Stasi 2.0, Schäublonen: wir werden alle verblödet

Schäublone, Stasi 2.0, SSchäuble, … whatever, vielerlei Vergleiche vernimmt man im Netz tagtäglich. Schäuble, der Bundestrojaner sind die Schlagwörter schlechthin, dazu hahnebüchene Vergleiche zu schrecklichen Epochen deutscher Geschichte. Mir sind Praktiken wie Polemik bzw. Vergleiche anhand identischer Merkmale nicht fremd, das keinesfalls, aber die Sau die hier durchs virtuelle Dorf getrieben wird, nennt sich Worthülse. Inhaltsloses Gebrabbel, von Netcitizen A initiiert, von Netcitizen B katalysiert, von Netcitizen C .. X weitergetragen. Überall ob in der Virtualität oder der viel gerühmten Realität betreibt man diese Hexenjagd, nein man erkennt nicht die Makel des Systems und tadelt diese, man jagt eine einzelne Person und deren Hirngespinst.

Problem bei der Sache, nebenher geschehen eine Menge anderer Dinge, eine Menge Dinge die Rechtsstaatlichkeit tatsächlich unlängst ad absurdum führten bzw. führen. Diese sieht man jedoch nicht, denn man hat die Scheuklappen in Form der Schäublonen angelegt und ist auf das Feindbild programmiert. Man haßt diese eine Person, man versteht jedoch kaum die Zusammenhänge die da tatsächlich wirken in diesem Staat. Man bemerkt z.B. überhaupt nicht, das die anderen Parteien, jene die zu der Union in Konkurrenz stehen, das Anliegen der Bevölkerung geschickt instrumentalisieren für die eigenen perfiden Absichten — Wahlkampf, Machterhalt. Da werden neuerdings die gleichen hohlen Tiraden von der Kanzel gen Schäuble geschmettert, wie beim Volk usus, da zieren sich manche Jungparteien mit Schäublonen und nicht zu vergessen das Grünzeug, welches mit derlei Blödsinn beinahe wie Unkraut innerhalb der Jugend wuchert, ist an forderster Front dabei — immer und überall.

Ziel ist es dem politischen Gegner zum Wanken zu bringen, das Gros der Terrorbekämpfung, die Schäuble teils nur mehr oder weniger geschickt spezifiziert, verdanken wir der Rot/Grünen Herrschaft, sowie der ersten großen Koalition und deren Notstandsgesetze. Das Grundgesetz wird einem dann entgegen geschmettert, Artikel 1 und manchmal auch Artikel 20 (4), den einige geistige Tiefflieger hinter vorgehaltener Hand als Tyrannenmord interpretieren. Letzteren Absatz verdanken wir der Existenz des Notstandsgesetzes und einer wirklich aufgeschlossenen Bevölkerung, die das negative Potential erkannte, welches innerhalb dieser Gesetze lag und auch heute noch liegt. Diese Gesetze übrigens sind nicht Gesetze profaner Natur die vom GG überschattet werden, sondern sie sind Bestandteil des Grundgesetzes, von welchem das Gros der Bevölkerung jedoch nur die beiden genannten Artikel kennt. Und das auch nur weil man die Information darüber x-fach im Netz verbreitete — als Schablone. Artikel 10, 11, 35, 37 sind gänzlich unbekannt und ja diese Artikel sind interpretierbar und in diesem Dilemma befinden wir uns eben nun.

Aber eben dieses Dilemma ist kein Anlaß, um einen erneuten Hexenprozeß zu gestalten, quasi ein Malleus Maleficarum 2.0, um mich auch mal der Web 2.0schen Superlativen zu bedienen. Dieses Dilemma wäre ein probater Anlaß sich mit eben dieser Geschichte Deutschlands und der politischen Zusammenhänge in diesem unserem Lande eingehend zu beschäftigen. Das System ist das Problem nicht ein Vertreter jenes Apparats. Würde Schäuble tatsächlich ob dieser initiierten Hexenjagd weichen, so wäre nichts gewonnen, doch der Mob hätte Genugtuung. Es besteht jedoch kein Zweifel darin das diese Dinge kommen werden, mit oder ohne Schäuble, die großen Parteien, inkl. dem Gemüse, können sich in der Regel fast alles vorstellen: Kriege, Überwachung etc. etc., nur die rechtsstaatlichen Vorraussetzungen müssen stimmen. Einfach, nicht wahr? Und diese Mär glaubt Volk, die Hexenjagd aufgrund von einigen Worthülsen war schon immer usus in diesen Gefilden. Im Zeitalter der historischen Hexenjagden manifestierte sich deren grausliches Ausmaß zum Gros eben in diesen Gefilden, von Deutschland gingen zwei Weltkriege aus und Deutschland vernichtete auch Menschen, weil sie eben nicht in den Masterplan der debilen Herrenrasse paßten. Deutschland ist ganz groß in puncto bullshit, kaum zu glauben das jemals ein Mensch diesem Land den Titel das Land der Dichter und Denker gab, das Land der Richter und Henker hat bis heute noch seine Gültigkeit.

