Studenten von heute, oder: Warum man von der Umfrage des Jan K. die Finger lassen sollte

In Deutschland ist man dazu verpflichtet, wenn man ein Blog führt, ein Impressum zu führen — mit den RL-Daten. Und ja, die ausländischen Anbieter und Möglichkeiten sind mir alle bekannt, darum soll es hier nicht gehen. Und so landet Woche für Woche, fast schon Tag für Tag Werbung im Mail-Postfach — sie teilweise aufdringlich zu nennen, wäre noch harmlos ausgedrückt. Nicht jeder hat das Glück, Robert Basic zu heißen und bekommt mal eben ein Handy nach Hause geschickt. Neben dem ganzen Werbemist landen natürlich auch Umfragen im Briefkasten — oder halt die Bitte, an einer Umfrage teilzunehmen. Manchmal mache ich mein Kreuzchen — warum nicht, wenn nett darum gebeten wird. Schließlich muss man sich ja auch um den Nachwuchs kümmern — und solange es nicht übertrieben wird, kann man ja mal eben so einen Bogen ausfüllen. Womit wir zu Jan K. kommen — auch dieser nette Herr hat mich gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen. Um es vorweg zu nehmen: Gegen Jan K. sind Wolfgang Schäuble und Brigitte Zypries kleine Waisenknaben.

Ich hätte es ja wissen sollen, eine URL, die im Namen methodenzentrum.psych-diag.de (Klicken auf eigene Gefahr) trägt, sollte man nicht ansteuern — ich habe es trotzdem getan. Hätte ich nur auf mein Gefühl gehört. Als erstes beschwerte sich Firefox:

JS

Na, wenn das mal nicht ein perfekter Einstieg war. Man ist ja viel gewohnt und so machte ich mich ans Werk, die Seite doch lesbar zu machen. Der Mensch ist ja bekanntlich, insbesondere ich vor Ostern, geduldig — und so erlaubte ich per NoScript temporär die Verwendung von JavaScript und klickte auf Weiter. Und da hatte ich dann langsam die Nase voll:

Kekse

Leicht genervt ließ ich dann auch Cookies für die Domain temporär zu — doch was dann folgte, schlug bisher alles Dagewesene. Die erste Frage personalisiert dann gleich den Rest der Umfrage — nach der Blog-URL wird gefragt, sprich: Man kann alle Antworten schön personenbezogen zuordnen. Schon pfiffig die Jungs. Die Frage nach meinem Alter und meinem Geschlecht — okay, solche Sachen ist man gewohnt. Ob ich allerdings einen Partner und Kinder habe — das höre ich in einer Blogumfrage das erste Mal. Da machen dann die Fragen nach dem beruflichen und schulischen Status den Kohl auch nicht mehr fett. Dann ging es endlich projektbezogen los — es folgten Fragen nach der Internetnutzung.

Party

Man erlebt ja nun wirklich viel, wenn man gezwungen wird, seine realen Daten irgendwo zu hinterlassen. Manchmal jedoch gibt es so ein Highlight — diese Umfrage toppt alle bisherigen Umfragen um Längen. Unser lieber Nachwuchs — da es ist wirklich kein Wunder, wenn unsere Innenminister, unsere Damen und Herren Politiker mit ihrer Sicherheitspolitik so viel Erfolg haben. Man hat ja nichts zu verbergen. Lieber Jan, um es mal old school zu sagen: Das geht Dich alles einen Scheißdreck an!

Nachtrag: Jan K. hat nachgebessert:

Das die Fragen als sehr persönlich empfunden werden und die zusammenhängende Angabe der Blog-URL trotzdem Unbehagen auslöst, kann ich nachvollziehen und stellt für mich die einzig konstruktive Kritik unter all der Polemik dar. Diese Angabe ist inzwischen freiwillig.

