StudiVZ und der Datenschutz — mal wieder [Update]

Okay, hat wer allen Ernstes geglaubt, StudiVZ sei eine Gruschel-Community wo sich alle lieb haben, gruscheln, Partys feiern und ab und zu fällt mal für die Herren der Schöpfung ein Mädel ab? Gut, falsche Frage — die lieben Studenten werden die Frage mit ja beantworten. Anders: Mich wundern die neuen AGB’s vom StudiVZ nicht wirklich. Das ist nur die logische Folge des bisherigen Auftretensdas Interesse liegt weder beim Nutzer, noch bei der Community, nicht bei den Menschen — einzig und allein das Geld ist relevant. Wieviel Geld scheffele ich in kürzester Zeit mit dieser Plattform — die Gründer haben es perfekt vorgemacht, nun versucht sich Holtzbrinck daran. Wie aber überall zu hören ist, mit wenig Erfolg, der Laden soll rote Zahlen schreiben. Auch das überrascht nicht wirklich. Nun muss also personenbezogene Werbung her — die Mitglieder sollen sogar per Handy oder Instant Messenger belästigt werden. Das könnte sogar klappen — von den Mitgliedern dieser Plattform halte ich nicht wirklich viel, kritisches Denken, ein sensibler Umgang mit den eigenen personenbezogenen Daten ist da nicht zu erwarten. Würde der Bundestag morgen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung abschaffen, gäbe es noch am selben Tag eine StudiVZ-Gruppe mit dem Namen Informationelle Selbstbestimmung — häh?

Die interessanteste Information in den Berichten rund um den Globus in manchen Online-Ausgaben findet man bei Heise im letzten Absatz. Dort schreibt der Autor:

Auffällig ist auch der Punkt 3.3 der neuen AGB. Anders als bisher wird den Teilnehmern nicht mehr das Recht eingeräumt, die Daten bei StudiVZ löschen zu lassen. Das Unternehmen versichert nur, dass die persönlichen Daten nicht mehr über die StudiVZ-Plattform einsehbar sind.

Das ist die eigentliche Unverschämtheit — inwieweit dieser Punkt mit dem Recht auf informationeller Selbstbestimmung vereinbar ist, wird sicherlich irgendwann von einem Gericht geklärt werden. Im Klartext liebe Studenten: Ihr seid hier und heute die Party-People. Euch mag das alles alles völlig egal, heute zumindest noch. Irgendwann kommt dann vielleicht die Erleuchtung, Ihr kündigt im StudiVZ Eure Mitgliedschaft — Eure personenbezogenen Daten jedoch bleiben dort — zwar nicht mehr einsehbar für andere, aber für die Betreiber, die Mitarbeiter, wahrscheinlich sogar die Werbepartner des StudiVZ. Wenn Ihr jetzt die neuen AGB’s akzeptiert, gehören Eure personenbezogenen Daten bis an Euer Lebensende, bis an das Ende vom StudiVZ eben demselben. Ich glaube nicht, dass diese neuerliche Unverschämtheit, dieser direkte Angriff auf die informationelle Selbstbestimmung von 4 Mio. Usern bei den Studenten zu einem Umdenken führt. Party on Wayne, Party on Garth. 😉

studiVZ owns you

Man könnte natürlich seine Daten auch ein wenig ändern, so zum Beispiel die Fotos löschen oder auch eine Namensänderung vornehmen — als eMail-Adresse würde ich eine von spam.la oder temporaryinbox.com empfehlen. Empfehlen kann ich nicht, die Telefonnummern und andere Daten der Gründer und der derzeitigen Führung in das eigene Profil einzutragen, das wäre ein Missbrauch derer Daten. Liebe Studenten — Ihr seid alt genug, Ihr müsst wissen, was Ihr tut. Aber ich bin ja schon still — selbst dieser neuerliche Angriff des StudiVZ auf Euch wird nicht interessieren. Na, Party fürs Wochenende schon geplant? 😉

Bild: F!XMBR inspiriert von Kooptech, die es mit einem einfachen Satz — StudiVZ owns you! — auf den Punkt brachten.

