SPD — So einen Scheiß lassen sich die Menschen nicht mehr lange bieten

SPD-FahnenEs vergeht kein Tag, an dem die SPD nicht selbst einen Sargnagel nach dem anderen in die eigene, letzte Ruhestätte schlägt. Gestern haben die Macher, Schröders Gefolgsleute, der Agenda 2010, von Hartz IV, von Elend und Armut in unserem Land, die Menschen, die wie kaum andere Zwietracht und Misstrauen in der Bevölkerung gesäht haben, ihr neues Buch vorstellt. Matthias Platzeck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier tragen damit endgültig die Sozialdemokratie innerhalb der SPD zu Grabe. Anstelle des überkommenen Sozialstaates tritt der vorsorgende Sozialstaat — was nichts anderes heißt, als soziale Eiseskälte, eine weitere Umverteilung von unten nach oben, der endgültige Bruch mit den Menschen in unserem Land.

Die SPD bricht zudem mit Willy Brand, Kurt Schumacher und anderen Sozialdemokraten — man sollte ihr dringend nahelegen das Willy-Brand-Haus umzubenennen. Die Parteizentrale in Berlin hat es nicht mehr verdient, diesen Namen zu tragen. Human Capital tritt anstelle von Menschlichkeit, von einem Miteinander — Erwerbsarbeit wird zum heiligen Gral erklärt, die Bildung, die die Menschen in unserem Land erhalten müssen den Menschen befähigen, für seinen Lebensunterhalt selbst aufzukommen. Ist dem nicht so, ist er selbst schuld, er hat sich unterzuordnen, er wird drangsaliert, sklavisch vom Rest der Gesellschaft (aus)gehalten.

Die SPD unter Matthias Platzeck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier verabschiedet sich eindrucksvoll von der Arbeiterschicht, der kleine Mann auf der Straße, der Arbeiter, der Angestellte ist nicht mehr die Zielgruppe — viel mehr buhlt die SPD von heute nunmehr um die Elite. Sie ist endgültig zur Schwesterpartei der Union und der FDP mutiert — sie ist zu einer obskuren Mischung dieser abgehobenen Parteien geworden. Sie wurde erfolgreich unterwandert — von Lobbyisten der INSM, Bertelsmann, Mohn und Co, also von praktisch allem, was man früher vehement und auch erfolgreich bekämpft hat.

Die SPD von heute verleugnet die eigene Geschichte — sie bekämpft sie sogar, sie macht sie lächerlich. Eigene hart erkämpfte soziale Erfolge werden heute madig geredet, als schädlich für die Gesellschaft dargestellt. Ein weiterer Bruch mit Sozialdemokraten wie Willy Brand und Kurt Schumacher. Diese Herren würden sich heute im Grabe umdrehen, würden sie mitbekommen, wie die heutigen SPD-Granden mit ihrem Nachlaß umgehen. Die SPD-Parteizentrale in Berlin vernichtet heutzutage eigene Erfolge, Erfolge, die der Gesellschaft (soziale) Sicherheit und ein mehr oder weniger erträgliches Leben gebracht haben. Die Herren Matthias Platzeck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier stehen heute für eine extreme (soziale) Unsicherheit in der Gesellschaft, für eine schreiende Ungerechtigkeit sowie für Millionen von Menschen für Armut und ein Leben unter dem Existenzminimum — lediglich viele Körper existieren noch. Die Menschenwürde, verankert in Artikel 1 unseres Grundgesetzes, wurde von den Regierungen Kohl, Schröder und Merkel abgeschafft — immer vorneweg marschiert: die SPD.

Die SPD hat sich derart weit von den Menschen entfernt, dass man sich fragt, wie es überhaupt noch sein kann, dass sich Wähler für diese Partei finden. Wo auch immer auf Podien große Reden geschwungen werden, immer wird über die Zukunft geredet. Eine Zukunft, die so unsicher ist, wie die Lottozahlen vom nächsten Samstag. Man stelle sich mal vor, die Politik Anfang der 70’er Jahre hätte alles darauf ausgerichtet, dass wir Anfang diesen Jahrtausends mit den Folgen der Wiedervereinigung zu kämpfen haben, dass wir die Russen als lupenreine Demokraten (mehr oder weniger) wahrnehmen oder dass wir unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen. Doch diese Beispiele sind nichts anderes, als das, was heute in der Politik passiert — so gut wie alle Entscheidungen werden mittlerweile mit dem Hinweis auf diverse Studien, die bis ins Jahr 2030 oder gar 2050 reichen, begründet. Das mag auf der einen Seite recht pfiffig sein, muss man sich so doch kaum rechtfertigen, auf der anderen Seite jedoch vergißt die SPD die Menschen im Jetzt, in der Realität abzuholen. Die Nöte und Ängste der Menschen in unserem Land hat die SPD völlig aus den Augen verloren.

