So tun als ob

Bananenrepublik Deutschland | OpenClipart.org | CC-LizenzIch habe gerade so getan, als würden wir in unserem Land in einer Demokratie leben, und mein Kreuzchen beim Hamburger Volksentscheid gesetzt. Hamburg und Demokratie, Volksentscheide, das ist so eine Sache für sich, und so war ich doch leicht überrascht, dass dort im Abstimmungsraum wirklich Leute saßen, die den ganzen Quatsch ernst genommen haben — obwohl, die kleine Süße war ja echt schnuckig. *g* Ole von Beust mimt ja hier in unserer Hansestadt den Führer, er wurde durch niemand anderen als Ronald B. Schill auf den Thron gehoben. Und dem Herrn aus der CDU ist — salopp gesagt — der Wille der Bürger völlig egal, er handelt sogar gegen den erklärten Willen des Volkes. Das gefällt manchen Bürgerinitiativen nicht — sie wollen die Demokratie stärken. Ich hab da mal zur Wikipedia verlinkt, damit Ihr auch nachlesen könnt, was Demokratie eigentlich sein sollte — man muss ja auch wissen, wovon man redet. Unser Land jedenfall ist eine Parodie dessen, was eine Demokratie sein sollte — dazu lässt sich auf F!XMBR sicherlich einiges finden.

Volksentscheide sollen in Hamburg zukünftig für die Politik bindend sein — dazu werden über 600.000 Stimmen benötigt, zum Vergleich: Bei der letzten Bürgerschaftswahl bekam die Hamburger CDU knap 390.000 Stimmen — und erreichte damit die abolute Mehrheit. Man kann also davon ausgehen, dass es verdammt eng wird mit den Stimmen, die erreicht werden müssen. 😉

Ich gehe aber von einem kleinen Achtungserfolg aus, die CDU wird jubeln und das als Auftrag sehen, weiterhin gegen den erklärten Willen des Volkes zu handeln (ja, genauso argumentieren die Herren und Damen Politiker), die SPD wird jammern — und sobald die Abstimmungsräume geschlossen werden, ist das Sachthema sowieso Geschichte, und wir können uns wieder auf die Parteipolitik konzentrieren — zumal nächstes Jahr Bürgerschaftswahlen anstehen. Die führende CDU, die Partei mit dem Sockenschuß, eine nicht existente FDP, eine immer starke Grüne in Hamburg und die Linke, die in Berlin eindrucksvoll beweist, dass sie zu großen Teilen aus der SPD hervorgegangen ist, zumindest in den alten Bundesländern. Zu der Geschichte in den neuen Bundesländern sage ich mal lieber nichts. *g*

Da hat man schon beeindruckende Möglichkeiten.

Nachdem ich gerade nochmal auf der Webseite zum Hamburger Volksentscheid gestöbert habe, kam mir ein wunderbares Zitat unter. In den FAQ’s steht geschrieben:

Ist das Volk bei komplizierten Sachfragen nicht überfordert?

Wer so argumentiert, stellt Demokratie grundsätzlich in Frage.

Und genau das ist doch — seit Jahren — die Argumentation der (Berliner) Politikkarikaturen. Was das für unsere Demokratie heißt, ach, wat solls , die Kleine hatte aber auch ein süßes Lächeln, ich geh nochmal zurück… 😉

Eine Antwort zu “So tun als ob”

  1. phoibos sagt:

    nun ja, der volksentscheid ist gescheitert, nur 40 statt 50% der hamburger wahlberechtigten haben ihre kreuzchen gemacht. zufall, dass der abstimmungstag auf das erste ferienwochenende und nichtwahltag fiel? ich glaube nicht.
    die cdu kann jetzt aber erstmal weiter schön am volk vorbeiregieren. gucken wir mal, wie es im februar aussieht für unsere volksz^Hverrät^H^H^Htreter.

    ciao
    phoibos

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