Spiegel — So sieht also (wieder mal) Qualitätsjournalismus aus
Heute: Ladenöffnungszeiten

Lange hat (auch) der SPIEGEL mit all seinen neoliberalen Lobby-Interessen dafür gekämpft: Für die Liberalisierung der Ladenschlußzeiten. Ja, nun endlich haben sie es geschafft — seit Anfang des Jahres sind die Ladenschlußzeiten (mehr oder weniger, Ländersache, die geben nach und nach frei) gefallen (außer Sonn– und Feiertags) — eine ganze (Lobby-) Branche feierte sich selbst — an die Mitarbeiter indes dachte kein Mensch, und auch an eine weitere Begebenheit scheint kein Mensch einen Gedanken verschwendet zu haben, doch dazu am Ende dieses Artikels eine ganz einfach Frage. Zum Thema selbst am Wochenende dann *der* Schock, der SPIEGEL stellt fest:

Stell Dir vor, die Läden haben offen und keiner geht hin: Genau so sieht das anscheinend aus, abends in Deutschland. Der Handel grummelt, die verlängerten Öffnungszeiten interessierten die Kunden gar nicht. «Im Prinzip», resümiert ein Branchenvertreter, «ist das ein Flop».

Herzzerreissend dann die Frage der SPIEGEL-Redaktion, wann man zuletzt gegen 21.00 Uhr einkaufen war, ach ja, und dann die Feststllung, dass ab 20.00 Uhr tote Hose in den Einkaufspassagen der Nation herrscht. Ist es nun eine Drohung oder gar ein Versprechen, wenn der SPIEGEL im Folgenden berichtet, dass die Branche ernsthaft darüber nachdenkt, wieder einen selbst auferlegten Ladenschluß eizuführen? Das muss die Lobbyisten dieser Welt ja ganz schon wurmen und — man hat zumindest den Eindruck — der SPIEGEL spielt da den Vorreiter dümmlichster Argumente.

Die Hamburger Redakteuere nahe dem wunderschönen Hafen, ganz im Geiste der neoliberalen Gedanken, fabulieren da von Freiheiten, die der Kunde nicht annimmt, und sind zum Schluß sogar so dreist, dass selbst die Mitarbeiter, die sich ja vor Langeweile die Beine in den Bauch stehen, sich negativ zu Wort melden, die Zeit gehe ja gar nicht rum — und natürlich ist an allem der Kunde schuld, der seine Freiheit [sic!] nicht wahrnimmt.

Dieser Artikel da vom SPIEGEL ist mal wieder so unfassbar grottenschlecht, ich kann das gar nicht in Worte fassen. Dabei war das alles vorauszusehen, eine Frage:

Liebe unfähige SPIEGEL-Redakteuere, liebe Lobbyisten — seit Ihr in all den Jahren des Kampfes nicht einmal auf die Idee gekommen, dass es so kommen musste, dass es vielleicht daran liegt, dass auch mit längeren Öffnungszeiten, der Kunde einfach nicht mehr Geld in der Tasche hat und genauso viel zum Ausgeben hat, wie vorher (von Familie, Job, Zeit mal abgesehen)?

Nein? Das hab ich mir gedacht… Pfeifen! 6, setzen!

42 Antworten zu “Spiegel — So sieht also (wieder mal) Qualitätsjournalismus aus
Heute: Ladenöffnungszeiten”

  1. Martin sagt:

    Die Lobby derer, die die Ladenöffnungszeiten verlängern wollten ist mindestens genauso groß wie die der Angestellten im Einzelhandel. Angestellte in der Gastronomie z.B. reiben sich wahrscheinlich in Anbetracht dieser Auseinandersetzung nur die Augen.

    Letztendlich regelt es dann doch die Nachfrage. In meinem Städtchen hat ein Supermarkt über die Woche bis 22 Uhr auf, ein anderer macht Samstags sogar wieder um 18 Uhr zu. Wenn sich die längeren Öffnungszeiten rentieren, besteht außerdem vielleicht die Möglichkeit, dass ein paar neue Arbeitsplätze entstehen.

  2. Falk sagt:

    Das mit längeren Öffnungszeiten mehr Arbeitsplätze entstehen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Hierzulande hat dieses «ab 20 Uhr geht keiner mehr einkaufen» doch durchaus seine Gründe nicht nur im mangelnden Geld. Da kommt jahrzehntelange Gewohnheit und die Glotze (Tagesschau) ins Spiel, was man ja bedenken sollte. Unde außerdem ists dann Dunkel draussen und bei der ständig gestreuten Angst, man kann ja brutal ausgeraubt werden, schliesst man sich doch nach dem Einkaufen ganz schnell besser zu Hause ein. Sonst wird man noch seiner Einkäufe beraubt.