Und nein ich sehe Schäuble nicht als irgendeine Art von Opfer, ich sehe jedoch die Tendenz beim Volk und eben diese bereitet mir mehr Angst als die Hirngespinste eines einzigen Mannes. Tendenzen kann man überall beobachten, bei Politikern und auch beim Volk.

Es geht auch gar nicht darum, ob man nun Schäuble mag oder nicht, ob Stoiber dies oder jenes ist, es dreht sich alleinig um das System und wie dieses funktioniert. Während wir uns hier der Schäublephobie ergeben und willig der science fiction in puncto Bundestrojaner lauschen, werden Mobiltelefone mehr und mehr überwacht, Tor-Server-Betreiber eingeschüchtert, Demo-Besucher genötigt usw. Während wir hier über den Bundestrojaner fabulieren, kann jegliche Verbindung doch schon heute mittels der profanen Tk-Überwachung abgegriffen werden, denn das Gros der Marktschreier schützt sich überhaupt nicht, bei denen braucht man keinerlei Trojaner.
Da werden Mails unverschlüsselt versendet, da werden Instant-Messenger genutzt die im Klartext über Firmenserver Informationen austauschen, da wird sich unter Windows beispielsweise auf die Effektivität von Personal Firewalls verlassen, da geht jede Verbindung zum Netz im Klartext von Server zu Server, da werden bereitwillig Daten in schönster Web 2.0 Manier verteilt, meist noch zentralisiert. Man braucht also keinen Trojaner auf euren Rechnern, alle Mittel sind schon vorhanden, um die Information abzugreifen, wenn sich diese auf den Weg durchs große, weite Netz machen. Das eben ist die Realität.

Mit Chris sprach ich gestern drüber und ja diese eingangs erwähnten Worthülsen bringen Quote. Man ist hipp, man ist dabei, man kann an diesem demokratischen happening teilhaben und fühlt sich danach so richtig als Demokrat und glänzt inmitten der Menge. Das mag ja das eigene Ego bestärken und auch vielen Hits auf dem Server dienen, aber verschwendet auch nur ein einziger jemals einen Gedanken bezüglich der Wirksamkeit bzw. gar Nachhaltigkeit bei diesem demokratischen Aktionismus? Ich denke nicht, es ist eben eine profane Hexenjagd, ein Wettbewerb um die coolste Worthülse, um die dickste Polemik? Sicherlich Polemik kann(!) Aufmerksamkeit erheischen, um somit effektiv auf den eigentlichen Inhalt zu lenken, doch eben dieser Inhalt wird im Netz sträflichst vernachlässigt. Ergo folgt daraus auch keine Wirksamkeit, kein Echo in der Bevölkerung und erst recht keine Nachhaltigkeit.

Und wer sich über das Nichtvorhandensein von Verlinkungen wundert, dieses mal nicht. Hier im Blog bzw. drüben auf .get privacy schrieben wir eine Menge Dinge dazu, anfangs auch mal explizit zu Schäuble, oft gespickt aber mit einer Fülle weiterführender Informationen.

Laßt euch nicht von Wortschablonen verblöden, nutzt die Freiheit selbstständig zu denken. Nutzt doch einfach mal diese Freiheit, um die ihr vorgebt zu kämpfen. Schablonen sind keine Freiheit, Schablonen sind Ausdruck freiwilligen Verzichts auf Freiheit, der Freiheit selbständig zu denken und zu handeln. Ich hier denke nur und tadele andere, ich schränke nicht eure Freiheit ein, weil ich meine unbequeme Meinung äußere. Das erledigen andere, nur das bekommt ihr nicht mit bei eurer Hexenjagd. Politiker instrumentalisieren euch, ebenso wie viele große Blogs …

O fortunatos nimium, sua si bona norint, agricolas.

