Stefan Niggemeier — Bildleser, 9Live-Zuschauer und Yahoo-Werbeträger

Das Selbstverständnis von der kommerziellen Webseite bildblog.de: Wir machen tagesaktuell sachliche Fehler, Sinnentstellendes und bewusst Irreführendes in der aktuellen Berichterstattung von Europas größter Tageszeitung ebenso öffentlich wie Persönlichkeitsrechtsverletzungen und andere journalistische Unzulänglichkeiten. Ich denke schon, dass man dies — warum sollte es anders sein — auch auf die kommerzielle Webseite des Journalisten Stefan Niggemeier anwenden kann — dort befasst er sich mit so transparenten Fernsehsendern wie z. B. 9Live und auch anderen Medien. Über die meiner Meinung nach einfache Welt des Stefan Niggemeier hatte ich schon geschrieben, ebenso über seine Methoden mit Kritikern umzugehen mit Hilfe der netten Leuten vom Spiegel — und auch der Don hatte zum lustigen Textvergleich geladen. Heute zeigt Stefan Niggemeier meiner Meinung nach mal wieder sein wahres Gesicht.

Auf seiner kommerziellen (privaten) Webseite veröffentlichte Stefan Niggemeier heute einen Text über Don Alphonso — der unterm Strich den Methoden der Bild gleichkommt. Von den vier von ihm gebrachten Zitaten gibt er drei gekürzt, dadurch und durch seine eigenen Kommentare, gibt er die Aussagen sinnentstellend wieder. Er führt damit bewusst seine Leser, die man in diesem Zusammenhang auch mit den Lesern der Bild vergleichen kann, in die Irre — er schickt praktisch den Mob los, wie es die Bild immer gerne macht.

Das tut Stefan Niggemeier wohl sehr gerne, mit Begriffen wie Blutrausch, Schreihälse oder auch Hysteriker ist er schnell bei der Hand — diese Worte könnten aus der Schlagzeile von Europas größter Boulevardzeitung stammen. Er ist sich nicht mal zu schade, diese Worte in einem Spiegel-Interview zu gebrauchen. Man kann meiner Meinung nach sagen, Stefan Niggemeier nutzt sie mittlerweile inflationär. Der nette Herr Niggemeier reißt seinen Mund schnell auf, doch wenn es um die Mauschelei Vetternwirtschaft beim GOA ging, so sollte man doch die Kirche im Dorf lassen, so das ehemalige Jurymitglied des Adolf-Grimme-Preises. Was für ein Faß der Bildleser Stefan Niggemeier wohl aufgemacht hätten, wenn es diese Ungereimtheiten bei einem Bildgewinnspiel gegeben hätte? Ob er da auch die Kirche im Dorf gelassen hätte?

Der Artikel Stefan Niggemeiers ist so durchschaubar, wie die Dessous meiner Ex. Die zeigten auch mehr als sie verbargen. Nicht nur, dass er mit diesem Methoden wohl in der Bildredaktion einen Schreibtisch bekommen würde, er will wohl schlicht und einfach einen Nebenkriegsschauplatz eröffnen. Er will offensichtlich ablenken vom GOA, die Vetternwirtschaft dort und die fällige Umstrukturierung, sodass da diverse Herrschaften sich nicht mehr die Preise zuschieben oder per Laptop-Verlosung kaufen können. Wenn die Öffentlichkeit in den nächsten Monaten da nicht ein wenig gegensteuert, wird alles beim Alten bleiben.

Insbesondere möche er aber wohl ablenken vom Thema Yahoo. Stefan Niggemeier ist Werbeträger von Yahoo, einem Unternehmen welches auf Menschenrechte nicht allzuviel gibt, ein Unternehmen, welches Dissidenten an totalitäre Regimes ausliefert, ein Unternehmen, welches Zensur in Deutschland massiv fördert — das alles natürlich nur um die jeweiligen Gesetze in den unterschiedlichen Ländern zu befolgen. Die Ausrede von diversen anderen Yahoo-Werbeträgern, man hätte ja von nichts gewusst, ist als lächerlich zu werten. Vor ein paar Wochen erst lief die Diskussion rund um Cisco, in dieser Diskussion gab mehr als genug Links, die auch das Thema Yahoo beinhalteten.

