wird praktisch aus dieser Gesellschaft ausgeschlossen. Spätestens seit der offiziellen Erklärung des damaligen so genannten Superministers, Wolfgang Clement, in der er Hartz-IV-Empfänger mit Parasiten verglich, sind in diesem Land alle Dämme gebrochen. Es gibt sie wieder, die Untermenschen, wöchentlich verfolgt von den Boulevardmedien und den Parteien. Dieses neue hässliche gesellschaftliche Klima, auf die Schwachen einzuschlagen, gleichzeitig haben die Arbeitgeber ein hervorragendes Druckmittel gegenüber denen, die noch Arbeit haben, hat die SPD zu verantworten. Mit seinen Worten beweist Franz Müntefering, warum die SPD in heutiger Zeit viele Bezeichnungen verdient, nicht aber das Attribut links.

Selbstverständlich blickt Franz Müntefering auch in die Zukunft, links bedeute auch Zukunft, so der SPD-Vorsitzende. Da fragt man sich natürlich, von welcher Zukunft Franz Müntefering spricht. Bürger– und Menschenrechte werden in atemberaubender Geschwindigkeit abgebaut und den Begriff Sozialstaat verdient dieses Land schon lange nicht mehr. Für all diese Dinge haben unsere Väter und Großväter gekämpft, als sie nach dem Krieg unser Land wieder aufgebaut haben. Sie taten dies, in viel unsicheren Zeiten. Die Terrorgefahr war viel größer und ob abends etwas zu Essen auf den Tisch stand, bedeutete täglich neu zu kämpfen. Sie haben Großes geleistet und uns ein wunderbares Land mit einer funktionierenden Gesellschaft hinterlassen. Die SPD reißt diese Dinge nun unter tatkräftiger Unterstützung der Union nach und nach ein. Für die Zukunft kann man unter diesen Voraussetzungen nur schwarz sehen. Die SPD hat nicht nur die Werte dieses Landes verkauft, sie hat sich auch dafür zu verantworten, dass vielen Menschen der Glaube an die Zukunft genommen wurde.

Links bedeutet auch Demokratie, so Franz Müntefering. Die Herrschaft gehe vom Volke aus. Das kann offenbar nur jemand schreiben, der weit weg in einem Elfenbeinturm lebt und nicht mehr mitbekommt, wie es wirklich in diesem Land zugeht. Ein Parteibuch ist heutzutage wichtiger als der Inhalt und selbst wenn man innerhalb einer Partei engagiert ist, ist es unabdingbar, den Oberen zu folgen, wenn man selbst Karriere machen möchte. Inhalte zählen in diesem Land schon lange nicht mehr. Das so genannte Vitamin B ist wichtiger als alles andere. Die Herrschaft des Volkes ist obsolet geworden, viele Menschen in diesem Land zweifeln mittlerweile daran, dass wir überhaupt noch in einer Demokratie leben. So weit sollte man natürlich nicht gehen, aber man muss eine Diskussion darüber führen, wie diese sich festigenden Strukturen aufgebrochen werden können. Doch diese Form der Demokratie ist nicht gewünscht. Etabliert sich eine neue Partei, wie die Grünen in den Achtzigern oder aktuell die Linke, wird sie von der SPD bis aufs Blut gekämpft. Da wird von Vernichtung gesprochen oder der SPD-Vorsitzende selbst stellt unsägliche Vergleiche mit der NSDAP her. Der Dialog in unserer Demokratie funktioniert schon lange nicht mehr. Zwischen den Politikern in ihren Elfenbeintürmen und den Bürgerinnen und Bürgern ist eine zu große Kluft gewachsen. Sie funktioniert nur noch in eine andere Richtung: Die Menschen wenden sich von den etablierten Parteien, insbesondere der SPD, ab.