    Aber Ironie beiseite — hat mal jemand tatsächlich eine Kosten/Nutzen-Analyse durchgeführt? Die Kaufleute haben erhöhte Kosten und trotzdem nicht mehr Umsatz. Denkste die stellen dann neue Leute ein? Also ich mag ja vom kaufmännischen nicht wirklich viel Ahnung haben, aber eher wird das bisherige Personal dann halt Überstunden schieben, wenn der Laden eh länger aufbleibt.

  3. Jan sagt:

    Die Freiheit, Läden länger öffnen zu dürfen ist grundsätzlich positiv. Wenn diese Freiheit nun nicht in dem Maße genutzt wird, wie es möglich wäre, dann sagt mir das eigentlich nur, dass das Gesetz, dass diese Freiheit verboten hatte offensichtlich vollkommen überflüssig gewesen ist. Und überflüssige Regelungen gehören abgeschafft.

    Längere Öffnungszeiten = Mehr Arbeitsstunden = mehr Arbeit. Entweder bedeutet das dann mehr Lohn oder mehr Arbeitsplätze, ist mir beides recht.

    Übrigens: Es gibt Menschen, die müssen lange arbeiten — obwohl sie nicht in Supermärkten tätig sind. Und diese Menschen möchten eventuell auch mal in der Woche einkaufen können — was liegt da näher, als Läden zu gestatten sich dieser Kunden anzunehmen?

  4. thseeling sagt:

    Mir zerreisst es immer das Herz, wenn jemand Mitleid mit den armen Angestellten vorgibt, die dann wohl offensichtlich 20 Stunden am Tag arbeiten müssen.
    Wie wär das denn, wenn folgende Berufsgruppen Dienst nach Vorschrift machen und sich am Ladenschluss orientieren?

    * Gastronomie
    * Polizei
    * Feuerwehr
    * Krankenhäuser
    * Tanzlehrer
    * Pfarrer
    * Industrie (Auto, Stahl, Pharma, Chemie usw.)
    * Telefonseelsorge
    * …
    was hab ich vergessen?

    Wer zu ungewöhnlichen Zeiten arbeitet, hat dafür zu anderen Zeiten frei. Was soll das Gejammer? Schichtarbeit gibt es seit mehr als 100 Jahren.

    Ich arbeite in der IT-Branche und wenn da ein Server nicht rund läuft, muß ich bei Bereitschaft auch dran glauben und Probleme beheben (zwar von zu Hause mit DSL und VPN, aber trotzdem …).
    Und wenn ich zu den üblichen Ladenöffnungszeiten arbeite, will ich in Ruhe einkaufen gehen können, wenn ich Zeit habe. Die Geschäfte wollen mein Geld, also können sie auch offenhalten, wenn ich (nur) am Samstag oder Sonntag bummeln kann.
    Wer mein Geld nicht will, verliert einen Kunden an einen Internetshop.

  5. Oli sagt:

    >Längere Öffnungszeiten = Mehr Arbeitsstunden = mehr Arbeit.

    Blödsinn, entweder überstunden oder Teilzeit, nichts mit dem man sich alleine ernähren kann. Das ist dann die Verkäuferin die sich einen Obolus hinzuverdient, um das Haushaltsgeld aufzubessern. Die Milchmädchenrechnung von mehr Arbeitsplätzen ist genauso schwachsinning, wie der Begriff Vollbeschäftigung.

    >Übrigens: Es gibt Menschen, die müssen lange arbeiten — obwohl sie nicht in Supermärkten tätig sind.

    Dann langt bis 20:00 Uhr und gut ist.

    Stattdessen könnten sich die Banken z.B. mal anpassen, nicht jeder macht es wie ein paar Irre und setzt auf Plastikgeld. Meine Eltern schafften es auch mit regulärer Arbeit tagsüber, Schichtarbeit etc. alles zu erledigen und die Geschäfte hatten nur bis 18 Uhr offen. Heute möchten vielen Zucker in den Arsch geblasen bekommen, muß ja nicht sein …

  6. Oli sagt:

    >Mir zerreisst es immer das Herz, wenn jemand Mitleid mit den armen Angestellten vorgibt, die dann wohl offensichtlich 20 Stunden am Tag arbeiten müssen.

    Das der Tenor insgesamt in die Richtung geht das gesamte System ist shayze, erschließt sich natürlich nur jenem, der zu mehr fähig ist als S/W Denken.

