Schlagwort ‘Cryptome‘

27C3: Whistleblowing

Es werden Beispiele von Menschen gezeigt, die Zivilcourage an ihrem Arbeitsplatz bewiesen und teils offen, teils anonym, auf Missstände aufmerksam gemacht haben. Es wird dargestellt, dass diese Menschen von Kollegen und Rechtsordnung oft alleine gelassen werden und auch wo die Grenzen anonymer Hinweise und die Schwierigkeiten journalistischen Umgangs mit Whistleblowern liegen. Die Referenten erläutern wie Whistleblowing ein archimedischer Punkt werden könnte, um Licht in Dunkelräume in Wirtschaft und Politik zu bringen, die Methoden der Hintermänner der Macht offen zu legen und Risiken für öffentliche Interessen rechtzeitig erkennen zu können.

Ansatzpunkte hierzu sind das Hinterfragen der Legitimität und Reichweite von (so genannten Sicherheitsrelevanten– oder Betriebs– und Geschäfts-) Geheimnissen, eine Vernetzung der Zivilgesellschaft und kritischer Medien zur Organisation von Gegenmacht, effektiver rechtlicher Schutz von Whistleblowern und ein anderer kultureller Umgang mit jenen, die bisher oft als Denunzianten oder Nestbeschmutzer verunglimpft werden.

Durch Einblicke in die Arbeit von Whistleblower-Netzwerk e.V. und seiner internationalen Kooperationspartner wird schließlich aufgezeigt wie einige dieser Ansatzpunkte bereits konkret angegangen werden, aber auch wo noch Unterstützung nötig ist und was die Netzgemeinde hier leisten könnte.

27C3

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Wikileaks?

Zugegeben, ich war tatsächlich gespannt auf die neueste Veröffentlichung, obwohl ich es eigentlich hätte besser wissen müssen. Mehr oder weniger haben wir es hier mit diplomatischem Randrauschen zu tun, Dinge die wir entweder schon wußten bzw. vermuteten. Zum anderen sind es Informationen, die auf Einschätzungen vor Ort beruhen, also nicht unbedingt Wahrheiten, aber dennoch erhellend. Den einen oder anderen Historiker in diesem Metier wird diese Informationslage sicherlich erfreuen, umwälzende Fakten wird man wohl mehr im Resort «Top Secret» finden.

Keine Ahnung, wie lange Assange noch den Mythos aufrecht erhalten kann. Es ist gut, wenn Informationen jedweder Natur an die Öffentlichkeit dringen, es ist wichtig, um bestimmte Vorgänge verstehen oder auch einschätzen zu können. Aber der Pathos vor jeder Veröffentlichung, die Geheimniskrämerei, die offen zur Schau getragene Paranoia etc. hinterlassen auf Dauer nur einen Faden Beigeschmack, vor allem wenn danach nicht derart viel kommt.

Und der Spiegel? Nun, der Spiegel ist das selbstdefinierte «Sturmgeschütz der Demokratie», damals, wie auch heute. Warum? Nun, wenn ich von mir behaupte ich sei ein Genie, dann kann dies durchaus stimmen, andererseits benötige ich nur ein hochgradig grenzdebiles Publikum, welches diese Aussage fortwährend postuliert. Et voila, die selbsterfüllende Prophezeiung macht sich auf den Weg. Der Spiegel war schon immer ein Magazin, daß sich verkaufen mußte … mitunter entwickelte sich jedoch deren Publikum weiter und glaubte fortan nicht mehr die Mär vom «demokratischen Sturmgeschütz». Insofern finde ich die Kooperation zwischen Wikileaks und Spiegel durchaus passend, beide sind wie füreinander geschaffen.

In Zukunft also vielleicht weniger «Wikileaks», «Spiegel» und Co., sondern mehr der veröffentlichten Rohdaten ohne schmierigen Pathos :-)

For most of its years Wikileaks attacked journalism as untrustworthy while regularly issuing press releases and complaining of being ignored by the press, now it claims to be journalism for official protection from officials. For most of its years Wilileaks attacked spies as treacherously self-serving, now it voluminously big tweets as a public interest spy service trustworthy for faith-based investment while maintaining paranoid secrecy about its allegedly threatened operations, a spies-like-us signal to its big-brother role model which excells at marketing black magic arts and sciences.

cryptome

Addendum: Auch wenn ich grundsätzlich für jegliches Plus an Information bin, existieren immer zwei Seiten der Medaille: One day, we’ll all hate WikiLeaks. Sollte man ebenso drüber nachdenken …

Ironically, the disclosures made by WikiLeaks might promote access to information, but by doing so, reduce the information that is, in principle, accessible. It will ultimately be counter-productive. Far from making us all equal, the transparency of the internet will push the wielders of power further into the shadows of secrecy and subterfuge.

Update: Wikileaks trotz Botschaftsdepeschen tief in der Krise

Domscheit-Berg und viele weitere frühere Unterstützer planen daher eine Neugründung des Projekts, dieses Mal allerdings mit klaren Strukturen und dezentralem Aufbau. Nicht mehr nur eine Gruppe soll den Datenfluss steuern. «Diese Macht» dürfe es künftig nicht mehr geben, meint Domscheit-Berg.

Erstveröffentlichung: akephalos

Bild: Wikimedia Commons, «les petits secrets», Public Domain

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