Zum Ende seines Aufsatzes in der Frankfurter Rundschau spricht Franz Müntefering über Pragmatismus. Und hier zeigt sich einmal mehr, warum die SPD dort steht, wo sie steht. Man kann mit Dingen pragmatisch sein, nicht aber mit Menschen. Pragmatismus ist Unmenschlichkeit in Reinkultur. Pragmatismus berücksichtigt keine Gefühle, kein Emotionen, keine Wünsche, nicht den Zustand, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Pragmatismus nimmt auf Menschen keine Rücksicht. Pragmatismus ist auf keinen Fall links. Hier liegt eines der größten Probleme der SPD. Die halbherzigen Entschuldigungen der SPD für die Agenda 2010, für die Regierungszeit Schröder werden damit begründet, dass man so handeln musste und man wird nicht müde zu betonen, dass man es den Menschen nur nicht vernünftig erklärt habe. Das ist natürlich falsch. Die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland ist ein riesiges Gebilde mit unterschiedlichsten Ausrichtungen, vielen Wegen und Abzweigungen. Wer da behauptet, dieser eine Weg wäre die einzige Alternative gewesen, der lügt. Die SPD hat sich und ihr Herz meistbietend verkauft, die Menschen haben darunter zu leiden.

Das Ziel Franz Münteferings ist klar erkennbar: Er möchte wieder mit der SPD den Begriff links besetzen, den die Linke im Moment vereinnahmt hat. Er scheitert daran, wie auch die SPD in 11 Jahren Regierungsbeteiligung gescheitert ist. Mit jedem einzelnen Punkt wird offenbar, dass die SPD eben nicht links ist, die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes verraten und verkauft hat, insbesondere aber das eigene Wählerklientel. Bei jedem Punkt, den Franz Müntefering anspricht, lässt sich gegenteiliges Verhalten und widersprüchliche Entscheidungen der SPD nachweisen. Die Chuzpe, mit der Franz Müntefering hier vorgeht, muss schon fast bewundert werden. Er will den Begriff links besetzen, obwohl die SPD seit Jahrzehnten gegenteilig handelt. Er möchte mit aller Macht auf auf das Terrain zurück, welches die SPD schon vor langer Zeit aufgegeben hat und welches nun mehr oder weniger glaubhaft von der Linken besetzt wird. Franz Müntefering beweist mit seinen Zeilen einmal mehr, warum er als SPD-Vorsitzender und die Schröder-Clique als Synonym für den Untergang der Sozialdemokratie in diesem Land stehen. Die Geschichte wird einmal hart über die graumelierten Herren der SPD urteilen. Und auch wenn dieser Umstand für viele Bürgerinnen und Bürgern eine Genugtuung bedeutet, hilft es den Menschen in diesem Land nicht weiter. Diese leiden nämlich sehr unter der SPD. Gestern. Heute. Morgen.

, , , , , , , , ,

Der neue Freitag

I have a dream. So die legendären Wort Martin Luther Kings am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in der US-Amerikanischen Hauptstadt. Jakob Augstein, Sohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein, hat in diesen Wochen auch einen großen Traum: Nach dem Kauf der Wochenzeitung Freitag, diese zu neuen Ufern führen. Der Freitag bekommt ein von Grund auf neues Outfit verpasst – und nicht nur das, es geschieht viel mehr. Online und Print sollen eng miteinander verzahnt werden: Leser können und sollen in Zukunft Artikel auf freitag.de kommentieren, am neuen Freitag nicht nur teilhaben, sondern auch teilnehmen. Was für die Mitbewerber mehr oder weniger lästig erscheint, ist wesentlicher Teil der neuen Ausrichtung des neuen Freitag. Eine Registrierung ist notwendig, doch bekommt man dann nicht nur die Möglichkeit, Kommentare zu verfassen – der Leser hat auf freitag.de zukünftig die Möglichkeit, ein eigenes Blog zu führen. Jakob Augstein und sein Team haben verstanden, dass der Journalismus der heutigen Zeit nicht mehr funktioniert und brechen in ein völlig neue Zukunft auf. Eine ungewisse Zukunft — in dieser konsequenten Form hat es bisher kein Mitbewerber gewagt, umzusetzen. Ich persönlich hoffe, dass dieser Mut belohnt wird.

Weiterlesen: »Der neue Freitag«

, , , , , , , , , , , , ,


RSS-Feed abonnieren