Stopp — es geht immer noch tiefer für die SPD

Johnny hat die gestern aufkeimende Diskussion rund um die SPD mit einem feinen Bild entsprechend gewürdigt (Creative Commons-Lizenz).1 Ich hatte mich ja bereits schon in ein paar Artikel mit den ehemaligen Sozialdemokraten beschäftigt — für die Zukunft der SPD sehe ich Schwarz. Im wahrsten Sinne des Wortes. Stellt sich die Frage, warum die SPD diese massive Gegenwehr — in dieser Brandbreite — erst weger der Internetzensur erfährt. Sind wir letzten Endes auch nur Lobby in eigener Sache? Sei es drum. Im Übrigen mag ich es überhaupt nicht, wenn eine kleine Arbeitsgruppe im Namen aller spricht. Das erinnert irgendwie an: Reden Sie mit Bloggern. Reden Sie mit uns. 😉

FORSA hat mal wieder zugeschlagen — und sieht die SPD nunmehr bei 21%. Dabei war doch eigentlich alles wieder wunderbar, oder habe ich das falsch verstanden? Die SPD ist nach rechts gerückt, in die ominöse Mitte, die konservativen Leitartikler haben Frank-Walter Steinmeier gefeiert. Wäre es da nicht die logische Folge gewesen, dass sich die SPD wieder an die Union heranpirscht? Oder verstehe ich das alles ganz falsch? Kann natürlich sein. Ich bin verwirrt. Die SPD stürmt die Schröder’sche Neue Mitte und bricht weiter dramatisch ein? Vielleicht hätten sie Jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Nur damit müsste man wieder mit dem Menschen sprechen und auf ihn hören. Und die SPD ist heutzutage soweit vom Menschen entfernt, wie ich von einem Abenteuerurlaub auf dem Mars.

  1. Bild hier transparent gestaltet, wer es übernehmen möchte, gerne. Urheber weiterhin natürlich Johnny. []

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9 Antworten zu “Stopp — es geht immer noch tiefer für die SPD”

  1. Ludwig sagt:

    Ohne jetzt den Artikel verlinken zu wollen meine ich mich an die Formulierung zu erinnern, dass die Forsa-Umfrage vor dem Parteitag durchgeführt wurde. Könnte jetzt also wieder anders aussehen, so 23 oder 24 % — Volkspartei eben.

  2. wilko0070 sagt:

    «In 40 Jahren entwickelte sich bei uns eine Wirtschaft von moderner Struktur und großer Leistungskraft. Dynamik und wachsende Effektivität sind für sie kennzeichnend.

    Die modernen Technologien stärken unser wirtschaftliches Potential und bieten zugleich für viele Werktätige ein interessantes Feld schöpferischer Arbeit und persönlicher Entfaltung. Das gilt insbesondere für die junge Generation. Gehört es nicht überhaupt zu den größten Errungenschaften unserer Republik, daß ausnahmslos alle jungen Leute eine Zukunft haben, daß sie nicht auf der Straße stehen müssen, ohne Ausbildung bleiben, an der Drogennadel hängen oder gar ohne Dach über dem Kopf dahinvegetieren müssen? «Der Jugend Vertrauen und Verantwortung«, das ist unsere, die bessere Weit. Wer nach Sinnerfüllung im Leben strebt, der wird den faulen Zauber, der da drüben glänzt, schnell als das erkennen, was er ist.

    Die Verbindung von Wissenschaft, Produktion und Absatz in diesen starken ökonomischen Einheiten hat sich bewährt. Auf den Weltmärkten konkurrieren viele Kombinate erfolgreich mit, eine Position, die freilich von Tag zu Tag neu behauptet werden muß.

    Durch die Arbeit des Volkes und für das Volk wurde Großes vollbracht. Auch künftig werden nicht geringe Anstrengungen notwendig sein. Neue Anforderungen verlangen neue Lösungen, und wir werden auf jede Frage eine Antwort finden. Wir werden sie gemeinsam mit dem Volk finden für unser Voranschreiten auf dem Weg des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik. (Lang anhaltender starker Beifall) [ … ]»

    Aus der Festansprache von Erich Honecker zum 40. Jahrestag der DDR am 7.10.1989
    http://www.glasnost.de/db.….ker.html

    (Ähnlichkeiten mit der Steinmeier-Rede zum Zustand der SPD wären rein zufällig.)