18 Antworten zu “Stasi 2.0, Schäublonen: wir werden alle verblödet”

  1. Chris sagt:

    Danke, ACK, aber das weißt Du ja durch unzählige Gespräche… :)

  2. Dirk sagt:

    Wenn ich unverschlüsselte Mails versende dann bin ich selber schuld oder mache ich mich mit Verschlüsselung verdächtig ? Aber darum geht es gar nicht. Ich kann natürlich ein technisches Wettrüsten starten, aber die Gewinner werden am Ende nicht der Staat oder der User nein das werden die Terroristen sein.

  3. Oliver sagt:

    >Wenn ich unverschlüsselte Mails versende dann bin ich selber schuld

    Exakt.

    >Ich kann natürlich ein technisches Wettrüsten starten

    Welches Wettrüsten? Seit Jahren schauts so aus, das die Faulheit siegt. Und die Daten können nicht nur von Vater Staat mißbraucht werden, andere tun es schon längst. Wenn ich meine Mails verschlüssele beispielsweise, dann ist das kein Wettrüsten, sondern Schutz der auch den Staat vor verschlossene Türen stellt. Und nein der Staat ist mal nicht, wie im Film, eben in der Lage derlei Dinge auszuhebeln.

    Die Terroristen die verschlüsseln schon. Der Verlierer ist nur der unmündige Bürger. Du schließt deine Tür ab, weil …? Nun weil wir nicht in einer perfekten Welt leben.

  4. sunny sagt:

    ich habe einen job, der es mir nicht erlaubt verschlüsselte mails zu versenden, da die meisten empfänger ebenfalls keine dieser programme besitzen.

    o.k. — diese inhalte sind auch nicht wahnsinnig gefährlich.

    kommen wir zum punkt. ich bin keine technische heldin und dabei immer noch in meinem bekanntenkreis beinah die fitteste in sachen computer.

    der standpunkt ist einfach zu arrogant, da eine großteil der bevölkerung — ganz normale, kluge menschen — einfach keine ahnung hat von derartigen dingen. gäbe es eine software, in die ich mich ohne probleme innerhalb von zwei tagen reinfitzeln könnte, dann ist sie auch für die allgemeinheit verständlich.

    3. mich instrumentalisiert niemand.

  5. Oliver sagt:

    Nun im Job da kann man eh nichts machen, aber imo doch schon beklemmend wenn die Firma oder der Chef den Nutzen dabei nicht einsehen.

    >gäbe es eine software, in die ich mich ohne probleme innerhalb von zwei tagen reinfitzeln könnte, dann ist sie auch für die allgemeinheit verständlich.

    Ein paar Minuten sollten langen. Wir haben da einige Erfolgsquoten mit Leuten aufzweisen, die klug genug waren den Nutzen einzusehen. Der Rest ging quasi automatisch.

    >3. mich instrumentalisiert niemand.

    Das kann ich jetzt auch nicht anhand dieser paar Sätze behaupten und sonst besitze ich über dich auch keinen Anhaltspunkt. Das das Gros der Internetznutzer oder Blogger sich aber tatsächlich instrumentalisieren läßt, ist leicht anhand zahlreicher Beispiele nachvollziehbar. Die Demo imo war wieder ein markantes Beispiel.

    >der standpunkt ist einfach zu arrogant

    Mein Standpunkt ist gar noch arroganter, Computer sind nicht für jeden geeignet. Ich z.B. habe ein vollkommenes Deinsteresse an Autos, Innenleben, Nutzung etc. und verzichte deshalb auch darauf. Und ja ich kann es mir «leisten», indem ich auf einige Annehmlichkeiten verzichte und teils gehörigen Unbill in kauf nehme.

    Die Nutzung eines der kompliziertesten Geräte überhaupt, soll ohne Lernaufwand von statten gehen? Japp, das macht meinen Tag.

    >ganz normale, kluge menschen

    Das korrespondiert nicht mit dem gleichzeitig geäußerten «null Ahnung».

  6. sunny sagt:

    Nun im Job da kann man eh nichts machen, aber imo doch schon beklemmend wenn die Firma oder der Chef den Nutzen dabei nicht einsehen.

    neneee. ich habe mit sehr vielen journalisten zu tun und da kann ich nicht jedes mal vorher am telefon fragen — wie sieht es aus — lass uns verschlüsseln.