    >Ich arbeite in der IT-Branche und wenn da ein Server nicht rund läuft, muß ich bei Bereitschaft auch dran glauben und Probleme beheben (zwar von zu Hause mit DSL und VPN, aber trotzdem ?).

    Ja dann versuche es mal mit Schichtarbeit am Band, in der Autoindustrie, Hochofen etc. Du könntest auch Äpfel mit Birnen vergleichen — aber danke für die Anteilnahme.

  7. Chris sagt:

    Oli ist heute sehr nett. :) Ich hätte die teils asozialen Aussagen von thseeling gelöscht. :)

    Jan:

    Längere Öffnungszeiten = Mehr Arbeitsstunden = mehr Arbeit.

    Das ist — mit Verlaub — nun wirklich hanebüchender Blödsinn. Wie Oli schon schrieb, Teilzeit, Überstunden, und das wars — ach ja, und natürlich höhere Preise, die offiziel, von der PR verkauften, eingestellten neuen Mitarbeiter müssen ja bezahlt werden. 😉

    Auf sinnfreie Vergleiche mit anderen Berufen gehe ich nicht ein.

    Sorry, wer meint, nur weil es einem selbst nicht so gut geht, dann müsse es auch anderen so gehen, der ist gut beraten, wenn er hier nicht weiter antwortet. 😉

  8. Grainger sagt:

    Jetzt mal ehrlich: das System reguliert sich doch von selbst.
    Natürlich gibt es ein paar Anpassungs– und Umstellunsgschwierigkeiten, aber kein Geschäft wird gezwungen 24 Stunden täglich zu öffnen.

    Falls die Kosten für die Ladenöffnung (Personal, Energie, usw.) ab einer bestimmten Uhrzeit die Gewinne überschreiten wird bei jeder vernünftigen kaufmännischen Kalkulation nach dieser Uhrzeit eben wieder geschlossen.

    Logischerweise kann ich als Verbraucher jeden Euro nur einmal ausgeben, und ob ich den um 18:00 Uhr ausgebe oder um 24:00 Uhr macht da keinen Unterschied, weg ist weg.

    Längere Ladenöffnungszeiten (oder besser: spätere Ladenschlusszeiten) haben für mich als berufstätigen Single unbestreitbar Vorteile, als die meisten Läden noch gegen 18:00 Uhr geschlossen haben wurde es bei mir mit den Einkaufsmöglichkeiten schon mal eng.

  9. Oli sagt:

    >wird bei jeder vernünftigen kaufmännischen Kalkulation nach dieser Uhrzeit eben wieder geschlossen.

    Wäre die Vernunft usus in D müßte man wahrscheinlich nicht permanent den Rotstift beim profanen Bürger ansetzen 😉

  10. Grainger sagt:

    Auch wieder wahr. 😉

    Aber die ganze Diskussion um die Ladenöffnungszeiten ist irgendwie auch wieder typisch deutsch, wir (oder zumindest viele von den Deutschen) fühlen sich nicht wohl wenn nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt ist.

    Und jetzt wird hier etwas dereguliert was in treudeutscher Gründlichkeit seit jeher genau geregelt war, das verursacht der deutschen Seele Unwohlsein. 😀

  11. Jan sagt:

    > Blödsinn, entweder überstunden oder Teilzeit

    Na — überstunden bedeuten jawohl irgendwo mehr Geld, oder etwa nicht? Nichts anderes habe ich sagen wollen.

    > nichts mit dem man sich alleine ernähren kann

    Mag sein — die Höhe der Löhne hat aber ja mit den Öffnungszeiten nichts zu tun. Um sowas müssen sich die Tarifparteien kümmern.

    > Dann langt bis 20:00 Uhr und gut ist.

    Wenn das so ist, dann hat doch jedes Geschäft das Recht um 20.00 Uhr zuzumachen — wo ist das Problem?

    > Sorry, wer meint, nur weil es einem selbst nicht so gut geht, dann müsse es auch anderen so gehen, der ist gut beraten, wenn er hier nicht weiter antwortet.

    Ich weiß jetzt nicht ob ich damit gemeint war — wenn ja: Mir gehts bestens;) — und es liegt mir fern anderen aus irgendwelchen Gründen schlechtes zu wünschen, ich hab nur eine Abneigung gegen unsinnige Gesetze und Regeln.

