SPD — die Bedeutungslosigkeit

Was kann für eine politische Partei schlimmer sein, als am Ende zu sein, als dass ehemalige Unterstützer von einem Trauerspiel und dem politischen Ende des Vorsitzenden sprechen — wenn sie einfach nur noch das Grab zuschütten wollen? Ich denke, das Schlimmste für eine Partei muss es sein, dauerhaft in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, den Status Volkspartei nicht nur an der absoluten Anzahl der Wähler zu verlieren, sondern dauerhaft in Prozenten. Es muss erschrecken, wenn nach erneut dramatischen Umfragewerten kein Kommentar der Leitmedien nach dem Warum fragt, wenn einfach mit die SPD in der Bedeutungslosigkeit als normale Nachricht auf Seite 3 umgegangen wird. Nach Fehlern, auch nach einem Ende kann man wieder aufstehen — mit frischem Elan ans Werk gehen. Die SPD hat, um nur die jüngste Vergangenheit bundespolitisch anzusprechen, nach der Agenda 2010 mit Kurt Beck nun schon den 4 Vorsitzenden in 3 Jahren [sic!] verschlissen. Die Umfragwerte sind ohne Zweifel dramatisch. Frage: wen interessierts?

Das Umfrageinstitut FORSA hat die neuesten Zahlen vorgelegt. Die Union erreicht mittlerweile 37%, die Genossen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, nur noch 26% der Wählerstimmen erreichen. FDP mit 12%, Grüne und Linke mit jeweils 10% komplettieren das Bild. Demnach würde es — und das in heutigen Zeiten, das ist unglaublich — für eine neoliberale Regierung mit Tante Merkel und Westerwelle reichen. Man wählt halt doch lieber das Original, als die billige Kopie. Beck, Bütikofer, Lafontaine — wer soll die in heutiger Zeit noch wählen? Ich — und viele andere — ganz bestimmt nicht.

Die SPD war einst die Arbeiterpartei, heute ist sie die Partei der Anwälte, Konzernchefs und Heuschrecken. Gerhard Schröder wurde nicht umsonst Genosse der Bosse genannt. Würde die Linke sich nicht zu sehr mit interenen Grabenkämpfen (WASG — PDS, parteiinterner Einigungsprozess, etc.) beschäftigen, also schon diesen Part der SPD abgenommen haben, würden noch einmal 10% der Wähler von der SPD zur Linken wandern, daran besteht für mich gar kein Zweifel. Wenn man da draußen mit den Leuten spicht, bekommt man (im Moment) noch zu hören — die Linken, die sind unwählbar. Und so wird das Kreuz noch bei der SPD gemacht, oder man hat gar ganz umgeschwenkt, und schwingt jetzt das Angie-Schild ob derer grandiosen Erfolge, wie der Mehrwertsteuererhöhung oder das Einreißen unserer Verfassung ihres Innenministers.

Zweimal habe ich hier bereits die Frage gestellt, wen es interessiert. Die Medien nicht mehr, die SPD in der Bedeutungslosigkeit der Bundespolitik, im Fußball würde man sagen, im grauen Mittelfeld kurz vor den Abstiegsrängen, das ist alles Normalität. Es ist weit und breit kein Chefredakteur in Sicht, der da auch mal wachrüteln will. Und auch die SPD selbst hat sich mit dieser Situation ganz einfach abgefunden. Das ist das eigentlich Unfassbare. Der Vorsitzende träumt von einer Ampelkoalition, während die ganz jungen darauf warten, dass die ältere Gilde abtritt, so kann man dann endlich mit den Grünen und den Linken das Land regieren. Kein Aufbäumen, kein Kampf — die SPD im grauen Mittelfeld — mittlerweile — der Regionalliga, und die Partei selbst hat es akzeptiert.

Wenn sie es dann irgendwann versteht, dann und nur dann ist es ein erster Schritt, nochmal das Ruder rumzureißen. Doch daran glaube ich nicht — wenn schon die SPD-Linke und der Seeheimer Kreis Massengruscheln veranstalten, ist alles zu spät. Und wenn doch das große Wunder geschieht, wird die SPD Jahrzehnte brauchen um nach ihrem Verrat am eigenen Klientel wieder Vertrauen aufzubauen. Bis dahin werden wir Woche für Woche Zeuge einer Tragödie sein — nur das diese Tragödie auf keiner Bühne stattfindet, sondern Auswirkung auf unser aller Leben hat.

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2 Antworten zu “SPD — die Bedeutungslosigkeit”

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