Stefan Niggemeier zeigt gerne mit dem Finger auf andere Medien und zeigt deren Unzulänglichkeiten auf — passiert das gleiche aber mit seinen Publikationen, macht er dicht, möchte am liebsten Sachen totschweigen, er eröffnet Nebenkriegsschauplätze und bedient sich der Bildmethoden. Stefan Niggemeier ein potentieller Bildredakteur? Nein, aber ein Journalist, der wenn es ihm in den Kram passt, wohl Bildmethoden anzuwenden weiß. Das im Übrigen merken mittlerweile dann doch auch Teile seiner Leserschaft. Auf seinen letzten Hilferuf in den eigenen Kommentaren (Kommentar #192), doch bitte den Don zu bashen, passierte genau das Gegenteil. Die kritischen Stimmen zum Journalismus waren in der Überhand, so dass er die Kommentare abgestellt hat (Kommentar #200). dante hat das bei lanu perfekt zusammengefasst :

Niggemeyer kapituliert…
… er macht seinen Beitrag dicht.

Wenn man alle in sein Blog einlädt und nichts mehr zu sagen hat (Yahoo, GOA, …) ist die Party wohl vorbei.

Journalisten sollten keine Partys geben — jedenfalls nicht, wenn sie keine Heavy-Metal-Fans mögen!

Weichspüler!

16 Antworten zu “Stefan Niggemeier — Bildleser, 9Live-Zuschauer und Yahoo-Werbeträger”

  1. dante sagt:

    Das war nicht der hockeystick …

  2. Chris sagt:

    Autsch… 😀

  3. tontechniker sagt:

    Den selben Gedanken hatte ich als ich den Beitrag das erste mal gelesen habe … Niggemeier nimmt zum einen den GOA an und wirbt zum anderen mit Yahoo. Gerade da ist Verteidigung schwierig. (Vielleicht noch ein mal «die Kirche im Dorf»?) Dann liest man irgendwo das Don sich gegen Worte verteidigt die durchaus noch negativer interpretiert werden können, haut kräftig drauf los und schon ist für alle Bildblog-Niggemeier–Spreeblick–Leser wieder alles in Ordnung.

  4. Don Alphonso sagt:

    Das liegt halt auch an den engen Bindungen der Leute untereinander. Ich mache mir demnächst mal die Mühe und schreibe auf, wie und wo die überall zusammenstecken. Eine Art Hilfsgemeinschaft, beruhend auf Gegenseitigkeit: Greift man Adical an, empört sich der Niggemeier und der Freund der Schwester vom Schwenzel. Und so weiter.

  5. Don Alphonso sagt:

    Oops, peinlich, das mit der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit ist natürlich keine Anspielung auf die fast gleichnamige Verbindung von Ex-SSlern. Nicht, dass es wieder heisst, ich würde vage drohen. ich drohe nicht vage. ich drohe eigentlich überhaupt nicht mehr, wenn ich mir das recht überlege.

  6. D. J. sagt:

    Vor ein paar Wochen dachte ich noch: man kann es auch übertreiben. Mittlerweile stelle ich fest, daß ihr fast immer richtig liegt. Von einem Kopfschüttler zu einem Stammleser, und das nur in ein paar Wochen. Glückwunsch.

  7. ralphs sagt:

    Ihr hattet hier mal auf ein tagesthemen-video über die Verleihung des GOA hingewiesen. Ich kann mich auch täuschen, aber ich sah doch einen Haufen hochbestätigter Eitelkeit und Triumpf in manchen Gesichtern.

    Dass es Herrn N. nicht peinlich war, zuerst die Annahme des Preises laut in Zweifel zu stellen, um ihn dann auf der Verleihung so unendlich befriedigt entgegenzunehmen, hat mich doch gewundert.

  8. Martina sagt:

    Angriff ist immer noch die beste Verteidigung, sagte auch schon Szi-Zhu. Ach ja, und Ablenken bzw. Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen, auch. 😉 Man sollte einfach mal die Texte gelesen haben… Anschließend empfiehlt sich das Buch «Der Fürst» von Macciavelli

  9. Thomas sagt:

    Ich find die Grabenkämpfe im Kleinbloggersdorf interessant. Da werfen Leute anderen Methoden vor, die sie selbst pflegen und beklagen enge Bindungen, die sie selbst haben. Ist das nicht irgendwann alles ziemlich mühsam? Das geht jetzt gegen niemand. Ich wunder mich nur, wieviel Zeit man investiert um sich gegenseitig mit Herzenslust anzusticheln — und wozu? Nix für ungut. Gute Nacht allen.