  12. Euro sagt:

    Jetzt muss ich meine 2ct. auch mal wieder beisteuern, kenne ich das Problem als Ehemann einer Kassiererin aus eigener Anschauung. Längere Ladenöffnungszeiten verbunden mit der Einführung einer weiteren Schicht, wäre sicher OK. Findet aber nicht statt,im Gegenteil werden «teure» Kassiererinnen abgebaut und durch «billige» Kräfte wie z.B. Schülerinnen ersetzt und das nicht mal 1:1.
    Außerdem gibt der Deutsche keinen Cent mehr aus, wird er nicht durch so hahnebüchene Aktionen wie «doppelte Punktzahl auf Payback» dazu gezwungen. Das hat aber wiederum nichts mit den Öffnungszeiten zu tun. Stattdessen gibts jetzt Umsatzlöcher zwischen 18:00 und 19:00 z.B. Kurz vor 20:00Uhr kommen dann die Irren und machen entweder ihren Monatseinkauf oder kommen extra wegen eines Kaugummis.
    Am Ende des Tages ist unterm Strich weniger da, als vorher. Weil man halt (noch! RFID winkt) Leute braucht, die bezahlt werden wollen und nicht mehr, sondern breiter gestreut gekauft wird.
    Der einzige Effekt ist, dass in ihrer Spätschichtwoche Sendepause im Eheleben ist. Demnächst bis 22:00 Uhr? Na toll!
    Ich heuchle hier kein Mitgefühl, ich bin betroffen!

  13. Chris sagt:

    Tja Jan, wenn es einem gut geht, lässt es sich natürlich noch besser daherschwafeln — man ist ja nicht betroffen, und das jetzt mal direkt: Der eigene Horizont lässt es wohl nicht zu, dass andere betroffen sein könnten, siehe auch EuRo.

    Naja, so war es immer, so wird es immer sein…

  14. Oli sagt:

    >Na — überstunden bedeuten jawohl irgendwo mehr Geld, oder etwa nicht? Nichts anderes habe ich sagen wollen.

    … oder ein plus ein Freizeit.

    >und durch ?billige? Kräfte wie z.B. Schülerinnen ersetzt und das nicht mal 1:1.

    Sagen wir mal Studenten/Studentinnen und dann paßt es auch zum Gros. Und das ist mitunter auch nicht schlimm, einfach aus dem Grund heraus, weil man diesen mit Studiengebühren & Co auch immer mehr das Wasser abgräbt. Man kann nicht einerseits von Schmarotzern fabulieren und diesen gleichzeitig aber die Lebensgrundlage streitig machen — irgendwo ist das sehr widersinning.

  15. Grainger sagt:

    Den von Euro beschriebene Effekt das kurz vor Ladenschluss unabhängig von der Uhrzeit immer noch mal viel los ist haben mir zwei Bekannte (die ebenfalls im Einzelhandel arbeiten) auch schon bestätigt.

    Es gibt eine (offensichtlich gar nicht mal so kleine) Gruppe von Leuten, die immer alles in letzter Minute erledigen, auch das einkaufen.

    Denen ist mit längeren Ladenöffnungszeiten natürlich nicht geholfen, vermutlich wäre diese Zielgruppe nur mit 24/7-Öffnungszeiten zu befriedigen (und würde dann vor leeren Kühlschränken verhungern, weil ja der Druck der «letzten Minute» fehlt und sie so nie zum einkaufen kämen :D).

  16. Falk sagt:

    Noch ne Portion Polemik? Klar doch oder — auch der deutsche Kaufmann braucht wie der deutsche Michel Spielregeln, an die er sich halten kann. Hat er die nicht mehr, sind die armen Kaufleute echt arm dran bald.

  17. Grainger sagt:

    Der deutsche Kaufmann ist flexibler, zumindest wenn es einen Euro zu verdienen gibt.

    Der deutsche Michel fürchtet Veränderungen. 😉

  18. Oli sagt:

    Also das ist doch shayze was ihr da redet 😀

    Der Deutsche ist ein Michel und einige davon mutieren zum Kaufmann. Diese deutschen Kaufmänner basieren also auf dem gleichen Genpool und verlieren das flexiblere Kaufmanns-Gen behände wieder, wenn der althergebrachte Genpool dominiert. Ergo gibts dann wieder einen deutschen Michel. Dieser neuerliche deutsche Michel ist jedoch noch weitaus mißtrauischer gegenüber Veränderungen, denn in seinem Erbgut ist Erfahrung gespeichert — die, das Flexibilität tödlich ist in D 😀
    So geht das eben auf und ab, im Prinzip bewegt man sich also auf der Stelle 😉

  19. Grainger sagt:

    Danke für diese tiefschürfende Erklärung des «Deutschen-Michel-Genoms», schlagartig wird mir vieles klarer! 😉

  20. Daniel sagt:

    «seit Ihr…» schreibt man übrigens mit d wie Dora –> seid.

    Sorry, der Kommentar musste sein!