    >gäbe es eine software, in die ich mich ohne probleme innerhalb von zwei tagen reinfitzeln könnte, dann ist sie auch für die allgemeinheit verständlich.

    Ein paar Minuten sollten langen. Wir haben da einige Erfolgsquoten mit Leuten aufzweisen, die klug genug waren den Nutzen einzusehen. Der Rest ging quasi automatisch.

    nein — nicht jeder hat deinen, also olvers wissenstand — aber alle arbeiten am computer — bzw. kommunizieren darüber.

    >3. mich instrumentalisiert niemand.

    Das kann ich jetzt auch nicht anhand dieser paar Sätze behaupten und sonst besitze ich über dich auch keinen Anhaltspunkt. Das das Gros der Internetznutzer oder Blogger sich aber tatsächlich instrumentalisieren läßt, ist leicht anhand zahlreicher Beispiele nachvollziehbar. Die Demo imo war wieder ein markantes Beispiel.

    wo würdest du einen unterschied machen können zwischen dieser haarfeinen linie zwischen instrumentalisierung und freier meinung.

    ich finde diesen vorwurf absurd. ließe sich höchstens noch auf die 15 bis 18 jährigen blogger an wenden. aber dann ist auch ende gelände. weil ansonsten würdest du allen anderen den vorwurf machen — sie hätten es nicht aus freiem willen getan.

    >der standpunkt ist einfach zu arrogant

    Mein Standpunkt ist gar noch arroganter, Computer sind nicht für jeden geeignet.

    aha, warum denn nicht? mein bruder hielt es immer für selbstverständlich mir alles beizubringen, obwohl ich nicht über eine konstante mathematische durchhaltefähigkeit verfüge.

    Ich z.B. habe ein vollkommenes Deinsteresse an Autos, Innenleben, Nutzung etc. und verzichte deshalb auch darauf. Und ja ich kann es mir “leisten”, indem ich auf einige Annehmlichkeiten verzichte und teils gehörigen Unbill in kauf nehme.

    auto — computer? sehr gewagt — weil nicht sinnvoll!

    Die Nutzung eines der kompliziertesten Geräte überhaupt, soll ohne Lernaufwand von statten gehen? Japp, das macht meinen Tag.

    ja!!!!!!!

    >ganz normale, kluge menschen

    Das korrespondiert nicht mit dem gleichzeitig geäußerten “null Ahnung”.

    Das weißt du doch besser als ich. Eine meiner besten Freundinnen kannte sich vor 10 Jahren noch besser aus als ich. Inzwischen ist die Entwicklung aber voran geschritten. Wer täglich damit zu tun hat — hat den Durchblick — aber nicht der Normalbürger und zurück zur Erika will ja auch keiner.

  7. chris sagt:

    Natürlich wünscht sich der Großteil der Politiker, dass die Bürger weniger Rechte haben, damit sie nicht soviele Fragen stellen. Aber im Moment ist es eben Schäuble der eins auf den Deckel bekommt, weil er diese Position am stärksten vertritt. Zumindenst in der Öffentlichkeit. Was hinter den Kulissen passiert, erfahren wir ja nicht.
    Und genauso oft wie ich in den letzten Jahren das Wort «Terror» in der Presse lesen musste, desto oft freue ich mich darüber, dass zumindenst die Menschen mit Verstand dahinter kommen, dass es überhaupt nicht um den Terrorismus geht. Natürlich wird in vielen Blogs übertrieben, aber wird das in den Medien nicht? Darum geht es den Politikern doch. Während es beim Fernsehen mit gefilterten Nachrichten und Unterschichtenprogramm kontrolliert abläuft, wird das Internet immer mehr zur Kommunikationsplattform der Bevölkerung und kritische Stimmen möchte man kontrollieren/zensieren.
    Bald kommt der Personalausweiß mit gespeichertem Fingerabdruck und irgendwann haben alle einen Chip unter der Haut. Wer da noch glaubt, es gehe dabei um uns vor ein paar Terroristen zu schützen, dem ist nicht mehr zu helfen.
    Menschen sind eben faul und gierig nach Macht. Und das Erste wird vom Zweiten ausgenutzt. Die Partei spielt dabei keine große Rolle. Das liegt in der Natur des Menschen.
    Also, was ich mit meiner überlangen Antwort sagen möchte, ist, das diese Anti-Schäuble-Bewegung gut ist, da sie auf das Problem aufmerksam macht. Auch wenn es manchmal propagandistische Züge annimmt, ist es so besser als wenn alle still bleiben würden. Es regt eher zum Denken an, als zum Nichtdenken. Besonders bei unseren jungen Mitbürgern.