  10. Chris sagt:

    Naja, hier gehts ja nicht um einen Blogger, hier gehts um einen Journalisten, Thomas. Einen Journalisten, der u. a. Unterstützern des chinesischen Mörderregimes eine Werbeplattform bietet.

  11. Oliver sagt:

    Mit derlei Relativierungen kann man sich wohl überall wohl fühlen und muß nie wirklich Farbe bekennen — man hebt das immer für die «wichtigeren» Dinge auf. Auch eine Möglichkeit. Mich interessiert zwar nicht wirklich alles, insbesondere nicht Personen mit denen ich nichts zu tun habe, aber es ist doch immer bewundernswert wie leicht es sich einige machen.

    Der Bildblogger geht mir ehrlich gesagt sonst wo vorbei, da ich weder Bild lese, noch jemanden brauche der mir Bild «erklärt». Welche Spielchen da jedoch getrieben werden habe ich logischerweise hier mitbekommen und gut finde ich es bestimmt nicht. Jedem nicht-Blogger dem ichs zeigte ergings ebenso.

  12. Yehuda sagt:

    @Oliver + Chris

    In dieser ganzen Debatte, fehlen mir bisher zwei Standpunkte:

    Standpunkt 1 — Geschäftsbeziehung Publisher/Vermarkter
    Wenn man seine Webpräsenz (Portal, Weblog, tec.) durch eine professionell agierende Agentur vermarkten lässt, geht man eine an Verträgen gebundene Geschäftsbeziehung ein, Pflichten und Rechte eingeschlossen. I.d.R. bindet man den Werbetag des Vermarkters ein, über diesen lässt dann die Agentur die entsprechenden Werbemittel einblenden/rotieren.
    Nun müsste man wissen, ob der Publisher — vertrags– bzw. absprachenkonform — die Möglichkeit hat, einzelne Werbemittel und/oder die dazu gerhörenden Werbenden abzulehnen…Hier stellt sich die Frage nach Vertragserfüllung vs. moralische Aspekte. Was mich zum zweiten Punkt führt

    Standpunkt 2 — Die moralische Integrität der Werbetreibenden
    [Disclaimer: Als ehemaliges Ostblock-Kind und Betroffener, halte ich nichts von Kommunisten, Terrorregimes und Seelenverkauf an Behörden]
    Legt man das Verhalten einiger Großunternehmen zugrunde, dürfte man als Publisher kaum noch Werbung akzeptieren, denn Vodafone und seine 50 Mrd. Steuerersparnis anlässlich des Mannesmann-Verkaufs, oder der derzeitige Umgang von Telekom mit den Miatarbeitern, oder die Milliarden «Steuerersparnisse» des VW-Konzerns durch die Abwicklung ihrer Finanzen durch eine belgische BV-Holding, etc., etc. sind mehr als diskutabel und für die finanzielle Schieflage im Gesundheits-, Bildungswesen dieses Landes, etc. mit verantwortlich.
    Durchleuchtet man aufmerksam die Hintergründe der Unternehmenspolitik vieler Großunternehmen, lassen sich jederzeit ethisch-moralisch verwerfliche Handlungen feststellen.
    Meine Frage: Wer darf angesichts dieser Situation überhaupt noch werben? Mittelständler und Kleinunternehmen? Wer?

    Und wer entscheidet darüber, ob Yahoos Seelenverkauf — moralisch gesehen — «schlimmer» ist oder nicht als Massenentlassungen, Konsumentenverarschung und bewusstes Ausnutzen eines maroden Steuersystems?

    @Oliver
    Dies ist keinesfalls eine Relativierung der Untaten von Yahoo, ich frage mich lediglich, ob der erhobene Zeigefinger mit Bezug auf ethisch-moralische Beurteilungskriterien bei der Einbindung von Werbemitteln, der richtige Maßstab ist…

  13. Oliver sagt:

    Kommt drauf an wie man Werbung betrachtet, auch dazu schrieb ich *allgemein* eine Menge in anderen Texten dazu und für mich ist Werbung in der heutigen Form ein no-go, ein amoralischer Aspekt. Und wenn ich Geld nehme von Firmen die derart arbeiten, nun letztendlich muß es jeder mit sich selbst ausmachen, aber auch mit dem Tadel anderer Leben.