  21. Oli sagt:

    Den Grammatik-Fetisch löschen wir normalerweise stante pede, aber wir sind ja diesmal nicht so :)

    Aber die Werbung lassen wir auch, ne? :) Sorry dafür …

  22. thseeling sagt:

    @Oli, Chris:
    wie alt seid Ihr denn, daß Ihr eine Meinungsäußerung verwendet, um gleich einen persönlichen Angriff loszulassen? Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder, bin in mehreren Vereinen ehrenamtlich tätig, und weil *ich* persönlich gern zu bequemeren Zeiten einkaufen will, kommt einer her und schimpft mich asozial? Na danke! So eine Diskussionskultur brauche ich nicht.

    Wer viel Freizeit hat, kann natürlich gern für die Ladenöffnungszeiten von 1970 kämpfen und sich aufregen.
    Gern, jeder hat seine Meinung.
    Meine Meinung ist nach wie vor: es gibt unnötige Gesetze, und die gehören weg. Wenn es sich nicht lohnt, wird ein Händler nicht aufhalten. Die Arbeitszeit ist ein anderes Thema, für faire Behandlung der Angestellten muß dann etwas getan werden; aber nicht, indem generell das Thema wieder zurückgerollt wird auf den Stand von vor 30 Jahren.

  23. Euro sagt:

    Gegen 24/7 ist ja gar nichts einzuwenden. Nur gibts das nicht umsonst. Eben auch und gerade nicht für die, die es so vehement wollen. Es bedarf neuer Verträge für alle Mitarbeiter, es bedarf neuer Mitarbeiter, die die Zeiten abdecken können. Und das wiederum bedingt höhere Preise, weil jemand diese Mehrkosten finanzieren muss. Wenn das Ladenschlußgesetz ersatzlos gestrichen wird, kann der Kaufmann für sich entscheiden, ob er einen 24-er shop nach amerikanischem Muster betreiben will, oder ob er lieber zu «normalen» Zeiten vernünftigen Service zu vernünftigen Preisen anbieten will, wobei letztlich auch die Mitarbeiter profitieren.
    Ich stimme ja zu, dass nicht jeder Furz einer Regelung bedarf. Man kann sowas auch kaputtregeln (wie man sieht).
    Ich fordere nur Fairness für alle gleichermaßen. Und für Kassiererinnen, die sich heute auf einem Uraltvertrag ausruhen z.B. eine Änderungskündigung zum Wohle aller.

  24. Oli sagt:

    @thseeling,

    >Gern, jeder hat seine Meinung.

    Ja ich habe eine Meinung bezüglich der Menschen und du dazu was du gerne in deiner Freizeit machst. Erinnere dich mal daran das da Menschen arbeiten, denen du u.U. die Freizeit zerstörst. Da sind mitunter eine Vielzahl von Reinigungskräften, die entweder nach den verlängerten Öffnungszeiten in der Nacht beginnen zu arbeiten oder bei 24h-Betrieb ihrem Job nachgehen müssen, während hochwohlgeborene Herren ihr Recht auf Meinungsfreiheit auf anderer Leute Kosten vertreten. Teils für einen Hungerlohn, denn Mindestlöhne sind auch verpönt — einmal von den Konservativen und einmal von der Gegenseite die anderes befürchten … über bleibt auf der einen Seite also Bequemlichkeit und auf der anderen Seite Ungerechtigkeit. Nicht nur Verkäufer bluten dafür, eine ganze Infrastruktur dahinter ebenso.

    Ich schließe mich dem an was Euro sagt.

    1) Gerechtigkeit für alle
    2) und der Spaß kostet auch etwas

    Beide Punkte werden nicht erfüllt werden, das is t usus in dieser Republik und somit ist auch die einseitige Forderung absurd. Denn mehr Geld für mehr Leistung möchte ja heute keiner bezahlen.

    >wie alt seid Ihr denn, daß Ihr eine Meinungsäußerung verwendet, um gleich einen persönlichen Angriff loszulassen?

    Schau halt nach. Keine Ahnung mitunter bist du via Google hier gelandet, dein sogn. persönlicher Angriff, ist unserere polit. geprägte Meinung, kann man quer durch den Blog nachvollziehen — ein Satz langt da nicht.
    Wir haben eine andere Meinung, die wir auch verfechten, nur leben wir eben unsere Meinung nicht auf Kosten anderer aus.
    Die Bloglektüre hier ist freiwilliger Natur und es entstehen dir auch keinerlei Einschränkungen, wenn du diesen liest oder nicht liest :)

    >Die Arbeitszeit ist ein anderes Thema, für faire Behandlung der Angestellten muß dann etwas getan werden; aber nicht, indem generell das Thema wieder zurückgerollt wird auf den Stand von vor 30 Jahren.