  3. Ludwig sagt:

    Zum Thema «Lobby in eigener Sache»: Klar sind «wir» eine. Es handelt sich um ein Thema, das uns sachlich und emotional anspricht, bei dem wir ein Interesse haben. Dieses Interesse artikulieren wir, und organisieren und zur Durchsetzung dieses Interesses.

    Was ich nie verstanden habe ist die speziell in Deutschland anzutreffenden Vorstellung, dass es sowas wie eine grundsätzliche «gute», der «Allgemeinheit verpflichtete», «selbstlose» Politik geben könne und Interessenvertretung alias Lobbyismus prinzipiel böse oder schmutzig sei. Natürlich geht es um Interessen — deren Durchsetzung oder wenigstens Ausgleich.

  4. Diplomand sagt:

    Nun, Ludwig, es gibt einerseits demokratische, partizipatorische Politik, wo von ALLEN Bürgern GEMEINSAM Interessen artikuliert, Kompromisse diskutiert und gesucht, und Vorstellungen durchgesetzt werden können. Es gibt das Gründen von Parteien, das Werben um Stimmen, das Werben für Ideen.

    Und dann gibts noch die schnelle Abkürzung für Unternehmer, Verbände, Medienmogule und PR-Heinze mit Connections ins Kanzleramt: Leihbeamte im Ministerium, Tausende Industrielobbyisten in Brüssel, Thinktank– und Symbol-Politik, die mit viel PR verkauft wird wie Zensursulas «Familienpolitik», in Medien platzierte gewünschte «Themen» («Generationengerechtigkeit» statt Gerechtigkeit etc), die INSM und ihre druckfertigen «neutralen» Artikel und Statistiken, oder die «Krisenkommunikation», wenn die Bürger die katastrophale Politik dann überhaupt nicht mehr «annehmen», die sich die Thinktanks und nicht die Bürger ausgedacht haben. Da muss man dann nur bischen mehr Werbung machen, ist da das Motto.

    Und ja, es gibt einige, die diesen Einfluß weniger, reicher und bestens vernetzter Individuen auf das demokratische Gemeinwesen nicht so prickelnd oder demokratisch finden. Andere findens eben ganz normal und meinen, Amnesty I., Greenpeace oder Mehr Demokratie und AK Vorrat seien doch irgendwie genauso. Irgendwie.

  5. noidea sagt:

    Ja, die 21% waren von vor dem Parteitag. Nach dem ganzen «Selbstgefeiere» und Reden in Schröder Tonlage halten werden jetzt hoffentlich weniger als 20% sein.

  6. Ludwig sagt:

    @ «Diplomand»: Ich nehm es dir jetzt nicht übel, aber du wirst es sicher verstehen, wenn eine Texteinleitung, die mit «Nun, Ludwig, …» beginnt, mehr als nur ein wenig hochnäsig klingt. Hast du so nicht gemeint? Das freut mich.

    Inhaltlich hast du natürlich Recht — wenn die Frage gewesen, ob es Unterschiede in den Möglichkeiten der Partizipation gibt. Aber ja, du hast es auf den Punkt gebracht. Die Frage im Post war allerdings ob wir überhaupt eine seien. Dazu habe ich Stellung genommen. Aus meiner Sicht sind wir eine, und es macht mich froh zu sehen, dass die Petition ein Anlass für eine stärkere Organisierung und Vernetzung ist. Hoffentlich nachhaltig.

    Insofern begreife ich deinen Kommentar als sinnvolle Ergänzung meiner Aussage und überlese den Ton, der manchmal die Musik macht. Gruß aus München.

  7. kloni sagt:

    Mal aus einer anderen sicht betrachtet: Als Partei als solche täte die SPD fast gut daran diesem Gesetz nicht weiter im Wege zu stehen. Also aus Sicht der Partei und rational gesehen.

    Warum genau habe ich hier mal versucht zu bergründen:

    Warum die SPD den Netzsperren schon fast zustimmen muss

    Aber klar, aus Sicht vom Internet und seinen Usern ist es traurig und emotional gesehen natürlich etwas anderes…!

  8. SZenso sagt:

    Zensur…

    Heute hat der Bundestag das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen verabschiedet gegen den sich im Netz ein heftiger und nachhaltiger Protest formiert hatte. Der Protest gegen die geplante und nun realisierte Sperrung von.…

  9. […] Leitbilder ausgesucht. Chris von F!XMBR, zum Beispiel. Er  orakelte noch vor kurzem  “Stopp – es geht immer noch tiefer für die SPD”.  Und siehe da, es ward wirklich so: Die SPD will, ebenso wie die Weltwirtschaft, in ihrem […]

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