14 Antworten zu “Studenten von heute, oder: Warum man von der Umfrage des Jan K. die Finger lassen sollte”

  1. Martin sagt:

    Die Homepage des «Methodenzentrums» macht auch einen sehr seriösen Eindruck ^^

    btw…irgendwo stand mal, dass man bei einer befragung die persönlichen fragen hinten bringt, weil man sonst gefahr läuft die befragten schon am anfang zu verschrecken…q.e.d. 😀

  2. picard sagt:

    chris oder ist es (vieleich) einfach so das du zu neugierig bist 😉

  3. WarMac sagt:

    Hihihi…

    Domain Default page
    This is the default page for methodenzentrum.psych-diag.de domain. This page is generated by Plesk. Please upload your own index.html file.

    Geht ja mächtig ab diese Subdomai, bzw. die mit www vorne will auch nicht mehr preisgeben. Da hat sich einer aber extrem viel Mühe gegeben.

  4. Chris sagt:

    @MArtin: Ja, Methodenzentrum, da denke ich sofort an Scientology… 😉

    @picard: Blogger sind per se und sollten es auch sein neugierig.. :)

    @WarMac: Japp, die Plesk-Sache ist schon grandios… 😀

  5. Jan K. sagt:

    Guten Tag zusammen,

    nachdem ich den Beitrag gelesen habe sehe ich mich doch dazu aufgefordert, etliche Dinge klarzustellen:

    Zunächst einmal studiere ich Pädagogik und nicht Informatik, deshalb (und mangels finanzieller Mittel) bin ich darauf angewiesen, ein vorgefertigtes Tool zu verwenden, das mir von dem der Uni angegliederten Methodenzentrums zur Verfügung gestellt wird. Das hat nunmal genannte Vorgaben was Scripte und Cookies betrifft und ich verfüge aus genanntem Grund nicht über die Programmierkenntnisse, um das zu ändern.

    Wer seriöse wissenschaftliche Erhebungen im Netz durchführen will, muss eine gewisse Reliabilität der Ergebnisse gewährleisten und das geht numal nicht ohne entsprechende technische Maßnahmen wie z.B. Cookies respektive entsprechender Kontrollfragen.

    Die Frage nach der Blog-URL soll später zu nichts weiter dienen als die Anteile der versch. providerbasierten Blogs versus domainbasierten Blogs darzustellen.
    Das die Fragen als sehr persönlich empfunden werden und die zusammenhängende Angabe der Blog-URL trotzdem Unbehagen auslöst, kann ich nachvollziehen und stellt für mich die einzig konstruktive Kritik unter all der Polemik dar. Diese Angabe ist inzwischen freiwillig.

    Den Vergleich mit Schäuble und seinen Schergen finde ich noch amüsant (wer später mein Abstract liest wird den Witz verstehen), aber ich möchte bitte nicht mit verbrecherischen Sektierern verglichen werden. Ich bin nichts weiter als ein Student, der eine gute Diplomarbeit abliefern will und versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Bestes zu geben. Wer sich von der Anonymisierung der Daten überzeugen will, dem sende ich gerne nach Abschluß meiner Arbeit ein Abstract mit den Ergebnissen der Auswertung (die übrigens unter Aufsicht durch einen betreuenden Dozenten stattfinden, aber das nur am Rande)- eine kurze Mail genügt.

    Ich hoffe ich konnte Ihre/Eure Bedenken damit ein wenig mindern.

    Viele Grüße,

    Jan K.

  6. Chris sagt:

    Ich habe oben einen Nachtrag verfasst…

  7. Oliver sagt:

    @Jan K., das ist voll und ganz nachvollziehbar — unsereiner machte das noch auf Papier 😉 Viel Erfolg weiterhin.

  8. Jan K. sagt:

    Dankeschön! Jetzt kann ich einigermaßen beruhigt zurück ans Lernen für die Abschlußprüfungen gehen (soweit Beruhigung im Bezug auf Prüfungen überhaupt möglich ist 😉 ).