    Also erst einmal das Vergnügen und um den Rest können sich andere kümmern? Klasse so funktionierts die ganzen Jahrzehnte schon und alle Nutznießer davon frohlocken — die Ungerechtigkeiten bestehen jedoch weiter. Und solange dies der Fall ist braucht es eben in diesem Land noch mehr Verordnungen, sinnvoller Natur wären diese wohl besser, aber jedes Volk bekommt eben das, was es verdient!

    Ein Beispiel übrigens ist ein Beispiel, das nur dazu diente Anwandlungen gesellschaftlicher Dekadenz aufzuzeigen.

  25. Chris sagt:

    Ich unterschreibe die grandiosen Zeilen von Oli einfach mal. :)

  26. Jan sagt:

    Vor kurzem gab es im Fernsehen (keine Ahnung wo und wann ich das gesehen habe) mal einen Bericht über einen vollautomatischen Getränkeladen. Das funktionierte so ähnlich wie ein Automat, nur eben mit ganzen Kisten. Logisch, das das Ding keinerlei Beschränkungen bei den Öffnungszeiten unterlag und auch logisch, dass auf die Art Verkäufer ganz eingespart werden können.

    Wäre das eine Lösung nach eurem Geschmack? Immerhin gibt es dort niemanden mehr, der in so einem Laden lange arbeiten muss (abgesehen von Servicetechnikern, zu denen ich übrigens eventuell gehören könnte, womit ich aber leben kann).

    Schwer zu sagen, ob solche «Geschäfte» irgendwann im großen Stil kommen könnten oder nicht, die Technik gibts aber bereits, es ist also eine Alternative.

  27. Falk sagt:

    Fänd ich prima — nur müsste man sich dann vom Traum der vollbeschäftigten Bevölkerung lösen. Und da seh ich noch lange keine Debatte rund um einen gesellschaftlichen Fortschritt, der mit dem technologischen und der damit verbundenen Rationalisierung einhergeht. Auf gut deutsch — so Dinge immer begrenzt und losgelöst von allem Weiteren zu betrachten führt einfach zu Nichts. Genau das ist ja ein Teil der Kritik oben im Artikel.

  28. Oli sagt:

    >nur müsste man sich dann vom Traum der vollbeschäftigten Bevölkerung lösen.

    Das hätten wir schon Ende der 70er tun müssen. Vollbeschäftigung ist absurd und wer das postuliert muß sich auch als Lügner bezeichnen lassen. Und wer dies weiß und es ignoriert, ist darüber hinaus asozial.
    So schauts eben aus in Deutschland, man versucht irgendwo am Ergebnis herumzubasteln und ignoriert geflissentlich die Ursachen.

  29. Jan sagt:

    Also grundsätzlich: Vollbeschäftigung als erstrebenswertes Ziel zu setzen halte ich nicht für völlig absurd, solange man sich im Klaren ist, dass es natürlich eine Utopie ist und dieses Ziel allenfalls als eine Art Richtungszeiger anzusehen ist.

    Worauf ich aber eigentlich mit dem Beispiel hinaus wollte: Regelungen wie das Ladenschlussgesetz können derartige Technik, die ganz klar auf Kosten von Arbeitsplätzen wirkt, natürlich beflügeln. Ebenso wie sich das Ladenschlussgesetz zweifellos auch irgendwo auf die Größe von Tankstellenshops auswirkt.

  30. Oli sagt:

    Machst du auch Überstunden und bekommst diese mitunter bezahlt? q.e.d.

    Sprich du torpedierst genau das initiale Anliegen, es werden keine weiteren Arbeitsplätze geschaffen, sondern diejenigen mit Arbeit stoßen sich im großen und ganzen gut daran.

  31. Jan sagt:

    Nein, ich befinde mich noch in Ausbildung und mache daher keine Überstunden.

    Allerdings hätte ich in dem Fall, dass man mir sagt ich hätte Überstunden zu leisten kaum eine andere Wahl, als das zu tun (mal abgesehen davon die Firma zu wechseln, was aber jeder Kassiererin ebenso zusteht, falls ihr die Arbeitszeiten nicht passen).