Wer es in dieser neuen Welt der SPD nicht aus eigenem Antrieb heraus schafft, sich (und seine Familie) zu ernähren, wer nicht einen Job hat, findet, ihn behält, wer in Zukunft nicht zu den Poduktiven, zum Human Capital gehört, der bleibt in dieser SPD-Utopie der Granden Matthias Platzeck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier auf der Strecke. Er / sie wird abgehängt, vererbt den sozialen Status an die eigenen Kinder weiter. Und Leistung ist in diesem System ungleich Leistung. In dieser neuen Welt ist entscheidend, wo man geboren wurde, welche Kontakte, Freunde, Verwandte man hat. Das ist die neue Traumwelt der feinen Herren, die im Moment innerhalb und ausserhalb der SPD größtes Ansinnen genießen. Schöne, neue Welt — ich war eigentlich der Meinung, dass diese Gesellschaftsform vor über 100 Jahren abgeschafft wurde.

Und da nützt dann auch kein (unglaubwürdiges) Machtwort des Parteivorsitzenden, des anständigen Herrn Beck. Kurt Beck ist voll auf Linie seiner beiden (zukünftigen) Stellvertreter sowie Matthias Platzeck. Was Kurt Beck von Menschen niederen Standes hält, kam insbesondere bei Henrico zum Vorschein — unsägliche andere Äusserungen sind natürlich auch nicht vergessen. Frank-Walter Steinmeier indes will den Deckel des SPD-Sarges wohl sogar vollständig und luftdicht zuschweißen. Er hat vor, den Begriff Sozialismus innerhalb der SPD zu streichen. Für die SPD soll dann noch der Begriff soziale Demokratie stehen — perfide seine Begründung, dass die SPD dann näher an den Leuten dran wäre, wie es Willy Brand geprägt hat. Laut Grundgesetz ist unser Land per se ein Sozialstaat und eine Demokratie. Wenn man nun diese Worte von dem Begriff soziale Demokratie abzieht, was bleibt dann für die SPD als eigene Identität übrig? Richtig — nichts, aber rein gar nichts, ein luftleerer Raum, ein Vakuum. So einen Scheiß lasse ich mir nicht bieten — das soll der anständige SPD-Vorsitzende Kurt Beck gestern gesagt haben. Auf die Wähler umgemünzt könnte man auch sagen, dass diese sich den Scheiß der SPD nicht mehr lange bieten lassen.

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9 Antworten zu “SPD — So einen Scheiß lassen sich die Menschen nicht mehr lange bieten”

  1. Grainger sagt:

    Wir erleben hier mit, wie sich eine einstmals große Volkspartei systematisch ihr eigenes Grab gräbt.

    Die Basis hat es wohl teilweise schon gemerkt, der Verlust von rund 40% der Mitglieder in den letzten Jahren spricht für sich und sollte eigentlich ein lautstarkes Signal an die Parteiführung sein (das aber offensichtlich ungehört verhallt).

    Und wenn die SPD keine Alternative mehr zur CDU/CSU bzw. FDP darstellt (was sie immer weniger bzw. eigentlich schon gar nicht mehr macht) ist sie schlicht und einfach überflüssig geworden.

    Als mitleidiger Mensch kann man ihr (und uns) nur wünschen, das ihr Ende schnell und schmerzlos sein wird und sie nicht lange leiden muss (und uns mit sich leiden läßt).

  2. Stevie sagt:

    ich bin über spreeblick gekommen. ich muss sagen im verlinkten artikel bin ich anderer meinung. so sind wir linke halt. dieser Artikel jedoch gehört zum besten was ich jemals auf einem weblog gesehen habe. danke.

  3. Falk sagt:

    Was meinte ein jahrzehntelanger SPD-Wähler erst gestern zu mir: «Die kann man doch nicht mehr wählen. Die werden doch teilweise schon von der CSU links überhohlt.»

