SPD — Schreibtischtäter und mehr

Projekt 18Die SPD wird heute die aufrechten Hartz IV-Politiker Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering zum Kanzlerkandidaten, respektive Parteichef küren. Über die beiden Herren wurde hier schon der eine oder andere Artikel verfasst. Auf die immer hochgelobte Basis werden die Menschen in diesem Land keinen Pfifferling geben können. Wer heute noch Mitglied der SPD ist, ist schlicht und ergreifend Schreibtischtäter. Wer heute noch das SPD-Parteibuch mit sich führt, der könnte auch in jede andere Partei eintreten. Die CDU? Christen, die für Arbeitsplätze kämpfen. Die Grünen? Die retten unsere Umwelt. Die FDP? Die treten für die Privatsphäre und den Datenschutz ein. Die Linke? Die retten die Welt. Wer nach den Erfahrungen des letzten Jahrzehnts Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier wählt und aktiv unterstützt, ja sogar Gerhard Schröder noch feiert, ist mehr als Schreibtischtäter. Diese sogenannten Parteisoldaten tragen aktive Schuld an der Armut dieses Landes, sie haben dafür gesorgt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet wird — sie sind aktiv daran beteiligt, dass aus unserem Land nach und nach ein Überwachungsstaat wird.

Die Journaille wird dieses Schauspiel positiv gestimmt begleiten, wie sie schon den Putsch gegen Kurt Beck als notwendig ausgeschlachtet hat. Die SPD ist wieder da, so schallt es einmütig aus den Redaktionsstuben — allein aus dieser Tatsache heraus ist ersichtlich, dass es in Deutschland keinen Journalismus mehr gibt. Redakteure arbeiten für Zeitungen, Zeitungen gehören zu Verlagen, Verlage sind der Rendite verpflichtet, Rendite ist nur möglich, wenn der Mensch beiseite geschoben wird. Und so feiern sogenannten Journalisten den Sieg des Neoliberalismus über die Menschen in diesem Land. Der Mensch ist nicht mehr Mensch, darf nicht mehr Mensch sein — wer nicht funktioniert, wird entsorgt. Das und noch viel mehr ist der politische Wille der Agenda 2010. Die Rendite im Blick fand diese Politik natürlich breite Unterstützung in der Journaille. Viele SPD-Mitglieder sind gegangen, geblieben sind Schreibtischtäter sowie am System aktiv beteiligte Täter. Und es ist nicht zu erkennen, wie uns die Journaille landauf, landab verbreitet, dass die Menschen nun wieder in Heerscharen zu der ehemaligen Volkspartei rennen.

Emnid sieht die SPD prozentual genau da, wo sie unter Kurt Beck stand:

Emnid

Ebenso die Forschungsgruppe Wahlen:

Forschungsgruppe Wahlen

Und natürlich auch Infratest dimap:

Infratest dimap

Natürlich ist das ein stückweit Kaffeesatzleserei — F!XMBR-Leser wissen das. Doch der Trend ist eindeutig. Ob Kurt, Franz oder Walter — die Inhalte sind entscheidend. Und die stimmen bei der SPD schon seit Jahren nicht mehr. Wir begleiten hier seit den Anfängen F!XMBRs den Untergang der ehemaligen Volkspartei. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass FORSA die SPD nach dem Beck-Putsch 3% stärker sieht — dort steht die Partei nun bei 24%. Aber gut — bei aller Kaffeesatzleserei ist insbesondere FORSA mit Vorsicht zu genießen.

Dass die SPD keinen linken Flügel mehr hat, ist auch nicht erst seit gestern klar. Nie war es aber so eindeutig, wie in heutiger Zeit. Der rechte Parteiflügel übernimmt (wieder) die Partei — und Leute wie Andrea Nahles stehen klatschend daneben. Das zeugt entweder von einer ungeheuren Chuzpe oder halt von der Tatsache, dass die SPD schon lange keinen linken Flügel mehr hat. Ich tendiere zu Letzterem. Die SPD und links, das ist ungefähr das gleiche als würde man George W. Bush als Kämpfer für die Menschenrechte feiern. Links bedeutet für mich (unter anderem): Mensch sein, für Menschen, die Schwächeren in dieser Gesellschaft eintreten. Man kann vieles in der SPD erkennen, das aber nun wirklich nicht. Im Gegenteil. Es wird weiter nach unten getreten — als wenn es kein Halten geben würde. Die SPD ist eine Partei von aktiven Tätern geworden.

Mit der heutigen Kür von Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier wird unser Land weiter erkalten, unter diesen beiden Herren und der SPD in Regierungsbeteiligung wird der Mensch nicht mehr viel wert sein — ein Jahrzehnt der Grausamkeit liegt gerade hinter uns. Der Weg, den die SPD seit Helmut Schmidt gegangen ist, unter Gerhard Schröder seinen perversen Höhepunkt gefunden hat, wird nun forsch weitergegangen. Die SPD ist nicht erst seit heute unwählbar geworden, die SPD ist nicht erst heute eine Partei von Schreibtischtätern und Tätern geworden — aber heute wird sie genau dafür von der gesamten Journaille gefeiert. Aber — so wenig die Menschen eine Alternative in anderen Parteien finden, umso weniger vertrauen sie noch der SPD. Die Menschen mögen in vielen Dingen blind sein — sie können aber im Dunkeln sehen.1

Ausrisse: wahlrecht.de

  1. Und bevor jemand aufschreit: Es gibt noch ganz wenige Ausnahmen, die man wirklich als Sozialdemokraten innerhalb der SPD bezeichnen kann. Es sind aber wenige Ausnahmen — und umso länger sie in der SPD bleiben, umso mehr machen sie sich selbst zu Schreibtischtätern, werden sie doch gerne von der Gegenseite in der eigenen Partei als Feigenblatt hervorgeholt. []

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Eine Antwort zu “SPD — Schreibtischtäter und mehr”

  1. Phönix-Live sagt:

    Ich erlaube mir eine Ergänzung.
    «Wer heute noch Mitglied der SPD ist, ist schlicht und ergreifend Schreibtischtäter«
    UND Mittäter der (zuletzt viel bemühten «Wertschätzung» der) «sozialen» BRANDSTIFTER.

    … zugleich zeugt die Liveübertragung (bei Phönix) von einem SPD-Parteitag der Verdrängung, Lügen, Heuchelei, Autosuggestion, Heuchelei, einem (fast unglaublichen) Wahn und die endgültige Entscheidung zum — eigenem — politischen Selbstmord.

    Und… Beifallsstürme sowohl für Steinmeier wie für Steinbrück erfolgten durch eine BEEINDRUCKENDE Mehrheit der Delegierten… von denen eine Vielzahl sich als rote Schalträger präsentieren…

    Rote Schalträger (?) — Ja…

    und ein EBENSO beeindruckendes Zeugnis von einer SPD, die bereits zur peinlichen und lächerlichen Sekte verkommen ist.

    Fehlen nur noch (Müntefering forderte soeben: «Geht raus auf die Straße — zu den Menschen!») die Gewänder und Trommeln der Hare-Krishnas.

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