  32. Oli sagt:

    Ahm wechseln in der heutigen Zeit … dir ist schon klar was es heißt sich ins eigene Knie zu schießen? Viele Kassiererinnen, mal nur auf die üblichen Großmärkte beschränkt, sitzen dort um einen kleinen Obolus dazu zuverdienen, weil der Job vom Mann nicht reicht. Und da rede ich gar nicht von Urlaub u. sonstigen Gelüsten.
    Ebenso hohl könnte ich einem Vergewaltigungsopfer begegnen und mit der Selbst-Schuld-Rethorik kontern a la hättest du den mal nicht so gereizt. Im Klartext heißt das, da draußen das nennt man Leben. Da ist Theorie oft nicht nur grau, sondern auch manchmal arg daneben.

  33. Jan sagt:

    > Ahm wechseln in der heutigen Zeit ? dir ist schon klar was es heißt sich ins eigene Knie zu schießen?

    Richtig — darum habe ich ja geschrieben: «Allerdings hätte ich in dem Fall, dass man mir sagt ich hätte Überstunden zu leisten kaum eine andere Wahl, als das zu tun»

    Der Kommentar davor kam halt so rüber, als müsste man sich dafür rechtfertigen, wenn man überstunden macht.

  34. Oli sagt:

    >Der Kommentar davor kam halt so rüber, als müsste man sich dafür rechtfertigen, wenn man überstunden macht.

    >Entweder bedeutet das dann mehr Lohn oder mehr Arbeitsplätze, ist mir beides recht.

    Sicherlich muß man das und zwar genau dann, wenn man behauptet das bringe mehr Arbeitsplätze 😉
    In der Praxis bringts nämlich nur Geld, aber zweifelsohne kaum neue Arbeitsplätze.

  35. Jan sagt:

    Na also, dann sind wir wohl doch einer Meinung: Es bringt also «nur Geld» und immerhin «kaum neue Arbeitsplätze», was jawohl eindeutig mehr als keine sind.

    Ich behaupte doch nicht, dass es einen Boom auslösen muss oder dass jeder davon Betroffene Beschäftigte gefälligst zu jubeln hätte, egal in welcher privaten, familiären Situation er sich befindet, die natürlich immer (und in jedem Job) von den Arbeitszeiten beeinflusst wird.

    Aber, und das beinhaltet ja der obige Artikel, da die Lockerung nur in Einzelfällen überhaupt entsprechend angenommen wird, sind die meisten in Geschäften Beschäftigten ohnehin nicht betroffen und diese Diskussion damit in Teilen eigentlich überflüssig … aber dennoch recht interessant und kontrovers;)

  36. Oli sagt:

    Kleine Geschäfte sind nicht betroffen die großen Märkte greifen da schon eher um sich und wie oben schon erwähnt kommt dort nicht immer Logik zum Einsatz. Mitunter möchte man auch mal experimentieren (kam schon häufig genug vor) und die Konsumenten umerziehen — und letzteres kann man sehr gut beim Gros der Kauflemminge beobachten.

    Das mehr Geld und gut ist mag ja auch für einige zutreffen, viele jedoch sagen auch es langt mir ist die Zeit mit meiner Familie lieber. Nur hat man dort auch nicht die Wahl und die Überstundenvergütung muß nicht immer finanziell lohnenswert sein. Freizeitausgleich ist gerne das Argument und dann heißt es gemäß bla bla muß diese bla bla auch in Anspruch genommen werden — nun auch hier klafft eine gewaltige Lücke zw. Theorie und Praxis. Letztendendes wurde zwar mehr gearbeitet, doch die Einbußen waren größer als der Nutzen.

    >da die Lockerung nur in Einzelfällen überhaupt entsprechend angenommen wird,

    Diese Einzelfälle können ganze Regionen sein, die vielleicht in Berlin, HH, Köln uninteressant sind, aber gerade deshalb auch noch mehr zur Ungerechtigkeit mutieren. Das sieht man z.B. schon an diesen dümmlichen Feiertagsregelungen pro Land/Region. Mit dieser konfusen Regelung ergeben sich für manche Familien und Paare recht seltsame bzw. gar unmögliche Situationen z.B. in Grenzgebieten (zw. den Bundesländern). Man sollte also versuchen, einige Dinge auch mit anderen Augen zu sehen … ich bin auch kein Verkäufer.

  37. Jan sagt:

    > experimentieren (kam schon häufig genug vor) und die Konsumenten umerziehen — und letzteres kann man sehr gut beim Gros der Kauflemminge beobachten.

    Gibts da vielleicht ein Beispiel? Also was Experimente angeht hat unser örtlicher Mediamarkt mal so ne eigenartige Aktion gehabt, die irgendwie bis 22 Uhr ging, ich hab nur keine Ahnung ob das wirklich wen interessiert hat. Allerdings kann ich an einmaligen Aktionen jetzt nichts wirklich belastendes finden, sowas gibts nun wirklich in jeder Firma mal.