Nachtrag: Das virtuelle Datenschutzbüro berichtet:

Nach dem heftigen Echo hat StudiVZ eine überarbeite Version der neuen AGB versendet, in denen Werbung per SMS oder Instant-Messaging-Programmen an hinterlegte Nummer nicht mehr erlaubt wird. Zudem wurde der Absatz bezüglich des Beendens von Mitgliedschaften so geändert, dass klar ist, dass bei einer Abmeldung die vorhandenen Daten gelöscht werden.

Ich lasse das einfach mal mit einem Bedauern, dass es bzgl. der Löschung der Daten wohl nun doch nicht zu einem Prozess kommt, so im Raume stehen… 😉

Btw — wieso bekommt mein Fake-Account Account zum Recherchieren und Nachlesen keine AGB’s zugeschickt? Zwei Freunde, die an der vermeintlich selben Uni studieren, hat er schon… 😀

9 Antworten zu “StudiVZ und der Datenschutz — mal wieder [Update]”

  1. maxi sagt:

    haha… also ich mein wenn es freud tatsächlich gibt, dann war das mal ein versprecher vom feinsten. gerade dass sie sich noch drücken konnten und es als targetting verkauft haben.

    aber ich hab auch gerade alle meie sozialen kontakte die ich noch habe mal durchgegruschelt. ein abschiedsgruscheln sozusagen…

  2. MArk sagt:

    Immer diese Pauschalisierungen über Studenten^^.

    Ich werde erneut versuchen, damit bei all denen anzurennen, die immer noch dabei sind, und einen hab ich schon dazu bewegen können, sich abzumelden.

  3. Loui sagt:

    @MArk: du bist viel zu gutmütig, man macht sich mit sowas meiner Erfahrung nach viel zu leicht Feinde… bzw besser: das durchschnittliche Herdentier ist viel zu schnell genervt davon und redet nicht mehr mit dir.
    Lieber einmal Links auf Artikel wie z.B. obigen an die entsprechenden Leut verschicken (und bevorm Klick auf ‘Senden’ die Hoffnung ne Antwort darauf zu bekommen aufgeben) [für das eigene Gewissen] und danach einfach abwarten bis das Jammern anfängt und seinen Spaß daran haben wenns so weit ist… sie wussten ja davon 😉

  4. Chris sagt:

    StudiVZ hat auf das kleine Medienecho reagiert — siehe Nachtrag oben…

  5. Der LowE sagt:

    Guten Tag allerseits,
    ich gehöre zu diesem mehrheitlich unkritischen Haufen der vermeindlich angehenden Akkademiker, uhm, ne, Studenten. Ich habe dieses bl… VZ in die Tonne geworfen und bin durch diesen Prozess im Netz über viele, viele Artikel und blogs gestolpert.
    Danke VZ für diese Änderungen.
    Wer weiß, ob ich denselben Weg ohne das lustige Possenspiel auch genommen hätte.
    Zum Abschluß die Aussage, die ich eigentlich loswerden wollte: Schön, dass es so viele fitte Leute im Netz gibt. Bei dieser AGB-Sache kann man viel lernen.
    Hoffe dass viele Studis diese Prozesse auch erfahren.
    Grüße

  6. Chris sagt:

    @nexuslex: Das mit den Drogen solltest Du vielleicht sein lassen — sowas geht nie lange gut…

  7. […] Studi-Dingens tritt Googles OpenSocial bei. Mit von der Partie sind natürlich auch schon Yahoo(!!!), MySpace […]

  8. Bernd sagt:

    Hallo Leute,

    ich bin echt erstaunt wie dreist manche Studivz user sind. Auf die mehrmalige Aufforderung Fotos meiner Person zu entfernen erfolgte keine Reaktion.
    Leider habe ich auch von Studivz selbst keine Antwort zu diesem Problem erhalten. Dazu muss noch erwähnt werden dass auch die Meldefunktion und eine direkte Mail an die LTD. in Berlin keine Antwort brachte.
    Ich frage mich nun ernsthaft ob es von Studivz gewollt ist, dass wegen solcher Sachverhalte ein Anwalt eingeschaltet wird.
    Warum ist es so schwer als Betreiber solche Fotos einfach zu löschen oder löschen zu lassen???

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