Spreeblick und der frontale Angriff auf die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit

Auf den NachDenkSeiten gibt es die Rubrik Manipulation des Monats — auch genutzt für sogenannte Interviews in denen die Zielrichtung schon in den Fragen erkennbar ist, die Aussage des jeweiligen Artikels in den Fragen wiedergegeben wird und nicht in den Antworten des Interviewten. Ich hatte erst vor den neuesten Coup von Spreeblick Spreeblick und die Manipulation des Jahres zu nennen. Das würde dem ganzen — China, Menschenrechte, die Unterstützung des Mörderregimes und das Wegsperren von Bloggern und Regimekritikern vielleicht nur im Ansatz gerecht werden. Nein, um das eigene Fehlverhalten, das Fehlverhalten adicals zu legitimieren, wird meiner Meinung nach ein frontaler Angriff auf die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit gestartet. Verpackt wird das ganze in einem sogenannten Interview mit Reporter ohne Grenzen.

Die einzelnen Fragen sind meiner Meinung nach so allgemein und lächerlich gestellt, dass man darauf — ohne eine Doktorarbeit zu schreiben — kaum antworten kann. Zu einer Frage und der damit verbundenen Aussage komme ich später. Nein, vielmehr offenbart die eigene Wertung Johnny Häuslers — ohne dass der Befragte jemals die Möglichkeit hätte, darauf zu antworten — die wahre Aussage dieses PR-Stunts. Am Ende fühlte sich das Interview wie ein PR-Vorgang an — so der eigentlich einfache Satz von Johnny Häusler, Mitarbeiter der Spreeblick Verlag KG.

Und genau das wird unter dem Strich stehenbleiben. adical wurde für die Yahoo-Werbung massiv kritisiert, die Speerspitze des Unternehmens, Spreeblick, führt ein Interview mit Reporter ohne Grenzen und Johnny Häusler selbst wertet das ganze, Reporter ohne Grenzen, die gesamte Yahoo-Sache — ja, warum wurde denn das Interview geführt — als PR-Stunt ab. Diese Wertung gibt er seinen Lesern mit auf den Weg. Diese werden Yahoo, Reporter ohne Grenzen und PR-Stunt im Kopf behalten — ein Vorgang, der täglich in diversen abhängigen Medien zu beobachten ist. Und jetzt komme mir keiner mit der Schwarmintelligenz. 😉

Das ist alles widerlich, abartig und lässt mich nur noch sprachlos zurück. Eine Frage blieb laut Johnny Häusler unbeantwortet: Gibt es zugängliche Protokolle dessen, was den chinesischen Dissidenten, deren Daten der Regierung von Yahoo zur Verfügung gestellt wurden, genau vorgeworfen wird? Kennen Sie die beanstandeten Texte oder Foren-Postings? Ein wenig Eigenrecherche und diese Frage hätte ganz leicht beantwortet werden können — oha, man hätte nur dem eigenen Link zu netzpolitik.org folgen müssen und dort vielleicht zu SpOn gehen sollen. Aber nein, warum auch, im adical-Netzwerk werden ganz gerne Links untereinander gesetzt — wieso sollte man sich da noch mit dem Inhalt der Kollegen auseinandersetzen. Der war eh nicht gegeben. Ich verweise mal auf meinen Artikel, der vor dem SpOn-Artikel erschien. Im Regelfall, wie auch bei Shi Toa, ist es der Geheimnisverrat. Und Geheimnisverrat ist in China die gängige Ausrede für Dissidenten jagen, Regimekritiker zum Schweigen zu bringen.

Dieses Interview hat den Zweck der Legitimation der Yahoo-Werbung, das steht wohl außer Zweifel. Darum muss die Öffentlichkeit ganz offensichtlich manipuliert werden, wie auch der Befragte selbst. Ich an seiner Stelle hätte dieses Interview abgelehnt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Spreeblick da die Karten auf den Tisch gelegt hat, nach dem Motto: Wir haben Yahoo-Werbung gemacht und müssen das nun legitimieren. Anders kann ich mir auch _diese_ derart manipulativ gestellte Frage nicht erklären: Beschleunigen westliche Unternehmen den Demokratisierungsprozess in China oder sind sie Handlanger einer Diktatur? Genau — das Verhalten u. a. von Yahoo zielt darauf ab, den Demokratisierungsprozess zu beschleunigen und zu stärken. Indem adical Geld von den Unterstützern eines mörderischen Regimes angenommen hat, hat man der Demokratie einen großen Vorschub geleistet. Merkt hier eigentlich irgendwer noch, was da abgeht?

Hier geht es nicht nur um manipulative Interviews wie zum Beispiel oft im SPIEGEL zu lesen, hier geht es nicht um politische Gegensätze. Hier geht es um mehr. adical und Spreeblick und mehrere andere Webseiten haben für Yahoo geworben — ein Unternehmen welches chinesische Blogger an das Mörderregime in Peking ausgeliefert hat. Reporter ohne Grenzen und andere Menschenrechtsorganisationen machen unentwegt darauf aufmerksam, prangern dieses mörderische Tun an. Durch die eigene Wertung PR und die teils manipulativ gestellten Fragen führt Spreeblick nun meiner Meinung nach einen Angriff auf die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit aus — nur um das eigene gewinnorientierte Handeln zu legitimieren, die Werbung für Yahoo. Ich glaube, schlimmer gehts nicht.

10 Antworten zu “Spreeblick und der frontale Angriff auf die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit”

  1. Wahnsinn! Vielen dank für diesen überaus interessanten Artikel. Ich denke es gibt einige Blogs die man zukünftig boykottieren sollte.

    Ich bin sprachlos.