    Was die Vergütungsproblematik angeht: Das sollte nicht allein auf die Frage «Ladenschluss gesetzlich regeln ja oder nein» geschoben werden, wem wirklich was an den Gehältern von Verkäufern liegt, der sollte sich vielleicht mal fragen ob er auch danach handelt, also z.B. dort kauft, wo mehr bezahlt wird.

    Davon abgesehen gibt es diese Probleme in vielen Branchen, eben auch dort, wo es keinen Ladenschluss gibt (Krankenschwestern verdienen z.B. bei deutlichen mieseren Arbeitszeiten auch nicht gerade üppig).

    > Diese Einzelfälle können ganze Regionen sein

    Da hätte ich auch gerne mal ein Beispiel, weil ich da jetzt ehrlichgesagt bisher nichts derartiges feststellen konnte — ist es so gemeint, dass flächendeckend Geschäfte auf dem platten Land plötzlich länger auf haben? In meiner Region (so zwischen Hamburg und Lüneburg der Bereich) ist es jedenfalls nicht so und wenn es in eher städtischen Bereichen auch nicht so ist, dann würde mich schon interessieren wo dann.

    Das wir von Land zu Land verschiedene Feiertage haben ist halt Föderalismus — aber ich möchte trotz der vielen Feiertage nichts um in der Welt in Bayern leben…

  38. Harald Lezius sagt:

    Zum Ladenschluss bzw. Ladenöffnung
    Harald Lezius

    Eine längere Ladenöffnungszeit bringt sicher keine zusätzlichen Umsätze, das ist der negative Teil. Aber die Lebensqualität der Kunden steigert sich, da er nicht abgehetzt z.B. nach der Arbeit oder in der Mittagspause noch schnell einkaufen muss, das ist der positive Aspekt. Eine längere Öffnungszeit schafft zusätzliche Arbeitsplätze! Bei z.B. einer Ladenöffnungszeit von 08:00 Uhr bis 22:00 Uhr muss jeder Arbeitsplatz bis 2,5x besetzt sein, Vormittags ist das Stammpersonal zum bestücken da, in den Nachmittags– und Abendstunden können das angelernte ?Hausfrauen? an 2–3 Tagen in der Woche abwechselnd machen, die sich gerne was verdienen wollen. Das hebt auch das Familienglück (Streit gibt es meistens nur wegen der ?Kohle?). Alles nur eine Sache der Einteilung und Organisation und Sichtweite der Betroffenen. Abends ausgehen können sich die meisten eh nicht leisten, oder nur an bestimmten Tagen. Mit einem Zusatzverdienst kann ich mir das sicher besser Leisten, und wann ich ?Ausgehe? kann ich mir ja einteilen und organisieren.
    Gruß Harald

  39. Falk sagt:

    Eine längere Ladenöffnungszeit bringt sicher keine zusätzlichen Umsätze

    Eine längere Öffnungszeit schafft zusätzliche Arbeitsplätze

    Eher werden die bestehenden Belegschaften länger arbeiten dürfen. Da ja auch kaum bis keine Gewerkschaften da Einfluss nehmen können/wollen/dürfen, müsste das eigentlich das realistischere Szenario sein. Denn die beiden Zitate widersprechen sich. (Wobei ja auch höhere Gewinne eher zu Entlassungen aufgrund Rationalisierung sorgen, wohl aber so eher nicht im Einzelhandel)

  40. Falk sagt:

    Nachtrag: Natürlich hab ich in obiger Betrachtung mal nicht die vom Amt verordnete «Zwangsarbeit zum Hungerlohn» einbezogen.

  41. Oliver sagt:

    Neue Arbeitsplätze *rofl* das ist derselbe Käse wie der Spruch der Gewerkschäften in puncto weniger Arbeitszeit = mehr Arbeitsplätze. Aus diesem Grund verließ ich die Metaller schon recht früh wieder und machte mich auf in andere Gefilde 😀
    Man muß sich die Gewerkschaften und die Darstellung ihrer «Realität» ganz einfach als Partei betrachten, merkt man manchmal erst wenn man aktiv dabei ist — aber dann umso besser.

  42. Falk sagt:

    Mir reichte für die Erkenntnis, dass Gewerkschaften eher Parteien gleichen, meine Zeit im Personalrat (als Nicht-Gewerkschaftsmitglied wohlgemerkt). Leider schwimmen die Gewerkschafter auch immer prima an der Basis vorbei, als dass man da von Unterstützung der Arbeitnehmer sprechen könnte. Aber von ganz allein kriegen diese ihren Popo ja auch nicht hoch.

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