  8. Oliver sagt:

    >Die Nutzung eines der kompliziertesten Geräte überhaupt, soll ohne Lernaufwand von statten gehen? Japp, das macht meinen Tag.

    ja!!!!!!!

    Das wird nie der Fall sein, einfach weil sich Computer in ihren Fähigkeiten exponentiell weiterentwickeln und ebenso auch die Ansprüche an den Nutzer. Im Gegenteil, vor 20 Jahren war die Materie noch überschaubarer. Aber in dem speziell angesprochenen Bereich (Sicherheit) ist es heutzutage größtenteils ein Kinderspiel.

    >Wer täglich damit zu tun hat — hat den Durchblick — aber nicht der Normalbürger und zurück zur Erika will ja auch keiner.

    Archäologe/Historiker, mein treues Weib ebenso. Wenn ich eine Notwendigkeit darin sehe, Stichwort Intelligenz, dann beschäftige ich mich auch damit. Vice versa kenne ich auch Leute die sich fortwährend beruflich damit beschäftigen und dennoch keine Ahnung von dieser Materie haben. Gemeinsamer Nenner ist da die Bequemlichkeit in der Regel.

  9. truetigger sagt:

    Ihr beide sonnt euch ein wenig in der Rolle des enfant terribles unter den Bloggern: wenn alle GEGEN etwas sind wie eben gegen Schäubles Terrorbekämpfungs-Vorstellungen, müsst ihr unbedingt zeigen, dass ihr das durchschaut und alle anderen die Doofen sind, die sich instrumentieren lassen.

    Klar habt ihr recht: Schon die vielen Gruppen der Demonstranten von der FDP bis hin zu religiösen Trupps, von Real-Sozialisten hin bis zu Anarchos, wenn so viele auf einer Demo mitlaufen gibt es sicher auch Schattenseiten. Und ja, die allgemeine Darstellung der Schäublephopie in den Blogs (und im Heise-Forum) wirkt einseitig, auf einige wenige, die sich eigene Gedanken machen kommen viele Mitläufer, die laut die derzeit hippen Meinungen nachschreien und sich dabei wichtig vorkommen.

    Nur man kann eben auch eine eigene Meinung haben, die TROTZ des Mainstreams lautet: Nein zu den Plänen von Schäuble! Nein zur schleichenden Untergrabung des Grundgesetzes.

    Im Gegensatz zu sunny bin ich mir längst nicht sicher, wer mich wann wie (nicht) instrumentalisiert, dafür spring ich auf viele Themen allzu reflexhaft an. Und genau darum mag ich eure böse, alles hinterfragende und gut argumentierte Art zu schreiben selbst dann, wenn ich denk ihr teilt einfach zu allgemein mit der Schöpfkelle die Vorwürfe aus. Oder anders: Selbst wenn ich eure Meinung wie heut nicht teile, hilft sie mir beim Finden der eigenen allein durch die neue Sichtweise.

    Weiter so :)

  10. Oliver sagt:

    >Ihr beide sonnt euch ein wenig in der Rolle des enfant terribles unter den Bloggern:

    Es könnten mehr, wenn sie denn wollten, doch mainstream tut weniger weh.

    Im Gegensatz zu anderen äußere ich nur meine Meinung, schränke jedoch keine Freiheit anderer ein.

    >dass ihr das durchschaut

    Ja tut mir leid, da gibts nicht viel zu durchschauen, nur zum nachdenken. Ich argumentiere mit Geschichte z.B. und Logik. Warum sollte ich Schäuble permanent treten, wenn man doch weiß, das Schily ein Gros der Dinge realisiert hat und Schäuble Dinge spezifiziert die darauf aufbauen oder gar imo schwammig im GG formuliert sind.
    Warum sollte ich erwarten, betrachte ich die Geschichte der BRD, das das Ende der Amtszeit Schäubles auch dieses Zeugs hier beendet? Es war nie so und wird auch jetzt nicht so sein. Also was gibts zu durchschauen? Hört man überhaupt noch, neben der Schäublehisterie, was die anderen Parteien so äußern.

    Die Leute *wollen* es nicht sehen, selbst wenn du die Fakten schön aufgelistet mit Referenzen präsentierst. Sie benötigen halt eine Hassfigur und die anderen Parteien spielen gerne mit um von ihrem perfiden Spiel abzulenken.

