SPD: Köhler for president

Basis ohne Ehrgeiz: Nur eine Minderheit der SPD-Wähler wünscht sich einen eigenen Kandidaten für das Präsidentenamt.

SZ

Ist dies das übliche Mitläufertum, ja nicht aus der Reihe tanzen? Die SPD hat ja nun schon genügend Prügel eingesteckt, wo kämen wir da hin, wenn sich plötzlich der Hauch eines Profils offenbaren würde? Ergo heult man mit den Wölfen und gibt sich, wie in allen Parteien usus, dem vermeintlich kleineren Übel hin, denn man hat Angst, Angst das die SPD noch mehr Prügel einstecken könnte. Dabei ist dies gerade das falsche Signal, eine entschlossene Basis könnte mehr bewirken, zwar würde auch dieser Diskurs abermals die Medien durchwandern, aber immerhin wäre dies ein Diskurs, der den Menschen da draußen jenen verbleibenden Rest eines linken Habitus offerieren würde. Sprich da ist mehr, die Basis steht hinter der Partei — denn sie ist die Partei, jedoch steht sie nicht hinter den absurden Entscheidungen der Spitze. Es wäre dieses so dringend benötige Zeichen der Basis, daß diese nicht nur hinter vorgehaltener Hand Kritik an so vielen Handlungen der Spitze üben, sondern dies auch lautstark nach außen kommunizieren kann.

Aber auch schon Karl Liebknecht hatte damals Skrupel gegen die eigene Partei zu stimmen und enthielt sich somit der Stimme, später stimmte er dann gegen eine Verlängerung der Kriegskredite (erster Weltkrieg), nachdem ohnehin der Anfang gemacht war. Anders als heute (siehe Clement) entfernte man ihn und andere Störer jedoch sogleich aus der Partei, nach diesem offen zur Schau getragenen parteilichen Ungehorsam. Wie man also sieht sitzt das Herz oftmals durchaus am rechten Fleck, jedoch steht das Parteiwohl mitunter über dem Allgemeinwohl. Das Problem bei großen Teilen der Basis ist, das sie sich mit linken Parolen ködern läßt, jedoch von der Spitze in eine völlig andere Richtung manövriert wird. Ich habe schon Skrupel von einem Ruck zu sprechen, denn dieser ging schon durch die Gesellschaft und war keineswegs positiver Natur. Aber die Basis müßte als Partei per se wieder Momentum erlangen.

6 Antworten zu “SPD: Köhler for president”

  1. Carlos sagt:

    Kann ja sein, das es Angst ist bei dem, was von der SPD-Basis noch übrig geblieben ist, ich nehme aber mal eher an, es gibt einfach keinen mehr von den SPD-Politikpfeifen, dem die Basis das noch zutrauen würde.
    Ich würde ja Stoibär vorschlagen, der ist zwar nicht in der SPD, aber dann hätte das Amt des Bundespräsidenten wenigstens noch einen gewissen unterhaltungswert :-)

  2. Oliver sagt:

    Ich denke eher man hat im Moment Angst davor Gesine Schwan zu nominieren, ob der damit fälligen Unterstützung durch die Linken. Just von Lafontaine angekündigt und schon einmal (damals noch die PDS) zur Anwendung gekommen.

  3. Chris sagt:

    Herrlich. Nominiert die SPD Köhler, oder trägt sie ihn zumindest mit, ist sie das kleine Anhängsel der Union. Nominiert sie einen eigenen Kandidaten, wird die Union es genüsslich auszuschlachten wissen, dass die Linken ebenfalls für diesen Kandidaten gestimmt haben.

    Aus dieser Falle werden sie nicht rauskommen.

    Selbst schuld. Wann ist Beerdigung? 😉

  4. fenrir sagt:

    Ach ja die «Spezialdemokraten». Eine Partei so in den Bereich Witzfigurette zu manovrieren ist schon erstaunlich. Noch erstaunlicher einen solchen Kandidaten wie Köhler zu unterstützen. Dieses blasse neoliberale etwas :-) . Mir kaum verständlich warum so viele den gut finden sollen.

    Wahrscheinlich aufgrund einer Umfrage im neoliberalen umfeld :-) .

  5. Grainger sagt:

    Mir kaum verständlich warum so viele den gut finden sollen.

    Das frage ich mich auch immer bei den angeblich so guten Umfrageergebnissen von Tante Merkel.

    Wieso ist die so beliebt?

    Da mein persönliches (reales, soziales, berufliches, virtuelles, usw.) Umfeld das in keinster Weise auch nur annähernd wiederspiegelt (noch nicht mal unter den CDU-Parteianhängern meines Bekanntenkreises) neige ich zu der Vermutung, das die beauftragten Meinungsumfrage-Institute einfach das vom Kunden gewünschte Ergebnis liefern.

    Anders kann ich mir das nicht mehr erklären.

  6. Franz sagt:

    Das hieße ja, dass die SPD zu dämlich ist, eine Beck-freundliche Umfrage in Auftrag zu geben.

    Dass sie so weit gesunken sein soll, wundert mich denn doch. 😉

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