Steuersenkungen für F!XMBR-Leser

Nachdem immer mehr klar wird, dass die sogenannten Aufschwung nicht bei den Menschen ankommt, verfällt die Politik immer mehr in Panik. Und wie das im neoliberalen Lager so ist, werden Steuersenkungen gefordert — natürlich für die Menschen. Mehrere Unionsabgeordnete, die FDP sowieso, fordern eine Senkung der Lohnsteuer. Den Satz, die Menschen müssen netto mehr in der Tasche haben, gab es in den letzten Wochen in allen Ausführungen zuhauf zu hören. Bei Guido Westerwelle zum Beispiel scheint das Band defekt zu sein, spielt es doch seit Jahren den gleichen Text ab. Wenn ich auch selten einer Meinung mit ihm bin, so ist Philipp Rösler durchaus ein erfrischender Liberaler, mit dem man sich sogar argumentativ auseinander setzen könnte. Das soll hier aber nicht das Thema sein. Eine kleine Aufgabe für Euch und als Argumentationshilfe gedacht: Bald ist Monatswechsel. Schaut dann doch alle mal auf Eure Gehaltsabrechnung und lest nach, wieviel Lohnsteuer Ihr bezahlt — und rechnet dort mal eine mehr als großzügige Lohnsteuersenkung von 5% ab. Um ganz korrekt zu sein, müsste man das gesamte Jahr sehen und den Lohnsteuerjahresausgleich mit einbeziehen. Das hättet Ihr dann mehr in der Tasche, wenn Union und FDP sich um Euer Wohl sorgen. Wieviel dann wohl Rene Obermann, Josef Ackermann & Co. mehr in der Geldbörse haben?

Nur ein kleiner Tipp, zu mehr kann ich mich heute nicht aufraffen, falls irgendwer auf der Nettowelle mitschwimmen will. Wir sind Peanuts.

12 Antworten zu “Steuersenkungen für F!XMBR-Leser”

  1. Mathias sagt:

    Kam vorgestern ein netter Kommentar in ZDF (Die Anstalt): Was nützen geringere Steuern dem kleinen Mann? Nichts! Sie dienen nur der oberen Schicht. Die Lohnnebenkosten müssen verringert werden.

    Von einem öffentlich rechtlichen Sender mal ne ganz neue Seite 😉

  2. Bogus sagt:

    Hmmm .. die Anstalt ist ein Clone vom Scheibenwischer. Wobei der neue Scheibenwischer in die Tonne schmessen kannst. Da war Hildebrandt mir um einiges lieber. Er war kantiger und brachte alles mehr auf einen Punkt. Die «neuen» umschreiben alles so schön schwammig, nur nicht anecken ist die Devise.

    Kabarettisten sidn auch nicht mal das was sie waren, wenn ich an Hüsch denke. Der nicht immer politisch war, aber halt sehr schöne Geschichten erzählte und darin auch ein bisschen Gesellschaftskritik leistete. Die «neuen» kommen eher auf die lustige Art daher und ziehen alles ins lächerliche. Ausser die Mittagsspitzen, sehe ich keine gute Sendung, die das rüber bringt, was Kabarett ausmacht.

  3. Franz sagt:

    O nein, bitte nicht schon wieder eine «Senkung der Lohnnebenkosten»! Wie viele Milliarden und Abermilliarden sollen den Arbeitgebern denn noch hinterher geworfen werden?
    Wenn der «Aufschwung» bei den «Menschen» nicht ankommt, dann heißen die Stichworte Niedriglohnsektor und Lohnzurückhaltung. Wenn die Politik etwas für die «Menschen» tun will, dann könnte sie mit einem gesetzlichen Mindestlohn anfangen.

  4. Mathias sagt:

    Ich bin kein Freund von Mindestlohn. Der Grund ist banal: ich denke, dass folgende Bezahlung optimal aus beider Sicht ist:

    1. Grundlohn. Der sollte wirklich nur sicherstellen, dass das Überleben auch in schlechten Zeiten möglich ist.

    2. Garantierte prozentuale Gewinnbeteiligung.

    Mindestlohn finde ich bei großen Konzernen sicher nicht dumm, weil große Konzerne oft das Augenmaß verloren haben. Ein gesetzlicher Mindestlohn trifft aber dummerweise nicht nur die großen, sondern auch mittlere und kleine Unternehmen. Und hier finde ich das «festes Gehalt»-Prinzip an sich fragwürdig.

  5. Oliver sagt:

    >Ein gesetzlicher Mindestlohn trifft aber dummerweise nicht nur die großen, sondern auch mittlere und kleine Unternehmen. Und hier finde ich das “festes Gehalt”-Prinzip an sich fragwürdig.