    >Nein zur schleichenden Untergrabung des Grundgesetzes.

    Das Problem, und das kann auch jeder leicht nachvollziehen, er unterwandert nicht viel, er spezifiziert. Die Backdoor quasi wurde in den 60er verankert. Sorry, aber dazu muß man kein Durchblicker sein, um das zu sehen.

  11. Klaus Schüler sagt:

    Danke Oliver! Danke für diese Worte. Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Das Festmachen von Problemen an bestimmten Namen bzw. Personen ist zu kurz gedacht. Aber es hilft dabei, der eigenen Verzweiflung, Wut und auch Angst ein fassbares Ziel zu geben. Das „System“ oder auch der „Staat“ sind dermaßen abstrakte Begriffe, daß es schwerfällt, an ihnen konstruktive Kritik wirkungsvoll auszuüben. Denn wer oder was ist Adressat dieser Kritik? Die Legislative scheidet genauso aufgrund von (vielleicht nicht einmal gewollter) Ahnungslosigkeit aus, wie Exekutive und Judikative, die ja per definitionem nur reagierend wirken können. An wem soll man diesen ganzen „Müll“ festmachen? Da ist es natürlich ein Leichtes, sich eine Person oder Namen zu greifen, obwohl dies zu nichts führt. Typisch menschlich dieser Gedanke? Vielleicht, aber ich weiß es nicht.

    Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber dein Artikel ist für mich auch eine Art Hilferuf. Aber an wen? An die Menschen, die sich die Zeit nehmen, darüber nachzudenken? Die überhaupt die Zeit dafür haben? Vielleicht.

    Ich war gestern auch in Berlin und nahm an der Demonstration teil. Was hat diese für mich gebracht? Ganz ehrlich — nichts. Aber ich spiele dabei auch keine Rolle, die Frage ist: was hat diese Demonstration insgesamt gebracht? IMHO genauso wenig, denn es waren nur die Leute (mit wenigen Ausnahmen) anwesend, die ohnehin schon wußten, worum es geht. Die Redebeiträge waren gut; ihr Inhalt verpuffte aber, weil die Zuhörer ohnehin schon aufgeklärt waren. Es war schön, diese acht– bis fünzehntausend ähnlich Denkenden um bzw. mit sich zu wissen. Aber das gehört ja nicht zum eigentlichen Artikel … :-)

    An wen richtet sich nun deine Kritik? An die Leser, die sich ein Feindbild erschaffen bzw. erschaffen lassen?

    Ich bin vielleicht ein hoffnungsloser Optimist, aber ich hoffe, daß deine Äußererungen nicht nur hier in diesem Blog zum Nachdenken anregen werden.

  12. Foxxi sagt:

    Danke truetigger für Deine Worte. Seit gestern überlege ich, wie ich auf diesen Artikel hier reagieren soll.
    Ich glaube schon, dass der Großteil der Demoteilnehmer nicht in schwarz/weiß Kategorien denkt und Olivers «Bedenken» teilt, jedoch sind 15.000 (oder 8.000, ist ja egal, jedenfalls erstaunlich viele) nicht die breite Bevölkerung.
    Anders ausgedrückt: Ich kann z.B. meine Mutter (auch Internetnutzerin) für das Thema nicht sensibilisiern indem ich auf F!XMBR oder .get privacy verweise. Die Schäublone auf dem T-Shirt hingegen erzwingt geradezu eine Erklärung und setzt sich damit auch bei der breiten Maße fest und korrigiert mich bitte, aber ist das nicht der Zweck einer Demonstration?

    Ja, auch ich sehe ein, dass die FDP, die Grünen etc. die Demo, die Teilnehmer und damit auch mich instrumentalisieren. Nur wie bringt man sonst die «Awareness» in die Bevölkerung, dass fehlt mir in Olivers Argumentation.

    Ansonsten gilt für mich ebenfalls dass was truetigger am Schluss sagt. Auch bei mir wirkt eine Gegenposition immer auf meine Meinungsbildung ein und dafür bin ich Oliver dankbar.