    Christian

  2. rene sagt:

    Alleine die Aussage, eine Frage in einem Interview hätte mit etwas Eigenrecherche beantwortet werden können, disqualifiziert diesen Beitrag. Die Anzahl der Kommentare auf diesen Qualitätsbeitrag tut das übrige.

  3. Oliver sagt:

    Mich tangiert das alles nur recht wenig, aber wenn ich hier höre «disqualifiziert diesen Beitrag», was hat denn euch jemals qualifiziert gelesen zu werden? Oder besser, was disqualifiziert einen ganzen Blog? Eine viel spannendere Frage, die du uns sicher in aller Ausführlichkeit beantworten kannst, oder?

    >Die Anzahl der Kommentare

    Wenn das ein Marker wäre für die Qualität, na dann gute Nacht. Die Quantität ist der ausschlaggebende Punkt für den Werber, die Qualität für die Leute denen es Spaß macht. Und last not least ist es Meinung, kein Bürgerjournalismus oder hochdotierter Qualitätsartikel.
    Bild hat auch die meisten Leser, darüber würde ich mir mal Gedanken mache, wenn ich die Quantität als Anspruch nehme.

  4. Chris sagt:

    Rene ghört anscheinend zu den Leuten, die die Tastatur «beschmutzen», wenn sie geil ihre Kommentare lesen. Ich kann damit gut leben, wie es ist — muss mich so nicht mit diversen Sachen auseinandersetzen.

    Und die von Dir angesprochene Frage Rene — da bot sich die Lösung durch die eigene Verlinkung an. Es gibt genügend andere Quellen, wo man hätte nachlesen können, wenn es einen wirklich interessiert hätte.

    Hat es aber nicht. Es geht für Leute wie Dich einzig um die Frage, wie stehen wir als die «Guten» da, wie legitimieren wir unser Verhalten. Allein dadurch dass diese lächerliche Frage im Raum steht, gibt es Dummbeutel da draußen, die Euch da nun als Demokratisierer sehen. Soll mir aber auch egal sein — selbst wenn es so ist, wie nennen «Menschen» wie Du dann Shi Tao? Kollateralschaden? Ach geh weg…

    Schon scheiße, wenn da nun jemand ist, der dem Dreck auch ab und zu mal auf die Finger schaut. Die Tatsache, dass Ihr im Nachhinein versucht, Eure schäbige Werbung auch durch die Fragestellung an ROG versucht als Beschleunigen des Demokratisierungsprozesses hinzustellen zeigt, wie sehr Ihr auf Menschenrechte scheißt.

    Wie Oliver schon schrieb, mit dem Hinweis der Quantität ist es BILD-Niveau. Ich würde nichtmal davon sprechen, sondern eine andere Wortwahl treffen — aber dann heult hier wieder jemand rum. Kann ich nicht machen.

  5. rene sagt:

    @ Oliver: ich sprache nicht vom ganzen Blog sondern einzig von diesem Beitrag. Bei einem so kontroversen Artikel wäre die Anzahl der Kommentare durchaus höher, wenn irgendetwas von da oben logisch oder wahr wäre. Aber da es nur verquere Gedankenkonstrukte sind…

    @ Chris: Uns darf gerne jeder auf die Finger sehen, aber dann aus eigentlich gerechtfertigten Feststellungen Dinge herbeizufabulieren, die so einfach nicht der Realität entsprechen ist… keine Ahnung. Cool ist jedenfalls was anderes.

  6. Oliver sagt:

    Rene deine Verteidigung schätze ich auch, diverse Dinge sind jedoch nicht abzustreiten. Wäre auch widersinnig würdest du hier mit Kniefall mea culpa ausrufen. Aber wiederum einfach nur kurzatmig die Deppen zu tadeln macht auch wenig Sinn — den du deinerseits eben diesem Text absprichst.

  7. Falk sagt:

    @ Rene: Das Argument mit den wenigen Kommentaren zieht irgendwo nicht. Denn eher umgedreht wird in vielen Fällen ein Schuh drauss, kurz hingerotzte und nicht durchdachte Artikel/Kommentare werden eher kommentiert, als ausführliche und durchdachte Artikel. Da schwingt immer dieser Maßstab der Quantität mit durch, der aber in meinen Augen verdammt falsch ist. Und Qualität der Leser kannst halt nicht messen. Oder machst drunter drei Häkchen:

    [ ] Gelesen
    [ ] Verstanden
    [ ] Kommentieren:

    Und wenn 1 und 2 nicht angekakt ist, darf 3 nicht, oder so. Und du würdest sehen, dass sich die Anzahl der Leser meist in einem vergleichbaren Rahmen bewegt, während 2 und 3 proportional zur Länge des Artikels sinkt.

  8. Chris sagt:

    Mensch Falk, nun leg nicht die Schere an seinem kleinen Freund an… 😀

    @Rene: Ich muss nicht cool sein. Ich kann ganz einfach so meine Meinung zu diversen Dinge äussern. Und manipulative Interviews sind da draußen gang und gäbe — und das mit ROG ist eines. 😉

  9. Falk sagt:

    Chris, ich meinte das ernsthaft, ohne jedweden Zynismus oder Ironie. Das Menge zum Maß aller Qualität erhoben wird, ist allerdings ein generelles Phänomen, aber passte grad ganz gut dazu, wie ich finde.

  10. Chris sagt:

    Du weißt doch, dass mit klickgeilen Quotenjüngern nicht darüber zu reden ist, ob nun hier, auf die Contentindustrie bezogen, whatever…

    Sie sind zu dem geworden, was sie früher kritisiert haben.

    Darum meine Antwort. 😉

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