    Das kommt davon wenn man die Praxis nicht kennt und die funktioniert derart, große Konzerne lagern schon seit langen Zeiten viele ihrer regelmäßigen Arbeiten in Fremdfirmen aus. Dort werden Arbeiter zu Hungerlöhnen beschäftigt, da diese Konzerne eine Ausschreibung vornehmen und eine gewisse Summe bezahlen. Diese Summe ist in der Regel äußerst knapp kalkuliert und zwingt u.a. diese Fremdfirmen Arbeiter mittels Dumpinglöhnen zu beschäftigen. Ist auch kein Problem, denn letztere sind oft recht klein und unauffällig.

    Und es ist somit auch gut wenn es mittlere und kleinere Unternehmen trifft, denn diese treiben oft genug, wenn man sich umschaut, den größten Schindluder mit ihren Leuten, wohl wissend das man mehr großen Konzernen wie Siemens, Telekom, Ford, Michelin und Co die mediale und staatliche Aufmerksamkeit schenkt. Der sogenannte Mittelstand in Deutschland mag desöfteren arg gebeutelt sein, gleichermaßen ist es auch jener der seit Jahrzehnten schon die Arbeitnehmer gegenüber jenen in der Großindustrie leistungstechnisch überstrapaziert (Überstunden, Montage etc. pp) und minimal entlohnt. Desweiteren mag es zwar so mancher Firma schlecht gehen, aber selbst nach einem Konkurs konnten die meisten wieder neu durchstarten und es sich auch zwischenzeitlich privat gut gehen lassen. Fällt nicht so auf, aber in ländlichen Gegenden kennt man seine Spezies :)

  6. Bogus sagt:

    > 1. Grundlohn. Der sollte wirklich nur sicherstellen, dass das Überleben auch in schlechten Zeiten möglich ist.

    Was verstehst du darunter ? «Schlechte Zeiten» kann alles sein, das kann sein das du Alkoholiker bist und keine Wohnung bekommst oder halt das ein Grossverdiener Insolvenz beantragen muss, aber trotzdem noch geld genug hat, weil er es auf einer Schweizer Bank gepackt hat.

  7. Mathias sagt:

    Darunter versteh ich das Gehalt, das auch dann ausgezahlt werden muss, wenn es derzeit die Auftragslage nicht hergibt. Die Firma muss hierfür einen entsprechenden Teil natürlich zurückgelegt haben, was auf der anderen Seite den Gewinn schmälert. Jedoch sollte diese Rücklage gesetzlich verankert sein. Soll heißen: es ist festgelegt, wie viel Prozent zurückgelegt werden müssen und es ist festgelegt, dass dieses Geld für nichts anderes verwendet werden darf.

    Man könnte in der Politik ja zweigleisig fahren: entweder das Unternehmen entscheidet sich für das Mindestlohn-Modell, oder es entscheidet sich für diese Gewinnbeteiligung.

    Klar ist, dass man manche Unternehmen offensichtlich zu ihrem Glück zwingen muss. Andere Unternehmen sind aber äußerst fair zu ihren Mitarbeitern, die sollte man nicht durch Überregulierung bestrafen.

    Und: ich arbeite in einem großen Konzern und sehe auch dass die Arbeiten teilweise nach außen verlagert werden. Ich sehe aber auch, dass manche beauftragte Firmen ihre Mitarbeiter sehr fair bezahlen. Die Frage ist also: wie zwinge ich Firmen zur fairen Behandlung. Und hier glaub ich einfach nicht, dass es nur einen Weg gibt.

  8. Oliver sagt:

    >Andere Unternehmen sind aber äußerst fair zu ihren Mitarbeitern, die sollte man nicht durch Überregulierung bestrafen.

    Kann man das überhaupt durch eine solche Regulierung? Sprich wenn ich anständig zu meinen Mitarbeitern bin, was sollte mich dann ein Mindestlohn kümmern? Oder bedeutet Anständigkeit etwa beispielsweise eine zweite Frühstückspause?

  9. Mathias sagt:

    Nein, «anständig» in Form von Verhalten, Motivation, Schulungs– und Fortbildungsmöglichkeiten und eben auch Bezahlung.

    Ein Mindestlohn ist in der Hinsicht ein Problem, weil niemand garantieren kann, dass die Firma immer volle Auftragsbücher hat. Was ist also, wenn es aufgrund von nicht planbaren Kosten (Brand, Überschwemmung) dazu führt, dass für einen mittleren Zeitraum (sagen wir ein Jahr) nicht die volle Arbeitskapazität gefahren werden kann, weil zum Einen Material wiederbeschafft werden muss, zum Anderen Arbeit wiederholt werden muss. Dadurch vermindert sich der Gewinn, die Firma kann unter Umständen nicht alle Mitarbeiter mit dem Mindestlohn bezahlen — auch wenn sie möchte.