  13. Oliver sagt:

    >Nur wie bringt man sonst die “Awareness” in die Bevölkerung

    Ich kanns vielleich auch noch 20 mal schreiben und es wird geflissentlich überlesen, mittels Aufklärung. Aufklärung über die Zusammenhänge erzeugt Nachaltigkeit und auch ein Echo bei dem einen oder anderen.
    Die Holzhammermethode mit Schäuble als Hassfigur, ruft bei vielen gar noch Abneigung hervor und man erweist der Sache selbst somit einen Bärendienst

    Ich halte halt nichts vom BILD-Stil, egal in wessen Händen dieser auch Anwendung findet. Aufklärung, wie ich auch oben schrieb, in geschichtlicher, politischer und auch technischer Hinsicht, erfordert zwar mehr Zeit, bringt aber auch eher das gewünschte Echo.

    Wenn du wie gesagt die Musterlösung erwartest, dazu schrieb ich mir schon allgemein die Finger wund. Problem aber die Texte sind lang und beherbergen keine reißerischen Titel bzw. plumpe Schuldzuweisungen, Und mit der Schuldzuweisung der Bequemlichkeit gewinnst du halt keinen Blumentopf.

    Bestes Beispiel dieser Text hier, ich bin da völlig realistisch, der bekam innerhalb kürzester Zeit über 1000 Hits und das nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des Titels. Diese beiden Begriffe dominieren die Suche. q.e.d.

    Das ist z.B. meine Art von Aufklärung, schrieb ich letztes Jahr. Fand nicht derart viel Anklang, obwohl es allgemeiner erklärt.

    Und was ich unter Sensibilisierung verstehe, schrieb ich hier. Es ist zwar stark auf die sicherheitsrelevante Technik bezogen, paßt jedoch auch hier.

    Und wie ich allgemein vorgehe, kann man hier gut nachvollziehen. Man ist ein Teil eines Puzzles und wenn viele dazu beitragen, kommt nach einer Weile was großes dabei raus und man kann u.U. das Bild erahnen. Wenn hingegen alle nur das gleiche Puzzle-Stück ablegen, wird man nie etwas erkennen … die Schäublone halt.

  14. Falk sagt:

    Mal nur ein kurzer Gedanke von mir dazu. Richtig empfinde ich, dass die Holzhammer-Methode denkbar ungeeignet ist. Allerdings werden viele auch ein «Informier dich, dann komm wieder» auch als solche empfinden. Weil es Ablehnung provoziert und dem Gegenüber im Grunde eventuell vorhandenes Denkvermögen abspricht. Und ich beziehs nicht konkret auf hier, auch wenn der Satz so oder ähnlich schon öfter zu lesen war, sondern seh das mal als allgemeines Statement an.

  15. Oliver sagt:

    @falk, wie ich schon schrieb habe ich kein Sendungsbewußtsein. Ich informiere hier ebenso wie Chris, dazu gibts zahllose Texte, andererseits bin ich auch dazu übergegangen, *hier* nicht mehr großartig auf diverse Leute erklärungstechnisch einzugehen, da ich es als wenig sinnvoll erachte. Das mach in an anderen Orten, F!XMBR ist für mich mehr oder weniger Meinung pur. Irgendwo muß ich das splitten und im Bereich Opensource Community ist eben ein größeres Echo vorhanden und den dortigen Gefilden gilt auch seit Jahren mein Hauptaugenmerk.
    Andererseits helfe ich diversen Leuten, z.B. mit GPG auch via Mail, wenn sie denn fragen. Von daher müssen sich andere diesen Schuh anziehen Falk. Es mag zwar hier derart wirken, aber nur auf die Leute, die außer Blogs nichts kennen. Und erklärungstechnisch vollzogen wir schon vielerlei Artikel, dieser hier bezieht sich z.B. auf diverse Texte.

    «Informier dich, dann komm wieder»

    Ich mein man wirds wohl noch packen die Blogsuche zu nutzen, oder? Ich werde kaum für jeden bequemen Gesellen pro Text nocheinmal alles Geschriebene aufrollen.

    Für die Raubkopiensuche, Youtube Videos etc. langts doch auch, da werden ebenso Kräfte mobilisiert von den ach so klugen Leuten. Ich bleibe dabei, man zieht keinen Nutzen draus, es bringt halts nichts für lau auf die Platte, ergo ignoriert man es. Und mein Horizont bzw. Erfahrung mit Leuten vielerlei Couleur ist da kaum nur auf Blogs beschränkt. Im Gegenteil das Gros der Blogger ist mir viel zu beschränkt. Da würde ich mir also selbst nen Bärendienst erweisen, nur von diesen auszugehen.