  9. Jan K. sagt:

    Ein Letztes möchte ich noch bemerken zu dieser Sache, dass ich aus Selbstverständlichkeit unterschlagen habe aber vielleicht nicht jedem klar ist, der keinen Einblick in den Wissenschaftsbetrieb hat: Ich bin nicht nur berufsethisch, sondern auch und vor allem rechtlich zur Einhaltung des Datenschutzes i.S. der deutschen Datenschutzrichtlinien verpflichtet und bin entsprechend belangbar, sollte ich das versäumen. In diesem Sinne.

  10. Oliver sagt:

    >Ich bin nicht nur berufsethisch, sondern auch und vor allem rechtlich zur Einhaltung des Datenschutzes i.S. der deutschen Datenschutzrichtlinien verpflichtet und bin entsprechend belangbar, sollte ich das versäumen.

    Das ist auch klar im allgemeinen, bei der Papierumfrage ist das ebenso Voraussetzung. Viele Leute kennen echte Umfragen jedoch überhaupt nicht, allenfalls die «Point’n Klick»-Umfragen von Stern & Co. Hinzu kommt das man im Netz, ob vielerlei Mißbrauchs von diversen Seiten, besonders paranoid ist. Was da also fehlt ist im Prinzip eine explizite Erklärung, sonst packt die meisten nur der Argwohn. An einer extensiven Umfrage an sich sehe ich nichts problematisches, je mehr Faktoren geklärt sind, um so genauer ist später das Ergebnis. Im Netz allerdings muß dann die Sicherheit geklärt sein, damit keine dritten an diese Daten gelangen. Und der Rest, nun da hängst am mündigen Bürger — ist ja eine freiwillige Sache. Das sehe ich in diesen Fällen, sofern die Vorausstetzungen stimmen, recht pragmatisch da ich die Materie kenne.

  11. Dr. Dean sagt:

    Niemand wird gerne kritisiert. Wenn ein Kritisierter die Kritik (weil unangenehm) «Polemik» nennt und trotzdem darauf reagiert, indem er sie ernst nimmt, dann ist das löblich.

    Nicht perfekt — aber löblich. Besser jedenfalls als die diversen Arschlöcher dieser Welt (z.B. bekannt in der Geschmacksrichtung «Chefredakteure», «Zypries», «Schäuble», «Schröder», «HW Sinn» oder «Wirtschaftsboss»), welche — kaum kritisiert — aus völlig der Rolle fallen und die Kritik aber ansonsten ignorieren.

    Daher gebe ich: 4 von 5 Punkten.

    (oder sogar 4 1/2 Punkte!)

  12. Oliver sagt:

    @Dr.Dean, ich denke man sollte bei den Vergleichen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen — irgendwann nimmt sonst keine Sau mehr die Blogwelt ernst.

  13. Chris sagt:

    Das ist doch insbesondere dank des Bloggernetzwerkes aus Berlin sowieso der Fall — man muss sich nur mal die re:publica anschauen. Die Blogger von heute sind dank dieser Damen und Herren die Hofnarren der etablierten Medien. Und sie merken es nichtmal…

  14. Oliver sagt:

    Ja was solls? Bei Westerwelle glaubte man Anfangs auch an Ausrutscher, mit der Zeit ist selbst Guidos Spaßpartei nur noch ein Kalauer und von den Liberalen mag eigentlich keiner mehr so recht etwas wissen. Die deutschen Blogs gehen einen ähnlichen Weg, ein interessantes Phänomen zu Beginn, inzwischen jedoch ermüdend. Da hilfts eigentlich nur noch sich zu distanzieren, sonst wird man mit dem Sog nach unten gezogen. Insofern eine geistlose Zweckentfremdung etablierter Begrifflichkeiten für biedere Zwecke wie dort geschehen ist nur zweitweise einen Lacher wert.

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