    >Und wer entscheidet darüber, ob Yahoos Seelenverkauf — moralisch gesehen — ?schlimmer? ist oder nicht als Massenentlassungen, Konsumentenverarschung und bewusstes Ausnutzen eines maroden Steuersystems?

    Der gesunde Menschenverstand. Oder möchtest du eine Entlassung hier gleichsetzen mit den Zuständen in der Volksrepublik? Btw. zur «Konsumentenverarschung» gehört bei mir hier in erster Linie die Werbung. Würde ich wählen können würde ich immer noch die Verarschung hier nehmen als in der Volksrepublik zu leben. Braucht man eigentlich nicht drüber zu diskutieren!

    >Durchleuchtet man aufmerksam die Hintergründe der Unternehmenspolitik vieler Großunternehmen, lassen sich jederzeit ethisch-moralisch verwerfliche Handlungen feststellen.
    Meine Frage: Wer darf angesichts dieser Situation überhaupt noch werben? Mittelständler und Kleinunternehmen? Wer?

    Du möchtest Antworten? Gut das erfordert Arbeit, denn in diesem Blog finden sich zahllose Artikel dazu, allgemeiner oder auch spezieller Natur — Differenzierung inklusive. Es erfordert schon ein großes Maß an Dreistigkeit, hier noch einmal die Aufrollung dieser Dinge zu verlangen.

    >In dieser ganzen Debatte, fehlen mir bisher zwei Standpunkte:

    Ächz es fehlt überhaupt nichts. Nur wir sind eben keine Journalisten, die mal irgendwo eine Schlagzeile rausfeuern, sondern Menschen die denken und gerne schreiben. Die Einträge hier bauen also aufeinander auf und ja es ist viel zu lesen, wer es nicht mag braucht jedoch auch nicht vorschnell zu urteilen.

    Sprich es ist alles vorhanden, man muß nur wissen wie man die Blogsuche nutzt.

  14. Yehuda sagt:

    @Oliver

    Es erfordert schon ein großes Maß an Dreistigkeit

    Wohl kaum. Ich vertrete nur die Meinung, «Wer unter Euch ist ohne Fehler, der werfe den ersten Stein». Und im Rahmen dieser Debatte, fliegen mir einfach zu viele Steine durch die Gegend.

    Nur wir sind eben keine Journalisten, die mal irgendwo eine Schlagzeile rausfeuern, sondern Menschen die denken und gerne schreiben.

    Eure Standpunkte — ob man ihnen beipflichten will oder nicht — sind auch der Grund, warum ich hier gerne lese. In der Debatte um Yahoo-Werbung, sind mir einige Aussagen zu «vorgefasst», was allerdings durch das Schweigen im Walde bei den Betroffenen, begünstigt wird. Wohlgemerkt, man braucht nicht über Yahoos Untaten zu diskutieren, es geht um die Akzeptanz deren Werbung auf Seite der Publisher…

    Oder möchtest du eine Entlassung hier gleichsetzen mit den Zuständen in der Volksrepublik?

    Ich setze nichts gleich, ich habe lediglich die Frage gestellt, welchen Spielraum es für eine etwaige «moralische Kategorisierung» von Werbetreibenden gibt und wer die Maßstäbe hierfür festlegt…
    Ich habe selbst mit Terrorregimes einige schmerzhafte Erfahrungen machen müssen, allerdings würde ich mir im oben genannten Fall nicht anmaßen, Richter zu spielen…

  15. Chris sagt:

    Amen und auf wiedersehen — diesen ganzen relativierenden Blödsinn haben wir schon mehrfach durch…

  16. Oliver sagt:

    Was für ein Schrott, weil ich mal «böse» Wörter schreibe, bin ich auch gleichzusetzen mit irgendeinem el presidente in einer Bananenrepublik — macht echt meinen Tag. Ich hoffe da kommen zukünftig nicht noch seltsamere Anwandlungen.

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