Studiengebühren — weniger als ein Bier oder eine Schachtel Zigaretten pro Tag

Hessen plant, nun auch eine Studiengebühr von 500,- Euro einzuführen. Der Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) dazu:

Die geplanten 500 Euro pro Semester seien umgerechnet «weniger als ein Bier oder eine Schachtel Zigaretten pro Tag».

#!/bin/blog schreibt dazu:

Der Minister schließt da vielleicht zu sehr von sich auf andere. Nicht jeder hat diverse kostspielige Suchtkrankheiten, von denen er kurzerhand die eine oder andere wegrationalisieren kann. Wer kein Kettenraucher und Gewohnheitstrinker ist, soll dann wohl aufs Essen verzichten.

Mir fehlen bei solchen Begründungen der Politik immer die Worte, ich schrei dann immer in mein Kopfkissen: Dreckspack.

10 Antworten zu “Studiengebühren — weniger als ein Bier oder eine Schachtel Zigaretten pro Tag”

  1. Oli sagt:

    Na ja shit wenn man ohnehin nicht raucht und trinkt. Ich fröhne nur dem Laster Internet. Aber egal Hessen ist nicht Deutschland und andere Bundesländer wie das Saarland, die Pfalz, HH, Berlin haben die Gebühren auch schon drin.
    Die regulären «Verwaltunggebühren» belaufen sich doch schon seit Jahren an jeder Uni bis zu teils 250? pro Semester. Im Saarland 125? pro Semester, in HH (gemäß Phoibos) glaube ich sogar ingesamt bis zu 250?.
    Da wird auch gerne in den Medien ein wenig alles verzerrt dargestellt.

    Btw. jegliche zusätzliche Kosten, kostet das Land und die Städte gewaltige Einnahmen — um mal bei dem Beispiel der Raucher und Trinker zu bleiben 😉

    Das betrifft übrigens nicht nur Studis, sondern jeden Volksspacken hier im Land — aber egal, juckt eh keinen von den Egomanen. Viele Studis denken zudem über Arbeiter/Angestellte etc. wie den letzten Dreck, vice versa natürlich auch — was solls …

  2. Grainger sagt:

    In Hessen müßte die Landesregierung aber erst die Landesverfassung ändern, andernfalls sind Studiengebühren hier sonst nämlich verfassungswidrig.

    Oder aber man stört sich einfach nicht daran, unsere derzeitige CDU-Landesregierung hat ja auch schon zum wiederholten Male verfassungswidrige Haushalte verabschiedet.

    Ich frage mich, wo da der Verfassungsschutz bleibt? Hat wahrscheinlich zuviel mit der Bekämpfung mutmaßlicher hessischer Terroristen zu tun. 😀

  3. Chris sagt:

    Es geht doch im Prinzip hier gar nicht um die Studiengebühr, sonder darum wie dieser Pen*** diese begründet — was ist das denn.

    In dieser niederträchtigen Art und Weise, niederträchtig ist vielleicht das falsche Wort, mir fällt kein anderes ein, kann ich ALLES begründen.

  4. Oli sagt:

    Seit knapp 10 Jahren wird von Bundesland zu Bundesland so begründet, angefangen hat es mit Baden-Würtemberg … so what. Es interessierte bisher keinen, lustigerweise sind einige denen es egal war heute in einer ähnlichen Situation und zwar als Nicht-Studis.

  5. Korrupt sagt:

    Auch noch ein Ack. Da muss man sich ja bloss mal angucken, wieviele Studis bereits jetzt nebenher arbeiten, und das in der Regel eben nicht, um sich auch noch die drei Wochen Malle zu leisten. Bei den meisten ists ja nicht mit was einsparen getan, die muessen schlicht *noch mehr* nebenher verdienen, in meinem Fall waerens halt noch ein paar Wochenenden mehr Nachtschicht bei der Post gewesen, die Auswirkungen solcher Spaesse aufs Vorankommen bei den eigentlichen Studieninhalte sind bekannt.

    Diese Sachverhalte muss man natuerlich entschlossen ignorieren koennen, will man so eloquent Studiengebuehren verteidigen. Manchmal wuensch ich mir auch, ueber eine so selektive Wahrnehmung zu verfuegen, ich koennt viel aergerliches einfach ausblenden.

    Was mich am meisten nervt bei der Geschichte: es wird mit voelliger Selbstverstaendlichkeit davon ausgegangen, dass bei Studentens ja eh irgendwo genug Kohle in der Hinterhand ist. Gelegentlich klagt man ueber die bildungsfernen Schichten, aus denen so wenig Akademiker stammen. Dass das schlicht mit dem Haben und Nichthaben von Kohle zu tun hat, ist offenbar in Vergessenheit geraten, und die Sache, dass jeder die Moeglichkeit haben sollte zu studieren, ist inzwischen wohl als 68er-Zopf abgeschnitten worden, das war bestimmt auch nur so ein beklopptes Klassenkampfdings.

  6. Oli sagt:

    Nein man nimmt wohl nicht an das Geld vorhanden ist, sondern das jeder mal dran glauben muß — eben das typische Prinzip eines Egomanen. Was soll ich über Politiker schimpfen, wenn der nächste Asoziale ist doch so nah? Ich schaue nicht mehr nach Berlin, ich betrachte mir die Sache vor Ort und erschrecke …

  7. Grainger sagt:

    Ich bin nicht grundsätzlich gegen Studiengebühren, ich differenziere das schon.

    Imho sollte jeder Deutsche Anspruch auf ein gebührenfreies Studium haben, man könnte ja auch die Anzahl der «freien» Semester reglementieren.

    So was in der Art wie Regelstudienzeit + 1 Reserve-Semester oder so …

    Wer länger braucht oder mehrmals umsattelt kann imho dann auch zur Kasse gebeten werden.

    Nur so eine mehr oder weniger unausgegorene Idee, aber ich bin ja auch kein hochbezahlter Politiker, Berater oder Gutachter und muss daher keine fertigen Konzepte abliefern. Und unentgeltlich schon gar nicht. 😀

  8. Oli sagt:

    Vielleicht sollten wir auch wieder Lehrgeld und Schuldgeld einführen …

    Langzeitstudiengebühren sind übrigens an vielen Orten schon seit ein paar Jahren Realität, ich würde gar keine Gebühren erheben, sondern diejenigen im Nachhinein belangen die ein kostenloses Studium absolvierten — diese könnten jeweils die nachfolgende Generation mitfinanzieren, wie es in anderen Bereichen auch usus ist. Da natürlich beginnt erst recht das Gejaule …

  9. Björn sagt:

    Ich möchte nur mal ganz nebenbei anmerken, dass ich jetzt schon knapp 200 Euro pro Semester an meine Uni bezahle, für den Asta, Verwaltungskostengebühren, sowas… nur weil gerne von politischer Seite aus betont wird, dass studieren ja nichts koste.

    Ansonsten glaube ich der hessischen Landesregierung kein Wort davon, dass diese Studiengebühren allen Studenten nutzen würden. Bevor man mir nicht schriftlich gibt, dass schnellstmöglich mehr Lehrkräfte eingestellt werden, dass die Unibibliotheken länger geöffnet bleiben, dass man aufhört «wirtschaftlich nicht relevante» Studiengänge wie die Byzantinistik oder die Slawstik aufzulösen, so lange bin ich nicht einmal zu einer Kompromisshaltung bereit.

  10. Oli sagt:

    Full ACK.

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