    Recht hatte er und Recht musste ich ihm geben. Die Botschaft der SPD, dass ihnen ihre Wähler egal sind, kommt so langsam beim kleinen Mann an. Wurde ja auch Zeit…

  4. NixKnutgut sagt:

    Regelmässig finden da doch Wahlen statt.…
    Und mit wem wollen sich die Parteien sich es nun überhaupt nicht verderben?
    Informationsportal Globalisierung
    Wenn Sie heute auf der Webseite des Informationsdienstes „Nachdenkseiten» waren, werden Sie des Herausgebers Traktat zur Globalisierung gelesen haben. Sie ist für ihn weiterhin nichts Neues und keine besonders große Herausforderung, sondern eine „Stereotype» im Wortschatz der Bundesregierung.
    Nun..
    In den Kommentaren kann man dann folgendes lesen..
    Natürlich wird immer schon gesagt, Wirtschaft ist Krieg, aber unsere Leute glauben immer noch, es handelt sich um ein Ritterturnier, in dem Ehrenregeln gelten…dabei ist es der dritte Weltkrieg.
    Ich habe die ganz dumme Vermutung, das besonders ältere Menschen (Rentner) über dieses Buch zur Wahlurne bewegt werden sollen.
    Diese Gedanken gehen mir bezüglich der letzen Zeit sehr häufig durch den Kopf.
    Wenn es dann so wäre..?

  5. Chris sagt:

    Dann hätten wir bald eine Alleinregierung unserer Bundes-Merkel.

    Was aber in Himmelhergottsnamen hat dieser Kommentar mit meinem Artikel zu tun?????

    @Stevie: Danke.

    @Grainger: Ich hab gestern das erste Mal erlebt, dass sogenannte Experten vor die Kamera geschleppt wurden, die erklären mussten, dass Union & SPD doch grundsätzlich verschiedenartig sind und Gegensätzliches wollen. Ich habe mir leider den Namen nicht gemerkt. Wäre interessant gewesen, zu recherchieren, wer schon heute Interesse daran hat, das klarzustellen. Interessant aber schon so, dass im Verblödungsstrahler dem schon nun entgegen gewirkt wird. Da müsseb mittlerweile Doktoren vor die Kamera, die erklären Union und SPD sind unterschiedlich. Genial. 😀

    @Falk: Und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen. 😉

  6. Grainger sagt:

    @Chris

    Eine große Volkspartei sollte aber keine (selbsternannten?) Experten nötig haben, um ihrer Klientel (Mitgliedern und Wählerschaft) klar zu machen, das sie sich immer noch von Parteien, die traditionell eigentlich eher das Arbeitgeberlager bedienen, unterscheidet (oder unterscheiden will).

    Es sollten eigentlich keine Akademiker von Nöten sein um dem gemeinen Arbeiter zu erklären warum seine Partei denn immer noch seine Partei sei und warum sie nicht auf wundersame Art und Weise auf einmal die Partei der Bonzen geworden ist.

    Allein diese Form des Erklärungsbedarf ist doch ziemlich entlarvend und zeigt auf, das da etwas ganz grundlegendes schief läuft.

    Nicht nur, das die SPD stirbt, sie macht sich dabei auch noch zur Witzfigur.

    Was soll’s, einen Seppuku habe ich ohnehin nicht erwartet.

  7. […] vor. Es trägt den Untertitel Soziale Demokratie und Fortschritt im 21. Jahrhundert. Es wurden bereits einige Anmerkungen zu dem Buch gemacht — und ich habe mir damals gedacht, schauen wir doch mal, wie […]

  8. soenke sagt:

    Ich habe lange in Hamburg, im sozialen Brennpunkt Mümmelmannsberg gelebt und ehrenamtlich gearbeitet. Dort gibt es Sozialhilfeempfänger der dritten Generation, also Familien, die seit den ach so seligen 70er Jahren keine Initiative mehr entwickeln und dies ihren Kindern vorleben. Und so kommt es denn, das jemand, der den ganzen Tag zu Hause ist, den Kindern nicht einmal eine warme Mahlzeit auf den Tisch stellen kann. Und das ist leider kein Einzelfall, es kommen oft mehr Kinder in das Projekt als dort Platz ist. Mein Herz schlägt links, ganz sicher, aber schwarz-weiß-Sicht hilft hier gar nichts. Wer sich bei einem tollen Projekt informieren will über Kinderarmut in Hamburg: http://www.kindertreff.ne.….t.
    /soenke

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