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Lasst Opel untergehen

Der Aufsichtsrat von Opel hat heute sein Sanierungskonzept vorgestellt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster kündigte an, 1,2 Mrd. Dollar einzusparen, dies muss natürlich durch die Arbeitnehmer geschehen, durch Gehaltsverzicht oder durch freiwillige Abfindungsmaßnahme. Wie soll es auch anders sein — der Arbeitnehmer ist immer der Dumme. Auch im Fall Opel wird er nur Spielball sein, nicht aber der, um den es wirklich geht. Auch wenn ihm etwas Anderes vorgegaukelt wird.

Ebenso will sich Opel weiter von GM abkoppeln, aber im großen GM-Verbund bleiben. Was auch immer das heißen mag. Das alles und noch viel mehr soll nun der Bundesregierung in einem Konzept vorgestellt werden. Man kann nur hoffen, dass sich Angela Merkel und ihr Kabinett nicht durch den öffentlichen Druck erpressen lassen. Opel hat seinen Weg mit GM zu gehen, ohne Wenn und Aber. Insbesondere ohne deutsche Steuergelder.

Zur Rettung von Opel soll der deutsche Steuerzahler 3,3 Mrd. Euro — nach den Einsparungen, die in Dollar beziffert wurden, wird auf einmal von Euro gesprochen, wer erkennt die Strategie — beisteuern. Das ist unverantwortlich. Es wäre ein Fass ohne Boden — zudem ist überhaupt nicht klar, wie weit, wie strukturell sich Opel von GM abspalten will. Das Geld könnte man also gleich zu GM in die USA überweisen, die das offensichtlich auch erwarten.

Es ist schon sehr dreist, wenn Forster davon spricht, die öffentliche Hand müsse 3,3 Mrd. Euro beisteuern. Meine Eltern haben mir beigebracht, zu fragen — Geld ohne die damit verbundene Zurückhaltung einfach zu fordern, ist eine Frechheit gegenüber den Menschen in der Bundesrepublik Deutschland. Es als als Selbstverständlichkeit anzusehen, dass 3,3 Mrd. Euro vom Staat kommen, zeugt zudem von einem kruden Demokratieverständnis.

Die Politik muss hier endlich mal einen Riegel vorschieben. Wenn GM untergeht, wird Opel den Weg mitgehen müssen. Wenn GM gerettet wird, wird auch in Rüsselsheim und anderen Opel-Standorten weiter gearbeitet. Heute wird Opel Geld in den Rachen geworfen. Und morgen? Darf es dann Daimler sein, VW oder vielleicht Porsche? Die Telekom wäre auch ein Kandidat — oder das eine oder andere Medienunternehmen.

Welche Partei würde wohl bei Holtzbrinck oder dem WAZ-Konzern laut hier schreien — in der Gewissheit, bei den Journalisten Dankbarkeit zu erfahren? Was uns in den nächsten Monaten bis zu Wahl blühen könnte, hat bereits Frank ohne Walter Steinmeier mit seinem Holzmann-liken Auftritt bei Opel gezeigt. Nicht das erste Mal hat der Herr Vizekanzler bewiesen, dass er als Bundeskanzler eine grandiose Fehlbesetzung wäre.

Jahrzehntelang haben Banker und Unternehmer Fehlentscheidungen getroffen. Die Eliten dieses Landes, die Politiker, die Banker, die Unternehmer und Manager haben das gesellschaftliche Miteinander einseitig aufgekündigt. Es ist an der Zeit, dass die Menschen in diesem Land auch mal Nein sagen. Es ist an der Zeit, dass sich Politiker, Banker, Unternehmer und Manager das Vertrauen der Menschen wieder erarbeiten. Voller Demut, mit gesenktem Kopf, mit glaubwürdiger Entschuldigung.

Erst dann kann wieder so etwas wie ein neues gesellschaftliches Miteinander entstehen. Es entsteht nicht, wenn die Bürgerinnen und Bürger ohne Gegenleistung nun wegen diverser Fehlentscheidungen um ihren Lebensabend bangen müssen, ihre Lebensleistung in den Ausguss gekippt wird. Es ist an der Zeit, dass die Menschen sich ihren Platz in der Gesellschaft wieder zurückerobern. Der Mensch muss wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit und des Handelns gebracht werden.

Und ganz zum Schluss sei angemerkt, dass 3,3 Mrd. Euro für die Eliten dieses Landes Taschengeld bedeuten. Dort sollte also an erster Stelle der Hut rumgehen. Von den Menschen wird Solidarität erwartet. Wo ist die Solidarität der Eliten? Die Eliten dieses Landes sind auf Jahrzehnte hinaus in der Bringschuld. Sie sind am Zug — wollen wir für dieses Land hoffen, dass sie endlich anfangen, weise und besonnen zu handeln. Und verstehen, worum es in einem gesellschaftlichen Miteinander wirklich geht.

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