    Hier ist Mindestlohn einfach unflexibel! Bei großen Konzernen egal, die haben genügend Kapazitäten. Aber was ist mit den kleineren? Sollen die sich auch solche Überschüsse für solche Fälle anlegen? Dann bekommen die Mitarbeiter eine unfairere Bezahlung, weil ihre Arbeit eigentlich mehr Wert ist.

  10. Oliver sagt:

    >Schulungs– und Fortbildungsmöglichkeiten

    Das sollte man nicht als besonderes Entgegenkommen akzeptieren, denn letztendlich nützt das einer etwaigen Familien überhaupt nichts und dient erst einmal der Qualitätssteigerung einer Firma.

    >die Firma kann unter Umständen nicht alle Mitarbeiter mit dem Mindestlohn bezahlen — auch wenn sie möchte.

    Und die Mitarbeiter können eventuell nicht mehr ihre Miete zahlen bzw. ihren sonstigen Verpflichtungen nachkommen.

    >Aber was ist mit den kleineren?

    Soll der Staat halt Firmen die derart mies dran sind unter die Arme greifen, denn gemäß deinem Konzept macht man es schon. Wenn die Firma nicht den Mindestlohn zahlen kann, muß in vielen Fällen der Staat diesen Malus kompensieren, damit wiederum die kleine Firma profitiert. Besser ist es der Staat kümmert sich initial auch um die Firmen und sieht sogleich wo der Hase läuft, es ist ja auch kein Problem Menschen die Hartz4 beziehen von A-Z zu durchleuchten.

    Ich sehe hier keine Problematik, sondern nur etwaige Denkfehler bzw. Ausflüchte, wenn man eventuell selbst als kleine Firma betroffen ist.

  11. Grainger sagt:

    1. Grundlohn. Der sollte wirklich nur sicherstellen, dass das Überleben auch in schlechten Zeiten möglich ist.

    Überleben ist ein relativer Begriff, solange ausreichend ernährungsphysiologisch korrekte Nahrung zur Verfügung steht (sonstige Qualität ist zweitrangig), Flüssigkeit (sauberes Trinkwasser reicht aus, alles darüber hinaus ist zum Überleben nicht notwendig) sowie ein trockener und halbwegs sauberer Platz zu Schlafen vorhanden ist dürfte das Überleben gesichert sein.

    Dieser Ansatz ist sicher absolut minimalistisch (von Menschenwürde gar nicht zu reden), aber wo fängt man an und wo hört man auf?

    Juristisch nennt man solche Begrifflichkeiten wohl «unbestimmte Rechtsbegriffe», die immer der Auslegung bedürfen und oft für jahrelange (manchmal jehrzehntelange) gerichtliche Streitigkeiten Sorge tragen.

    2. Garantierte prozentuale Gewinnbeteiligung

    Der Gewinn ist vielfältig steuerbar, ein Unternehmen kann finaziell hervorragend dastehen und (zumindest finanzbuchhalterisch) absolut keinen Gewinn machen.

    Man kann Rücklagen bilden, außergewöhnliche Abschreibungen buchen, Verlustvorträge für kommende Jahre vornehmen, bei multinationalen Unternehmen Verluste der Niederlassungen im Ausland mit Gewinnen im Inland verrechnen, die Managergehälter bzw. Unternehmerlöhne drastisch erhöhen, mehr Dividende auszahlen, usw.

    All das schmälert den Gewinn erheblich, alle anderen kassieren ab und nur der Arbeitnehmer sieht von seiner Gewinnbeteiligung gar nichts.

    Eine Gewinnbeteiligung ist mit das dümmste, was ein Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber vereinbaren kann.

    Wenn schon, dann bietet sich viel eher eine Umsatzbeteiligung an, der Umsatz ist bilanztechnisch viel weniger beeinflußbar als der Gewinn.

  12. Sven sagt:

    an herrn rösler finde ich nichts erfrischend. sicher kommt er nicht so steif im interview mit der sz daher, wie mancher parteifreund, aber weder sind die liberalen alle bürgerrechtler noch ist es seine sache, die spd mit tipps zur k– oder zur p-frage zu versorgen. ausserdem würden die h4-ler dieser republik auf flotte sprüche wie «freiheit bedeutet risiko» sicher gern verzichten.

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