    Und die Leute da draußen, die hier nicht lesen, nun einige treffe ich vor Ort und helfe diesen auch vor Ort, dort trommele ich aber nicht. Wie gesagt keine Missionierung, nur Meinung.

  16. Falk sagt:

    Missionierung sollte es nach meinem Dafürhalten ja auch nicht sein. Wie du selbst ja sagst, sensibilisieren ist das bessere Mittel, aber das schliesst du dann ja für dich hier direkt aus, indem du da kein Sendebewusstsein entwickeln magst. Ist ja insofern auch okay, nur wie geht man dann mit den durchaus interessierten Menschen um? Ich rotz ja auch eher meine Meinung nur ins Netz, ohne mir da groß Gedanken drum zu machen, wen oder was ich damit erreiche. Wenn sich wer angesprochen fühlt ist es halt okay, wenn nicht allerdings genauso.

    Deswegen halt der Hinweis allgemein darauf und meine Frage, wie dann sowas zumindest etwas in die richtige Richtung zu lenken, ohne missionarisch oder arrogant zu wirken?

    Ich mein man wirds wohl noch packen die Blogsuche zu nutzen, oder?

    Schön wärs, aber da werf ich dir mal dein «wir leben nicht in einer idealen Welt» zurück. Daran scheitern tatsächlich Viele. Suchen und suchen und dann auch noch Infos finden ist für Manche schlicht schon zu kompliziert. Und die sind dann keineswegs dumm, sondern höchstens unbeholfen.

  17. Oliver sagt:

    >nur wie geht man dann mit den durchaus interessierten Menschen um?

    Ich helfe ihnen, nur eben nicht hier bzw. nur recht wenig.

    >Suchen und suchen und dann auch noch Infos finden ist für Manche schlicht schon zu kompliziert.

    Ächz nun denn, dann müssen diese sich halt eine andere Stelle im Netz suchen. Ich schriebs doch in dem verlinkten Text, schreibe/rede über das, was *dich* interessiert und eventuell kannst du Gleichgesinnte damit bewegen. Diese Gleichgesinnten wiederum können andere auf einem eventuell anderen Niveau bedienen usw. So wird eine Kettenreaktion ausgelöst und man kann am Ende eventuell das Puzzle-Bild erkennen.

    «Ich decke alle ab», von Kindergarten, über Denkverweigerer, bis Wissbegierigen, wird nie funktionieren.

    Wenn da draußen z.B. Menschen existieren, die uns ob ihres infantilen Niveaus als Arschlöcher bezeichnen, weil sie unser Niveau eben nicht erreichen — so kann ich damit leben. Es ärgert im ersten Moment, aber ich habe auch nicht wirkliches Interesse daran denjenigen zu helfen, vielleicht packts ein anderer, der sich in die Lage desjenigen hineinversetzen kann. Ein tatsächlich fähiger Grundschullehrer beispielsweise hat wahrscheinlich eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt, wohlgemerkt die Betonung liegt auf *fähig*.

    Man kann aber allgemein nur diejenigen erreichen, die *ungefähr* auf der gleichen Wellenlänge sind oder man beschäftigt sich ausschließlich mit einem Bereich, alles andere bringt nur Chaos. Ich kann en detail erklären, habe aber auch nicht die Zeit dies an *jedem* Ort zu tun, ergo beschränke ich mich *hier* auf die wesentlichen Dinge.

    Ein anderes Beispiel programmieren zu lernen war zur Zeiten der 8Bit Computer weitaus einfacher, der Einstieg geradezu lächerlich. Heutzutage ist der Aufwand wesentlich größer. So ist es halt auch mit dem Computer, es hat nichts mit wirklicher Arroganz zu tun, wenn ich sage der Computer ist nicht für jeden geeignet. Es ist einfach eine Tatsache, die Komplexität steigt von Jahr zu Jahr exponentiell, einzig Krämerseelen wie Apple oder Microsoft lullen die Leute mit dem omnipotenten Desktop ein. Wer lernbereit ist, und das ist heute notwendiger denn je, der wird sich auch auf dem Computer und im Netz zurecht finden, dem wird auch geholfen. Fragen kostet nichts und wer nicht fragt und dennoch jammert muß sich auch der Dummheit tadeln lassen.

  18. […] von mir. Das ist genau der Punkt, den wir immer und immer wieder in den letzten Monaten wiederholt haben. Fortwährend wurden wir deshalb auf […]

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